Lokal-Notiz.
Gießen, 17. April. Der SchwurgerichtSbof der Provinz Oberheffcn hat in den nachbemerkten Anklagesachcn erkannt:
Den 13. April, gegen Jacob Bauryberger von Untertuttweil, im Canton Thurgau in der Schweiz, wegen Diebstahls, eine Gefängnrßstrafe von 3 Mon., welche durch die erstandene Untersuchungshaft für verbüßt erklärt wurde.
Denselben, gegen Karl Unverzagt von Gießen, wegen Diebstahls und Münzverbrechens, eine Zuchthausstrafe von 2 Jahren uno 1 Woche, an welcher jedoch die erlittene Untersuchungshaft in Abzug gebracht werden soll; die Vernichtung der Scheine wurde verordnet.
Den 14. April, wurde Johannes Wienolv von Wernges von der Anklage wegen Brandstiftung — nachdem die Geickwornen ein „Nichtickuldig" erklärt hatten — freigesprocken.
Den 15. April, gegen Johannes Ziegenhain von Wallenrod, wegen Brandstiftung, eine Zuchthausstrafe von 2 Jahren, unter Aufrechnung der erlittenen Untersuchungshaft von 2 Mon. und 3 Wochen.
Denselben, gegen Andreas Hack von Hartmannshain, wegen Diebstahls, Zuchthausstrafe von 4 Jabrcn 6 Mon., sowie eine Geldstrafe von 150 Tblr., welche indessen im Falle der Uneinbringlichkeit in eine weitere Zuchthausstrafe von 30 Tagen verwandelt wird, unter Aufrechnung der erlittenen Untersuchungshaft, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren und Stellung unter Polizeiaufsicht.
Den 16. April, gegen Elisabeths Schäfer von Heblos, wegen Diebstahls und Versuchs eines solchen, eine Gefangnißstrafe von 10 Mon., an welcher jedoch die erstandene Untersuchungshaft mit 2 Mon. in Abzug zu bringen ist.
Denselben, gegen Elisabetha Hainbuch von Eudorf, wegen Meineids, Zuchthausstrafe von 13 Monaten, an welcher jedoch die erlittene Untersuchungshaft mit 6 Wochen in Abzug zu bringen ist.
Bezüglich der wegen desselben Verbrechens, bezw. Verleitung hierzu, weiter Angeklagten
Juliane Buchhammer von Altenburg und Gustav Lang von Alsfeld, endete die Same mit Freisprechung.
Den 17. April, gegen Elisabetha Müller von Rixfeld, wegen Kindesmords, Zuchthausstrafe von 3 Jabren.
Darmstadt, 16. April. Das Executiv-Comite für die internationale landw. Ausstellung zu Bremen vom 13. bis 21. Juni 1874 veröffentlicht die Namen derjenigen Herren, welche ein Preisrichtcramt übernommen haben. Aus dem Großherzogthum werden als Preisrichter fungiren: Herr Freiherr Adalbert von Nordeck zur Nabenau zu Friedelbausen in der Abtheilung für Rindvieh, Herr Profesior Dr. Carl Thiel zu Darmstadt in der Ab- theilung landw. Producte und landw. - technischer Fabrikate, Herr Profesior Dr. Th a er zu Gießen, Abth. Ergebnisie wissenschaftlicher Forschung. Der Letztgenannte ist Sections-Chef dieser Abtheilung.
— Ein Selbstmörder, welcher als Junggeselle 150,000 Thlr. baares Vermögen hinterläßt, ist gewiß eine seltene Erscheinung. In Bremen kam dieser Tage ein solcher Fall vor. Der Betreffende ist eine auch in Berlin seiner Extravaganzen wegen sehr bekannte Persönlichkeit, der Rentier L*, der hier Grundbesitzer geworden, nachdem er in Amerika sich ein bedeutendes Vermögen erworben und hier stets nur die feinsten Restaurants und ersten Hotels mit seiner Gegenwart beehrte. Seiner Wirthichafterin sagte er vier Tage vor seinem Ende, er werde sich erschießen, und wenn sie einen Schuß fallen höre, solle sie lein Pult öffnen, da habe er für fi' 500 Thaler hineingelegt, die er ihr schenke; dann solle sie seinen Tod der Behörde anzeigen und für sein Begräbniß sorgen. Die Wirthichafterin hörte in der Frühe einen Schuß lallen, eilte in das Zimmer und fand ihren Herrn lacheno im Lehnstuhl sitzen; er hatte ein Loch in die Decke des Zimmers geschosien, angeblich um zu iehen, ob das Pistol, das er gekauft, gut sei. Seine ganzen Aeußerungen über seinen Tod nahm sie überhaupt für Scherz. Wenige Stunden nachher zerschmetterte er sich durch einen zweiten Schuß den Schädel.
— (Die Geschichte eines gebrochenen Herzens.) Tas „Mannh. Tagebl." schreibt: Man darf an der Wahrheit der nachfolgenden Geschichte nicht zweifeln, wenn auch nicl)t ein einziger Name genannt ist. Diseretion hindert uns, die Betheiligten zu nennen, doch ist das weiter unten Erzählte buchstäblich wahr. Eine der reichsten Bürgersfamilien besaß ein junges Töchterlein, welches den Werth des Geldes nicht anerkennen wollte uuv sich in einen blutarmen jungen Mann, der außerdem ein kleiner Staatsbeamter war, verliebte. Die Eltern wollten da von Nichts wissen — die Tochter gab nicht nach. Der Staatsbeamte batte sich zu fest in dem Herzen des Mädchens eingenistet und war daraus nicht zu vertreiben. Unter diesen Zwistigkeiten verrann Jahr auf Jahr. Das Mävctxn feierte iüngst seinen dreißigsten Geburtstag und liebte noch immer den Staatsbeamten. Die Eltern, welche es nicht dulven wollten, daß ihr Reichthum aus der Familie komme, wußten das arme Kind endlich doch zu vermögen, einen gleichfalls reichen Verwandten zu heirathen und vor einigen Wochen schleppte man das Opfer der eiter liehen Anschauungen zum Altar. Die jungen Gatten begaben sich auf die Hochzeitsreise nach Italien. Doch auf die Frau übten die Naturschönheiten der apenninischen Halbinsel keinen Reiz, sie dachte nur an ihren Staatsbeamten und — eines schönen — Tages fand man sie in ihrem Bette tobt. Ein geleertes Giftfläschchen, das neben der Leiche lag, sagte mehr alS genug.
Weilburg, 13. April. Unsere nächste Umgebung, d. h. von Limburg lahnaufwärts über Weilburg, Wetzlar, Gießen und von da seitwärts in die Wetterau bis gegen Hanau wird in der zweiten Hälfte des August und im Anfänge deS September d. I. der Schauplatz eines größeren Manövers sein. Den Schluß desielben wird eine Gesammtaetion der 3 Divisionen des 11. Armeecorps zwischen Friedberg und Hanau bilden. Nachdem der goldene Grund von Mainz aus durchzogen ist, wird zunächst die 41. Brigade (87. und «8. Nass. Regiment) längere Zeit in der Umgebung von Limburg manöveriren, eine Brigade zwischen hier und Wetzlar, und im Anfänge des September werden die 3 Divisionen zwischen Friedberg und Hanau zu'ammen- treffen. (Rh. Cour.)
Wetzlar, 11. April. (Waldbrand.) Am 3. dieses Monats brach in dem königlichen Walde der Oberfvrsterei Krofdorf Feuer aus, welches 4 Morgen jungen Buchen- und Fichten Anwuchses stellenweise stark beschädigte. Die bisherigen Nachforschungen über die Ursache der Entstehung des Brandes sind erfolglos geblieben.
Kirchliche Anzeige
-er evangelischen Gemeinde zu Gießen.
Gottesdienst.
Sonntag den 19. April.
Morgens: Pfarrer Landinann.
Nachmittags: Pfarrvikar Schlosser.
(Sonntag ben 26 April soll das heilige Abendmahl gefeiert werden.)
Die Pfarrgeschaste für die Woche vom 19 bis 25. April besorgt Pfarrer Landmann.
Auszug aus freu Kirchenbüchern der Stabt Giessen.
Evangelische Gemeinde.
K o v r> l i r t e.
Den 12. April. Karl Christian Martin Rochus Emil Stadtler, Burger und Fabrikarbeiter dahier, des verstorbenen Burgers und Schneidermeisters, Philipp Stadt ler, ebclicher Sobn: und Margarethe Horn, des verstorbenen 'Bürgern und Schneidermeisters zu Alt-Buseck, Johannes Horn, eheliche Tochter.
Getaufte.
Den 12. A pri L Dem Bürger und Küfermeister, Karl Euler, ein Sohn, Frie drich Heinrich, geboren den 11. Februar.
Den 13. April. Dem (Aroßberzoalichen Professor an hiesiger Universität, Ur. Adalbert Mer-;, eine Tochter, Eäcilte Eulalie Elisabeth, qtboien den 16. März.
Den 15. Avril. Dem Burger zu Neuß und Bergmcrksdlrector dahier, August j Hartmann, ein eobii. Arthur, geboren den 26. Februar.
Beerdigte.
Den 11. Apr il. Anna Katharine Jaas, geborene Erdmann, Wiltwe des verstorbenen Bürgers und Schuhmachermeisters, Johann Joachim Konrad JaoS, alt 70I. 4 M. 21 T, gestorben den 9. April.
Denselben. Karoline Hermine Apollonia Lony, des Bürgers und Bierbrauer Meisters, Christian Lony, eheliche Tochter, alt 3 M 16 T, gestorben den 9. April-
Den 14. April. Ludwig Alster auS Treisa, preußischen Kreises Ziegenhain, alt 55 I., gestorben den 12. April.
Den 16. April Charlotte Louise Textor, des verstorbenen evangelischen Pfarrers zu Steinfurth, Friedrich Ludwig Textor, ehelich ledige Tochter, alt 45 I. 3 M. 19 T, gestorben den 14. Avril.
Denselben. Gottlieb Balthasar Heinrich Strauch, des Büraers und Maurermeisters, Balthasar Strauch, ehelicher Sohn, alt 4 M 27 T , gestorben den 15.,9lpril.
Den 17. Avril. Karoline, eine uneheliche Tochter von auswärts, alt 1 M 5 T-, gestorben den 15 April-
e*# Zu Dr. Ticdemann'S Prn-tNao-^räparatcn. Das BreSl. Intel!. Blatt brachte vor Kurzem einen Redactions - Artikel von einem New - Forkei Ccrre'vondenten über die ganz vorzüglichen Heilwirkungen der Dr. Tiedemann ichen Lcn-lsao-Piäparate Mit Bezug hierauf erkläre ich, daß id' mich der Ansicht meiner deutschen und englischen Collegen, daß die Kcn-tsao-Präparate des Herrn Dr. L. Tiedemann in Stralsund •) eine ganz auS« gezeichnete und schnelle Wirkung bei allen Schwächezuständen entfalten, vollständig anschließe Was Liebig'S Ertract für den Gesainmt - Organismus, das sind die Tiebemann'schen Pen-bao- Präparate für örtliche Leiden de- SexualsystemS.
Berlin, den 5. März 1874
(L S.) Dr med W Zilz.
praktischer Arzt.
•) Vergleiche Inserat d. heut. Zeitung. D. Red.
Börsenberichte.
Frankfurt a. M., 17. April. Die Börse verkehrte beute am Speculationßeffecten- markt für Grebitactien in steigender Tendenz. Die Ursache dieser weiteren bauffeartigen Auf« befferung des Effects waren die befriedigenden Erklärungen, welche die Direction der Lredit- anstalt in der außerordentlichen Generalversammlung über den bei Veröffentlichung der Bllanz so grope Bedenken erregenden Debitorenstand gab. Nach diesen Erklärungen verbleiben nach allen Abzügen als Debitoren ca. 52 Millionen, welche nach Abschreibung der dubiösen Posten, durchweg vollständig gedeckt sind. Für Creditactien lagen auf diese Nachricht hin beträchtliche Kaufordrcs vor und hat, allem Amchein nach, die (Sontremine ihre Positionen in dem Effect zum Theil aufgegeben Creditactien stiegen unter mehreren Schwankungen von 213 bt< 215' 4 Staatsbahnactien und Lombarden waren in ruhigerem Verkehr (rr fiere bewegten sich zwischen 324 uno 3243 4, letztere zwischen 151 ,< uno 151. Oesterr. Bahnen blieben ziemlich fest. Bujchtiebrader, Galizier und Ungar. - Galizische sind matter. Von deutschen Bahnen waren Bayer. Ostbahn und Pfälz. Nordbahn anziehend. Von Prioritäten zogen 3% Lombardische etwa- an. Banken waren tbcilweise ziemlich animirt und im Ganzen behauptet. Deutsche Effectenbank, Prov.-Disconto höher. Staatsfonds fest, kooseeffecten still. Von Wechseln Wien schwächer, Amsterdam theurer. Napoleons ' 2 kr. höher.
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Ccrtificat Rr. 73,928 Waldegg, Steiermark, 3. April 1672.
Durch jhrc Kevalesciere, die ich 50 Jabt alter Mann — zwct Jahre UN unterbrocheir genossen habe, bin ich von meinem zehnjährigen Leiden: Lähmung an Händen und Füßen, beinahe oollkourmen hergestellt und gehe wieder, wie in den besten Zeiten meiner Beschäftigung nach Für diese mir erwiesene große Wohlthat spreche ich Ihnen hiermit den herzlichsten Dank aus. Br. Sigmo.
Ecrtificnt Rr. 73268. Trapani, Sicilien, 13. April 1870.
eine Frau, ein Opfer von schrecklichen nervösen und biliösen Leiden, mit furcht barer Geschwulst d^s ganzen Körpers, Herzklopfen, Schlaflosigkeit und Hypochondriasir« im höchsten Grade, war von den Aerzten als verloren angesehen als ich mich entschloß, meine Zuflucht zu Du Barry's unbezahlbarer Kevalesciere zu nehmen Dieses köstliche llllittel hat, zum Erstaunen aller Freuirde, in kurzer Zeit jene furchtbaren Leiden beseitigt und meine Frau fo völlig hergesiellt, daß, obglc ch 49 Jahre all, sie tbätigen Antheil an Tanzvcrgnügungen nehmen kann Ich mache Ihnen diese Mit- theilung pflichtgemäß im Interesse aller ähnlich Leidenden und mit innigstem Danke.
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