schädiguug habe er mit dem Grafen und desien Sohn verhandelt. Dockhorn beantragt Vernehmung Munckel's darüber, ob er gleichfalls dem Grafen gesagt habe, daß wegen der fehlenden Schriftstücke nur ein Civilanspruch an ihn denkbar sei. Der Gerichtshof lehnte den Antrag ab. weil das Zeugniß Lewis' genügend sei. Es folgt die Verlesung der Aktenstücke der Rubrik 3 der Anklage. Die auS Paris anwesenden Zeugen, mit Ausnahme des Grasen WeS- dehlen, werden entlassen, und alsdann die Verhandlung bis 3'/, Uhr ausgesetzt.
Berlin, 10. December. Das Münchener Witzblatt des Dr. Sigl, die „Bremse", von welchem der Staatsanwalt in der letzten Schwurgerichts- Sitzung bemerkte, daß jede Nummer desselben dem Reichskanzler Veranlassung zu einem Strafantrag geben könnte, wird mit Ende dieses Monatö zu erscheinen aufbören.
Berlin, 11. December. Der Reichstags-Abgeordnete Majunke ist heute Vormittag im Criminalgerichts»Gebäude, wohin er vorgeladen war, verhaftet worden. Gründe sind zur Zeit noch unbekannt.
Berlin, 11. December. Der „National-Zeitung" zufolge ist der Regierungs-Präsident von Gumbinnen und Reichstags Abgeordneter des Kreises Lyck, v. Puttkammer, al- Dezirks-Präsident für Lothringen in Aussicht genommen.
Berlin, 10. December. Reichstag. Rach Annahme des Gesetzentwurfs über Stcmpelfreiheü der Rechnungen und Quittungen in Elsaß - Lothringen in dritter Verathung folgt die zweite Lesung des Militär-Etats. Die Mehrsor- derung von 1500 Mark Gehalt dcS sächsischen Kriegöministers wird abgesetzt, trotz Widerspruch- des Bundes-Commisiärs v. Rostiz-Wallnitz. Bei Verathung des CommissionS-Anlrages auf Verschmelzung deS Budgets der yreiißischen und sächsischen Armee, wobei besondere Titel für die der sächsischen Armee belassenen Abweichungen von dem preußischen Heerwesen beizubehalten waren, erklärt Fürst Bismarck: der Antrag sei formell und materiell unzulässig, die Besonder^ heilen des sächsischen Armeen Corps beruhen auf vertragsmäßigen Bestimmungen zwischen den Königen von Preußen und von Sachsen. Der Kaiser könne nicht die Zusage brechen, welche er als König von Preußen gemacht habe. Wenn eine Antastung dieser Besonderheiten nicht beabsichtigt sei, so müßten solche in den betheiligten sächsischen Kreisen nur Besorgniß und Mißtrauen erregende Anträge jedenfalls vermieden werden. Aenderungen seien weder nützlich noch noch- wendig, denn die sächsische 8hmee habe bewiesen, wie sehr sie mit den Interessen des Reichs verwachsen sei, sie schlug sich doppelt gut, einmal aus deutschem Patriotismus, dann um dem sächsischen Namen Ehre zu machen. Wer die dem deutschen Soldaten eigenthümliche Anhänglichkeit an seine Fahne und Farbe kenne, müsie die zarte und vorsichtige Berührung dieses Punktes ihm nachsüh- len; er bitte den Antrag abzulehnen. Rach kurzer Debatte wird der Antrag durch itio in partes mit 241 gegen 139 Stimmen angenommen.
Posen, 10. December. Der Decan Ponkowski ist auf Verfügung deö ZtreiögerichtS zu Kempen wegen Verweigerung der Zeugen - Aussage über den apostolischen Delegaten verhaftet worden.
Gera, 10. December Die Bürgerschaft von Gera wurde neulich Abend, wie man der „Weim. Ztg." berichtet, dadurch überrascht, daß nacheinander drei Compagnieen Militär tm Lausschritt ausmarschirten. Bald nachher erfuhr man, daß unter den Arbeitern der Gera-Weimarer Eisenbahn ein Aufruhr von bedenklichem Umfange autzgebrochen, und zu desien Bewältigung militärische Hülfe aiigerusen worden sei. Die Unzufriedenheit der Arbeiter soll nicht ohne Grund sein. Schon vor einiger Zeit war einer der Bauunternehmer curchge bräunt, ohne seine Leute zu bezahlen, und diesem Beispiel ist angeblich jetzt ein zweiter gefolgt. Viele Arbeiter sollen seit fünf Wochen schon keinen Lohn mehr erhalten und jetzt nun die Geduld verloren haben Sie waren zu Hunderten nach der EUedition des Unternehmers gerückt, um hier nut Gewalt aus Zahlung zu dringen. Der allein noch anwesende Beamte, ein Ingenieur, ist für die Zahlung von der erzürnten Menge verantwortlich gemacht und ge sangen gehalten worden, bis dann später, nachdem das Militär die Ruhr wieder hergcstellt, ein Arrangement mit den Arbeitern dahin getroffen werden konnte, daß einem Jeden derselben durch einen Regierungs-Beamten ab.chläglich drei Thaler ausgezahlt wurden, mit der bestimmten Zusicherung, am 8. d. M. werde die Zahlung für sämmtliche rückständige Forderungen erfolgen. Ob dies inzwischen geschehen, darüber liegen Mittheilungeu noch nicht vor.
Dcfleireidj.
Wien, 11. December. Aus Prag wird telegraphisch gemeldet, daß in dem KrankheitSzustand deS ehemaligen Kurfürsten von Hessen - Kassel eine Verschlimmerung eingetreten sei; die Schwäche nahm überhand bei wenig Schlaf und Eßlust. — Der „Neuen freien Preffe" zufolge hätte das Ministerium des Innern im Einvernehmen mit den beteiligten Ministerien beschlossen, die staat- licbe Beaufsichtigung der Actien-ErwerbS-Gesellschaften durch landesfürstliche Corn- misiäre wäbrend der Liquidation sortfaüen zu lasten.
Pesth, 11. December. Die Indemnitäts-Vorlage des Fiuanzmiuisters ist vom Unterhause In der Specialberathnug unverändert angenommen worden. Hierauf wurde die Verlängerung der bisher bestehenden Steuergesetze debattirt.
Frankreich.
Pari-, 9. December. Das „Univers" legt eine Lanze gegen den deutschen Reichskanzler ein, von dem es behauptet, was er dem Reichstage über den letzten Krieg gesagt, sei „ein Argument der Polemik, daS außerhalb deö Reichstages als eine unwürdige Farce erscheinen werde; das Beifallklatschen der national-liberalen Claqueurs werde in Europa kein Echo finden." Um Bismarck zu widerlegen, wagt «Univers" die unverschämte Lüge: „Die jesuitischen und ultramontanen Einflüste, die Herr v. Bismarck denuncirr, herrschten nicht am Hose Napoleons III." Die römische Curie, fiigt „Univers" hock' müthig dinzu, hätte keine Ursache zum Kriege gegen Preußen gehabt, „welches damals noch nicht mächtig genug war, um der Kirche Furcht einzustößen."
PariS, 9. December. Die dentalen Blätter beschäftigen sich heute mit dem „geistreichen" Windlborst und beben besonders hervor, wie dieser „deutsche Mann" anerkannt habe, daß das fromme und friedliche Frankreich keinen Krieg wolle, und daß, falls ein solcher auSbrechen werte, es die Schuld der Berliner Regierung sein werde.
Pari-, 10. December. Heute wurde der Kriegs-Minister Cisiey im Aussckuß für die Armee-Reorganisation vernommen. Die Verathung wird morgen fortgesetzt. Es scheint, daß Regierung und Commission sick nicht einigen können über das Gesetz betreffs der Cadres.
Paris, 11. December. Das „Journal osficiel" veröffentlicht eine Verfügung, betr. die Orgamsirung der Unrerosficiers Schulen der Infanterie. Danach sollen nur solche Unterosfictere, welche einen Cursus an der Unterofficiers- Schule absolvirt haben, zu Ofsicieren befördert werden.
— Der Großfürst Ale;is machte gestern vor seiner Abreise Mac Mahon einen Besuch m Versailles.
Versailles, 10. December. Die Nationalversammlung nahm in zweiter Derathung den Gesetzentwurf an, wonach die in Frankreich geborenen Fremden zum Militärdienst verpflichtet sind. Der Minister des Innern brachte einen Gesetzentwurf ein, betr. die von der Stadt Paris zu contrahirende Anleihe von 220 Millionen. Der Entwurf geht an eine Special. Commission. Das Gerücht, wonach die äußerste Rechte beschlosien hätte, die Regierung über die auswärtige Politik zu interpelllren, wird bementirt. — Nachrichten aus Madrid zufolge ist Marschall Serrano am 4. d., Abends, von Madrid nach dem Norden abgereist, um das Cornrnando der dort operirenden Armee zu übeniehrnen.
(Engfanö.
London, 10. December. Wie dem „Weekly Register" aus Rom gemeldet wird, empfing der Papst am Dienstag den französischen Botschafter, sowie den Herzog Norfolk und desien Schwestern. Des Papstes Stimme war recht schwach. Erzbischof Manning tritt heute seine Rückreise wieder nach England an.
Spanien.
Madrid, 10. December. Das Provinzial Bataillon Badajoz ist für die Meuterei, welche es in Madrid vor seiner Abfahrt nach dem Norden versuchte , ziemlich milde bestraft worden. Durchs Loos sind 33 Mann bestimmt weiten, welche in die Colonieen geschickt werden.
3lunuinien.
Bukarest, 11. December. Nachdem etn Mitglied der Opposition die Antworts-Adresse auf die Thronrede als einen zu nichts verpflichtenden Act der Höflichkeit bezeichnet hatte, genehmigte der Senat einstimmig und ohne Debatte eine fein Vertrauen in die Regiernng ausjprechende Adresie.
flmetilia.
New Uork, 10. December. In New-OrleanS droht ein neuer Aufstand der Weißen.
New Bork, 11. December. Der Schooner „Eclipse" wurde in den cubanischen Gewässern aufgebracht, jedoch auf die Vorstellungen des britischen Consuls und nachdem die Schiffspapiere in vollkommener Ordnung befunden, wieder (reigegeben. Die Passagiere indeß sind noch in Haft.
flfieiL
Nangasaki, 9. December. Bei dem Dorübergange der Venus vor der Sonne gelang die Ausnahme vortrefflicher telescepischer Photographieen auf Glas in dem Augenblicke, als die Venus über der Sonnen-Corona stand. Die Deobacktungen in Hiogo glückten nicht minder gut.
Indore (Ostindien), 9. December. Die Beobachtungen des Venus durchganges fanden unter den günstigsten Bedingungen nnb Witterungsverhält- nissen statt. Das ganze Phäiwmen dauerte 4 Stunden 37 Min. 32 Lrecundeu; die Zwischenzeit zwischen den beiden inneren Berührungen betrug 3 Stunden 42 Minuten 56 Secundcn.
Gin gesandt.
Gießen, 12. Dec. — Gestern «denb fand tn dem qefchmackvoll decortrten Saale bei PromcnadebauftS dabier Kappenbanket des CarnevalvereinS Türke, start. Ginsender dieses, der auch Mitglied des früheren Vereins war, kann, soweit sich das aan^e Arrangement beunbcilen läßt, dem jungen Verein nur da« beste Zeugniß geben Unter fröhlichen Scherzen und Gesängen vergingen die Stunden rasch, und aus der rcrchen LiederauSwahl, woraus uns einige alle Bekannte entgegenlachen, sehen wir, daß der Vorstand <i zu verstehen wußte an das Gute und Scköne des alten VereinS anlehnend NeueS zu schaffen Wir wün'chen dem Verein olleS Gute und sehen der demnächstigen Eröffnung seiner carnevalistischen Sitzungen mit großer Spannung entgegen.
üin Türke.
A,is,ug aus den Kirchenbücheni der Sladt Girren.
Evangelische Gemeinde.
Ä p t> n l i r t e.
Den 10. December. Friedrich Emil Lotz, Bürger und Gastwirtb dabier. des vrrftorbenen Bürgers und Bierbrauers, Theodor Lotz, ehelicher Sohu; und Mathilde Conradinc Sckmwt, des Bürgers und Mrtzgermeisters, Konrad Schmidt, ehel. Tochter.
Denselben. Plnlipp Nau, Kaufmann dahier, des verstorbenen Bürgers und Maurermeisters zu Homberu a. d- D , Heinrich Nau, ehelicher Lohn; und Katharine Susanne Haßler, des hiesigen Bürgers und Schuhmachermeisters, Johann Heinrich Haßler, eheliche Tochter-
Getaufte.
Den 6. December Dem Bürger und Hetzer an der Oberhessischen Eisenbahn, Friedrich Noll, ein Sobn, Karl Friedrich Heinrich Ludwig, geboren den 18 November.
Denselben Dem Tiätar an der Main - Weser ■ Badn, Johann WallenselS, eine Tochter, Luiie Aline Elisabeth, geboren den 30. October
Denselben. Dem Bürger tn Mroß - Vuscck und Kutscher dabier, Philipp Belloff, eine lochter, Philippine Marie Magdalene, geboren den 5. November.
Denselben Dem Bürger m Angersbach und Arbeiter an der Main-Wescr- Bahn, Johann Heinrich Schmidt, ein Sobn, Friedrich Martin, geboren den 16- Oclobcr.
Den 11. December Dem Pomecrelär Friedrich Richard VenuS, ein Sohn, Richard Otto, geboren den 18. October
Beerdigte.
Den 6 December. Eine uneheliche Tochter, alt 1 I. 7 M 23 T-, gestorben ben 4. December
Den 8- December. Gustav Stock aus Romrod, alt 27 I., gestorben den 7. December.
Den 10 December. Emil Spinck, Bürger und Kousmann dahier, alt 26 I- 10 M 26 T-, gestorben den 9 December
Den 11. December. Marie Kroneberg, nachgelaffene Tochter des verstorbenen Bürgers in Heuchelheim und Schneiders dahier, Ernst Kroneberg, alt 11 M, geftorb n ben 9. December.


