Ausgabe 
28.1.1874
 
Einzelbild herunterladen

Jahr massenhaft in den Händen von Manns- und Frauen-Orden sich befanden, fing man an, den ultramontanen Geist zu nähren; Bruderschaften, Abläsie, Sammlungen für denHeiligen Vater" zeigten den hierarchisch-staatsfeindlichen Geist. Ohne Controle war der Religions-Unterricht nicht blos, sondern der ganze Unterricht thatsächlich in die Hände des Clerus gelegt. In Gesellen- Vereinen, Sodalitäten, Bruderschaften aller Art unter Direction von Orden wurde über die Schule hinaus dieser Geist fortgepstanzt. Was da noch fehlte, ersetzten die Volksmissionen. Die Macht des Clerus ging so weit, daß unge­straft Einzelne in der Kirche öffentlicher Rüge ausgesetzt waren. Die Orden, massenhaft verbreitet, bildeten ein förmliches Netz, womit das Volk umstrickt war. Die Bildung und Erziehung des Clerus wurde ausschließlich in den Knaben-Seminarien und Clerical-Seminarien betrieben und war eine rein jesui­tisch-römische. Kein Geistlicher fand Schutz bei der Regierung. Es war zur Regel geworden, daß man die Pfarrer auf Widerruf anstellte, um sie in der Hand zu behalten. So ist es dahin gekommen, daß die Negierung bei Vor­lage des Entwurfes der Gesetze vom Mai 1873 in den Motiven, welche die Praxis seit 1848 darlegen, sagen mußte:Indessen ist zu erwägen, daß jene Praxis ohne ernste Gefährdung staatlicher Interessen möglich war, so lange dem Staate eine katholische Kirche mit einem selbstständigen Episcopate gegen­überstand. Sie würde aber nicht haben entstehen können, wenn vorauszusehen gewesen wäre, daß die Verfassung der katholischen Kirche, wie durch die vati- canischen Beschlüssen geschehen, eine fundamentale Aenderung erleiden und alle Macht, sowohl die des Regiments als aitch die der Gesetzgebung, auf das für unfehlbar erklärte Oberhaupt der Kirche in Rom übertragen werden würde. . . . Die nahezu absolute Abhängigkeit der katholischen Geistlichen von ihren Oberen wird dadurch noch erhöht, daß es, wo nicht Patronatsrechte in Frage kommen, in dem Belieben des Bischofs steht, ob er ein Pfarr- Beneficium definitiv oder, um den Inhaber beliebig versetzen zu können, nur interimistisch be­setzen will."

Deutschland.

Gießen, 27. Januar. Das Reichsgesetzblatt bringt folgende Kaiser­liche Verordnung:

V e r o r d n u n g , betreffend die Einberufung des Reichstages.

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen rc. verordnen aus Grund des Artikels 12 der Verfassung des Deut­schen Reichs, im Namen des Reiches, wie folgt:

Der Reichstag wird berufen, am 5. Februar d. Js. in Berlin zusammen­zutreten, und beauftragen Wir den Reichskanzler mit den zu diesem Zwecke nöthigen Vorbereitungeli.

Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beizedrück- tem Kaiserlichen Jnsiegel.

Gegeben Berlin, den 20. Januar 1874.

(L. S.) (gez.) Wilhelm.

(ggz.) Fürst von Bismarck.

Bekanntmachung.

Mit Bezugnahme auf die in Nr. 3 des Reichsgesetzblattes verkündete Kaiserliche Verordnung vom 20. Januar d. Js., durch welche der Reichstag berufen ist, am 5. Februar d. Js. in Berlin zusammenzutreten, wird hierdurch bekannt gemacht, daß die Benachrichtigung über den Ort und die Zeit der Eröffnungs-Sitzung in dem Bureau des Reichstags, Leipziger Straße Nr. 4, am 4. Februar in den Stunden von 9 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends, und am 5. Februar Vormittags, von 8 ab offen liegen wird.

In diesem Bureau werden auch die Legitimationskarten für die Eröff­nungs-Sitzung ausgegeben und alle sonst erforderlichen Mittheilungen in Bezug auf dieselbe gemacht werden.

Berlin, den 22. Januar 1874.

Das Reichskanzler - Amt. Delbrück.

Darmstadt, 22. Januar. Die Beratungen des Großh. Justizmini­steriums über den Gesetzentwurf, betr. die Beurkundung des Personenstandes und die Form der Eheschließung in den Provinzen Starkenblirg und Ober- heffen, haben dem Vernehmen nach zu Ende der verfloffenen Woche ihren An­fang genommen.

Darmstadt, 23. Januar. Im ganzen Großherzogthum wurden bei der Reichstagswahl rund 118,000 Stimmen abgegeben. Davon fallen aus die Nationalliberalen 75,000, auf die Ultramontanen 27,100, auf die liberale Reichspartei 7000. auf die Socialdemokraten 5600, auf die deutsche Reichs­partei 1300 und auf die demakratische Partei 1200 Stimmen.

Darmstadt, 24. Januar. Alle umlaufenden Gerüchte über Veschlüffe des Finanzausschusses zweiter Kammer wegen der Wittwengchalte, der Unter­scheidung zwischen Wittwen aus älterer und neuerer Zeit u. s. w., sind irrig. Der Finanzausschuß kommt erst an Berathung der Verhältniffe der Wittwen, nachdem die neuen Etats erledigt, und somit die Verhältnisse der Beamten selbst geregelt sind. In letzterer Beziehung steht aus verschiedene Vorschläge des Finanzausschusses die Entschließung des Gesammtministeriums zurück.

Mainz, 25. Januar. Die Wahlschlacht ist vorüber. Trotz außeror­dentlicher Anstrengungen ist die liberale Partei bei der gestrigen Stichwahl den, wenn auch nicht dem Namen nach, so doch thatsächlich vereinigten Ultramonta­nen, Demokraten und Social-Demokraten unterlegen. Es fielen auf ihren Can- didaten Görz 8419 Stimmen (wovon 3044 in Mainz), also 1051 mehr als bei der ersten Wahl, von welchem Plus 739 auf die Stadt Mainz, 312 auf das Land kommen. Auf Dr. Moufang hingegen vereinigten sich 9251 Stirn- men, wovon 3924 in Mainz, so daß derselbe in der Stadt Mainz zwar 45 Stimmen weniger bekommen hat, als bei der ersten Wahl Moufang, Oechsner (Demokrat) und Johann Jakoby zusammen, auf dem Lande aber 7 16 Stim­men mehr. Eine solche Wahlbetheiligung ist in hiesiger Gegend noch nicht vor­gekommen und der Wahlkampf wird tiefgreifende Nachwirkungen haben; nicht nur für die liberale Partei, welche durch ihre Niederlage voraussichtlich zu energischer Thätigkeit emporgcstachelt werd.n wird, sondern auch für die demo­kratische Partei, welche jetzt als solche vom Schauplatz abgetreten ist, und für

die social-demokratische, welche sich mit Recht jetzt als die ausschlaggebende be­trachtet und hieraus ohne Zweifel eine große Kräftigung gewinnen wird. Die Social-Demokraten haben fast Mann für Mann ihre Stimmen dem ultramon- nen Candidaten zugewendet, nachdem ihr Führer Most am verfloffenen Donnerstag Abend in einer Versammlung erklärt hatte, für dieArbeiter" sei es an sich ganz gleichgültig, welcher der beiden Candidaten siege, da beider Grundsätze ihnen gleich feindlich feien, aber Moufang sei der zur Zeit den Arbeiter-Interessen weniger Gefährliche, für ihn müffe man al io stimmen.- Was dieDemokraten" betrifft, so hatten dieselben beschlössen, sich als Partei der Wahl zu enthalten, nachdem ein mit der Fortschrittspartei gepflogener Brief­wechsel einen Verlauf genommen, welcher für jeden Unbefangenen das Nicht­wollen der demokratischen Führer zweifellos machen muß; in Wirklichkeit aber stimmte die Mehrbeit für Dr. Moufang (auf dnn Lande läßt sich sogar deut­lich beobachten, daß hierzu die Parole ausgegeben worden war.) Vielleicht ein Drittel der seitherigen Demokraten hat sich der Wahl enthalten oder für Görz gestimmt. Die Ültramontanen endlich haben in den katholischen Ort­schaften um Mainz das Unglaubliche geleistet, um jeden Mann zur Wahlurne herbeizuholen, und gegen diese Massen-Ausgebote konnte die Treue, mit welcher die ohnehin schon aus's Aeußerste angestrengten liberalen (nieift protestantischen) Laud-Orte noch einige weitere Stimmen darzubieten suchten, und mit welcher auch in den katholischen Orten die liberale Partei fest zusammenbielt, nicht kommen. Die liberale Partei ist mit Ehren unterlegen hat sie doch u. A. diesmal in 4 Bezirken von den 14 Wahlbezirken der Stadt Mainz die abso­lute Mehrheit erlangt aber sie ist unterlegen. Aus Hessen sendet das goldene Mainz" den einzigen ultramontanen Abgeordneten in den Reichstag, und der Rhein fließt nicht von Coblenz, sondern schon von Mainz an din- tenschwarz. . (Frkftr. Journ.)

Berlin, 25. Januar. Das Haus der Abgeordneten hat seinen Com­missionen, insbesondere seiner Budget-Commission, für morgen einen Arbeitstag ohne Plenarsitzung gewähren müsfeu. Die Berathung des Etats deü Cultus- Ministeriums ist in der Commission noch nicht beendet und die des Eijenbahn- etats noch nicht einmal begonnen. Beim Cultusetat wird die Position für den altkatholischen Bischof Dr. Reinkens ohne Zweifel zu principiellen Erörterungen Veranlassung geben. Die hiesige Volks-Zeitung und demnach wohl überhaupt der linke Flügel der Fortschrittspartei wird dagegen fein, weil er für die so­fortige abstracte Trennung von Staat und Kirche schwärmt, und das Centrnm wird dagegen sein, weil es die Altkatholiken überhaupt nicht mehr als Mit­glieder der katholischen Kirche anerkennen will. Der Prätention des Centrums steht aber bereits eine rechtskräftige Entscheidung des Ober-Tribunals entgegen. Es gilt in Preußen die Einheit der katholischen Kirche dem Staate gegenüber, also Unterschied des staatlich anerkannten Bekenntnisses nach außen, bei ge­trennter Religionsübung nach innen. Dieser Rechtslage entspricht der gegen­wärtige thatsächliche Besitzstand keineswegs; die Altkatholiken erscheinen unbillig und rechtswidrig benachtheiligt. Allein für eine gründliche gesetzliche Regelung der Vermögensverhältnisse haben bisher die Vorbereitungen noch nicht erledigt werden können, und so bleibt nichts übrig, als ein interimistisches Auskunfts- mirtel, und das ©entrinn sollte die Liberalität des Staates anerkennen, der die Dotation für den Bischof Reinkens nicht aus der Gesammt - Dotation des katholischen Episcopats nimmt, sondern dieselbe aus feinen eigenen anderweiteu Mitteln zuschießt. Vielleicht kommen später vaticanische Minoritäten in dieselbe Lage, in welcher sich jetzt die allkatholischen Minoritäten befinden, und diese lernen dann wohl billiger denken und von dem biblischen Gerechtigkeitsgrimd- satze:Was ihr nicht wollt, das euch geschehe rc.", auch auf dieses neue Cultus-Schisma Anwendung machen. Die neue kirchenpolitische Vorlage, welche in den Fällen, wo ein staatlich anerkannter Bischof ober Bisthumsverweser nicht existirt, das Recht der Wiederbesetzimg eines erledigten geistlichen Amtes entweder dem bisherigen Patron, resp. sonstigen Patrouatsberechtigten, oder der Pfarrgemeinde überträgt, wird möglicher Weise demnächst vaticanische Minori­täten zur Bildung separatistischer Cultnsgemeindeii veranlaffen, und diese werden alsdann eben dieselben Rechts- und Billigkeitsgrundsätze für sich anrufen, welche jetzt den Schutz der Altkatholiken bilden.

Berlin, 27. Januar. Herrenhaus. Nachdem die Constituirung der Commission für d?.s Civilehe Gesetz angezeigt ist, erstattet die Finanz-Commission Bericht über den Gesetzentwurf, betr. die Aushebung der Mahl-Eingangssteuer von Stärke (Kraftmehl) und Stärkepuder. Der Gesetzentwurf wird angenommen. Aus den Bericht der Commission für Handel und Gewerbe über die von dem Handelsminister vorgelegte Uebersicht über die Verwaltung der fiscalischen Bergwerke rc. im Jahre 1872 wird ein Antrag der Commission angenommen, daß der Bergverwaltmig die Anerkennung deS Hauses ansgespiochen werde. Die Petition des Grasen Pinto zu Mettkan um Erlaß eines Allodifications- Uebergangs - Gesetzes für die Lehne wird durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Das Abgeordnetenhaus genehmigte in dritter Berathung den Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung deS §.125 der hannöverischen bürger­lichen Proceß-Ordnung, fast ohne Debatte, desgleichen den Gesetz-Entwurf, betreffend die Vereinigung des Ober-Äppellationsgerichts mit dem Obcrtribunal. Hieraus sand Die erste Berathung des Gesetz-Entwurfs, betreffend die Ablösung der den Geistlichen und Schiil-Jnstituteu rc. in der Provinz Hannover zustehenden Realberechtignngen, statt, und wurde zweite Lesiuig im Plenum beschlossen. Die Rechnungen der Casse der Oberrechnungskammer für 1872 wurden der Budget- Commission überwiesen. Hierauf wurde die zweite Berathung des Staatshaus­halts-Etats für 1874 fortgesetzt. Ein Antrag Kieschke's auf Erlaß einer neuen Städte-Ordnmig wurde abgelehnt, in der Debatte hierüber erklärte der Minister des Innern, auch in der nächsten Session eine solche nicht vorlegen zu können. Die Weiterberathuug des Etats des Ministeriums des Innern erfolgt in der heutigen Abendsitzung.

Posen, 25. Januar. Wie die Ostd. Ztg. vernimmt, ist für den Erz­bischof nunmehr für den Fall der Sistirung das Gerichtsgefängniß in Frank­furt a O- definitiv in Aussicht angenommen. Schon wieder sind Briefe an denPrimas" eingelaufen, welche deffen Organ, der Kuryer Poznanski, ver- öffeiulicht. Die Brieffender sind diesmal: der Fürstbischof der Diöcese Seckau (Gratz), Johann Zwerger, Der Primas Belgiens, Erzbischof von Mecheln, und einige Ültramontanen Englands, unter denen auch der Name des Herzogs von Norfolk figurirt. Ans dem Briefe des belgischen Primas an den polnischen ist ersichtlich, daß elfterer schon einige Male an seinen Posener Collegen geschrieben, aber keine Antwort erhalten hat. Aus diesem nun endlich nach Posen gelang»

Briefe 6'f^1 nw" Lus t El i"' " j göttlic

<*

W'

jir W »iT

Di' N»l W tie NichliZstik u- W b« Mthc,' M'lcl u> gegen SN wetten Die cn Alands W Patriot^» beut) erirähnrnswerlh;1 AtsMatoren W folgte; W abe -andtt-Mn tn beit bringt, sich 1 träumt unb Gonbt eine ©omö

Gotha, 21

ner an Dr Peter 1873 in der Ä

München

lin, um im Bund

nnitbmen.

Mühlha Dnsirnrnlniig hat ausgestellt.

Bern, 2 weiteren drei Si

marschimi werde

daselbst geniefene

im Frühjahr v. 5 diesen letzteren Pi Hvser sein Haupt aufgebotenen ßoin ren zwei nach W hat Obers nähme des Ober

N dem in De kenntlich ein ul Ölt genauir ^er Nationalrat!

dm Ander Antrags de

Mennigen Wtftnott des */ eins dem ftn

ei- "Hl beiu f(le W N

®ie5tn