Ausgabe 
30.7.1874
 
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Gießener Anzeiger

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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kiessen

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Donnerstag den 30. Juli

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Als die italienische Revolution sich Roms bemächtigte, verletzte

Krieg vom Zaune gebrochen hat. Dieses Mal indessen handelt es sich um eine

nicht zum Abschlüsse gelangen

S>rtte vrerlrljährig 1 fl. 12 kr. miii Bringerlohn. Durch die i:oft bezogen vierteljährig 1 fl- 29 fr.

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Erscheint täglich, mit AuS. nähme MontagS.

Expedition: Canzletberg, Ltt. B. Nr. 1.

sehr reelle Einmischung Frankreichs, da es ^'hne die Unterstützung der Carlisten seitens Frankreichs in Spanien keine Carlisten mehr geben würde.

Berlin, 27. Juli. Mit einer Dreistigkeit, die neben den sonstigen Ber- logeuheiten Anerkennung verdient, bekennt dieGermania" sich zu ihrem Beruf, die Regierung auf Tod und Leben zu bekämpfen und ihr um des Princips willen auch nicht das kleinste Zugeständniß zu machen. Sie läßt sich folgender^ maßen vernehmen:Die Maigesetze müssen weniger wegen ihres Inhalts als wegen des Princips, zu dessen Geltendmachung sie dienen sollen, bekämpft wer­den. Tie Kirche würde beispielsweise nichts dagegen haben, dem Staate die Geistlichen, deren Aiistellung beabsichtigt wird, zu bezeichnen, um ihm Gelegen­heit zu Einsprüchen aus irgend welchen Gründen zu geben, und hat solches auch in anderen Ländern schon gethan; aber wenn und wo dies geschehen ist, hat der Staat es nicht kraft feiner Oberhoheit über die Kirche gefordert, son­dern sich mit der Kirche als einer befreundeten Macht darüber verglichen. Die Maigesetze jedoch sind, ganz abgesehen von dem planmäßigen inneren Zusammen­hänge ihrer einzelnen Bestimmungen zum Zwecke völliger Lahmlegung kirchlichen Lebens und gänzlicher Dienstbarmachung der Kirche für die staatlichen Interessen der jeweiligen Staatsleitung durch ein angebliches (!)Hoheits"- undOber- hohettsrecht", durch einAufsichts"- undOberaufsichtsrecht" des Staates über die Kirche und durch dieSouverainetät der Gesetzgebung" motivirt worden, darum darf die Kirche ihnen gegenüber sich keines ihrer Rechte begeben, und ihre Vertheidiger dürfen sich zu Nichts verstehen, was als Unterwerfüng unter die unbegründeten Prätensionen des Staates ausgelegt werden könnte." Offener kann der Grundsatz nicht ausgesprochen werden, welcher dem Staatsrechtssystem des Ultramontanismus als Angelpunkt dient. Die römisch-katholische Kirche ist eine dem Staate gegenüber selbstständig dastehende Macht, welche sich den Ge­setzen desielben nur so weit unterwirft, als es ihr Beliebt. Denn der Staat

«franfcreidj.

Paris, 26. Juli. Der Cardinal Guibert, Erzbischof von Paris, hat nach seiner Rückkehr aus Rom einen Hirtenbrief veröffentlicht, worin sich fol­gende Stelle befindet:

Jedermann muß heute begreifen, daß die Kirche bei ihrer ungeheuren Aus­dehnung nur von einem von jeder weltlichen Macht unabhängigen Papst regiert

im Druck an die Stände, werden vielmehr erst bei den Letzteren zum Druck gebracht; daß aber den Ständen eine bezügliche Vorlage nicht zugegangen ist, steht außer Zweifel, und überdies verlautet aus bester Quelle, daß zwar der Text der Gesetze, uichr aber die Motive festgestellt seien, welche letztere viel­mehr noch beim Ministerium des Innern der Ausarbeitung harrten. In wie weit die in die Oeffentlicbkeit gedrungenen Notizen über den Inhalt der Gesetze dem schließlichen Sachverhalt entsprechen, mag vorerst dahin gestellt bleiben, soviel scheint aber festzustehen, daß die Bestimmung, daß zur Anstellung als katholischer Geistlicher die Vorbildung auf einer deutschen Universität erfordert sein soll, noch keineswegs die Wiederherstellung der katholisch-theologischen Fa­kultät auf der Gießener Universität mit Nothwendigkeit im Gefolge hat. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird' man von dieser Wiederherstellung schon des Kosten- Punktes wegen absehen.

Berlin, 26. Juli. In demselben Momente, wo dieNordd. Allg. Ztg." erklärte, die Neichsregierung werde schon Mittel finden, den carlistischen Banden begreiflich zu machen, daß sie nicht ungestraft deutsche Angehörige er­schießen dürfen, blos weil es Deutsche oder vielmehrPreußen" sind, wurde dem UebungSgeschwader unter Contre-Admiral Henke der Befehl übersandt, sich nach den spanischen Gewässern, d. h. nach dem Canal zu begeben und dort zu

kreuzen. Es ist dabei verstanden, daß das Geschwader in erster Linie den sie nicht allein die geheiligten Satzungen des Rechtes, sie stellte in der Welt Auftrag hat, den Carlisten die Zufuhr von der Seeseite abzuschneiden. Die auch ei furchtbares Problem auf, dessen Lösung nur das Mißlingen ihres Maßregel hat zunächst den'Charakter einer Repressalie wegen der Ermordung'gotteslästerlichen Unternehmens oder die Unterdrückung der katholischen Kirche, des Hauptmanns Schmidt. In zweiter Linie steht der völkerrechtliche Charakter d. h. des Chrtstenthums, sein mag.

die Euch fluchen." Bei der vom Herrn Pfarrer Gatzenmeier celebrirten Messe empfingen 20 Kinder das erste Abenmahl in sehr würdiger Weise. Vor der -Kirche standen zahlreiche Menschengruppeil, welche in derselben keinen Platz mchr fanden. 'Nach Beendigung des Gottesdienstes begrüßte das Publikum sehr freundlich teil heimfahrenden Bischof.

Kissingen, 26 Juli. Der gestern hier eingetroffene bayerische Finanz- Minister v. Pfretzschner machte dem Reichskanzler Fürsten Bismarck seinen Be-

derselben. Schon vor einiger Zeit ist darauf hingewieseu worden, daß, wenn Dieser Angriff des Erzbischofs gegen Italien, das man sich in der letzten erst der Beweis vorliege, daß die französische Regierung die Carlisten unter- Zeit auf alle mögliche Weise zu gewinnen sucht, macht hier viel böses Blut, stützte, die übrigen Regierungen sich für verpflichtet halten werden, ebenfalls Doch der Marschall Mac Mahon ist ein der Kirche zu ergebener Diener, als aus ihrer neutralen Haltung, natürlich zu Gunsten der Madrider Regierung, daß er es wagen sollte,, die bestehenden Gesetze gegen einen ihrer Würdenträger hervorzutreten. Es ist wohl zweifellos, daß das Vorgehen der Neichsregierung!in Anwendung bringen zu lassen.

kein isolirtes ist, sondern im Einverstäudniß mit den Großmächten erfolgt. Die! Paris, 26. Juli. Adrien Maggiolo, Redacteur, der, nachdem er sich Intervention Frankreichs in die spanischen Angelegenheiten ist um so auffallen-bei einem Duell mir Paul de Cassagnac sehr stark blamirt, auf einige Zeit

dingungen sestgenommen war, wie seine Landsleute während der Belagerung von Paris. Da seine deloyale Mission festgestellt worden, zeigte er Furcht; er handelte auf schmähliche Weise um sein Leben; er bot verschiedenartigen Verrath an und gewann nur ein wenig Würde, als er den Protestantismus abschwur. Sein Urtheil wurde nach genauer Untersuchung gefällt. Während seiner Gefangenschaft wurde er sehr höflich behandelt." Daß dies gemeine Lügen sind, weiß man schon durch übereinstimmende Berichte aus beiden Lagern. Die Anhänger der Carlisten aber fügen der Mordthat auch noch die nieder­trächtige Verleumdung hinzu.

Paris, 27. Juli. Fürst Hohenlohe war vorgestern bei dem Herzog von Decazes. Der Botschafter theilte dem Minister mit, er wisse, daß, falls Frankreich keine ernstlichen Maßregeln gegen die Carlisten ergreife, Deutschland Kriegsschiffe in die nordspanischen Gewässer senden werde. Der Fürst fügte hinzu, er mache diese Mittheilung, ohne dazu Befehl erhalten zu haben und in nichtamtlicher Weise. Er könne Frankreich natürlich keinen Rath ertheilen; er habe es jedoch für seine Pflicht gehalten, dem Minister des Auswärtigen vertraulich mitzutheilcn, daß man in Berlin entschlossen sei, Maßregeln gegen die Carlisten zu ergreifen.

Der Ministerrath hielt heute eine Sitzung, um über die Lage zu be- rathen. Er ist der Auflösung abgeneigt, weil weder die constitutionetten Gesetze noch das Wahlgesetz angenommen sind.

Die mit Prüfung der Auflösungsanträge betrauten Commissionen nah­men heute einen Bericht an, welchen sie in Betracht gezogen haben wollen. Humbert's Bericht über den Maleville'schen Auflösungsantrag ist sehr kurz. Er zählt die negativen Abstimmungen auf, wie diejenige vom 16. Mai, die Ver­werfung des Antrags auf Wiederherstellung der Monarchie und die Verwer­fung des Antrags Perier's, wodurch sich die Machtlosigkeit der Kammer klar dargethan habe. Humbert glaubt deshalb, daß Maleville's Antrag in ernstliche Erwägung gezogen werden müsse. Es ist noch unbekannt, ob die Kammer be­reits heute die Berichte erörtern wird. Jedenfalls kann die Frage heute noch

such und wurde von demselben heute zur Tafel gezogen.j

-Oelterreidj.

Wien, 28. Juli. Baron Anselm von Rothschild ist gestern Abend gestorben.

_______ kann eineMacht", mit der er sichvergleicht", nicht zur Beobachtung seiner

-o/ryypolbc!^ Gesetze verpflichten resp. zwingen. Er muß es sich gefallen lassen, daß eine iiitl Uwisse Kategorie seiner Angehörigen in ihrer Eigenschaft als Diener einer ta t "eben dem Staate stehendenMacht" sich über feine Gesetze stellt. Nun, da

Tlpiiffrfilnnh Kozmitt, 27. Juli. Der Weihbischof Janiczewski aus Posen wurde

AJtuipujiuiuj» heute Abend in das hiesige Kreisgerichts-Gefängniß eingeliefert.

Darmstadt, 26. Juli. Die kürzlich gebrachte Nachricht, als feiern München, 27. Juli. Gestern Vormittag hielt Bischof Reinkeus in die langerwarteten Kirchen-Gesetze bereitsim Drucke", ist leider unbegründet.^ der festlich geschmückten Nicolaikirche eine Predigt über den Text:Segnet die, Gesetzes-Vorlagen gelangen nach der in Hessen hergebrachten Hebung niemals die Euch fluchen." r ' 1 ~ ~ . ----

ebenen Städten die ter Zeit, baji M öthig sind, um ent erschikdenen Frm- $ejpred)ung war beftaubene Mil­chten dahin, erüuö eutoi(Mttiv ichchenHn DM- hmeiu Kchmant U L' ;chMemstr>,, Wallthor, * Kaufmann Kckgi-ß-r , iT, SchlniedlM.x möchten, °°1 > jiir Ml *

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der, als Frankreich, woran dieNordd. Allg. Ztg." betreffend erinnert, im nach Spanien gegangen war, um die Sache in Vergessenheit zu bringen, ist Jahre 1870 wegen der vermeintlichen Einmischung Preußens in Spanien den'nach Paris znrückgekehrt und schreibt in der legitinustisch-ultramontanen Union : " ' ' ' ' qIch will nichts von dem Spion Schmidt sagen, der unter den nämlichen Be-

Bonn, 27. Juli Die in Brühl, Bergheim, Düren und anderen geschehen.

Orten bestehenden Zweig-Vereine des Mainzer Katholiken-Vereins sind in diesen Morgen wird die Commission für den Antrag auf Vertagung der rnl c mf>er6<r' I Tagen von den zuständigen Behörden geschloffen worden. Kammer ernannt. Man glaubt, die Commission werde den Bericht sofort an-

mvtii wui x^iuuic nvytiivcu jiiy uvvi |vuic vsycjv^t: |icui. vmn, v« ihm/* <4V|u;in||t yciungcii, da, wenn Anträge in Erwägung gezogen wer-

dton unser Staat sich das nicht gefallen lassen will und sein selbstverständliches Recht'den, eine besondere Commission anS den Abtheilungen ernannt werden muß.

^stein- in Anspruch nimmt, so führt der Ultramontanismus gegen ihn einen Kampf! In Versailles herrscht noch große Ungewißheit, ob die Auflösung an-

auf Leben und Tod. genommen werden wird. Die officiösePresse" will wissen, es werde nicht