tie erwarteten Vortheile habe. Der Berichterstatter, Abz. Stüber resumirt diel verschiedenen für die Aufhebung des Octrois angeführten Gründe, widerlegt und berichtigt die Entgegnungen und bittet um Annahme des Ausschußantrages. Letzterer wird mit dem Zusatzanlrag Schaub's, wonach die Regierung aufgefor- dert wird, ein Gesetz vorzulegen, das Cctroi bis zum 1. Januar 1&77 aufzuheben , mit 24 gegen 21 Stimmen angenommen. Nächster Gegenstand der Tagesordnung ist eine Vorlage, wonach die Burgkiserne und der sog F.ld- webelsbau zil Friedberg gegen eine an die Staatskasse zu leistende Entschädigung von 17,000 st mit dem Großh. Fanulieneigethume vereinigt werden sollen. Der Ausschuß beantragt Zlistimmung. Der Abg. Scriba befürwortet die Annahme des Antrags, da das Durggrafnat Friedberg das einzige größere bauliche Besitzthum der Großherzoglichen Familie in der Provinz Qberhesten sei, eine andere Verwendung der anstoßenden Gebäude nicht möglich sei und dem Staat keine große Kosten durch die Unterhaltung dieser Gebäude entstehen würden, v. Rabenau erklärt, es handle sich heute nur um Erwerbung, die er vollkommen für angemessen halte, über die zur Miterhaltung erforderlichen An- sorderungen habe ja die Kammer später zu beschlicßeii. Regierungecommisjär Schlciermacher erklärt sich für Annahme des Antrags; Dernburg wünscht Zurückweisung an den Ausschuß bis man die dem Lande erwachsenden Kosten übersehen könne. Die Kammer beschließt jedoch einstimmig die Annahme des Ausschnßantrags. Abg. Schenk fragt das Ministerium, wie es nut einer Haltestelle bei Desfungen stehe. Ministerialdirector Schleiermacher erklärt, es schwebten darüber noch Verhandlungen, v. Rabenau fragt die Regierung, ob sie sich an der Fulda - Meininger Eisenbahn betheiligen wolle und ersucht den Finanzausschuß um Mittheilung, wie es mit dem Bericht über die Fortführung der Oberhessischen Eiseiibahn von Gelnhausen nach Partenstein stehe. Der Berichterstatter entgegnet, daß er noch keine Auskunft von dem Ministerium erhalten habe. Ministerialdirector Schleiermacher macht einige Mittheilungen über den Stand der Sache, wonach dem Ausschuß demnächst das nöthize Material zur Bearbeitung der Vorlage zugehen werde. Ein Antrag auf Verlängerung der Frist für Einlösung älterer Grundrentenscheine bis Ende lö75 wird ohne Debatte angenommen, ein Antrag Dernburg's auf nachträgliche Auszahlung der Gehaltsaufbesserung für die Zorstwarte für das Jahr 1872 dagegen abgelehnt. Der Antrag des Abg. Dumont auf Aufhebung des Gesetzes über die Mitwirkung der Forensen bei Feststellung des Gemeindevoranschlags, wird von diesem vertheidigt, das Gesetz sei durch und durch unpraktisch und verfehlt und werde besser aufgehoben als revidirt. Abg. Küchler gibt nicht zu, daß genügende Erfahrungen über die Witkuligen des Gesetzes vorliegen, man könne es jedenfalls vorerst einer Revision unterstehen und bann sehen, wie eö sich bewähre. Der Ausschußantrag auf Revision wird darauf mit großer Mehrheit angenommen. Nächste Sitzung Freitag den 5. Juni.
Posen, 2. Juni. Der CultuSminister genehmigte die Einführung der deutschen Sprache als Unterrichtssprache in allen Elasten des Gymnasiums Ostrowo und des Marien-Gymiiasiuinö zu Posen, somit sind die letzten polnischen Gymiiasien der Provinz Posen beseitigt.
Kassel, 3. Juni. Sämmtliche Anklagen gegen die abgesetzten hessischen Pastoren wegen unbefugter Vornahme von Amtshandlungen sollen, höherer Weisung zufolge, wie man versichert, vorläufig niedergeschlagen werden.
Dresden, 4. Juni. Nach dem „DreSd. Jonrn." haben die an dem Tunnelbau bei Eibenstock beschäftigten italienischen Arbeiter gestern Excesse verübt. Aus Schneeberg wurde in Folge dessen Militär requirirt, welches in der Nacht 56 Italiener verhaftete. Erhebliches ist nicht vorgesallen.
Augsburg, 4. Juni. Die „Allgemeine Zeitung" meldet: Der vormalige russische Bibliothekar Dr. Pichler wurde gestern in SiegSvorf todt im Bette gesunden.
Dcjlerreicö.
Wien, 2. Juni. Der Kampf der Curie gegen Rußland lodert in Hellen Flammen. Die Encyclica deS Papstes bat beu Funken in's Pulverfaß geworfen, und daS „Vaterlai.d" zumal fühlt sich berufen, zu den Beurtheiliiugen dieses Aktenstückes durch die Wiener Blätter zil bemerken: „Natürlich stellen sich die versastungstreuen Vertreter der „Civilisation des 19. Jahrhunderts" ohne Scheu auf die Seite Rußlands und nehmen gegen die Mahnung des heil. Vaters jene Politik in Schutz, welche vermittelst der Bayonnctte und der Knute Huuderttauseude von Menschen zum Schisma gewaltsam „bekehrt." Inzwischen hat sich Gortschakoff, wie jüngst aus Darmstadt telegraphisch gemeldet wurde, beeilt, mit gewohnter Hypokrisie die gewaltsamen „Bauern - Bekehrungen" als „Ailsrechterbaltiing der Ordnung" zu bezeichnen. Die Heuchelei ist wenigstens eine Concejsion, welche das Laster der Tilgend macht."
Sdjweij.
Veru, 4. Juni. Der Große Rath von St. Gallen beschloß die Anf- hebung des nach dem jesuitischen Erziehungs - System eingerichteten Knabeu- Seminars zu St. Georgen mit 91 gegen 52 Stimmen und erthellte dem Regie- rungorath die Competenz, renitente Pfarrer abzuberufen.
/ranäreicO.
Paris, 2. Juni. Mit Recht beklagt die Correfp. „Havas" die Eitelkeit der Deputirten, welche die Kammersitzungen mehr zum Voribeil ihrer par- lamentarischeu Parteiverhandlungen, als znm Segen des Landes benutzen und voruigsweise darauf ausgehen, Anzüglichkeiten gegen ihre Gegenpartei und parlamentarische Kunststückcheu auszusinnen.
Paris, 2. Juni. In den ultramontanen Kreisen wird wieder für den „Rov" gewirkt. Louis Vcuillot legt heute im „Unwers" gegen alle Parteien und Prätendenten, auch gegen den Capitän Saint Genest im „Figaro", der Mac Mahon gleich Macbeth's Hexen zuruft: „Du wirst König' werden!" eine Lanze für den legitimen König ein. „Das Unmöglich", orakelt Veuillot, „ist der König. Aber was ist oder was wird nicht auf der Stelle noch unmöglicher als der König? Alles, was nicht er ist, und zwar er ist, wie er sein will, braucht nur einen Augenblick anfzulanchen, um sich nicht mehr halten ju können Alles kann einen Tag haben, nur er kann eine Zukunft haben.
Jnsttnct der Selbst»rhaltnng wird es uns lehren. Dieter unmögliche Mann beschäftigt beständig seine Nebenbuhler. Er bat keine Partei, keinen Mann, kein Pferd, und seine einzige Waffe ist iciuc Fahne, von der man sagt, sie sei allgemein verhaßt, und damit macht er allen Anderen Angst. Weshalb?
Weil er der König ist, weil er das Recht ist, weil er die Ordnung ist, weil er eben deshalb etwas mehr ist, als Alles das, nämlich das legitime Eom- mando ist, das Commando, welches gegründet werden wird. Er rührt sich nicht, er spricht nicht, er widerst, bt jeder Bitte, zu handeln, zu reden Warum reden? er bat Alles gesagt. Warum bandeln? er kann nichts thnn. Er käme, wenn er einen Schwertstreich finden könnte; er kann nicht kommen, um sich in's Loch setzen zu lasten. Seid nur rubig! Er wartet, daß ihr nichts mebr könnt, oder daß eine Bewegung ihm eingeben wird, ihm befieblt, eurem Jammer ein Ende zu machen; dann werdet ihr ibn erscheinen sehen und die Ener- aik des Commandos und den Gehorsam schaffen." Das klingt denn doch wie ein Cavit l ans dem edlen Don Ouixote.
Paris, 3. Juni. Einer Meldung der „Azence Havas" aus Rom zu- folge überreichte der französische Botschafter bei der Curie im Vatikan die Arbeit der französisch-deutschen Commission zur Regelung der Diöcesan Grenzen. Es ist sicher zu erwarten, daß die Ätigelegenheit ohne alle Schwierigkeit erledigt wird
3ta(ieit
Nom, 4. Juni. Die „Agencia Stefani" meldet: Der Papst litt gestern au großer Appetitlosigkeit. Heute Nacht hatte derselbe wiederholt starke Fieber- Anfälle. Die Aerzte sind beunruhigt.
(EiiflCantk
London, 2. Juni. Der traurige Untergang des Schiffe! „British Admiral" ist in folgendem Telegramm ans Melbourne gemeldet warben: „British Admiral gänzlich zu Grunde gegangen bei King's Island, Mannschaft und Passagiere, mit Ausnahme von fünf der ersteren und vier der letzteren, sämmtlich iimgekomnien." Das genannte Schiff war am 23. Februar von Liverpool nach Melbourne abgegangen mit 88 Seelen an Bord. Die genannte Insel liegt zwischen Cap Otway (Colonie Victoria) und Cap Grim (Vandie- mensland) und ist wegen ihrer gefährlichen Klippen berüchtigt.
— Der russische Botschafter Gras Brunnow hat im Namen seines Kaisers dem Chef der Londoner Polizei, Oberst Henderson, eine prachtvolle goldene Dose mit dem kaiserlichen Namenszuge in Diamanten überreicht als ein Zeichen der Erinnerung des Kaisers an feinen angenehmen Besuch in London.
London, 2. Juni. Auf den Prinzen Eduard zu Sachsen Weimar ist, als er seine Wohnung verließ, ein Pistolenschuß abgeseucrt worden. Der Prinz ist nicht getroffen; man glaubt, daß der Thäter wahnsinng ist.
Glasgow, 3. Juni. Eine Versammlung von Besitzern schottischer Eisenhütten beschloß, die Hochöfen nicht früher wieder in Betrieb zu setzen, als bis die Arbeiter die Herabsetzung der Löhne acceptirten. — In zwei großen Eisenwerken haben die Arbeiter die Lohnherabsetzung angenommen und die Arbeit wieder begonnen.
Spanten.
Barcelona, 3. Juni. Der Brigadier Salamanca bat eine 3000 Mann starke Carlisten Abtheilung bei San Vincente in der Provinz Logrono geschlagen und San Vincente besetzt.
Santander, 4. Juni. Die Carlisten sind bei Estclla zahlreich concciv trirt und wird dort eine Schlacht erwartet.
' Hendaye, 3. Juni. In San Sebastian sind 3000 Mann Reaiernngs- trnppen ans Bilbao zur Verstärkung elngetroffen. Auf die Nachricht hiervon gaben die Carlisten die Belagerung Hernanis auf und gingen nach Oriamendi zurück, wo sie sich befestigen und den Angriff der Regierungstriippen erwarten. Don Alphons, Bruder deS Don Carlos, hat den Ebro überschritten.
Türkei.
Konstantinopel, 2. Juni. Der Khedive von Aegvpten soll Schritte gethan haben oder vorbereiten, um Unterhandlungen mit europäischen Regierungen zum Abschluß von Handels-Verträgen einzuleiten.
Lokal-9Lotiz.
Giestcn, 5. Juni. Zu der Submiision auf (Erbauung der Festhalle zum IX. Mittel« rhein. Turnfest sind viele Offerten eingelaufen. Die Zimmerarbeiten wurden den beiden Suh- mittendcn zugefchlagen. übenjo liefern lämmtliche hicstge Dielenbandlungen die erforderlichen Dielen. Bezüglich der Schreinerarbeit stehl da- iÄlclche in ÄiMchr. Bei vieler Gelegenheit wollen wir bemerken, daß der Festwirth dem (Sonnte einen Beitrag von 320 fl. zur Festkassc übermachte. Die übrigen Ausjchüsse arbeiten auch flott und verspricht das Fest eines der schönsten zu werden, das in Gießen je gehalten wurde. —.
Vermischtes.
Berlin, 29. Mai. Wie durch chemische Untersuchung nachgewtesen ist, befinden sich in der schwarzen Nähseide beinahe lv pEt. Bleioxyd. Man tränkt nämlich in vielen Fabriken Deutschlands, Belgiens, Frankreichs und der Lchweiz die Mb'elde mit Blenalzen, um sie schwerer zu machen. Demnach dürften die Näherinnen darauf allen Grnstes aufmerksam zu machen sein, daß die Gewohnheit, den Faden, bevor sie ihn verwenden, längere Zeit in den Mund zu nehmen, die Gesundheit jedensalls gefährdet Gin fast sicheres Merkmal für daö Lorhandcnirln dieses Stoffes dürfte die schwache Haltbarkeit der Leide sein, denn Bleisalze wirten in längerer Bcrbinoung mit organischen Körpern zerstörend.
— Die Tribüne schreibt: Die Beschlagnahme von Geldsendungen, die per Poll an einen Schuldner gelangen, durch einen Gläubiger zeigt sich, wie aus einem uni vorliegenden conereten Falle hcrvorgeht, als illusori'ch und ver pricht dem Gläubiger keinen Grfolg Gin Hamburger Kaufmann rl. legte vor einiger Zerc Arrest beim hiesigen Stadtgericht auf alle an seinen Schuldner B per Post eingehenden Geldienoungen, nachdem die Mobiliar Gxeculion sich bei demselben als fruchtlos erwiesen und nachdem er in Erfahrung gebracht, daß an B., dem Charakter des Geichäite desielben gemäß, häufig von außiihalb Geld endungen größeren und kleineren Umfang» durch Vie Post erfolgten. Trotz aller Vorsichtsmaßregeln, die der Schuldner traf, um seine ausstehenden Forderungen auf anderem Wege emzuziehen, langt« doch vor Kurzem ein mit über hundert Thaler beschwerter Brief unter iriner Abreise an Vas hiesige Hofpostamt. Der elbe wurve zurückgehalten und dem Adreffaten vom Hofpostamt v:e folgende Anzeige gemacht: Zur Aushändigung ver für St« eingegangenen, gerichtlich mit Beichlag belegten Geldsendung steht etn Termin am :c. im Büreau da und da an, zu welchem Sie unter ber Verwarnung hiermit vorgeladen werden, daß irn Falle Ihres Ausbleibens die Sendung als unbestellbar betrachtet und nach ihrem Aufgabeort würde zurückgeianot werden. Der Adressat vträumte den Termin nicht, fand aber daselbst gleichzeitig einen Grecutor vor, worauf er sich weigerte, den zweisiegllgen Vuef in Empfang ju" nehmen und darüber zu quittiten. In Folge dessen ist das Geld al» „unbestellbar- an den Absender tt. in Mainz zurückgegangen. Da dieser als Schuldner des B- das Geld nun seinem berliner Gläubiger auf andere Weise zukommrn läßt, so erzeigt sich das eingeschlagene ür:ecutionS - Verfabren als illusorisch. Mag es de, Schuldnern, die im Loncurse oder tn Unter,uchung sich befinden, anders «ein, in gewöhnlichtn Fällen liefert die Post, trotz gerichtlicher Be'chlagnahme, jeden Brief und jede Geldsendung nur an den Adreffaten aus, und verweigert dieser die Annahme, io vereitelt sich die Beichlagnahme. Die Sendung
°11 u! et kan°« cur i° ®'d9 v 6d?
r<nn ”"n" i-"!l Kfl'-'i1.® Olt. tütN't^
ßifi'tnhot du icnttra -ucd H» «in»'»1 B-t Önaini ! nfi rerzcncni rr.rf T^ek. AM vor d eoijtlbt un^ nntr ungewi tui 9innld! von tztliingl taiuniti gifUf des. vor ten 81'] 6Jj^ri<|tr 6 der ttog feßii 7:kdet unt 8
; man fa> Tienllmäocbfn t;d) ali Kind öttibldt fit ta xtt ®uttn Du önlttdu1 ^tr.onnltn s fl/dtn, die fiste beiten Goi JV evsiierte ei| u unlnsucbe
Mont
I Msbisi im Landki 2776)
Grasso
2 Tonni
foö bie di« den Vornan fhrei &b(f iimma oerfti
A'thrn, bt droßhtrzvdi
im (j
Tas biegj lichen Do
Itch enden 7« donnerst 1) Morge
II,'25 Ditiwi martu
von 2 btr e iVTcita 3) yr-rgt fung r
. Idbft); Görmin marfun, von 70 iam M Montag ö) Äorge?
«äs lnarkvn. aen -
«e^brir
‘UllQ i re* ®iii
Wen Di
■««e fii


