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Anzeige- und ^<nüsksatt für den Kreis Hießen.
J¥o. 2t>7. Dienstag den 21. December IS95.
Ämtsicher Th eil.
Nr. 31 deS Reichs-Gesetzblatts, ausgegcben den 11. l. Mts., enthält:
(1091) Bekai'ntmochuna, betreffend die AußercourSsetzung der Guldenffücke süddeutscher Währung, sowie die Einlösung der vom 1. Januar 1876 ab außer Eaur» tretenden ScheidemKnzen süddeutscher Währung. Dom 10 December 1875.
Gießen, am 18. December 1875.
Großherzogliche« Kreisamt Gießen.
________________________________________________p. Roder__
Bekannt in a ch n n g.
GroßherzoglichrS Riinisterium de« Innern hat bind) höchste Verfügung »om 14 d. M ben Antrag de« Gemeindevorffonbe« von Lich, daß von 1876 an von jedem in der Gemeinde unb Gemarkung pich gehaltenen Hund eine Abgabe von 2 Mark jährlich ju Gunsten btr Grmeindekasse von Lich erboten werde, genehmigt.
0 6 wird dir« hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht
Gießen, den 18. December 1875.
GroßherzoglicheS Kreisamt Gießen.
v. Röder.___________________________________________
Gießen am 20. December <875.
Betreffend: Die Einführung der Reich«markrechnung, hier die Bestimmungen über
EtaatSpapiergeld und Banknoten der Gulden Währung.
Das Großherzogliche KreiSantt Gießen
an die (^roscherzoqlichen Bürgermeistereien.
Nachstehende« Schreiben der Großherzoglichrn HauptstaatS-Kasse-Direction thrilen wir Ihnen im Abdruck zur Krnntnißnahme, Bedeutung der Rechner und Bekanntmachung in den Gemeinden mit.
v. Röder.
Darmstadt, den 17. December 1875.
Betreffend:
Wie eben. ,
Die Großherzogliche Haupt-Staats-Kasse-Direclioa
an die Grokdenoalichen Kreisämter.
Stach einer Benachrichtigung der Großherzoglich Badischen General-Staatskasse in Karlsruhe ist durch Gesetz vom 3. b. M ba« Großherzogin- Babtsche Staat«-
Papiergeld vom 1. Januar 1876 ab für ungültig erktäit worden unb kann die Annahme desselben nur di« zum 31. December b. I an der General-Staatskasse «folgen
Wir habin in Folge dieser Bestimmung die sämmtlichen fiScalischen Kassen oufgesordert ihre Dorräthe bi» läntfter« 25. b- M. an un« einzusenden und keine Scheine bitfcr Ait ferner anzunehmen mit dem Änsügen, daß wir unsere letzte Sendung am 27 d. M. an die Gcneral-Stoalskossc abgehen lassen werden
Da nach den seitherigen Bestimmungen angenommen morden ist, daß die Einlösung bi« zum 31. b M. bei den heisischen Kasten erfolgen unb bte Abliese ung der
bi« babin eingenommenen Scheine in den eisten Tagen im Monat Januar 1876 noch geschehen könne, so verfehlen wir nicht, Sie zur Wahrung der Intereffen der Bewohner Ihre« Kreise« von dieser Anordnung in Folge der neueren Bestimmungen ergebenst in Kenntniß zu setzen.
Seibel. Michels.
politischer Their
veutschtanv.
Darmstadt, 18. December. In Obernheim und Sprendlingen in Rheinhessen wurde mit 26 gegen 1 Stimme die Einführung von Eommunal- schulen beschlossen.
Darmstadt, 19. December. Es wird gegenwärtig wieder lebhaft für den van einer dirrcten Babn von Offenbach nad) Darmstadt agitirt. Die betr. Permeffungen und Voranschläge sollen bereits vorliegcn und das Projekt von militärischer Seite so befürwortet werden, daß deffen Verwirklichung in aller Kürze zu erwarten sein dürfte.
Mainz, 18. December. In der Rödelheimer Kirchensache ist trotz aller Ableugnung des „Mainzer Journals" die Untersuchung auf Antrag des Ober Präsidiums zu Kastel durch die Staats-Anwaltschaft zu Wiesbaden ausgenommen worden, und auf deren Requisition sind gestern bereits ter Btschvs und der Tom-Eapiiular Lr. Huffner von dem hiesigen Untersuchung- Richter vernommen worden. Dem Vernehmen nach hat der Bischof unter Zugcständmß der Thatsachen sein .Recht" zu den »on ihm in der Rödelheimer Kirche vorgenommenen und veranlaßten gottesdienstliche» und pfarramtlichen Handlungen betont.
Berlin, 17. December. Zur Beurtbeilung der traurigen und für die Menschheit beschämenden Vorgänge an der englischen Küste von Harwich muß man sich erinnern, daß mit Ausnahme der größeren und mit Häfen versehenen Seeplätze die an anderen Stellen vorhandenen Rettungsboote von reichen Pri« vatleutcn oder Gesellschaften den betr. Städten geschenkt sind. Auch der ,Liverpool", der die ganze Nacht geheizt hatte, aber erst am anderen Morgen zur Hülfeleistung auslief, ist privates Eigenthum. Tie Stadt Harwich, wie aus der Zeugenaussage de« Mayors hervorgeht, hatte früher ein Rettungsboot zum Geschenk erhalten, ließ es aber gedankenlos verfaulen. Lord Strafford soll der Stadt Harwich das Geschenk eines Rettungsbootes unter der Bedingung in Aussicht gestellt haben, daß sie cs nicht wieder zu Grunde gehen laste. Auch der Secretär der Nationalen Rettungsboot-Gesellschaft soll deswegen mit der Stadt Harwich eine Correspondenz eröffnet haben.
Berlin, 17. December. Zur Katastrophe in Bremerhaven wirde der „Nordd. Allg. Ztg." geschrieben: Es dürfte Angesichts dieses noch nie dagewesenen ruchlosen Verbrechens angezeigt sein, auf das Verschwinden der „City
of Boston" hinzuweisen. Das Schiff verkehrte zwischen Liverpool und Boston, — also auf einer äußerst befahrenen Route — und ist seit 4 Jahren mit 250 Personen verschollen. Auch nicht eine Spur ist seit dem Tage, da die „Ci'v of Boston" den Hafen von Boston verlassen hatte, aufgefunden worden, kein Schiff hat daS verschwundene angctroffen. Unwillkürlich drängt sich hier 'die
Vermuthung auf, ob nicht ein ähnliches Verbrechen damals begangen sein mag. Eine Explosion, wie die in Bremerhaven, wenn sie auf offener See im Packraume eines Schiffes erfolgt, muß das Schiff in tausend Trümmer zerstückeln und alles Lebend« auf demselben rettungslos vernichten. Thomas war Amerikaner, war oft, wie er gesteht, in England und auch wohl kein Neuling mehr auf dem Wege des Verbrechens.
Berlin, 17. December. Der „Reichs-Anz." theilt eine Anfrage des englischen Staats- Secretärs Lord Derby an den deutschen Botschafter, Graf Münster, vom 8. December mit, in welchem derselbe Nachricht erbittet, ob die kaiserliche Regierung über den Untergang deS Schiffes „Deutschland" eine amtliche Unte>suchung in England abgehalten zu sehen wünsche. In dem „Reichs- Anzeiger" wird zugleich die Antwort des Grafen Münster vom 11. d. Mts. veröffentlicht, in wclcher er sich im Namen der deutschen Regierung mit der Unterslichung durch die englischen Regierungs-Behörden einverstanden erklärt und für die dabci bekundete Bereitwilligkeit dankt
Berlin, 18. December. Der Reichstag hat die drei Muster. Schutz- Gesetze in der definitiven Schlußabstimmung angenommen. Ferner wurde der Re,chrhaushalts-Etat m dritter Lesung nach den in der zweiten Lesung gefaßten Beschlüssen genehmigt. Delbrück erklärte, daß er heute die im Namen des Bundesraihs bei der zweiten Berathung des Etats Seitens der Finanz-Ver- waltung des Reiches abgeg.be, e Erklärung, nach dem Finanzplane der Eom- nilssion zu wirtbfchaften wiederholen könne. Nach der Erledigung von zwei kleineren Vorlagen wird di« nächste Sitzung auf den 19. Januar anberaumt.
Breslau, 18. December. Das „Schief. Kircher blatt" erfährt, daß Oesterreicb sich entschlossen habe, die Lostrennung des österreichischen Theils der bischöflichen Diöcese Brcslau zu vollziehen, und der Papst, sowe Fürstbischof Tr. Förster ihr Einverständn ß bereits erklärt hätten. Gegcnwärtig werde mit dem Nuntius über die Angelegenheit verhandelt. Wie verlautet, gedenkt die österreichische Regierung aus österreichisch Schlesien und einem Theil des Llmützcr Erzbisthums ein Bisthum Teschen zu bilden.
Bremen, 17. December Die Zahl der in Folge der Explosion Ge- .tödteten beträgt dis jetzt über 80, die Gesammtzahl der Todten und Verwundeten nach weiteren Ermittelungen 200.
Bremerhaven, 14. December. Unser Hafenort, so schreibt man von hier der „Weser-Ztg." hat heute eine traurige Pflicht erfüllt — einer großen Anzahl der durch die schreckliche Katastrophe Getödteten das letzte Geleite gegeben. Schon von 6 Uhr Morgens an ist man mit der traurigen Arbeit beschäftigt gewesen, die Särge aus dem Leicherhause beim Bremerhavener Hospital
'auf einige 30 mit Trauerflaggen und Kränzen bedeckte Wagen zu schaffen und letztere in einer langen Reihe am unteren Ende der Grünerstraße aufzustellen.


