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Gichmer Anzeiger.

Orfd-dnt täglich, mit lei» nahmt Montag-.

Expedition -anzleiber,, Ltt. D. Rr. L

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hießen.

flo. <><k______ rticitflfl den 12. März

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Dekan ntmachun g.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Amts- und Anruftage am hiesigen Landgerichte jeden Dienstag und Mittwoch von 8 bis 12 Uhr Vormittags und von 2 bis 5 Uhr Nachmittags abgehalten werden, daß jedoch in den Monaten April, Mai, Juni, Juli, August und September dieselben um 7 Uhr Vormittags ihren Anfang nehmen und eS im eignen Jntereffe derjenigen, welche am hiesigen Gerichte zu thun haben, liegt, zur Vorbringung ihrer Angelegenheiten möglichst präcitz an den Vormittagen zu erscheinen.

Lich, den 4. März 1875. Großherzogliches Landgericht Lich.

Weyer.

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potitischer Thei t.

DeulfcOltuii).

Darmstadt, 8. März. Zur Aufbesserung der Jahres-Gehalte der katholischen Geistlichen deö Großherzogthums auf 1OOO fl. im Jahre ist die Hauvt-Staatskaffe dahier angewiesen, für 1874 an die betreffenden Geistlichen 14,684 fl. 50 fr. zu bezahlen, wovon der Betrag für die ersten acht Monate bereits entrichtet ist, so daß nunmehr der für die letzten vier Monate mit 5013 fl. zur Auszahlung kommt. (Fr. Journ.)

Darmstadt, 10. März. Das am 8. d. ausgkgkbene Greßherzogliche Regierungsblatt Nr. 9 enthält die Rechnungsablage der für 1872 im Großher- zogthum ausgeschriebenen Brandentschädigungsbeiträge.

Die am 10 d. au-gegebene Nr. 10 enthält die Bekanntmachungen Großh Gesammtmimsteriums, betr- daS Bahnpolizei Reglement und die Sigiialordnung für die Eisenbahnen Deutschlands.

Berlin, 9. März. Fried Gras Franckenberg, Mitglied des Reichstage-, erläßt in terPost" einen Aufruf an die reichstreuen Katholiken, sich zusam- mcnzuschaaren, um den Kern einer Partei zur Versöhnung der Kirche mit dem Staate zu bilden. Der Papst habe noch in jüngster Zeit die Hand zu Ver­handlungen ausgestrcckt; du ultramontane Partei habe unter Führung eines gegen Preußen unversöhnlich erbitterten Bischofs die Hand zurückgestoßen. Ein Mittel der Rettung ans dieser furchtbar ernsten Lage, sagt der Ausruf, gibt es nur, und da- ist das feste Zusammenstehen aller der Katholiken, die von der ultramontanen Raserei sich freigehalten haben, um den Kern für die katholische Entwickelung zu bilden, welche die Versöhnung der Kirche mit dem Staate finden wird, weil sie ihn finden muß. Alle hiesigen Blätter heben den Wi­derspruch hervor, daß dem Bischof von Linz in Oesterreich von der römischen Curie erlaubt werde, das zu thun, was in Preußen als Verstoß gegen den Glauben verboten werde.

DerNordd. Allg Ztg." wird aus Petersburg geschrieben, Kaiser Alexander werde im bevorstehenden Frühling möglichst zeitig wieder nach Ems reisen und im Juli nach Petersburg zurückkehren; um diese Zeil würden dort erlauchte Gäste erwartet, namentlich der König von Schweden. Die Kaiserin von Rußland werde bei der rauhen Witterung wahrscheinlich noch längere Zeit in St. Remo bleiben. Die Uebertritte nunter Griechen zur orthodoxen Kirche dauern fort. Der deutsche Botschafter Prinz Reuß wird morgen Abend von Berlin nach Petersburg abreisen.

Berlin, 9. März. Gegenüber der Behauptung der französischen Prcffe, daß Frankreich zu dem deutschen Pferde-Ausflibroerbot keinerlei Anlaß gegeben, bemerkt dieNordd- Allg. Ztg." : Dem Vernehmen nach befänden sich in der Hand der deutschen Regierung französische geschriebene Contracte, aus denen der Thatbestand erhelle, daß man besonders auf Kavallerie- und Artillerie- Pferde reflcctut habe. Mündliche Acußernngen der Händler ließen deren Auto­risation, bis zu 10.000 Stück zu kaufen, erkennen. Eine ungewöhnlich hohe Prämie von 100 Frcs. per Stück sei denselben zugesichert. Das Pferde- Auskaufs-Geschäft fei besonders in Pommern und Hannover bereits im Gange gewesen.

Berlin, 10. März. Das heutige Bulletin über das Befinden des Kai­sers lautet: Die Nacht war, obgleich der Schlaf öfters unterbrochen wurde, doch bester als die vorige. Der Catarrh fängt an sich zu lösen. Fieber ist nicht vorhanden.

Berlin, io. März. Abgeordnetenhaus. Petri rechtfert'gt seinen An­trag, betr. die Rechtsverhältniste der Altkatholiken. Derselbe betont, doß Tau­sende nut den Altkatboliken gehen würden, wenn sie nickt fürchteten, Opfer eines faulen Friedens zu werden, der mit dem Vatikan abgeschlossen werden könnte. Redner beansprucht für die Altkatboliken die ihnen vom bürgerlichen, sittlichen und politischen Standpunkte zukommenden Rechte. (Stürmischer Bei­fall , Redner wird vielseitig beglückwünscht.) Im Laufe der sich anschließenden längeren Debrtte, in welcher Reickensperger und Schorlemer-Alst gegen, Weh- renpsennig und Virchow für den Antrag sprechen, erklärt sich der Cultusminister für Verweisung des Antrages an eine Commission, betonend, daß etwaige Be­denken am besten in einer solchen geklärt werden würden; die Staatsregierung werde ans einen Landtagsbescklnß, der auf dem Petri'schen Anträge basire, ein- zehen. Das Haus beschließt demzufolge Verweisung des Antrags an die Com­mission für den Entwurf, betr. die Vermögens-Verwaltung der katholischen Kirchen-Gemeinden. Nächste Sitzung morgen. 1

Berlin, 10. März. DieProvinzial - Correspondenz" hebt hervor, daß die grundsätzliche Bedeutung der Negierungs > Vorlage über die Jnuebehal. tung der staatlichen Dotationen für die katholische Kirche weit über die früheren Maßnahmen gesetzlicher Abwehr hinalisgehe und als erster bedeutungsvoller Schritt anzusehen fei, welcher je nach der jveitereu Haltung der kirchlichen Oberen zu einer durchgreifenden Umgestaltung der Beziehungen von Staat und Kirche führen könne.

Königsberg, 4. März. Nach zweitägiger Verhandlung der Anklage wider 85 wegen einfachen Landfriedenbruches angeklagte Personen, welche sich bei der Ouednauer Revolte am 6. Juli v. I. bethelligt hatten, erkannte die Criminal-Deputation des hiesigen Kreisgerichtes auf Strafen von 8, 6 und 4 Monaten Gesängniß gegen sämmtliche Angeklagte, nut Ausschluß eines Einzi­gen , der sein Ausbleiben entschuldigt hatte.

München, 8. März. Dr. Sigl hat sich imBayer. Vaterland" durch wüthende Artikel über feine Derurth.ilung zu 10 Monaten Gesängniß gerächt und nimmt jetzt Abschied von seinen Lesern, obwohl er die Haft noch nicht anzutreten gedenkt. Dieser Abschied ist sehr charakteristisch.Es kann kommen", schreibt Dr. Sigl über sich:daß, wie dem als Hochverräter feiner Zeit verurtheilten Dr. E. das Jahr 1848 Befreiung ans der Festung und eine Entschädigung für die bis dahin erstandene Strafe brachte, so auch in anderer Art dem Pnßsünde, Dr. Sigl nicht nur da- Gefängnißthor sich öffne, sondern auch für das Erstrebte, Erlittene und Verlorene ihm Anerkennung und Scha­denersatz werde. Aber er soll nach erstandener Strafe auch uns wieder finden, katholische bayerische Männer! Ihn, der zuvorderst in unseren Reihen für unser Bayern, unsere Kirche, unsere Religion stritt, ihn dürfen wir nicht verlaffen. Wohlan denn! wenden wir uns nicht vomBayer. Vaterland" ab, während fein Gründer und Redakteur im Kerker schmachtet! Wir wiffen, der Tag, an welchem daSBayer. Vaterland" zu Grunde ginge, wäre den Sittlich- Ernsten, den Liberalen, ein Freudenfest. Diese Freude soll ihnen nicht werden! Ausharren, selbst wenn wir im Blatt den Dr. Sigl vermissen! Ausharren, bis er wieder kommt."

München, 8. März. Nach einer an das Kriegs-Ministerium gelang­ten Mittheilung des Staats - Ministeriums der Finanzen ist als feststehend zu betrachten, daß bis zum 1. Januar 1876 die Neichsmark-Währung in Bayern zur Einführung gelangt.

Zweibrücken, 9. März. Das pfälzische Schwurgericht verurtheilte den 48jähr>gen Bictualienhändler Georg Chrlstmann von Ludwigshafen wegen Mordes feiner Ehefrau zum Tode.

«Oeflerreidj.

Wien, 9. März. Ter Eisenbahn-Atissckuß des Abgeordnetenhauses be­schloß nach längerer Debatte mit allen gegen 2 Stimmen, in die Specialbe- rathung des Gesetzentwurfs betreffs Vereinigung der Nordwestbahn mit der Südnorddeutsckcn Verbindungsbahn, der Mährischen Grenzbahn und der Lun- denburg-Grußbach-Zollerndorfer Bahn einzugehen. Der Berichterstatter Herbst batte das Nichteingeben in die Specialdebatte beantragt, während die Minister für Ackerbau und Finanzen die Specialberathung warm befürworteten.

Wien, 9. März. Ter Budget-Ausschuß des Abgeordnetenhauses hat das Dem Handelsministerium beanspruchte außerordentliche Erforderniß von \ 50,000 fl. zur Unterstützung der Betdeiligung an der Welt-Ausstellung in Philadelphia abgelehnt.

Schweiz.

Bern, 9. März. Ei gland und die Vereinigten Staaten von Nord- Amerika haben den Berner Allgemeinen Postvertrag ebenfalls ratificirt.

Frankreich.

Paris, 8. März. Marschall Mac Mahon kam gestern Abend zum Elysse, blieb dort die Nacht und empfing heute Audiffret-Pasquier. Dieser lehnte das Ministerium des Innern ab. Es blieb nun also nur noch die Zu­sammenstellung , in welcher außer Dufaure und Leon Say auch Ricard und drei entere Mitglieder des linken Centrums in's Cabinet treten sollten. Mac Mahon, dem schon der ziemlich conservative Leon Say zu röthlich schimmert, nahm Ricard nicht an, und so war auch diese Liste verworfen. Hierauf gab Buffet dem Marschall sein Mandat zurück.