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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hießen.
Frctluq den 13. Anquft
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politischer Theis.
Deutschland.
Berlin, 10. August. Zur weiteren Erleichterung der Einziehung von Geldern mittelst Postaustrages werden die im § 34 der Postordnung vom 1b. December 1874 unter 3 enthaltenen Bestimmungen über die Bestellung gewöhnlicher Briefe an dritte Personen durch eine Bekanntmachung des Reichs, kanzlers vom 7. d. Mts. in solchen Fällen, wo der Adressat oder dessen legiti- mirter Bevollmächtigter von dem bestellenden Boten nicht angetroffen wird, in der Weise auf Papiere, welche den Postanstaltcn im Postauftragsverkehr zu- gehen, ausgedehnt, daß diese Papiere gegen Zahlung des dafür einzuziehenden Betrages auch an die in den obigen Bestimmungen bezeichneten dritten Personen ausgchändigt werden dürfen. Als Zahlungsverweigerung im Sinne des § 20 der Postordnung unter 10 gilt jedoch nur eine dessallsige Erklärung des Adressaten selbst oder deffen legitimirten Bevollmächtigten.
Merlin, 10. August. Auf dem Schlachtselde von Wörth hat am 6 August ein bemerkenswerthes Fest stattgefunden. Es wurde ein Denkmal eingeweiht, welches den in der Schlacht gefallenen französischen Soldaten „vom Elsaß" errichtet worden ist. Nach den Darstellungen der elsässischen Organe sollte damit lediglich einer Pflicht selbstverständlicher Pietät ohne alle Hintergedanken genügt werden. Eine nüchterne Beobachtung ließ jedoch bereits im Voraus erkennen, daß eS auch auf eine politische Kundgebung abgesehen war. Man braucht nur die jetzt vom Elsässer Journal veröffentlichten, bei der Feier gehaltenen Reden zu lesen, um das Unheil bestätigt zu finden.
Berlin, 10. August. Bei dem Banket, welches anläßlich der O'Connel- Feier am 6. d. Mts. in Dublin stattsand, sprach nach einer dem „Kuryer isozn." zugebenden Mittheilung im Namen Frankreichs der Bischof von Nantes, im. Namen Deutschlands der Reichstags - Abgeordnete Baron Wendt und im Aamen Polens der Reichstags-Abgeordnete Prinz Edmund Nadziwill, Dicar in Cftrowo. — Der „Schles. Presse" meldet man von der russisch-preußischen Grenze, 8. August: In unmittelbarer Nachbarschaft mit der russisch-polnischen Grenze liegt in Oberschlesien das Torf Groß-Dombarwka. Der dort befindliche Teich, der auch die Anlage einer auf dieffeiligem Gebiete liegenden Waffer- mühle veranlaßt hat, gehört mit der anderen Hälfte zu Rußland. Der Müller indeß hat durch einen Pachtzins von 10 Thlrn., welchen er an Rußland zahlt, die Fischercibenutzung für den ganzen Teich erworben. Als nun am vergangenen Dienstag ein Fischfang stattfand, kamen einige in der Nähe stationirte russische Grenzsoldaten zu dem Müller, der sie eben so freundlich mit Esten und Trinken bediente, als seine beim Fischfang anwesenden und mithelfenden L.mdslente. Jetzt stellten die Rusten aber die Forderung auf den halben An- tbeil an der aus dem Teiche gewonnenen Beute, was rundweg abgeschlagen wurde. Da entstand ein Streit, der bald in Thätlichkeiten ausartete. Die Nassen nahmen ihre Seitengewehre, legten- auch eine geladene Pistole auf ihre Gegner an, sahen sich aber bald entwaffnet und schmählich besiegt ; mit Hinter- lastung von zwei Seitengewehren mußten sie das Schlachtfeld räumen, aber einer von ihnen wurde so jämmerlich zugerichtet, daß seine sofortige Aufnahme in einem Lazareth nöthig wurde. Die Angelegenbeit wird wohl Ursache zu einer gerichtlichen Untersuchung abgeben.
Berlin, 11. August. Auf den deutschen Münzstätten soll eine große Thätigkert herrschen, welche sich auch auf die Herstellung silberner Fünszig- pfennigstücke erstreckt. Die Ausprägung der letztgedachten Münzpiscen ist bekanntlich erst vor einigen Monaten beschlossen worden. Die im laufenden Jahre für Rechnung des Reiches und zwar ausschließlich in Zehn-Markstücken auSzu- bringkiide Goldmünze wird sich auf 60,0t0 Pfund fein belaufen, wovon auf he köiiial. preuß. Münzstätten 54,5 pCt entfallen.
Monn, 10. August. Bei P. Neuster dahier ist das nach den Beschlüffen bei beiden ersten Svnoden der Altkatholiken herausgegebene katholische Rituale trschienen. Dastelbe enthält außer den Formularen für die Spendung der Lacramente eine ausführliche Einleitung, welche namentlich den Gebrauch der deutschen Sprache motivirt, und bringt ferner erläuternde Anmerkungen zu den einzelnen Formularen. Das Büchlein kann also auch allen Laien, welche die bett, katholischen Ceremomen und ihre Bedeutung genauer kennen zu lernen wünschen, empfohlen werden.
BreSlau, 9. August. Der Altkatholiken - Eongreß, welcher vom 20. bis 22. August am hiesigen Orte stattfinden sollte, ist bis auf Weitere- ausgesetzt worden.
Posen, 9. August. Die hiesigen ultramontanen Blätter begnügen sich mit der Mittheilung der bloßen Tdatsache der geheimen Flucht des Erzbischofs von Paderborn und enthalten sich jedes Unheils darüber. Der polnisch national-liberale „Dziennik Pozn." dagegen unterzieht die That des Exbischofs Martin einer moralischen Kritik und sinder sie eines Bischofs und überhaupt eines Ebrenmannes durchaus unwürdig. „Nach unserer Auffassung der Sache" — schreibt das Blatt — „kann das Unheil in dieser Angelegenheit nicht zwei- selhaft sein. Wie der Bischof von Paderborn einerseits den Beweis gegeben hat, daß die deutschen Bischöfe einen Zusammenstoß mit den Staatsbehörden möglichst zu vermeiden suchten und noch suchen, so hat er andererseits allgemein die peinliche Ueberzeugung hervorgerufen, daß er nicht zu leiden versteht
und nicht leiden will für die Idee, für welche zu leben und zu leiden seine Berufspfiicht war."
Au-S Kurheffeu, 8. August. Herr Dilmar, „renitenter Pfarrer und Metropolitcm" (wie er sich selbst unterschreibt) in Melsungen, veröffentlicht in den eben erschienenen „Hest. Bl." folgende schwülstige Erklärung:
„Künftigen Montag, den 9. d. Mts., trete ich meine erste fünftägige Haft wegen der von mir verrichteten Amtshandlungen an Ich sehe darin eine weitere Versiegelung (?) meines Glaubens, daß ich das Amt, welches ich empfangen habe, nicht von Menschen und auch nicht durch Menschen trage, son- durch Jesum Christum und Gott den Vater, welcher ihn von den Todten auferweckt hat, und daß ich in dessen Namen gehandelt habe und handle. Ich bitte daher alle die, welche mit mir diesen Glauben theilen und durch diesen Glauben mit mir verbunden sind, Herzen und Hände zu erheben zu Gott im Gebet, daß ich in diesem Glauben je länger, je mehr gestärkt werde und in diesem Glauben beharre ich bis an mein Ende. (Reis für Rom!)
^ussck, 11. August. Ein Erlaß an die hiesigen Stadt-Behörden spricht die Theilnahme des Kaisers an dem Hinscheiden dcS Ober-Bürgermeisters Nebel- thau aus.
Dresden, 11 August. Dem „Tresd. Journ." zufolge wird der König von Sachsen bei der Enthüllung des Hermanns-Denkmals durch den General Adjutanten General-Lieutenant Krug von Nidda vertreten sein.
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Paris, 10. August. Nach den jetzt bekannten Beschlüffen der internationalen Jury der geographischen Ausstellung wurde die höchste überhaupt verleihbare Auszeichnung, bestehend in einem Ehren-Diplom, der geologischen Landesanstalt und königl. Berg-Akademie in Berlin verliehen. Dieselbe Auszeichnung erhielten ferner der schwedische Generalstab, das geographische In stitnt in Christiania, der dänische Generalstab, das schwedische und norwegische geologische Institut, Profeffor Nordenskiold und Baron v. Offen.
Italien.
Rom. In Italien wird die Exmittirung derjenigen Bischöfe fortgesetzt, welche die Staatsautorität nicht anerkennen und das Exequatur nicht nachsuchen wollen. Die Erzbischöfe von Palermo und Monreale haben es vorgezogen, ihre Paläste selbst zu räumen. Eigenthümlich bleibt das zwiespältige Verhalten des italienischen Episcopats in dieser Frage. Während sich der größere Theil der ohne staatliche Zustimmung amtirenden Bischöfe neuerdings um dieselben bewerben, um liicht ihrer kirchenfürstlichen Behausungen verlustig zu werden, haben etwa zehn Krummstabttäger sich veranlaßt gesehen, in ihrer Renitenz zu ver- harren. Immerhin hat das einfache Mittel der Palastkündigung mehr genutzt, als man davon erwarten konnte. Man sieht hieraus, wie leicht eg der Regierung wäre, den keineswegs martyriumslüsteinen Episcopat der Halbinsel zu Paaren zu treiben. Man braucht hierzu nur ernsten Willen und konsequentes Vorgehen. Freilich sind das Dinge, von denen sich das Eabinet Minghetti bisher nichts träumen ließ.
lEngfanö.
London, 11 August. Manning hat gestern hier den Grundstein zu der dem heiligen Bonifacius geweihten katholischen Kirche für hiesige Deutsche gelegt. Tie in den Grundstein eingeschloffene Urkunde besagt, der Bau der Kirche habe in böser Verfolgungszeit, während deutsche Bischöfe gefangen getreten und der Posener im Kerker den Cardinalshut empfangen habe, zur Erinnerung an die unwandelbare Treue der deutschen Kirche stattgefunden. Manning erklärte, ihm gingen fortwährend Gesuche ausgewiesener Priester und Nonnen um Aufnahme in England zu. — Tie Königin Victoria hat vom König von Italien sechs italienische Pomes zum Geschenk erhalten. — Es geht von verschiedenen Seiten das Gerücht, im Ministerium stände ein Personenwechsel bevor.
Spanien.
Madrid, 9. August. Die Ex-Königin Isabella muß sich nach wie vor gefallen laffen, fern von Madrid über sich selber nachzudenken. Sie verließ gestern Paris und begab sich nach Randon, dem Landsitze deS Herzogs von Montpenfier, wo sie zwei Tage verb-ingen wird. Von dort geht sie nach Belgien, um bei dem Herzog Fernan-Nunez, der dort große Güter besitzt, einige Zeit zu verweilen. Wie man der „Köln. Ztg." schreibt, befindet sich der bekannte Marfori noch immer in Paris und spielt fortwährend eine einflußreiche Rolle. Bekanntlich trat er vor einiger Zeit seine Rückreise nach Spanien an; er kam aber nickt weiter als bis Tours und kehrte von dort in die französische Hauptstadt zurück. Die in Madrid erscheinende „Corresvondencia" erwähnt eines Briefes, in welchem rmtzetheilt wird, daß Donna Margarita nicht nach Trou- ville gegangen sei, sondern ihren Gemahl Don Carlos besucht habe, um ihn zu veranlassen, daß er den Kampf vor vollständiger Niederlage ausgebe und in ber Erwartung besserer Zeiten sich der Erziehung seiner Kinder annehme. Dieser


