das Recht zu schützen und zu vertheidigen! Nicht um Gnade bitten wir, Herr Minister, sondern — um unser gutes Recht!"
Freck und brutal gegen die Vertreter des Landes, kriechend und schmeichelnd gegen den Minister: das ist die Taktik der Jesuiten in Hessen. In Bayern verfahren sie umgekehrt. Nach ihrem bekannten Wahlspruch heiligt ja das Mittel den Zweck. (N. Frkftr. Pr.)
Mainz, 20. October. Bei der heutigen Wahl des Bürgermeisters wurde Bürgermeister Wallau mit 23 gegen 13 Stimmen der Ultramontanen gewählt.
Berlin, 18. October. Zuverlässiger Nachricht zufolge ist eine große Anzahl preußischer, vorzugsweise den rheinisch-westfälischen Hüttenbezirken an- gehörender Arbeiter, welche im vorigen Jahre mit ihren Familien auf die ihnen von Agenten englischer Geschäftshäuser gemachten Anerbietungen die Heimath verlassen und in Wales Arbeit genommen haben, dort in die traurigste Lage gerathen, weil die bezüglich der Arbeitsleistung und des Lohnes gemachten Versprechungen nicht erfüllt worden sind. Da Grund zu der Annahme vorhanden ist, daß auch in diesem Jahre in der Nheinprovinz Anwerbungen solcher Arbeiter für die Hüttenwerke in Wales vor sich gehen werden, so sollen die bethei ligten Arbeiterkreise warnend daraus hingewiesen werden.
Berlin, 19. October. Während mehrere englische Blätter die spanische Note einer flrittf unterziessen, soll die französische Regierung, wie aus mehrfachen Anzeichen zu schließen, gute Miene zu der Angelegenheit machen und dahin wirken wollen, daß dieselbe sich nicht weiter verwickle. Jene zum Theil gegnerische Sprache der Londoner Presse findet darin ihre Erklärung, daß man in London, wenigstens in der Zeitungswelt, eine in der Vorbereitling begriffene auswärtige Intervention fürchtet und diese Richtung nicht ermuthigen möchte. Es bedarf nicht der Wiederholung, daß diese Besorgniß überflüssig ist. Inzwischen soll die englische Negierung in Paris zur Nachgiebigkeit geratben haben, ersichtlich im Interesse des Friedens und weil Frankreich bei dem Verharren auf dem bisherigen Wege bald alle Welt gegen sich haben würde. Daher auch wohl auch die Symptome des Einlenkens, wie sie von Paris aus bemerkbar werden. Man will übrigens wissen, daß die spanische Note ursprünglich noch ungleich schroffer gefaßt war und alsdann bei mehr ruhiger Erwägung im Ton gemildert wurde.
Berlin, 19. October. Der Bischof von Münster ist in Untersuchung gezogen, weil er bei der Firmung in der gänzlich ultramontan gesinnten Stadt Nheinberg eine Rede gehalten, in der er von dem „modernen Heidenthum" sprach, welchem nach Ansicht des „unfehlbaren" Nedners „Schismatiker, Häre liker, Freimaurer, Altkatholiken, Protestanten und sonstige Abtrünnige von der heiligen römischen Mutterkirche" verfallen seien. Für diese Schmähung anderer vom Staate anerkannter Gesellschaften und Confessionen wird der Herr Bischof der gerechten Strafe nicht entgehen.
— Vom Kreisgericht in Esten ist dieser Tage der Wirth P. aus Stoppenberg in Folge der Aeußerung in Gegenwart von Polizelbeamtcn, er gäbe 25 Flaschen Champagner, wenn die Kugel Kullmann's den Fürsten Bismarck getödtet hätte, in 100 Thaler Geldbuße bezw. 2 Monaten Gefängniß verur- theilt worden.
Berlin, 20. October. Das Herrenhaus-Mitglied Kronsyndicus Professor Homeyer ist heute, der Director des städtischen Büreaus der Stadt Berlin, Professor Dr. Schwabe, gestern Abend gestorben.
Berlin, 20. October. Dem Vernehmen nach wird morgen der Untersuchungsrichter in der Arnim'schen Sache, Stadtgerichtsrath Pescatore, mit einem 'Protokollführer nach Paris abreisen, um behufs Beschleunigung des Protestes die Vernehmung des Pariser Botschafts-Personals zu bewirken.
Berlin, 20. October. Der Kaiser ist heute Morgen 81/2 Uhr wohlbehalten hier cingetroffen und vom Prinzen Georg und dem Minister des Innern auf dem Bahnhofe empfangen worden. Der Kronprinz, der ihm entgegengereist war, traf mit dem Kaiser ein.
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Paris, 19. October. Die osficiöse „Preste" meldet, der Präfekt der Seealpen werde zur Verfügung gestellt und der Maire von Nizza abgesetzt, da das Auftreten dieser Beiden während der letzten Wahlen ein wahrer Scandal gewesen sei; die Versetzung des Präfekten Nadaillac sei aber durch das spanische Memorandum für lange Zeit unmöglich gemacht. Die französische Negierung habe durch Abberufung des Orünoque bewiesen, daß sie gerechtfertigte Bemerkungen anzuhören und begründete Beschwerden sich zu ersparen verstehe; aber Nadaillac verdiene keine der ihm auf der andereu Seite der Berge gemachten Vorwürfe.
— Heute hat in ganz Frankreich die Session der Gcneralrärhe begonnen. Eine republikanische Versammlung stellte Gustav Levasseur als Candidateu im Departement der Oise auf; der' in Compiegne proclamirte Candidat Roustelle wird zurücktrcten. Der republikanische Candidat im Drüme-Departement ist Madier de Montjau, einer der beim Staatsstreich proscribirten Volksvertreter; im „Nord" ist Parse ausgestellt.
— Der Prinz von WaleS wird am Mittwoch und Donnerstag der Gast des Herzogs von Aumale in Chantilly sein, wo an diesen Tagen zwei Jagden stattfinden.
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Brüssel, 20. October. Eine Ordre des Königs tbeilt Belgien in uv ei; Haupt-MMtärbezirke. Ter erstere umfaßt die Provinzen Antwerpen, Dstflan dern und Weststandern, der zweite Brabant, Hennegail, Limbiirg und Luxemburg. Jeden Bezirk commandirt ein General-Lieutenant. Jede Provinz zerfällt iii Militär-Districte.
OhiliciL
Rom, 17. October. Die Ouästur hat ein scharfes Auge aus das Kloster der spanischen Trinitarier in der Via Condotti, weil es durch seine Lage im Mittelpunkte der Stadt dem geselligen Verkehr aller Parteien sich am leick- testen darbietet. Die Ouästur Agenten hatten jüngst Gelegenheit, manche Besucher des Klosters sich in der entlegenen Via Marforio verlieren zu sehen, was, vor zwei Tagen die Entdeckung einer aus gebornen Römern bestehendcu Car-, listengesellschast zur Folge batte? Die Polizei verhaftete 12 Personen, von denen einige schon bei einer carlistischen Bande gedient batten und nun hier als Werbeagenten für Don Carlos thätig waren- Die meisten trugen im Augenblicke der Verhaftung carlistische Uniformen, einige sogar Wassen. Mehrere
intereffante Papiere wurden mitgenommen. Bei dem ehemaligen päpstlichen Militär-Intendanten G. Monari, dem jetzigen Vice-Präsidenten einer Abkhei- lung der Gesellschaft für die katholischen Interessen, der mit den Verhafteten in Verbindung zu stehen scheint, wurde eine Haussuchung abgehalten, die einige anscheinend wichtige Papiere zu Tage förderte.
— Wie es heißt, werden die Kaiserinnen von Rußland und Oesterreich ihren Winteraufenthalt in Sorrent bei Neapel nehmen.
Spanien.
Madrid, 17. October. Der russische (osficiöse) Gesandte ist hier eingetroffen. — Bei Amposta ist eine Compagnie Carlisten gefangen gekommen worden. Dem Vernehmen nach weigern sich die Carlisten von Navarra und Biscaya, in die Provinz Leon cinzurücken; sie wollen nur in ihren Bergen kämpfen.
— Das Befinden des greisen Espartero ist Bedenken erregend.
— Aus der catalonischen Armee sind drei Divisionen gebildet worden. Die erste besteht aus den Brigaden der Generale Estevan und Macias und der Brigade des Ampurdan und wird von Estevan commandirt; die zweite aus den Brigaden Arraando und Salamanca unter dem Befehle des Generals Weyler; die dritte aus den Brigaden Araoz und Saenz de Tejada unter dem Befehle des Generals Montenegro. Der Brigadier Estevan ist aus Granollers in Vich angckommen.
Madrid, 19. October. Die Carlisten erschoffen mehrere Officiere wegen Unbotmäßigkeit. Don Alfonso hat die Absicht, den Ebro zu überschreiten, ausgegcben. Die Carlisten wurden bei dem Versuche, in Liria cinzudrin gen, zurückgeschlagen.
Madrid, 20 October. Nachrichten der Regierung zufolge überfiel der Negierungs-General Daban die aus 800 Mann Infanterie und 200 Reitern bestehende Abtheilung des Carlisten - Chefs Lozano nach deren Einmarsch im Dorfe Vogarra und nahm nach längerem Kampfe 200 Mann, darunter 15 Osficiere, gefangen.
dmerifia.
Vlontevideo, 18. October. Die Jnsurgenten-Chess Arredordo, Rivas und Borges slichen Bedingungen mit Mitre, der sich Buenos Avres nähert. Mehrere Kriegsschiffe sind zu den Jiisurgentcn übergegaiigen. Sarmiento befehligt die Vertheidiguugs Truppen der Hauptstadt. Sennor Diego Alvero ist zum bevollmächtigten Gesandten der argentinischen Republik in London und Rom ernannt. Buenos^-Ayres hat an Montevideo die Aufforderung gerichtet, die Ausfuhr von Waffen, Munition und allen Truppen Aushebungen zu verhiiidern.
Lokale Notiz.
Beschlüsse
des Gemeinderaths aus der Sitzung vom 8. October 1874.
Anwesend waren: der Großhcrzogl. Beigeordnete Felsing, die Gemeinderathsmitglicter Bücking, Dtery, (Sali, Hansteln, Hornberger, Keller, Körber, Lüdeking, Noll, Silbereisen, Wallenfels und Wenzel.
Dem Kaufmann Emil Fischbach wurde auf fein deSfallsigeS Gcsuck gestattet, vor seinem im Bau begriffenen Hause am Seitersweg ein Kellerloch in daß Trottoir anzulegen, wenn er die Anlage nach Angabe des Stadtbaumeisters aussührt, für diese Begünstigung jährlich 1 I fr. Zins an die Stadtkaffe entrichtet und einen Revers abgiebt, worin er sich verpflichtet, das Kellerloch wieder zu entfernen, wenn dies von der Stadt geforcert werden sollte. Der auf Grund dieser Bedingungen durch re. Fischbach abgegebene Revers kam heute zur Vorlage uno wurde genehmigt.
Ein Gesuch deS L. Löwenstein dahier um die Erlaubntß ntr Errichtung eineS Berkauf- standcs für Wurst an Markttagen wurde dem Dauaussckuß zur Aeußerung überwiesen.
Die schon früher beschlossene Erböhung des Schulgeldes für die höhere Mädchenschule soll nicht wie früber bestimmt vom 1. Juli sondern vom 1. October d I an in Wirksamkeit treten, weil die höhere Genebmtgung hierzu erst am 30. Juli c. erfolgt ist
Maurermeister Balthasar Strauch Hal um unentgeldliche Ueberlaffung von Kies aus der städtischen Grube am Lutberberg zu dem Zwecke nachgesucht, um tamil den Weg noch seinem neu erbauten Haute aufzufüllen. Da diesen Weg auch die dort gelegenen Grundbesitzer benutzen, so wurde auf das Gesuch, alS im allgemeinen Interesse liegend, willfähriger Beschluß gefaßt.
Das Gesuch der Actiengesellichaft Labnbütte um Herstellung des WegS nach ibrem Hüttenwerk wurde dem Dauausjchuß zur Prüfung und Antragstellung überwiesen.
Ein mit Heinrich Steller in Annerod abgeschlossener Handaccv'd über die Pflasterung eines Stücks Trottoir in der Gartenstraße pro O Meter zu 1 fl. 15 fr. erhielt die Zupunmun.- des Gemeinderatbs.
Auf Grund einer von Großberzogl. Bürgermeisterei voraelegten Berechnung, nach welcber die Stadt durch Benutzung der städtischen Wiese links Nr Grünberqerstraße als Wetdenpflanlu«.' seither nickt unbedeutenden Nackthetl erlitten bat, beschließt der Gemetnderath, die Frngebu«.^ fraglichen Geländes au8 dem Waldverbande zu beantragen
Die Erbauung von Stallungen zur Unterbringung von Bieh an Markttagen wurde als dringlich erkannt und besckloffen, diesen Gegenstand dem Dauausickuß zu weiterer Antragstellung mit der Befugniß zu überweisen, bei seinen Arbeiten Sachverständige zuzuzieben.
Bei dem am 30. April c. staltgebabtcn Waldbrande ist ausgearbeitetes Holz verbrann: welches erst einige Tage vorder versteigert worden und noch nicht abgefahren sein konnte, weil die Steigerer nock nickt im Besitze der Abfuhrsckeinc teuren; auf Antrag wurden daber die Steigbeträqe mit zusammen 30 fl. 20 fr. zur ausgüblicken Verrechnung genehmigt.
Gießen, 21. Oct. Wir crbielten Folgendes zuqesandt: Die im gestrigen Anzeiger gesckehene Ankündigung der stattbabenden Jubeltrauung der Heinemann Hermann'schen Eheleute findet auf den Wunsch der Jubtlare nickt in der Svnagoge statt.
— — In ecr Stadt grassiren eben in erschreckender Weise die Masern unter den Krn dern. In der Kleinkindersckule sowie in den unteren Klaffen der städt. Schulen fehlen sozusaqe die Hälfte der Scküler. Zu verwundern ist nur, daß die Schulen nicht gänzlich grsckloffer sind, da dock die Möglichkeit sehr nahe liegt, daß in den meisten Fällen die lÜnder daselbst an gesteckt wurden.
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Telegraphische Depeschen.
Bayonne, 20. Oct. Das Gerücht, welckem zufolge die spanischer Republikaner mehrere Engländer und unter denselben den Correspondenten dei „Newyork Times" erschoffen hätten, entbehrt jeden Grundes.
London, 21. Oct. Die Kohlengruben-Besitzer in Northumberlan^ haben beschloffen, die Entscheidung wegen der von ihnen beabsichtigten Lohn Herabsetzung von 20 pCt einem Schiedsgericht ankeimzugeben.
Königsberg, 20. Oct. Das ostpreußische Tribunal bat das Erkennt niß der ersten Instanz gegen den Dlschof von Ermland, Tr. Kremenz. wegen drei ungesetzlicher Anstellungen von Geistlichen bestätigt, die Total-Strassumm aber von 650 auf 600 Tbaler herabgesetzt.
Braunschweig, 20. Oct. In dem seit einigen Tagen verhandelten Proceffe gegen Brandes und die Wittwe Krebs, wegen Giftmordes, wurden beide Angeschuldigte zum Tode verurtheilt.


