fertigen und die Vertagung noch in der morgen stattfindenden Sitzung zur De- rathung stellen.
— Der Herzog von Aumale ist aus Basan^on gekommen, um an den Kammerarbeiten Theil zu nehmen. — Fürst Hohenlohe wohnte der heutigen Kammersitzung an.
— Dem XIX. «Steele ist der Straßenverkanf wieder gestattet worden. Heute ist auch der Figaro wieder erschienen; Villemesjant erklärt, er werde sich an das Septennium anklammern und conservativer Monarchist bleiben. Das- Blatt setzt seine Angriffe gegen die Versammlung, jedoch in milderer Weise, fort.
— Der Hirtenbrief des Cardinals Erzbischoss von Paris wird wegen seiner Ausfälle gegen die italienische Negierung von den Blättern getadelt. Der „Francais" meldet, wie gerüchtweise verlautet, werde Mac Mahon am Abend vor der Vertagung der National-Versammlung eine Botschaft ergehen lasten
Paris, 28. Juli. In dem Proceß gegen den Oberst Stoffel erfolgte der Beschluß aus Einstellung des gerichtlichen Verfahrens. — Zu der morgenden Sitzung der Nationalversammlung ist bereits eine große Zahl von Rednern eingeschrieben.
flinerifta.
New-Nork, 27. Juli Das neue Kabel zwischeii Nova Scotia und Neufundland ist gelegt. Die bei der Legung verwendet gewesenen Dampfer „Faraday" und „Ambastador" kehren nach Englaiid zurück. — In Pennsylva- nien sind durch einen Stnrm und eine Ueberschwemmung große Verheerungen angerichtet worden. Straßen, Eisenbahnen, T ^pots sind überschwemmt, Brücken fortgerissen, Felsen bis in die Ortschaften nmhergeschleudert worden. Alleghany City steht theilweise unter Wasser. Der Verlust an Menschenleben ist ein sehr großer. 55 Leichen sind bereits gefnnden worden, eine große Anzahl von Personen wird nod) vermißt. Besonders gelitten haben die Distriete WoodSriin und Sawonitbrun. 50 Personen sind hier um's Leben gekommen — Präsident Grant hat die den Häusern Rothschild uiiD Seligman gemachte Ueberweisung der neuen 5procentigen Anleihe sanctionirt.
Zusicherungen erhalten und habe danach geglaubt, sich der Beschickung der Conserenz durch einen Bevollmächtigten nicht entziehen zu können. Letztere habe die dem Parlament mitgetbeilten Instructionen erhalten. Der General-Postmeister theilte mit, es seien Verhandlungen mit Italien über eine Hrrabsetzung des Brief-Portos im Gange, welche voraussichtlich bald eine beträchtliche Herabsetzung des Portos herbeiführen würden. Unter Staatssecretär Bourke'tbeilt nut, die Regierung habe feine offkietle Kenntniß davon, daß die deutsche Regierung definitiv beschlossen habe, ein Geschwader in den spanischen Gewässern kreuzen zn lasten. Sie habe Grund, anzunehmen, die deutsche Regierung berathe über die Opportunität solcher Maßregeln, welche, wie England vorausietze, bezwecken, deutsche Landes-Angehörige zu schützen.
Versailles, 28. Juli. Die Nationalversammlung genehmigte den Gesetzentwurf über die Entschädigungen für rie zum Zwecke der nationalen Verthei- digung vorgenommenen Zerstörungen. — Die Vertagung?. Corninijffon beschloß die Wieder Einberufung der National-Versammlung am 30. November zu beantragen.
Versailles, 28. Juti. Die Bureaux der Nationalversammlung haben heute eine Commission zur Prüfung des Vertagungs Projektes gewählt Dieselbe ist aus 11 Mitgliedern ter Rechten, welche eine Vertagung bis Ende November tKiLnigen, und 4 Mitgliedern der Linken, welche kurze Ferien wollen, zusammeu- gesetzt. Die Vertagung e. folgt um den 8. August.
Paris, 28. Juli. Eine Madrider Nachricht bestätigt, daß die in Catalo nien von den Carlisten erschossenen 235 Gefangenen der Div sion Nonvillas angehörten. - Am Boulevard wurde Abends neueste Anleihe zu 90.27 gehandelt.
r^ewyork, 2k-. Jul» lieber die durch den Orkan und die Ucberschwemmung angerichteten Verheerungen wird ferner gemeldet, daß das Land um Putsbarg in einem Umkreise von 25 Meilen ebenfalls überschwemmt ist. Der Haupttheil der Stadt blieb verschont, während die Vorstädte gänzlich verwüste? wurden. Aleghany ist am schwersten heimgesucht. Die Wasterhöhe betrug 20 Fuß. lieber 200 Menschen sind ertrunken. Der Orkan durchzog auch Ohio und !Kentucky und richtete große Verwüstungen an.
Nio de Janeiro. 28. Juli. Die Kronprinzessin, Gräfin von En, wurde von einem tobte» Kinde entbunden
H ü l f e r u s!
In der Nacht vom 21. zum 22. d. M ist der größte Theil unserer Unterstadt, in welchem sich namentlich fast alle Scheunen der Stadt und die Wohnungen der ärmeren Volksclastc befanden, durch Feuer total zerstört worden. Im Ganzen liegen 110 Gebäude in Asche und mir ihnen fast alle darin befindlichen Mobilien, namentlich aber die gesammte diesjährige Heuernte. Von der letzteren und den Mobilien war nur äußerst wenig versichert
Hülfe thut dringend noth!
Es ergeht daher an edle Menschenfreunde die dringende Bitte, durch Geldspendeu die Noth der armen Abgebraiinten zu lindern. Tie UnterzeichnetkN sind bereit, dieselben m Empfang zu nehmen.
Berleburg, den 24 Juli 1874.
von Scdrötter. l)r. Winckel. Barth. Pfeiser. .Harth. Wahl. A. Notberg. Costers. Trainer. Franz Althaus.
Lokal-Notiz.
(Hießen, 29. Juli. Zu unterem gestrigen Festbericht müssen mir noch nachtragen, daß der II. Festpräsident, Herr Lehrer Müller, am Sonntag 9lbcno beim Banket in der Festballe einen Toast auf unseren Helbenkaiser sowie die verbünoeten Fürsten und das ganze deutiche Reich ausbrachte, welcher mit einem stürmischen Gut Heil ausgenommen wurde. Wir lassen denselben nach dem stenograph. Bericht hier folgen:
„Verehrte Festgenossen! — Bei dem Feste, das wir heute feiern, liegt es so nah, einen Blick zurückzuwerfen in die Vergangenheit, in die Geschichte unseres Vaterlandes. Wir wissen alle, es sind gerade keine tröstlichen Bilder, die uns an der Seele vorüber schweben, wenn wir z. 53. gedenken des heiligen römischen Reiches deutscher Nation, mit seiner inneren Zerrissenheit und äußeren Machtlosigkeit, mit seinen traurigen Kämpfen, die wie ein rother Faden sich durch unsere Geschichte hinziehen und leit er bis zu dieser Stunde noch nicht ganz zu Ende gegangen sind. Es sind auch keine tröstlichen Bilder, wenn wir uns erinnern, daß bis vor noch nicht langer Zeit der deutsche Name fast ohne Bedeutung war gegenüber andern Nationen, daß der Deutsche zwar denken, erfinden, bilden, schaffen und voranschreiten konnte au* allen Gebieten des Wissens und Könnens, sich aber gefallen lassen mußte, daß Andere den Ruhm, die Ehre, den Vortheil davon für siel) zu erbeuten wußten. Gottlob, das ist jetzt anders geworden und der Turnerei können wir das Zeugnis; nicht versagen, daß sie in der Zeit des allgemeinen Elends deutschen Sinn und deutschen Geist hat hegen und pflegen und so die neue bessere Zeit hat herbeiführen helfen. Heute darf jeder Deutsche stolz das Haupt erheben, denn er ist Bürger eines geeinigten, starken, geachteten und viel beneideten Reichs, und wenn auch dem Einen dies, dem Anderen jenes noch nicht recht gefallen mag, so wollen wir durch die Erinnerung daran deute unsere Feststimmung und Festfreude nicht stören lassen, sondern hoffen und wünschen, daß Diejenigen, die das Haus gebaut mit kräftiger Hand, es auch wohnlich einrichten und aus schmücken und Sorge dafür tragen werden, daß Friede und Eintracht darin herrsche und daß jeder Einzelne sich füge und unterordne zum Wohl und Besten des Ganzen. Und in dieser Hoffnung gedenken wir mit freudiger Dankbarkeit des Heldengreises, unseres erhabenen Kaisers Wilhelm mit Achtung und EhrfurN t seiner hoben Verbündeten, die einmüthig sick um seinen
AuS der Provinz.
Grün berg, 28. Juli. (Die Grünberger Kirckenvorstandswahl.) Nack § 3 des Wahlgesetzes für die Kirchenvorstände muß mindestens 4 Tage vor dem Wahltermin ine ortsübliche Publieation, also hier durch die Schelle oder das Localblatt, stattsindcn, in der Ort und Zeil der Wabl u. s. w. näher angegeben werden
Es muß uns höchlich Wunder nehmen, daß von dem hiesigen Kirckenvvrstande eine solche Publieation noch nicht erlaßen ist, trotzdem nach einer auf ter Kanzel geickehenen Bekanntmachung Sonntag den 2. August die Wahl ftattflnden soll und also in dem, Dienstag den 2k. Juli erschienenen Localblatt, oder an diesem Tage durch die Schelle hätte bekannt pe macht werden müssen.
Wir glauben es überhaupt tadeln zu sollen, daß dem Geiste des neuen KirckengesetzeS so wenig entsprochen und die Laienbevölkerung noch ohne Aufklärung gelassen worden ist über den Sinn und das Wesen der neu inS Leben zu rufenden Institutionen. Die wahlberechtigten Männer sollen an die Wahlurne' treten und noch wiffen sie so gut wie nichtS über die Functionen, die ter weitere sowohl wie der engere Kirchenvorstand aüszuüben hat und ebensowenig ist man sich klar über die Tragweite und die große Bedeutung der neu geschaffenen Kirchen Verfassung. Wäre das nicht ein dankbares Thema für unfern Kirckenvorstand, wenn er eine populäre Belehrung in unserm Loealblatte veranlassen und dadurch mit beitragen möchte, daß die Bevölkerung dem kirchlichen Leben eine verständnißinnigere Theilnahme entgegenbrächte
Eine Aufklärung von der Kanzel während des Gottesdienstes erfüllt diesen Zweck nicht, denn eS kann auck einmal dcm eifrigsten Kirchengänger paisiren, vaß er während eines solchen Vortrags nicht gc.icmvärtig ist und vom Hörensagen läßt sich keine genaue Belehrung erwerben, so etwas will gelegen, sogar öfters gelesen sein, wenn es sich fest einprägen soll.
Wir hoffen, daß cs nur dieser Anregung bedarf um den Kirchenvorstand zu veranlassen, daß er bei zukünftigen Fallen strenger nach dem Wortlaute und dem Geiste tzes Geietzes sandelt.
Neueste Musikalien.
Thron geschaart, und mit Liebe aller deutschen Stämme in Nord, Süd, Ost und West unseres theuren Vaterlands I
Unserem erhabenen Kaiser, seinen hohen Verbündeten und dem ganzen deutschen Reich ein dreifach donnerndes Gut Heil!!!"
Der derz. Vertreter, des Miitelrbeinkreises, Herr E. Reuter aus Darmstadt, dankte dann noch Namens der ver'ammelten Turner der Einwohnerschaft Gießens für die festliche und liebevolle Aufnahme und erklärte hierbei, daß keine Stadt im Bezirk des Mittel rheinkreises bis jetzt noch in der Lage gewesen sei und schwerlich auch sein werde, die ein so großartiges Fest nrrongiren könne wie gerade Gießen Es freut uns, dieses unseren Lesern bringen zu können. — Die Fest Halle selbst rvar trotz der Näffe am Montag Abend gestern (Dienstag) früh wieder vollständig trocken gelegt. Der Festwirth hatte es verstanden, den Boden der ganzen Halle nut Sagemehl hoch bedecken zu lassen, und saßen die Gäste so trocken als wenn kein Regen stattgefunden. Wir müssen überhaupt die Leistungen des Festwirths als hbr rühmend anerkennen Trotz einer Kellnerschaar von 66 Mann war die Ueberwachung und Eontrolirung dieser Leute eine vollständige und mancher dieser schwarzbefrackten Herren wurden an die Luft herausgefubrwerkt, weil er sich ankommen Mß, die Gäste zu betrügen. Unterstützt wurde der Wirth durch seinen Oberkellner Herrn Schlimbach und hätte die Wahl keine bessere sein
können. In peeuniärer Beziehung ist anzunehmen, daß jeder Wirth auf dem Feftplatz und
u in denselben sein Geschäft gemacht bat. Sehr erfreut können wir weite: die Thatsache con-
statiren, daß während der Festtage auf dem Festplatz sowohl als auch in der Festhalle nicht die
geringste Störung vorgekommen, was bei einer so furchtbaren Menschenmenge doch so sehr leicht möglich ist. — .
— — Wenn allgemein anerkannt wird, daß das Turnfest sehr sckön und beiter verlief, so muß um so lebhafter bedauert werden, daß am Schluffe desselben em brutaler Angriff auf fremde Menschen und deren Eigknthum stattgefunden hat. Heute Dienstag) Nachlsnach 3 Uhr hieben|ficb nämlich vier hiesige junge Burschen und Bürger an den Wagen der jenseits des Bahndammes haltenden Schaubudenbesitzer herum und ängstigten durch Klopfen die Bewohner derselben so sehr, daß die meisten davon in den Hemden heraussprangen, um sich zur Wehre zu setzen. Darauf holten jene I noch eine größere Anzahl junger Männer herbei, welche mit vereinten Tratten einen gewaltsamen Angriff auf mehrere Buden und Deren Bewohner machten. Die Vorhänge und Wände von Leinwand wurden zerrriffen und zerschnitten, anderes Eigenthuin durch Steinhagel beschädigt und die Frau deS Panorama-Besitzers Levi am Kopfe schwer ver wundet; außerdem bat es auf beiden Seiten noch mehrere Verletzungen gegeben Die Thäter, zusammen 14—16 Personen, sind bereits ermittelt, man hofft, daß sie den angerichteten Schaden auf dem Vergleichswcge ersetzen werden.
Die Nacht vorher hat ein fremder Kellner, welcher wegen Trunkenheit zur Feftballe hinauSgewvrfen worden war, aus den Straßen einen Höllenlärm durch Schimpfen und Drohen verursacht und alS er deshalb von einem Polizei Offician en verhaftet werden sollte, bat er sich gegen diesen gröblich widersetzt, indem er denselben scklug und trat und ihm die Uniform zerriß. Vergebens bat de Polizei-Ofsieiant Vorübergehende um ihren Beistand angerufen, dock anstatt ihm zu Hilfe zu kommen, haben diese noch auf den öffentlichen D euer gesckimpt, was sehr zu beklagen ist.
Indem wir unfern Lesern hiermit einige der neuesten und überall äußerst günstig aufgenommenen Musikalien bezeichnen, verfehlen wir nickt, darauf aufmerksam zu machen, daß du- selben eineStheils als musikalische Lehrwerke und den Werken großer Meister entnommen, andern« theil» als Originalschöpfungen bester Gattung die allgemeinste Beachtung der Lernenden ur.b Ausübenden in Anspruch nehmen
Album CUtNHiQWie. Auswahl klassischer Werke für das Pianoforte zu zwei Händen, revidirt von Sir Julius Bcncdict. Colleetion Litolff. 391. Pr. 15 Sgr. — Em» hält 18 Piöecn von Back, Bcclhovcn, Eramcr, Duffkk, Fikld, Gluck, Händkl, Mozari, Haydn, Paradisi, Schubert und Scarlatti auf 72 Ouametten. Eine höchst interessante flu* lese kurzer und charakteristischer Eompositwnen der besten Meister.
liwh-AUmm. Sammlung berühmter Klavierstücke, Gavotten, Bourr-et, GigukS u. s. rv von I. S. Bach, revidirt, mit Fingersatz und Vortrags-Bezeichnungen vergehen von. Richard Mctzdorff. Eoll. Litolff 3*6. Pr IO Sgr. — Dieser durch 'einen Znba.t so äußerst werthvolle Band enthält 17 der anziehendsten Werke des verehrten Altmeisters, mit großer Sackkenntrrß und in sorgfältiger Auswahl der allgemeinen Praris zugängig gemacht und besonders als Studium der Alten allen Denen zu empfehlen, denen Zeit und Muße fehlt, um deren Werke in ihrem aanjen Umfange praktisch kennen zu lernen.
Cur! 1B. «J. <'*rü<ten<,r1 (Werners Lieder aus Welichland) aul I. B. Scheffels l„Der Trompeter von Säckingen") Lieder Evelus für eine Singstimme mit Pianofortebealkitung Collection Litolff. 393. - Pr 15 Sgr. — Der b kannte und maß» gebende Musikkritiker Herr Albert Tottmann in Leipzig sagt in einer ausführlichen ®e» iprechuirg dieser Lieder (Siehe den gratis zu beziehenden ..Monatsbericht der Eolleetion Litolff" 1874 No 4.) unter Andern,: Geistreich und eigenartig, tragen sie überall den Stempel natu» lieber, neuner und unge'chminktee Empfindung an sich unk sind ebenso deelamatorisck eorrech wie volksthümlick und sprechend in ihrem seelischen Ausdrucke." — Alle drei Werke sind in Henry Litolffs Verlag in Braunschweig erschienen.
Lefegr ujihische Depeschen.
London, 28. Juli Unterhaus. Auf eine bezügliche Interpellation Simon's erklärte Disraeli, die Regierung habe von mehreren Mäckteu, denen fie das Circular betreffs der Brüsseler Confereuz zusandte, die befriedigendsten
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