liehenen Ordens der eisernen Krone dritter Classe und am 26. Januar dem Geh. Regierungsrath Fink zu Darmstadt die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Sr. Majestät dem Deutschen Kaiser, König von Preußen, verliehenen Kronen-Ordens zweiter Classe zu ertheilen.
5. Charakterertheilungen. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 28. Januar dem Seconde-Lieutenant a. D. Anton den Charakter als Premier-Lieutenant und am 29. Januar dem Ministerial- Protokollisten i. P. vom früheren Kriegslninisterium, Mahr den Titel Ministe- rial-Registrator zu verleihen.
6. Concurrenzeröffuungen. Erledigt sind: die dritte evangelische Schuld stelle zu Höchst, im Kreise Neustadt, mit einem jährlichen Gehalt von 480 fl.; dem Herrn Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg unb dem Herrn Grafen zu Erbach-Schönberg steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu; die obere Knabenschulstelle des Schulbezirks St. Stephaii zu Maiiiz mit einem jährlichen Gehalt von 750 fl.; die evangelische Schulstelle zu Fischbach, im Kreise Alsfeld, mit einem jährlichen Gehalt von 400 fl.
7. Sterbefälle. Gestorben sind: am 9. Januar der Steueraufsehcr Klauß zu Bingen; am 14. Januar der Oberst i. P. Ludwig Adolph Westerweller von Anthoni zu Darmstadt; am 20. Januar der Kretsveterinärarzt des Kreisveterinäramts Friedberg, Johann Peter Vorn zu Friedberg; am 23. Januar der pensionirte Gerichtsvollzieher Peter Claß zu Vtngen; am 27. Januar der Landgerichts-Assessor und Bezirksstrafrichter, Justizrath Klingelhöffer zu Gießen; am 2. Februar der Hauptstaatskasse-Bnchhalter Georg Schneidmüller zu Darmstadt; am 17. Februar der Advocat - Anwalt Johann Baptist Krämer zu Alzey.
Darmstadt, 24. Februar. In Folge des gestern erfolgten Todes des Landtags-Abgeordneten Metz wird der baldige Zusammentritt der zweiten Kammer mindestens für einen Tag zu gewärtigen sein. Metz war Präsident des Finanz-Ausschusses und hatte zugleich eine Reihe der wichtigsten, diesem Ausschuß obliegenden Referate, z. V. auch das über den Wiederaufbau des hiesigen Hoftheaters. Da viele der einschlägigen Angelegenheiten eilender Natur sind, so kann von einer schleunigen Ergänzung des Ausschusses, der bei der Abwesenheit Welcker's und Martin's beim Reichstag jetzt auf 4 Mitglieder reducirt ist, kaum abgesehen werden, lieber den so plötzlich erfolgten Tod von Metz erfährt man, daß der Genannte, während er mit seinem Sohne gegen halb 12 Uhr Morgens nach dem Main-Neckar-Bahnhof ging, in der Anlage, nicht weit von seinem Hause und in nächster Nähe der Güter-Expedition der Main- Neckar-Bahn, völlig unerwartet einen so heftigen Blutsturz bekam, daß er jo- fort zusammensank und in die Güter-Expedition, von wo sofort Hülse kam, getragen werden mußte. Trotz ärztlichen Beistands gab er hier in wenigen Minuten seinen Geist auf. Er stand im 56. Lebensjahr. (Frkstr. Journ.)
Mainz, 20. Februar. Das Ministerium hat in jüngster Zeit eine nicht unwichtige principielle Entscheidung bezüglich der Friedhöfe getroffen. Das napoleonische Deeret vom Jahre XU, welches die Kirchhöfe als Leichen-Gründe zu schließen befahl und dafür gemeinschaftliche Gottesäcker in einer Entfernung von mindestens einem Kilometer nördlich der Umfassung der Städte anordnete, wurde seither von einer Seite dahin interpretirt, als sei damit auch die ausschließliche Confessionalität der Friedhöfe ausgesprochen. Diese Tendenz wurdr von Eiferern so weit ausgedehnt, daß auch die Leichenhäuser als ausschließlich confessionelle Anstalten betrachtet werden sollten. Der hiesige Friedhof ist nach diesem Gesichtspunkte für die christlichen Confessionen durch einen Weg geschieden. Die Israeliten besitzen einen besonderen Friedhof. Dieser fällt in die Stadterweiterung und muß demgemäß geschloffen werden. In der oben berührten Entscheidung der Negierung sind die Friedhöfe als allgemeine, dem politischen Bürgerverband gemeinsame bezeichnet und wir werden nun auf dem großen zu diesem Zweck neben dem alten Friedhof erworbenen Grundstück einen interconfessionellen Friedhof entstehen sehen, wie ihn z. B. die Stadt Alzey längst für ihre Bürger aller Confessionen besitzt.
Berlin, 22. Februar. Es laufen noch neuere Nachrichten über die verheerenden Wirklingen des letzten Sturmes ein. Namentlich ist die kleine Insel Rüden, bekannt durch die Landung Gustav Adolphes und den auf derselben errichteten Leuchtthurm, arg beschädigt und zerrissen worden. Die Bewohner haben sich meistelis nach Rügen geflüchtet, weil die Brunilen mit Salzwasser gefüllt worden sind. Von Zingst hat sich das Waffer verlaufen; aber die armen Bewohner sehen ihrer Zliknnft muthlos entgegeil. Ein kräftiges An greifen der beabsichtigten Schutzbauten wird sie hoffentlich wieder ermuthigen. Uebrigens widmete bei Gelegenheit der Stürme, durch welche zahllose Telegraphenstangen eingeriffen waren, die „Volkszeitung" unserem Telegraphenwesen einen Leitartikel, in welchem sie mit dem größten Rechte nach unterirdischen Leitungen verlangt
Berlin, 23. Februar. Der „Reichs-Anz." veröffentlicht eine Verfügung des Cliltusministers vom 20. d. Mts. an den Ober-Präsidenten der Provinz Posen, wonach die Studirenden der katholischen Theologie, welche ganz oder theilweise in Innsbruck ihre Studien absolviren, für eine Anstellung in einem inländischen geistlichen Amte auf eine Dispensation von dem Erforderniß eines dreijährigen Studiums auf einer deutschen Staats-Universität llichr zu rechnen haben. Die Fakllltäts - Einrichtungen in Innsbruck böten weder betreffs der Lebensweise der Studirenden, noch hinsichtlich des Inhalts und der Tendenz des Unterrichts einen Ersatz des gesetzlich vorgeschriebenen Stlldiums auf einer deutschen Staats-Universität.
Berlin, 23. Februar. Reichstagssitzung. Der Nürllberger Staatsanwalt sucht die Ernlächtignug zur gerichtlichen Verfolgung denlokratischer Blätter, welche der Beleidigung des Reichstags beschuldigt werben, nach. Das Gesuch geht an die Geschäftsordnungs-Commission, ebenso eine Mittheilung des Bundesraths über die Behandlung früherer Beschlüffe des Reichstags. Auf die Interpellation Minnigerode's erwidert Delbrück, daß ein Reichseisenbahn- Gesetz, wenn irgend möglich, in der Herbst-Session vorgelegt werden soll. Der Gesetz-Entwurf über die Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben des Reiches, sowie der Gesetz-Entwurf, betr. die Einrichtung und die Befugniffe des Rechnungshofes, gehen an eine Commission von 14, die allgemeinen Rechnungen über den Haushalt des norddeutschen Bundes für 2. Sem. 1867 —1870 an eine Commission von 7 Mitgliedern. Der Gesetz-Entwurf, betr. ine, einer besonderen Genehmigung bedürfenden, gewerblichen Anlagen, wird in dritter Be- rathnng ohne Debatte angenommen. — General - Arzt Löffler ist gestern am Herzschlag gestorben.
Berlin, 24. Februar. Der gestern von dem Abgeordneten Guerber und Genoffen im Reichstage gestellte Antrag , betr. Aufhebung der discretionä- reii Befugnisse des Oberpräsidenten von Elsaß - Lothringen, ist von 15 Ultra- montanen und einem Polen unterstützt.
Kiel, 23. Februar. Die „Kieler Ztg." meldet: Vice-Adimra. Jach, manu ist unter Verleihung des Adler-Ordens i. Classe mit der aeseklicken Pension zur Disposition gestellt.
Posen, 24. Februar. Der Erzbischof Ledochowski ist heute wegen Übertretung der kirchen-politischen Gesetze in acht verschiedenen Fällen zu einer Geldstrafe von 8000 Thlrn. vernrtheilt worden.
Straßburg, 23. Februar. Das „Elsäffer Journal" enthält eine Zuschrift des Abgeordneten Guerber aus Berlin, worin dieser im eigenen und im Namen von sechs anderen eliaß-lothringischen Abgeordneten die Solidarität mit dcr Erklärung des Bischofs Räß in der Reichstags-Sitzung vom 10. Februar ablehnt. Eine Anzahl hiesiger katholischer Einwohner fordert den Bischof auf, sein Mandat niederzulegen und verheißt eine fernere Agitation zu diesem Zwecke.
Schweiz.
Bern, 24. Februar. Da die Ruhe und Orduiing im Jura zurückge- kchrt zu sein scheinen, beschloß die Regierung, das noch dort befindliche Mili- tär zurückzuziehen.
iranftueicQ.
Paris, 21. Februar. Laut „La Preffe" erhielt der Marquis v No- ailles von Decazes genaue Weisungen über ein versöhnliches Auftreten gegen die italienische Regierung. Der Minister empfahl ebenfalls achtnngsvollste Zurückhaltung in Bezug auf den Papst.
- Der Bericht des Ausschusses, welcher die Angelegenheit des Abgeordneten Moncourt zu untersuchen hatte, spricht sich für die Verfolgung deö Ge- nannten aus; der Ausschuß für Amnestie hat sich aus Antrag Preffens^'s gegen die Verfolgung erklärt.
— Die Nachricht des bonapartistischen „Ordre", Chambord habe die dreifarbige Fahne angenommen, ist ohne Begründung.
— Die Marschallin Bazaine hat nur zeitweilige Ermächtigung erhalten, bei ihrem Manne zu verweilen.
— Der Contre-Admiral Bruart und der im Departement Pas de Calais gewählte Deputirte Paris (linkes Centrum) finb gestorben.
Paris, 22. Februar. Aus Toulon, 20. Februar, wird berichtet: Die Segelfregatte Alceste hat den Befehl erhalten, sich sofort seebereit zu halten, um den Gefangenen-Transport der „Sibylle", die sich in einen algerischen Hafen flüchtete, da sie auf hoher See einen Leck bekommen, zu übernehmen und nach Neu-Caledonien zu überführeii. Der Dampfer Ardüche wird aus Algier erwartet. An dessen Bord befinden sich 800 spanische Gefangene, die in einem hiesigen Fort untergebracht werden sollen. Es sollen sich einige französische Emigranten darunter befinden, die sich unter der Commune stark compromittirt hätten. Es wird eine specielle Commission ernannt werden, um deren Personalien festzust^llen.
Spanien
Madrid, 23 Februar. Ein Decret der Madrider Regierung führt eine Progressiv - Stempelsteuer auf Eisenbahn-Obligationen ein. — General Moriones wartet in Castro günstigeres Wetter zur Fortsetzung seiner Operationen ab.
England.
Loudon, 23. Februar. Der deutsche Botschafter Graf Münster überreichte dem Earl Russell ein eigenhändiges Schreiben des deutschen Kaisers, in welchem er Russell und Murray für die warmen Sympathien Englands für Deutschland im Kampfe mit dem Ultramontanismus dankt. Es heißt, eine Deputation britischer Protestanten werde in allernächster Zeit nach Berlin gehen und dem Kaiser für das an den jüngst stattgefundenen Protestanten-Meetings genommene Interesse zu danken und ihre Genugthuinig über das Reciprocitäts- Meeting in Berlin auszudrücken.
JiußCanö.
Moskau, 23. Februar, Abends. Der Kaiser von Oesterreich ist soeben hier eingetroffen und auf dem festlichst geschmückten Bahnhofe von den Spitzen der Behörden empfangen worden. Ganz Moskau ist beflaggt und aufs Glänzendste illnminirt.
Vermischte-.
Berlin. In der Familie eines Rentiers fingen die beiden Töchter an zu kränkeln. Nach dem der Arzt untersucht, beobachtet und eine kurze Zeit Medikamente verordnet hatte, m klärte er rund heraus, er sei fest überzeugt, daß der Kopfschmerz der Damen sich stetig steigem und ihnen ihr späteres Leben zur Last machen werde, falls sie sich nicht entschlössen, den Wulst von falschen Zöpfen, Haaren und selbst ekelerregenden Materialien abzulegcn, mit denen sie die längste Zeit ihre- jungfräulichen Leben- das Haupt schmückten! Der verständige Doctor fügte noch hinzu, daß die Damen, wenn sie immer wüßten, was sie auf ihrem Kopf herumtrügen, vies bald lassen würden; seiner Meinung nach hätten die seit Jahren überhandnebmenden Kopfkrankheiten beim weiblichen Geschlecht zumeist ihren Grund in der angeregten Verunzierung des Kopfes.
Altenburg. Am Samstag wurde in den Felsenkcllcr einer Brauerei durch einen 60 Fuß tiefen Schacht Eis eingebracht und war hernack versäumt worben, denselben zu übtr decken. Am Sonntag Abend gegen 10 Uhr suchte ein Pärchen unter der Halle, welche über Dem Felsenkeller steht, ein ruhiges Plänchen; diese war aber mit Lagerfässern besetzt, nur »o der Schacht in den Keller führt, ist noch Raum für ein verliebtes Paar, und daß Unglück will, daß Bursche und Mädchen in die Tiefe stürzen. Der erstere ist mit einem Beinbruch, die letztere (16 Jahre alt, — auch ein Zeichen der Zeit —) mit einem Loch im Kopf und einigen Quetschungen davongekommen, nachdem sie biS zum anderen Morgen auf dem Eise abgekübll worden waren und beim Schein einiger Zündhölzchen um das zersplitterte Bein einen noth- dürftigen Verband mit einem Sacktuche angelegt hatten.
Aus Lemberg, 18. d., wird der „92. fr. Pr." geschrieben: Die hiesige Jesuitenkirche war gestern der Schauplatz eines schreeklichen Ereignisies, welches allgemeine Bestürzung unter der hiesigen Bevölkerung hervorgerufen hat. In der prächtig ausgestatteten und qiänzend beleuchteten Kirche fand nämlich auch gestern, wie dieß sckwn seit Jabren an diesem Tage zu gesckehen pflegt, aus Anlaß der herannahenden Fastenzeit ein feierlicher Gottesdienst statt, welchem eine ungewöhnlich zahlreicke Menge beiwohnte. Kaum hatte der seiner oratorischtn Begabung wegen bekannte Jesuiten-Pater Krechowiecki seine zumeist für eine weibliche Zuhörer- scbaft bestimmte Predigt beendigt, als plötzlich der Ruf: „Feuer — es brennt!" erscholl. T't Seenc die hierauf folgte, spottet jeder Beschreibung. Trotz aller Beschwichtigungen seitens des


