Staatsnothrechtes gerichtet. Die bisherige Gesetzgebung des Großherzozthums über diese Verhältnisse vom Staat zur Kirche gewähre der Negierung nicht den festen Anhaltspunkt und die erforderlichen Mittel, Ueberschreitungen der Staatsgesetze durch kirchliche Behörden zurückzuweisen.
Der Ausschuß beschloß mit allen gegen eine Stimme, den Antrag abzulehnen.
Anträge aus Ersuchen an die Regierung, weitere Gesetzes-Entwürfe, Verhältnisse des Staats zur Kirche betr., vorzulegen, kamen nach dem ersten Gesetzes-Entwurf zur Berathung."
Darmstadt, 28. September. Der dritte Ausschuß der zweiten Kammer hat die Wahl des Hofger.-Advocaten Drj Weber von Offenbach (an Stelle des Oberschulraths Greim) geprüft und die Gültigkeitserklärung beantragt. Ferner bar der Ausschuß beantragt, hinsichtlich des Abg. Provinzial- Directorü Goldmann eine Neuwahl nicht für nothwendig zu erklären, da derselbe zwar insofern höhere Bezüge als Provinzial-Director zu Mainz gegenüber denjenigen, die seine Stellung als Provinzial-Director in Darmstadt mit sich gebracht, genieße, als er einen Repräsentationsgehalt beziehe, daß aber dieser lediglich eine Vergütung für durch den Dienst gebotene« Aufwand, keinen eigentlichen Gehalt repräsentire.
Mainz, 27. September. Dem „Mainzer Journal" schreibt man aus Stromberg, 26. September: Eine am letzten Sonntag zu Rheinböllen abge- haltene Katholikenverjammlung wurde, als ein Privatgeistlicher aus Stromberg am Schlusie seiner Rede sich die Aeußerung erlaubte, „er werde vor keinem Fürsten die Shücc beugen", vom Bürgermeister ausgelöst. — Heute Nachmittag hatte der hiesige Kriegerverein eine Generalversammlung, worin der Antrag gestellt wurde, daß diejenigen Mitglieder, welche dem Mainzer Katholikenverein angt- hörten, auSgestoßen werden sollten. Die Sache wurde dahin erledigt, daß die ausgcwiesenen Mitglieder ihren Antheil an dem Vermögen des Vereins ausbezahlt erhalten sollen. Wie der „B. A." hört, werden alle Katholiken aus dem Kriegerverein austreten.
Vcrlin, 27. September Man schreibt dem „Rh. Kur." von hier: „Die massenhafte Ausführung von Reichsgoldmünzen nach England soll nach Berichten aus uiijereii Finanzkreisen den Metallschatz der preußischen Bank so sehr bedrohen, daß daö Vank-Directorium zur Erhöhung des Discontos schreiten will."
Posen, 24. September. In Lions war der Schlosser Franke letzthin mit der Feuerspritze umgefallen und starb in Folge der Verwundungen. Ein Eorrespondent des „Kuryer Pozn." benutzt diese Gelegenheit, um sich in die Rathjchläge Gottes ganz eingeweiht zu zeigen und sieht in dem plötzlichen To- deüfall den Finger Gottes. „Denn", schreibt er, „so wie alle diejenigen, welche im Jahre 1^58 ihren Haß gegen unsere Verwundeten ausließen, wenige Jahre später von der Cholera weggerafft wurden, so hat jetzt dem Franke, welcher mit Ditrichen die Kirche in Lions für Herrn Kubeczak öffnete, ein plötzlicher Tod vor den höchsten Richter gerufen." — Gleichzeitig theilt „Kuryer Pozn." mit, daß alle Gläubigen dem Pfarrer Kubeczak aus dem Wege gehen und sorg- sältig jede Berührung mit ihm vermeiden.
Wiesbaden, 28. September. Die Versammlung des Protestanten- Verklns ist zahlreich besucht. In der heutigen Delegirten-Sitzung unter dem Präsidiuni Bluntschli's waren 39 Vereine vertreten, auch Holland, die Schweiz, England und Amerika.
Frankfurt, 28. September. Heute in aller Frühe wurden bei etwa 40 Mitgliedern der social demokratischen Partei und des Allgemeinen deutschen Arbeltereins umfassende Haussuchungen vorgenommen, die sich auch auf die Vereins- und Versammlungs locale erstreckten. Die haussuchende Polizei beschlagnahmte verschiedene Papiere, darunter auch Druckschriften und Broschüren der social-demokratischeit Propaganda, die seit Jahren durch den Buchhandel wie durch Colportage ungehindert vertrieben werden. Auch nach den Kassen der Parteien wurde gesucht, ob mit Erfolg, ist uns nicht bekannt geworden.
(Fr- Ztg.)
Karlsruhe, 28. September. Das gestern abgehaltene erste badische Kriegerfest nahm den großartigsten Verlaiis. Daffelbe war von über 600 Theil nehmern besucht. Nach Begrüßung der Festgenoffen durch Oberbürgermeister Lauter sand der Delegirtentag des badischen Militärvcreins - Verbandes statt, welcher sich gegen eine übergroße Centralisirung des deutschen Kriegervereins- Wesens erklärte. Vereinspräsident Schneider hielt eine zündende Ansprache vor den unter freiem Himmel versammelten Vereinen. Der Festzug war über eine halbe Stunde lang und machte einen imposanten Eindruck. Bei dem Festbanket brachte Staatsminister Jollv einen Toast auf das deutsche Heer aiis.
/rankreich.
AngerS, 28. September. Bei der gestrigen Ersatzwahl im Departement Maine-et'Loire erhielten: der Republikaner Maillö 49,444, der Septen- nalist Bruas 45,595 Summen. Aus 15 Gemeinden steht das Resultat noch aus, doch ist MaiUö als gewählt zu erachten.
England.
London, 28. September. Die Verhandlungen zwischen den Schiefer stein Schneidern und den Arbeitgebern sind abgebrocheii, nachdem Erstere an ihren Forderungen sestgehalten und das Zusammentreten beiderseitiger Delegirten verlangt hatten, was die Arbeitgeber ablehnten. Lord Penshvn rieth den Arbeitern, anderweitig Arbeit zu suchen.
London, 28. September. Die heutigen Morgenblätter kritisiren Glad- stone's, in der „Revue Contemporaine" veröffentlichte Schrift über Ritualis- mus. „Morning Post" schreibt, mit Rücksicht aus den neulichen Uebertritt eines hervorragenden ehemaligen Collegen deS Ministers muffe es dem Laude zu besonderer Befriedigung gereichen, wen« Gladstone eine Rornanisirung Englands für durchaus unmöglich erkläre. Gladstone sage ausdrücklich, Niemand könne sich der Kirche ansckließen, welche mit den modernen Ideen und dem geschichtlichen Entwickelungsgange im Widerspruch stehe, ohne auf geistige und moralische Freiheit zu verzichten und die bürgerlichen und patriotischen Pflichten preiszugeben.
Sdjiucöen.
Stockholm, 28. September. Der König hielt heute eine außerordentliche Sitzung des Staatsraths ab. Derselbe bewilligte dem Vernehmen
nach dem Finanzminister Wörn die erbetene Entlastung und ernannte den Dice« Präsidenten der zweiten Kammer des Reichstages, Frhrn. von Akerhelm, zu deffen Nachfolger.
Zlinerifm.
New-Nork, 28. September. Schatzsecretär Bristow hat für den October den Verkauf von 2>/a Millionen in Gold angeordnet.
— Die Stadt Antigua in Guatemala ist durch ein Erdbeben zerstört worden.
Äsicn.
Hongkong, 23. September. Gestern brach em sehr heftiger Typhoon- Orkan aus. Acht Schiffe sind gesunken oder gescheitert, viele andere in's Meer getrieben. Gegen 1000 Personen sind umgekommen, viele Häuser zerstörte^
(Ecfcguaptjifcfjc Depeschen.
Wien, 28. Sept. Zwei neue Nordpol-Erpeditionen sind bereits be- schlosten. Peyer will landwärts an der grönländischen Ostküste vordringen und Wilczek mit Kepes seewärts vom Cap JscheljuSkim nördlich einen eventuellen Zusammenhang des Franz-Jojeph-LandeS mir dem Polar^Festland coiistatiren.
Flenöburg, 28 Sept. Ein hiesiges Organ der deutschen Partei meldet: Eine von den Führern der dänisch-gesinnten Nord-Schleswiger uad) Hadersleben berufene große Volksversammlung zur Besprechung der nordschles- wig'schen Frage wurde von dem Vorsitzenden sofort geschloffen. Die anwesende deutsche Majorität constituirte eine neue Versammlung und beschloß die Ab- selldung einer Dank-Adresse an den Kaiser für das kräftige Vorgehen der Regierung gegen die dänischen Friedensstörer.
Paris, 28. Sept. „Temps" veröffentlicht die Antwort Thiers' aus eine an ihn gerichtete Adresse der riimänischen Jugend. Nach einer Ermahnung, die Freiheit zu lieben, aber nicht diejenige eines Tages, sondern die Freiheit, welche sich auf Ordnung und Beharrlichkeit gründe, heißt es: „Ächtet den Frieden, der für alle Völker, deren Unabhängigkeit neu gegründet, von hohem Werth ist. Seid einig, ruhig und arbeitsam. Ihr habt Recht, in Frankreich Civilijation zu finden, denn wenn Frankreich, so oft in blutigen Kriegen sieg reich, im letzten Kriege unterlag, so lag die Veranlastung nicht darn , daß eS die alten Eigenschaften verlor. Frankreich bleibt eine der edelsten, aufgeklärte sten und tapfersten Nationen und wird immer zu den Völkern zählen, wo Wis senschaft und Humanität zu suchen sind.
Vermischtes.
Aus dem Großh er zogthum Hessen, 25. Sept. In der Zelt vom 6.-9. Oct. I. I. wird in Frankfurt e. M. eine „Konferenz von Delegirten der deutschen Frauenvernne« stattfinden, zu de» auch die deutsche Kaiserin und andere deutsche jkroncnträgcrinnen erwartet werden. Nachdem aus der Konferenz von Vertretern der deutschen Frauenvereinc zu Würzburg im August 1871 ein Verband derselben hervorgegangen, wurde auf der im Marz L I. ai-gehaltenen Generalversammlung deö preußischen Vaterländischen Frauenvercines, der auch Delegirtr außerprcußischer Vereine verwandter Richtung anwohnten, dem schon früher angeregten (sanken näher getreten: in einer im Herbst d. I. zu veranstaltenden Zusammenkunft von Delegirten der verbündeten Vereine aus ganz Deutschland die Beziehungen zwischen diesen letzteren zu beleben, durch die Verhandlung von Gegenständen gemein,amen Interesses die Verbindung immer mel-. zu einer innigen und innerlichen, und die gemeinsame Thätigkeit in wachsendem Maße frucht- bringend zu gestalten. Mit der Einleitung zu dieser Versammlung wurden Ur. Raundorff in DreSden alS Vertreter deS Sächsischen Albert - Vereins, und Dr Friedenthal (der jetzig« preußische Minister der landwirthjchaftlichen Angelegenheiten) als Vertreter der Vaterländischen Frauenvereine betraut, von welchen beiden Persönlichkeiten jetzt auch die Kinladungen ausge- gangen sind. An den eigentlichen Verhandlungen über die tn dem Einladungsschreiben für di« Tagesordnung vorgeschlagenen Materien sollen nur männliche Delegirt'c der verbündeten Vereine Theil nehmen, das Resultat der Verhandlungen dann jedoch in einer Schlußsitzung dar gelegt werden, an der sich dann auch weibliche Mitglieder der verbündeten Vereine beliebig be- thkillgen können, und für welche Sitzung auch eine Ansprache der Kaiserin zu erwarten steht Diese Schlußsitzung soll am 9. Oktober, die Verhandlungen an den beiden vorhergehenden Tagen, und am Vorabend, dem 6. Oktober, die Begrüßung der Delegirten und die Verabredung der nöthigcn Formalien stattfinden. Als Verhandlung- - Gegenstände für den 7. und 8. ftnt vorläufig in Aussicht genommen: 1) Die Stellung deS Verbandes der deutschen Frauenverrm« zu dem Verbände der deutschen freiwilligen Pflege Vereine. 2) Welche Mittel und Wege em pfehlen sich, um eine lebendigere Verbindung einerseits zwischen den Landesveremcn, andererseits zwischen den Haupte und Zweigvereinen der einzelnen Länder herzustellen? 3) Begründung einer deutschen Frauenvereinsstatistik. Auf welchen Punkten beruht dieselbe und wie ,st sie zu organisiren? 4) Planmäßige Ausbildung der Krankenpflegerinnen und ihre genosienschaftlich« Stellung. 5) Soll die statutengemäße Kompetenz des deutschen FrauenverbandeS erwetteri werden, und wohin soll bejahenden Falls diese Erweiterung sich erstrecken? — Für die Äbflim mungen wird in dem Einladungsschreiben ein Modus empfohlen, wonach Preußen 15, Baverr 6, Sachsen und Württemberg je 4, Baden und Hessen je 3 , Braunschweig 2 und die übriger deutschen Kleinstaaten je 1 Stimme führen würden. Die Beschlüsse der Versammlung soller nicht bindend für die einzelnen Landesvereine, sondern nur Vorschläge an diese sein. Die Ver bandlungen sollen in der Weise geführt werden, daß jeder Verhandlungs-Gegenstand durch met rere Referenten eingeleitet wird, und baß diese entweder vereinigt, ober ein Jeder für sich be> stimmt präcisirtc Anträge der Beschlußfasiung unterbreiten. Jedem Mitgliede der Veriammlua- würbe cS überbieS freistehen selbstständige Anträge zu den betreffenden Gegenstanten vorzubrmgen Die Prinzessin Ludwig (Alice) von Hesien, deren lebhaftes Interefle an der Ausbildung der weib lichen Krankenpflege wie an allen Bestrebungen, welche darauf hinzielen, daS Loos der Frauer zu heben, bekannt ist, hat in ihrer Eigenschaft als Präsidentin des Eentralcomitbs der bessischer Frauenvereine zu Landes-Delegirten für den Frankfurter Kongreß ernannt die Herren Dr. me* Eigenbrodt, Oberforstsecrelär v Werner, Hofgerichtsdirector Dr. Stüber in Darmstadt BezirksgerichtSrath Dr. Jung in Mainz und Emil Pirazzi in Offenbach.
Darmstadt, 2j. Sept. Seine Königliche Hoheit der Großherzog besuchte qesten Nachmittag von hier aus da« Elisabethen.WaijenhauS in Rieder- Ramstadt. Auf der Rücksahr: gerieth Se. Königs. Hoheit in eine große Gefahr, indem in der Rahe des Beffunger Telegraphen BüreauS der Großherzoglichen Equipage der Wagen eineS Traisaer Mannes, dessen Pferd i«h«". geworden war, tn »oller Karriere entgegenrannte. Ein Ausweichen der beiden Gefährte ws: nicht mebr möglich, doch wurde die Wuckt des unvermeidlichen Anpralls dadurch gcmilden daß die Pferde der Equipage sofort zum Stehen gebracht waren, worauf der Groß, Kutscher und ter dienstthuende Lakai tzaS scheue Pferd, welches sich in die Geschirre der Großherzog- Pferde verwickelt hatte, rasch vom Waacn lösten, so baß Seine Königliche Hoheit alSbald, ohn den Wagen verlaffen zu haben, die Fahrt fortsetzen konnte.
Darmstadt, 25 Sept. Wir erhalten soeben die erfreuliche Mitthrilung, daß V‘ diesigen Herren Metzger eine allgemeine Preisermäßigung um 3 Kreuzer beschlossen. Wir wolle: hoffen, baß sich diese Nachricht bestätigt und die Herren Bäckermeister, angesichts der allenthalber gut ausgefallenen Erndle, diesem löblichen Beispiele bald folgen werden.
Offenbach, 13. September. Hier bat sich eine Anzabl Industrieller, mit dem nöthige^ Kapital au-gerüstet, zur Gründung einer GenossensckaftS-Schlächterei und Backerei verbunder- Es wird somit len hohen Fleisch- und Brodpreisen em Ziel gesetzt und wird die vetheiligun; eine sehr große (ein.
Metz, 23. Sept. Ein Sergeant vom 15. Feld - Artillerie - Regiment hat sich gestern u dem zur Khamdiere Kaserne gehörigen Geschützhaus durch einen Kanonenschuß getödteu Er lud daS Geschütz mit einer Kartätschlabung, auf welche er zwei Pfund Pulver setzte, stell: sich vor die Mündung und brachte den Schuß mittelst einer Schnur zur Entladung. Wie di
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