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Allgemeiner Anzeiger

Metzer-Zeitung" mittheilt, hat ein geringfügige- Dienstvergehen den Anlaß zu der Lhat gegeben.

ftulbfl 25. Sept. Die Einnahme der Obcrhcssisckcn Bahnen im August betragt 14,622 st., Piu» 2883 ft. Gejammt-Einnahme seit Januar 3,356,211 fl. Plus 29,478 fl.

Die Neue Stettiner Zeitung schreibt Folgendes übervrod und Fleischs:Brod und Fleisch bilden den Grund der Lolksemöhrung, cs ist daher Lebensfrage für: jebeß Volk, bah namentlich der bei Weitem zahlreichste Theil der Bevölkerung, die arbeitenden Classen, diese aan» unentbehrlichen Lebensmittel ausreichend und in guter Qualität erhalt. Seit Jahren ist dies nicht möglich, da die Preise dieser unentbehrlichen Lebensmittel derartig sind, daß es den arbeitenden Elgssen ganz unmöglich ist, sich genügend damit zu ver,ehen. sind

nofh die Zustände bezüglich der Backwaaren, doch wird es entscheidend sein, tote sich die Backet ± t m 1 aanuar ?K7.-, (b.m Sumin, her aUg.mrtn.n Aufh.bung d.r Wnhlst.u«) °uh°-..n toerten Einen sebr toeientlidien Fortschritt kann die Polizcibebörde herbe,führen nämlich den: Laß vom 1. Januar 1875 ab Brod und Semmel nur nach dem Gewicht verkauft werden. Die Aufhebung der Mablsteuer, die eme Aenderung des bisherigen Preises berberführen soll, vor Allem aber die Einführung des neuen Münzwesens, welches, wie das Gewicht nach dem Deeimalsvstem eingerichtet ist und daher die Berechnung des Waarenpreties ungemein erleichtern inufj __ sprechen ganz entschieden dafür Tas Wichtigste aber ist, daß dann dem Publikum die Controle darüber ungemein erleichtert wird, 06 es richtig bedient worden ist. Sollten Fälschungen versucht werden, um das richtige Gewicht der Backwaaren scheinbar herzustellen , so werden Anzeigen und zeitweckige polizeiliche Recherchen dergleichen Bestrebungen gar bald besel­igen. Wichtiger aber ist es, die hohen, gar nicht gerechtfertigten F eischpreise auf ihr richtiges Maß berabzusetzen Für diesen Zweck hat sich nicht nur in Deutschland, sondern auch in ande» Staaten eyt eine bedeutende Agitation erhoben Wünschen wir im Interesie der gesammten Mittel- und unteren Clasien der Bevölkerung, daß sie zum Ziele fieren möge. ,,«or aöem, sy führt ein Aufsan in der Brest. Ztg aus,muß aber dem Grundsatz Geltung versck)afft [erben daß ich das, was ich kaufen will, auch wirklich erhalte Was wurde dem Kaufmann geschehen, der mir statt eines Pfundes Kaffeebohnen nur ein halbes ^und dergleichen und ein Kalbes Pfund kleine Kiesel verkaufen würde? Was wurde dem Backer geschehen, der mir für zwei Pfund Brod nur ein Pfund Brod und ein Pfund Kleie gäbe? Wurde die Polizeibehörde -ich nicht für ermächtigt halten, hiergegen einzuschreiten, wenn diese Berkaufsweise eine voll­ständig andauernde wäre? Wer hat denn nun den Fleischern das Privilegium gegeben, hocken anstatt Fleisch verkaufen zu dürfen? Denn wenn ick cin Pfund Fleisch kaufe, so will ich eben iin ganzes Pfund Fleisch haben , nickt aber etwa ein halb Pfund Mei'ck und ein halb Pfund Knochen, oder drei Mertel Pfund Fleisch und ein viertelPfund

Reiben Substanzen, Fleisch und Knocken, von einander nicht eben so verschieden als Brod und Kleie oder Kaffeebohnen und Kieselsteine? Und wenn die verehrlichen Fleischverkaufer und Verkäuferinnen tausend Mal - und oft in sehr unfeiner Weise - die Klagen der Con umenten über die melen Knochen, die sie für ihr gutes Geld in Kauf nehmen mußten damit zurück- -uwetsen suchten, daß sie sagten: Gibts denn cin Rindvieh ohne Kochen?' warum geben sie denn nicht eben so gut statt der Knochen, resp. des Fleisches Horner, Klauen, Fell re.?

Hs ist unglaublich, daß diese Berkaufsweise so viele, viele Jahre hat bestehen dürfen. Exlstirt denn der Grundsatz: daß der Verkäufer geilten tfl , bk ®(flare Vef?er ^nen $er «ird, auch wirklich zu liefern? Und wenn er existirt und allgemein als für leden, reellen Ver kehr als unbedingt nothwendig anerkannt wird, bann muß auch die Po^"behorde das Rech Sahen, auf jede Nichtachtung 'desselben Strafen zu setzen. Diese Maßnahme ist Wmcm w A- tig, denn sie hat den rationellen Verkauf des Fleisches nack seiner Qualität zur Folge. Diese rationelle Verkaufsweise hat aber die noch wichtigere Folge, daß sich erst dann die eigentliche Concuvrenj entwickeln kann, die uns entschieden billigere Fleischpreise als die jetzigen bringt. Man sage^nickt. daß das Publikum diese Reform selbst herbeifuhren könne dadurch, daß es etn- Fleisch mit Knochen nicht nimmt. Wer so meint, kennt eben die Sachlage gar nicht, der weiß nicht daß gerade der Abnehmer, der nur ein halbes, höck)stens em Pfund Fleisch kaufen statt dessen aber nur die Hälfte Fleisch und die Hälfte Knocken erhalt - bti bem g* ringHen Monitum von bem Verkäufer barsck fortgewiesen^vwb^We^

Waare nicht gefiele, könne er gehen!", und das ist ein Hatter Fall, denn nicht alle Fleischer- verkaufen (wenigstens nickt gern) so geringe Quantitäten. Der Consument muß also froh sein, daß er wenigstens etwaS erhält. Nur die Polizeibehörde kann diese, eigentlich selbstverständliche Reform herbeiführen: daß das Fleisch ohne Knochen, d. h. daß eben nur Fleisch verkauft wird. Ist dies einmal feststehend, dann werden Concurrenz, nöthigenfalls auch, tote jetzt in Berlin, Privat-Schlachtgesellschaften für billige Fleischpreise sorgen."

Mit knapper Noth entging gestern ein in wilder Ehe lebendes Paar der Lvnckjustiz, als es wegen Kindesdiebstahls vor eineS der Londoner Polizeigerichte gebracht wurde. Mehrere Tausende hatten sich versammelt, zischten und spieen, und konnten nur mit äußerster Anstrengung von der Polizei zurückgehalten werden, ihrem Unwillen gegen die Menschenräuber kräftigeren Ausdruck zu geben. Der Mann wurde gleich entlasten, da seine Schuld nicht nack- gewiesen werden konnte. Die Frau dagegen, die das Kind aus einem Kinderwagen, besten Wärterin sick entfernt batte, gestohlen, um für bas ihrige auszugeben, würbe vor btc bit Geschworenen gewiesen. Sie batte in Reue das Kinb freiwillig ben Eltern wieder zugestellt und war überhaupt über btc THat sehr betrübt. Daß sie, Mann wie Weib, bie Tragweite der Hanblung kannten, geht baraus hervor, baß sie ben Polizisten 50 Pfd. Sterl. anboten, wenn sic ihnen Gelegenheit zum Entweichen geben würden. ,, .

(Ein englisches Uttheil über bas 11. Armee-Corps.) Em Englanber, welcher den neulichen Manövern unserer Truppen in der Wetterau alsAmateur" beigewohnt hat, legt jetzt in der LondonerTimeS" sein Urtheil über das Gesehene nieder. Daß die Leistungen und das Aussehen der hessischen, nastauischen und darmstädiiscken Regimenter seinen Erwartungen in hohem Grade entsprochen, erhellt aus nachfolgendem Auszuge deS langen und eingehenden Be- ricktes:Das Bivouakiren scheint den Leuten vortrefflich zu bekommen. Eie sehen ave frisch und herzhaft aus. Ein Osfieier erzählte mir, daß während der ganzen Manövcrzeit in seiner

auf dem Friedenßfuß 140 Mann starken Compagnie nicht einziger Fall von Krankheit vorge­

kommen sei Am Ende der Ucbungsperiode erscheint die Truppe entschieden noch in der aller­besten Berfastung. Am Dienstag begann die angreifende Armee um sieben Uhr des Morgens

ihre Operationen. Das Gefecht dauerte bis nach 11 Uhr. Die Aufgabe war so viel ich

dies bcurthcilen konnte einen Scheinangriff, jedoch mit größeren Masten, auf das feindliche Gentrum zu unternehmen, bann , im letzten Moment, aber mit überwältigenben Kräften über den äußersten linken Flügel bes Gegners herzufallen. Diele Truppenabtheilungen hatten im raschest möglichen Schritt eine große Entfernung zurückzulegen, aber dennoch sah ich nicht einen einzigen Nachzügler. Auck auf bem barauf folgenben Rückmarsch in btc Quartiere blieben nur zwei Leute aus ben Gliedern zurück; das Tempo des Marsches aber blieb ununter­brochen das allerrascheste. Die Schnelligkeit, mit welcher die Infanterie von einer Posi- tien in die andere marschirte, war geradezu fabelhaft. Es war dies für mich wohl das Bemerkenswertbeste aus meinen Beobachtungen. Niemals früher batte ick bet anderen Armeen etwas Aehnlickes gesehen. Es ist möglich, daß in anderen Heeren sich ein paar Elitenregimenter befinden die eben so rasch marschtren, tote die Preußen; aber bei letzteren leistet nicht nur cin Regiment, sondern die ganze Armee derart Bcwundernstocrthes. Und dabei darf man nicht aus dem Auge lasten, daß cs nur sehr junge Soldaten waren , die hier manöverirten , Leute, von denen nur sehr wenige den letzten Krieg mttgemacht haben. Es machte einen sonderbaren Ein­druck in einer so vorzüglichen Truppe nicht einen einzigen Mann mit einer Medaille auf der Brust zu eben, ausgenommen natürlich die Offieiere und Unteroffieiere. Der älteste Soldat in Reihe und Glied kann kaum über 23 Jahre alt sein. Aber jung wie diese Leute sind, so würden sie doch ben besten Veteranen - Regimentern ber Welt eine harte Nuß zu knacken aufgeben. Es toar natürlich amüsant, währenb ber Operationen ben Eifer dieser deutschen Soldaten, bis hin­unter zum jüngsten Recrutcn zu sehen. Sic trabten über gepflügte Felder hinweg, wadeten durck tiefe Gräben hindurch, als wenn das Heil des Vaterlandes davon abhinge, daß kein ein­ziger Mann zurück bleibt u. s. w."

(Naiv) Papa, weißt du noch, tote du mich geprügelt hast, weil ick den kleinen Tommy gebisten hatte? - Ja ich erinnere mich, du hattest ihm sehr wehe gethan. Nun, bann mußt bu Luisen'« Musiklehrer auch einmal tüchtig burchprügeln, Papa, ber hat sie gestern in ben Munb gebissen, unb es muß ihr arg wehe gethan haben, benn sie schlug bie Arme um seinen Hals unb wollte ihn todtbrücken. _________

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Gießen, den 29. Sept,

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Gießen, den 28. Septbr. 1874. Großherzogliches Ortsgericht Gießen.

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