Ausgabe 
14.9.1874
 
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welcher er präsidirte, in Erwiderung auf eine Adresse Briefe von Derby und Disraeli verl-sen, worin diese ihre Befriedigung über die Ernennung Jarnac's aussprechen. Ter französische Botschafter fugte hinzu, daß er zu seinem Amte durch einen Mann berufen sei, dessen hervorragender Charakter nirgends mehr als in Irland geschätzt werde.

Spaniern

Madrid, 9. September. Üebcr die Eollision Zwischen den deutschen Kanonenbooten an der spanischen flüflc und den Earliflen hat sich in der aus­wärtigen Presse bereits eine lebhafte Discussiou erhoben. Die englische Presse läßt sich unter der Leitung ihre- tonangebenden Blattes ungefähr folgender«,aßen darüber vernehmen: Die Earliflen wissen sehr gut, daß ihre Grausamkeit und ihre Hintansetzung iiitcviiationalcT Rechte die Gründe für die Anwesenheit der deutschen Schisse in biscayischen Gewässern sind, und daß eS die Mission dieser Schiffe ist. delitschcs Leben und Eigenthum vor Excessen und Plünderung zu schützen. ES würde völlig übereinstimmend mit der Politik des Carlismus während feiner ganzen tollen (Saniere sein, die grimmige, schweigende Drohung Deutschlands mit einem Schlag in'ü Gesicht zu beantworten. Indessen ist die Verantwortlichkeit für den ersten Angriff in der That eine sehr unbedeutende Sache; von wirklicher Bedeutung ist dagegen die Thatsache, daß eine große Macht in gewaltsame Eollision mit diesem absolutistischen und dentalen Aus­stande gerathen ist. Der Zwischenfall würde dem Fürsten Bismarck einen Vor­wand gewähren, sollte er einen solchen wünschen, um im Namen Deutschlands allein jene Intervention in spanische Angelegenheiten, zu welcher er vor Kurzem die Großmächte zu verhindern wünschte, energisch zu betreiben. Wenn Deutsch­land die Züchtigung der Earlisten. als gewissermaßen die gemeinschädlichen Piraten und Briganten, unternimmt, so muß es erst seines Erfolges ganz sicher fein. Aber der Erfolg ist keineswegs so leicht, als man vielleicht glaubt. Ein einziger falscher Schritt, selbst eine scheinbare Schlappe, würde dem militäri schen Rufe Deutschlands verderblicher sein, als für nnö ein Frieden und Rück zug im Atschantilande oder in Abyssinien. Auch können die Deutschen nirgends eine cordiale Mitwirkung, nicht einmal die der Madrider Negierung, für deren Bortheil sie scheinbar den Aufstand aufs Haupt fchlagen würden, erwarten. Nichts würde wahrscheinlich entscheidender dazu dienen, dem EarlismnS neue Lebenskraft eiuznflößen, als der Argwohn, daß die Madrider Regiening ein fremdes Schwert brancht, um ihre politischen Feinde im Jnlande zu übermal tigen. Zum Schluß kommt das englische Blatt mit seinem Unheil daraus hin­aus, daß Fürst Bismarck alle diese Gründe erwägend, jedensalls nicht die ge­botene Gelegenheit zn einer wirklichen militärischen Intervention Deutschlands in Spanien benntzen wird Diese Schlußsolgernng macht übrigens das ganze vorhergeheiide Raisonnement des Blattes ziemlich überflüssig. Daß delltsche Kriegsschiffe sich nicht ungestrast beschießen lassen werden, ist wohl klar; ebenso klar liegt aber ans der Hand, daß die deutsche Negierung nicht wegen solcher Plänkelei eine große beulsche Armee in Spanien landen wird, um den (San listenaufstand völlig niederzuschlagen. _

TelegraMsche Depeschen.

Friedberg, 11. Sept. Kaiser Wilhelm traf um 6 Uhr 35 Min. auf dem hiesigen Bahnhöfe ein, woselbst der Großherzog von Heffen, der deutsche Kronprinz, Pnnz Ludwig und der commandirende General v. Boje den Kaiser erwarteten. Nach herzlicher Begrüßung fuhren der Kaiser nnd die übrigen Herrschaften durch die festlich geschmückte, in den deutschen Fahnen und Bin men Guirlanden prangende Stadt in da- Schloß unter dem Geläute der Glocken, von der überall Spalier bildenden Bevölkerung mit lebhaften Zuruf begrüßt. Im Schloßhofe uahm der Kaiser die Parade der Leibcompagnie des 117. Negiments ab, an deren rechtem Flügel sämmtliche Osficiere der drei Divisioneit, 21., 22. und 23., vom Regiments Kommandeur aufwärts, ausge stellt waren. Der Kaiser ist der Gast deö Großherzogs.

Paris, 11. September. Nach dem Empfange durch ben Präsidenten der Republik stattete der spauische Gesandte dem Minister des Aenßeren einen Besuch ab. Mac Mahon ist Abends 6 Uhr nach Lille, Arras, Bcthnne, Amiens nnd St. CUientin abgereist, um den Manöveru der von den Generalen Cluichant und Moiitaudon befehligten Armee-EorpS beizuwohneu. Derselbe kehrt nächsten Freitag hierher zurück. _________________

Zur Stadtverorduetenwahl.

D,c öintbeilung der Stadt Gießen in drei Wahlbezirke kann ihre schlimmen, nicht weniger aber auch ihre guten Folgen bei der Wahl der Stadtverordneten haben. Wir fürchten davon gar nicht-, hoffen vielmehr, daß bei einer vernünftigen Ausübung des Wahlrecht- nur tüchtige, intelligente Manner von den Bezirken und nicht gerade auö den Bezirken gewählt werden Aber auch letzteres kann nicht- schaden, wohl aber recht nützlich werden, wenn in den einzelnen Wahlbezirken die nöthigen Kräfte sich finden. Gerade d,e tfmtbcilung in abgegrenzte Bezirke verhindert die Bildung von Lotcrieen und bedingt eine richtige Vertretung der ganzen Stadt. nicht blos prädomintrender Interessen und Llasien. (56 kommen jetzt alle bisher zu Gunsten gewisser Unternehmungen zurückgedrängten Intereffen zur Vertretung. DaS Ganze einer Gemeinde besteht auS seinen Theilen und diese wie d»c Stadt als Ganzes baden Anspruch auf Berücksichtigung bei Verwendung der städtischen Mittel und folgeweise auf eine gehörige Vertretung in der Stadtverordneten Versammlung. Damit wird dem Gemetnwobl nicht ge schadet, denn dieses muß überall obenan stehen. Aber da- kann man den Bezirken nicht ver denken, daß sie frei ihre Vertrauensmänner wählen und sich ibn Stadtverordneten von gewissen Persönlichkeiten, die disder eingestandenermaßen ihre besonderen Intereffen mit ihren Abstim­mungen in Einklang zu dringen wußten, nickt wollen verschreiben lassen. Die (5inthe,lung e»ner Stadt in Wahlbezirke verhindert außerdem die Majorisirung durck Eoterieen und, manch« nial ganz unberechtigte aus gar sonderbaren Elementen zusammengesetzte, Wäblergruppcn. Wir wollen nur (5ine6 unfern Mitbürgern empfehlen, daß sie überall Stadtverordnete wählen, welche Nickt nur ein Herz für die harmoniscke Entwicklung unserer Stadt nack allen Seiten hin baden, sondern auch im Stande sind, für das Wobl d»6 Ganzen mit Hand und Mund tdätig zu sein DieSelbstverwaltung" fordert die Träger zur That heraus. M,t einem selbstgefälligen Raisonniren am Unrechten Ort ist es nicktö mehr.

Unglück, drei der Kinder en unheilbaren Krankheiten dahinsiechen zu sehen. Der Tod erlöst, sie endlich von ihren Leiben. Diese Krankheiten und Sterbefäll« verursachten große Auslagen so daß Diedt trotz seines guten Verdienstes in Schulden gerieth, dazu kam noch, daß er selbst durch Monate an da» Krankenlager gefesselt wurde. Dienstag kam Diedt von einer Fahrt un vcrmuthet frühzeitig und ganz verstört nach Hause. (5r hatte einen P«r>onenzug nach Böhmisch Trübau geführt, wobei an dem Zuge in der Station Trübau ein Versehen geschah, welches ter dortige Slationschef ihm zur Lost legte Hierüber kam es zwischen ihnen zum Wortrvechsel, welcher mit der sofortigen Suspension Dieot's endete. Mittwoch sollte er zur Protokoll Auf. nähme über diesen Vorfall beim Verkehrschef in Prag erscheinen, er ließ fick jedoch durch ein Unwohlsein entschuldigen. Um 3/41O llbt Vormittags äußerte er zu seiner Gattin, er wolle dennoch nack Prag gehen, und zog seine bester, Kleidung an. Um diese Zeit kam auch der dortige Hausmeister und zugleich Tischler in die Wohnung der Eheleute. um einen Sckuldrest für gelieferte Möbel einzukassiren. Diedt war mit ihm freundlich und lud ihn ein, mit ihnen Fische zu csten, waS der Hausmeister aber ablehnte. (Sine Stunde später brachte ihm jedoch die Frau persönlich ein Stück Backfisch hinab Von diesem Momente an blieb die Familie un sichtbar. Donnerstag um halb 6 llbt früh stürzte plötzlich die Bewobnerin des unterhalb der Wohnung Diedt'S brsindlichen Zimmers mit schreckensbleichem Gesichte auf den Gang und schrie, oben müste ein Unglück geschehen sein, durch den Plafond sickere Blut. Auf dem Pla- fond zeigte sich wirklich ein etwa drei Zoll breiter und sechS Zoll langer ausgezackter blutiger Streifen. Alle Hausbewohner wurden hierdurch allarmirt und konnten nur mit Mühe von dem HauSrncister vor dem gewaltsamen Eindringen in die geheimnißvolle Wohnung abgehalten werden. Die Männer berathschlaaten, was zu thun sei, und es wurde beschlosten, da, wenn ein Unglück geschehen ist, vielleicht noch Hülfe niöglich fei, durch die VerbindungStbür in die Wohnung cinrudrlngen. Die Eintretenken blieben vor dem sich ihnen darbietenden schauder, haften Anblick wie festgewurzelt an der Thür stehen. Vier Leichen lagen im Blute auf dem Fußboden; Kinder, Vater und Mutier waren tobt, erschossen Der Mann lag ausgestreckt auf dem Rücken, die Hände krampfhaft geballt, im Gesichte finstere, verzwciflungsvolle Mienen, die TodeSwunde in der rechten Schläfe, eine zweite leichte Wunde an der Stirne, sein Kopf ruhte an dem seiner Gattin Anna. Diese lag auf der reckten Seite, den Kopf auf die reckte Hand gelegt, mit schreckverzerrtem Gesichte. Sie war durch die linke Sckläfe gesckosten. Die mör derische Kugel mußte sic in dem Momente getroffen haben, all sie mit dem Teller, auf dem sich noch ein Stück Backfisch befand, vom Stuhle aufgestanden war. Der zerbrochene Teller, bat Stück Fisch und daS Tischtuch lag neben ihr. lieber ihre Füße lag das fünfjährige Töchterchen Franziska, ebenfalls durch die linke Schläfe geschoffen, und etwas weiter der fünfzehn Monat, alte Knabe Karl Derselbe hatte drei Schußwunden im Kopfe und lag mit dem Gesichte auf dem Fußboden Alle diese Leichen lagen in bereits getrocknetem Blute. Hilfe war hier nicht mehr zu bringen. Die Leute verließen die UnglückSstätte, die Thür wurde abgesperrt und bas Polizcicommiffariat in Bubentsck von dem gräßlichen Ereigniß in Kenntniß gesetzt. (N.Fr.PrI

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadl Gießen.

Evangelische Gemeinde.

-r o p u l i r t e.

Den 6. September. Johannes Brück, Babnarbeiter dahier, dctz verstorbenen Bürgels und Ackermanns zu Frankenbach, Ludwig Brück, ehelicher Sohn; und Katharina Dörr, des verstorbenen Bürgers in Sichertshausen, Johannes Dörr, ehe liche Tochter-

Denselben. Emil Heinrich Müller, Schreiner dahier, des hiesigen Bürgers und Schreiners, Ludwig Karl Müller, ehelicher Sohn; und Katharine Rabenau, des verstorbenen Bürgers und Wirths in Alt-Buseck, Ludwig Rabenau, cbelidie Tochter.

Den 8. September. Karl Heinrich Wilhelm Louis Günther, Haupt- Magazins - Verwalter an der Oberdess. Bahn dahier, des Grosiherzoglichcn Kataster» Geometers in Büdingen, Philipp Günther, ehelicher Sohn; und Wilhelmine Dorothea Luise Altguste von Gehren, des verstorbeiten Grostherzoglichen RentamtmannS zu Um­stadt, Christian von Gehren, eheliche Tochter.

Denselben. Ernst Karl Gustav Wilhelm Drescher, evangelischer Mitprediger nnd Lehrer an der ersten (51 affe der Stadtmädchenschule dahier, des verstorbenen Großherzoglichcn StadtgcrichtsactuarS dahier, Johann Georg Ludwig Ehrhard Drescher, ehelicher Sohn; und Marie Dorothea Friederike Engel, des verstorbenen evangelischen Pfarrers in Haufen, Heinrich Engel, eheliche Tochter.

Den 10. September. Ludwig Jakob Karl Hermann Georgi, Bürger und Fabrikant dahier, ein Wittwer; imb Jobanne Friederike Leib, des hiesigen Bürgers und Schneidermeisters, Georg Leib, eheliche Tochter.

Getaufte.

Dell 6 September. Dem Bürger und Kaufmann, Julius Hahn, ein Sohn, Hugo Julius, geboren den 17. August

Denselben Dem Bürger in Kirchen Lamitz in Bayern und Schneider dahier, Peter Weichsel, ein Sohn, Karl Emil, geboren den 6 August.

Denselben. Dem Bürger und Lohndicncr, Friedrich Berg, eine Tochter Marie Dorothea, geboren den 21. August.

Denselben. Dem Bürger in Londorf und Bahnarbeiter dahier, Balthasar Dapper, ein Sohn, JustuS Martin Karl, geboren den 21. August.

Denselben. Dem Bürger in AUendorf an der Lumda und Schreinenneister dahier, Ehristoph Weih, ein Solm, Karl Friedrich Wilbelm, geboren den 3. August.

Denselben. Dem Fabrikanten Eugen Kauffmann, eine Tochter, MarieFannv geboren den 1 August.

Denselben Dem Weißbinder, Gerhard Klingelböfer, aus Mainzlar, eint Tochter, Katharine Wilhelmine Luise, geboren den 31. Juli

Denselben. Dem Cigarrenarbeiter, Wilhenr Körber, aus Alt-Buseck, eir Sohn, Valentin Ludwig, geboren den 14 August.

Denselben. Dem Maler, Friedrich Ernst Gebhardt, aus Ncuhauü am Renn weg in Schwarzburg - Rudolstadt, eine Tochter, Anna Karoline Luise, geboren der 10. August

Denselben Dem Grohberzoglichen Lehrer an der Realschule dahier, Ehristiar Albach, eine Tochter, Anna Elisabeth Marie, geboren den 14. August.

Beerdigte.

Den 4. September. Eine uneheliche Tochter von hier, Georgine, alt 2 M 16 T, gestorben den 2. September.

Denselben. Marie Auguste Luise Karoline Peppler, des verstorbenen Bürgerl und MühleubesiherS, Franz Peppler, eheliche Tochter, alt 26 I. 4 M. 20 T, gehör bet den 1. September.

Den 6. September. Daniel Martin Jtreuter, Bürger und städtischer Arbeite: dahier, alt 54 I. 3 M 5 T-, gestorben den 5. September.

D en 7. September. Ein unehelicher Sohn von auswärts, Emil, alt 6 M 21 T-, gestoiben den 6. September.

Denselben. Karl Heinrich Ludwig Roll, de4 Bürgers und Ceconomet Heinrich Emil Roll VII., ehelicher Solm, alt 4 M. 18 T, gestorben den 6. September Den 8. September. Johanna Amalie Schlund, des Bürgers und Buck bindermeisters, Heinrich Schlund, eheliche Tochter, alt 30 I. 3 M- 11 T>. geftorbei den 6 September

Den 9. September. Dr. Friedrich Kraft, Grohherzoglicher Hofgerichts- Präsident in Darmstadt, alt 67 I 5 M. gestorben zu Darmstadt den 7. September.

B e r in t f cb t c

Dao jährliche Mislumosell

Prag, 3. September. Gleich einem Lauffeuer verbreitete sich heute Vormittag» in 3 TZ

-Prag die Nachricht von einem entf etzlicken Famil iendrama, welches sich in einem der ^11 1 fit 11MT

drei neugebauten ZinSbäuser der Prager Baubank zwischen Bubna und Holeickowitz zugetragen i XlllU 1(1111 lllilt JHI.ll IIUIIU IITJI Dort bewohnte der vierzig Jahre alte Maschinenführer der Etaatsbadu, Joseph Diedt, mit < i / z i F F

seiner Gattin Anna, seiner fünf Jahre alten Tockier und einem erst zwei Jahre alten Sohne im Dekanate Gießen unb Grünbcrg wird Mittwoch den 16. September, Bot* im iieeittn 6toA rin aus Rüit und 3"" S°9ie- iem mar m feinem um io Uhr, in Lang Göns gefeiert werden. Zn dieser Feier Intel

Facke em verläßlicher und geschickter Mann, dabei sparsam und rechtlich. Vor sieben Jahren v v . v ,, J . <

beiratheie er nnt SchullehrerStochter, Namen» Anna Severin, mit welcher er in der glücklichsten nnr d^c Freunde der Mission tN der Umgegend htcnntl herzlich CllL <Ühe lebte Diese Ehe wurde durch fünf Kinder gesegnet. Leider hatten die Ehegatten das; Gießen. Landmann, Dekan.