Plenar-Debatte sich Vorbehalte. Namen- de- Ministerium- erklärte Pfretzschner gegenüber den Angriffen, welche der in vielleicht nie dagewesenem Tone gehal. tene Tep ver Adresse zum Au-druck bringe, und gegenüber den einleitenden Bemerkungen Jörg'- in der gestr qen AuSschußfitznnz, daß da- Ministerium in- soweit solidarrsch sei, als alle Mitglieder für prrncipielle Acre einstehen und sich gegenseitig decken. Au- der durch die liberale Parte« erfolgten Wahl des Iustizminifters in den Landtag gehe nicht hervor, daß Fäustle ober da- Mrnf steruim der national-liberalen Partei angeböre, im Gegentherl müffe Redner erklären, daß kein Mitglied de- Ministeriums einer der zur Zeit bestebenden geschloffenen politischen Parteien angehöre; die Folgerungen ISrg's au- der Wahl Fäuftle'S seien also hinfällig. Auf die übrigen Angriffe der Adreffe be- halte sich der Minister die Antwort für die öffentlichen Verhandlungen vor. Der Beginn der Plmar - Debatte findet wahrscheinlich nächsten Mittwoch den 13. d. MtS. statt.
Mibttctren, 9. October. Der Adreß«Entwurf an die Brone lautet: „Indem die neugewählte Stammet der Abgeordneten dem Throne naht, um ihre Huldigungen darzubringen. liegt ihr vor Allem die traurige Pflicht ob, Sw. Majestät den Ausdruck des tiefsten Beileid- mit den schmerzlichen Verlusten darzubtlngen, die das königliche Haus in kurzer Frist Schlag auf Schlag erlitten hat. In guten wie in schlimmen Tagen mit dem Lande innig verwach« sen, haben he Hingeschiedenen sich ein dankbare- Andenken begründet, das nie erlöschen wird. Das bayerische Volk hat den Augenblick ersehnt, wo es seinen Vertretern wieder vergönnt sei, ihre Bitten und Anliegen unmittelbar zu den Füßen des Throne- niederzulegen. In jeder Bedrängmß erwartet diese- Volk Hülfe und Rettung nur von seinem König und Herrn. Heute aber richtet es mehr al- je bittende Blicke auf Ew. Majestät, denn mehr al- je fühlt sich daö bayerische Volk bedrängt durch die friedlose Lage der Gegenwart und geängstigt durch drohende Gefahren einer ungewissen Zukunft. Daher sind im ganzen Lande die jüngsten Landtag-»Neuwahlen als ein Moment von entscheidender Wichtigkeit betrachtet; aber die gegenwärtige Regierung wollte nicht, daß der Hülssruf des bayerischen Volkes an Ew. Majestät gelange. Mit allen er- findbaren Mitteln gegen den Geist und den unbefangen interpretirten Buchstaben de- Gesetzes hat sie da- Zustandekommen einer Abgeordnetenkammer zu Verbindern gesucht, wie solche bei unparteiischem Wahlvollzug sich ergeben haben würde. Die Reuwahlen sind auf Grund einer Wahlkreis - Eustheilung vorge nommen, bei welcher nicht das Recht und die Gerechtigkeit die Hand geführt, sondern die Absicht, die wahre Meinung und Gesinnung der großen Mehrheit des bayerischen Volkes zu unterdrücken, desjenigen Volkes, welche- unter allen Umständen seine Treue und Anhänglichkeit bewährt hat. Wie das Beispiel der obersten Behörde durch untergeordnete Organe bei der Anordnung der Unvib len nachgeahmt worden, davon werden die Wahl Prüfungen ein getreues Bild ergeben. Wenn das gegenwärtige Ministerium das Vertrauen des Landes zu besitzen gemeint hat, bann wäre es nicht auf Auskunft-Mittel verfallen, die selbst der Erfolg nicht zu beschönigen vermöchte. Nachdem aber der Versuch nicht einmal von dem gewünschten Erfolge begleitet war, hatte die neugewählte Kammer wohl erwarten dürfen, daß daS Ministerium durch seinen Rücktritt ihr die unliebe Nothwendiqkeit ersparte, mit einer Beschwerde Ew. Majestät zu be- Helligen. Das Land bedarf und ersehnt den Frieden und vertrauensvolles Zu- sammeiiwirkeu der Regierung und seiner Vertreter. Den hingeschwundenen Frieden wird aber weder eine Partei-Regierung, noch eine Regierung zu bieten vermögen, welche eine Seite deS Hause- gegen die andere verwendet, ohne jemals eine aufrichtige Unterstützung von einer ober der anderen Seite gewinnen zu können. Das Land ruft nach einer bayerischen Regierung, die sich, Recht und Gerechtigkeit zum alleinigen Leitstern nehmend, weder scheut noch sich zn scheuen Ursache bat, an Stelle eines erkünstelten Gleichgewichtes durch allseitig freie Wahlen beu wahren Ausdruck der Meinung und Gesinnung des bayerischen Volkes zu setzen. Nur eine solche Regierung wird, von der Volks-Vertretung nicht nur nicht behindert, sondern eifrig unterstützt, die erlahmende Regierung-' tbätigkeit neu beleben können. Nur eine solche Regierung wird auch im Höch- sten Kollegium des Reiches jenes Ansehen genießen, daß ihr reichsverfaffungs. mäßig gestattet und daS auch unumgänglich notdwendig ist, wenn nicht wie bisher em Stück nach dem andern von der bayerischen Krone, dem Lande und den Landesrechten dahinfallen sollen, in einem Interesse, das sehr weit entfernt ist, daS allgemeine deutsche zu sein. Jrn Geiste iimoanoelbarer Treue gegen Qiv. Majestät und opferwilliger Hingebung an daS bayerische Vaterland bringen wir diese Vorstellung an den Königsthron und bitten Sw. Majestät, aber» mal- das erhabene .Königswort vernehmen lasten zu wollen: „Ich will Frieden haben mit meinem Volke."
Oesterreich.
B>iett, *• October. Den Wiener Blättern telegraphirt man aus Prag. 7. Ocioder „Der von Prag um 7 Uhr früh abgeaangene Personenzug der böbiiiischcu Westbahn entgleiste bei Beraun und stürzte über die Böschung hinab. Näheres ist noch nicht eingelangt. In Folge einer telegraphischen Anzeige aus Beraun ging ein Hülfszug ans Prag auf die Unglücksstätte ab." Sin anderes Telegramm lautet: „Prag, 7. October: Nach einem an die Betriebsdirection der böhmischen Westbahn gelangten Telegramme sind bei Tekin eine Maschine und zwei Hu'telwageu ringlest, wobei der Heizer und der Maschinenführe» verwundet wurden; die Passagiere blieben unverletzt "
Leiliim.
Luxemburg, K October. Die Nachricht des Amsterdamer „öourant* von der beabsichtigten Abtretung der Luxemburger Krone an den Prinzen Heinrich lind besten Dejcer.denten entbehrt der Begründung.
Frankreich.
Puris, 9. October Der Militär - Attache bei der hiesigen deutschen Botschaft. Major v. Bülow, Flügel - Adjutant des Deutschen Kaisers, begab sich gestern nach Baden-Baden.
Der Polizei Präfekt Leon Renault ist, wie es he-ßk, von der Regie» rung beauftragt worben, über die Umtriebe der Bonaparttsten in ganz Frankreich eine Untersuchung anznstellen.
— Laut „Moniteur" ist die Unterzeichnung des neuen französisch»italienischen HandesveNrages noch nicht erfolgt, steht aber nabe bevor ; es würden nur einige Zollsätze erhöbt, da- handel-einheitliche Princip bleibt aber aufrecht.
— Heute hielten der Srzblschof und die Bischöfe, welche zu der Panier Universität ihre Zustimmung gegeben haben, ihre zweite Sitzung. In der gestrigen wurde em Breve des Papstes über die Eonstitutron der katholischen
Universitäten voraetragen. Heute wurde der R-ctor gewählt, der nach den Statuten em Geistlicher fein rn.ß Die Eröffnung der Vorlesungen soll am 5. December stattfinden.
ntadriL
Rom, 8. October. Der Papst bar heute den General Agar Pascha, einen Abgejaudten des Schahs von Persien. v.i feierlicher Audienz empfangen.' Dieser überreichte em eigen ändiges Schreiben fernes Gebieters und theilte gleichzeitig mH. daß derselbe die Geschenke des Papste- gern entzegengeuomme-, und seinen Behörden anempfohlen habe, den Katholiken in Persien die freie Ausübung ihrer Religzon zu gestatten.
Serßicit
(Lettinje, 8. October Die Insurgenten von Vagnami mid Sabine griffen die Türken bei Ljubinje an, schlugen dieselben und erbeuteten viele Pferde. Die Insurgenten befinden sich jetzt in einer verschanzten Stellung auf dem Povowofclde.
Belgrad, 8. October. Wie angeblich verlautet, hätte der letzte gestern gemeldete diplomatische Schritt der Großmächte den Zweck gehabt, Serbien ,neuerlich von jeder herausfordernden Haltung abzumahnen.
'Nelsgrad, 9. October. Die verlautet, ist da- neue Eabinet iu folgender Weise gebildet: Kaljeoics Inneres und Präsidium. Pavlovitsch Aeußerss, Prof. Boskovilsch SiiltuS, Prof. Narkovitsch Justiz, Major Sdravkovitsch Bauten, Oberst Nikolitsch Krieg, Iankooitsch Finanzen.
Belgrad, 9. October. Die Hochzeit der Fürstin Milan ist auf einige Tage verschoben worden, weil der von dem Kaiser von Rußland abgeschickte Specialvertreter für den morgenden Tag nicht eint reffen kann.
Lokal, Ä o t i
Gießen, 11. Oct. Wie wir seiner Zett berichtet baden, wird der llljährige Jo. Hannes Schneider aus Fauerbach a. H wegen einr» Eindruchdtedstahls i n Betrage von 20.0UO st. seitens des großberzoalichen Landgerichts Butzbach steckbrieflich -»eriolat Dieser Johannes Schneider soll am verstossenen ettaci von Oblau nab Breslau gefahren sein und sich während der Fahrt für einen Ornder in Ewil ausgcgcden haben. Man vermuthet ionach wodl nicht ohne l«rund, datz der «esuchte sich ge.ienwLetig in Br e-lau oder wenigstens doch noch m der Provinz Schlesien aushSIt
Vermiscdtes.
WormS, 5. Oct- Die .Wormser Zeitung' meldet: Wie wir erfahren, wurde dieser Tage ein hiesiger Schuhmacher, welcher sich schon längere Zeit dem Zrunf< und dem Müssiggänge derart dinuab, datz feine Familie, um mcht dem grötztm tflente prei-gegeben zu sein, auS der Stadtkiffe unterstützt werden mußte, durch sie Wenframeiie in da-, Ärbeit»lmus zu Dieburg gebracht, wo »eridbe nun ein ganz S I,hr flHejen- heit bat, an die Arbeit, vor her er sich seither so iebr sch ut , wieder zu »ewödien tfe ist dies der erste derartige Fall, der hier oorgekomm.m ist u,d stebt n ht. daß ihm noch mehrere solcher nachiolgen «m herar:i4c4 Verfahren w rd da- wirksamste Mittel fern, den ardeit-sädigea Individuen, welche wegen ihrer Lü>:rl chke't oder Arbeitsscheu der fo sehr in Anspruch genommenen nLdtischeo flnnenoeraultana sortwährend zur Last fallen, die UnterstützungSwohnsitzgeoanken au» dem Kav'e zu vertreiben.
— (Ein Souffleur in Aengsten.) In dem Städtchen H., welchez sih. wie die meisten umliegenden Ortschaften, auch eine» Liebhadertheaters erfreut, tollten am or stossenen Sonntage nach überstandenen Sommerserien die Mukendallen zum ersten Male wieder geöffnet werden und zwar mit Holdein's ,S»ang nach dem Hisenhammer* Da» Hau- ist gut besetzt. Alles wartet auf den Anfang. Das Klingelznchen ertint, der Vorhang soll in die Höhe gehen, da vermißt man den Souff! ur; man ruft nach -am, endlich erscheint er schweißtriefend. Mit einer kurzen Entschuldigung für fein Zuspäf kommen öffnet er die Kl >ppe und verschwindet tn der Unterwelt; * ump> geht der Vorhang doch, der «ras von Savern tritt auf. um seinen Monolog zu begi.nen, einen Augenblick tiefe Stille — da ertönt plötzlich aus der tiefe ein gräßliches Geheul und Geschrei, dessen Bedeutung den Zuichruern im nächsten Augenblick dad rch klar wird, daß her Souffleurkasten in’« Publikum hineinfliegt und fein Ink »sie mit blutende u. zerkratztem iAesicht, sich mit einer mächtigen Kitze derumdalgend. Aller Augen sihtdar wird. Das Tdier hatte sich den mit einem Polsterkisien versehenen «eichen Sitz des Souffleurs zu seiner Niederkunst auserfeden und ferne Jungen da geworfen unb war der unglückliche, nichtsahnende Ohrenbläser in bi« Kuftennest bmeiaicraibea. D e Schwerter de« tapferen Saoern. sowie der übrigen Itblen befreiten ihren unterirdischen Helfer jedoch dnlo aus feiner verzweifelten Laze und machten der drolligen Scene So em Eure.
— Im .111 V proponirt die Lonfeciwnsdame Paula Erbswurst dem Finanz- Minister Camphausen folgende zeitge näße Sieuerr.foim. .Warum macht er den Staat also nicht weit einfacher gin, anders/ Er nimmt kurz und gut das ganze Vermögen und gibt semecseits dem VÜrger die Steuern, statt ungekeb't?!"
— Als militärische (siunosität hebt die N Fr. Pr aus dem tÄra, Kdeoeubüller chen Reglement vom .Vahie 1751 folgende Stelle aus: .W.nn em Ofstcier von fvneui Odern mit expressen und positiven Worten injurirst, m l dem Stock. Oh i.igen od r anoers in da4 cu<sichk geschlagen wi-'d da öat si d der Injurirte in selbem Jnfedu nicht ganz n »ch der Sudordmat-on zu halten, indem die Ehre mehr niret w:rd. al» das Veden Wann ein Stabsoisicier kom nf. so sollen bie Herren OffldrrH alle - zeit den Degen unnehmen, bann auch im tielte n,emahlen ohne Steffel dshergehen. Der Regiments Adjutant gehört zu dem Stab und bat niemand mit ibe nichts zn schaffen als der Reziments icommandant. Ooerst Lieutenant "nd Oderff Wacht Mester, wie auch der Hauptmann: fo etwan in feiner Adwefendest das Kegime« rammmbitet. unter welchem Stock er zwar steht, ist aber sehr schändlich, wann man einen Regiments- Adjutanten prügelt, waßmassen er die Regimentsbefehl ausgiedet und durch ihn ganze Detail gehet, wann er es aber verdient, die Repremande.a. Arrest und OrofoRei n'chi achtet so soll er durch den Profoffen adgestraft werden, oder der ffomm »nbant kann ihn wohl selbst prügeln. Er soll sich jederzeit nüchtern halten und unwfft des Kommandanten aut'hasien. Wann ein Offtcicr in Arrest kommt, fo denket leibet ihn der Regtmems Adjutant an. begleitet ihn in f?ia Quartier, nimmt i»n Stock und Degen ab, welche er nach der R gimentswache dringt, und nach der Loßlaffung wieder« gredet. davor ihm eine Diseretlon gebührt "
Vern, 1 Oct. Aus den jnli'chen Alpen meldet der tzr. Rh. folgende traurige VergiftungsgeschichteDrei Schmugglet firnen au» der Ädoldna statt da» unee; 13ine Gebirge in eine Älpbütte zwischen ttama und dem deiner tbale au. wo ihnen der Senn auf ihr Verlangen Milch zum Trinken verabreichte Taruuj legten sie fit während der Senn ihnen noch etwa* (fffen der ten sollte, in das CB rat, um zu Hlafen, bis daffelde fertig sei. Als der Senn sie wecken wollte, waren alle Drei Leichen. D«e Ursache ihres Todes war eine von unter dem Ramen .Agpis' bekannte stst'gi kleine Viper, welche man in dem Geschirr, au» we.ch.-m der Se.n die Milch aejch-p't batte, oorfanb. — Letzten Monat haben sich in den Thälern von Lostallo und (^ama die Bären fedr bemerkbar gemacht. Einmal kamen zwei alte Bären mit zwei jungen auf ei*ie H erbe Schare zu. traten aber, als die Zchäfrr und Hunde sich mannhaft zur Vehr setzten, sofort den Rückzug an Bald abe* k men bie allen Bären allein wieder zurück, sie wäret nur rctmi t, um *ie Iu 'gen in Sicherheit zu bringen, frühstückten setzt nach Herzenslust und nahmen für bievlben noch einige faftue Viflen au* den Hnmwea mit — Heute schon wird die Linie Zürich-Horgen den öffentlichen Verriebe wirtzer Übergeben werden.
— Gin Wittwer eines oberhe'sischen Orte» wollte zur ,westen Ehe überschreiten und wurde bei bie»er Belege beit der Vürgermeister bur<s das zuständige Landgericht aufgefordert. zu berichten, wie viel Kinder aus erster Ohe vorhanden. Da» Ärfctipt kommt zurück mi dem clafsischen Bericht: .In llsemäßdest hoher Verfügung vom — hat Ruorikat in erster Ehe fünf Kinder gezeugt*.


