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Der Verlauf des Processes richtet von Neuem eine ernste Mahnung an alle Diejenigen, welche dem Volke einreden, daß es durch Verletzung des Ge­setzes seiner Kirche und seinem Glauben dienen könne. Möge die ernste Mah­nung nicht überhört werden, und möge in Jedem, der noch einen Funken von Besonnenheit und sittlichem Gefühl sich bewahrt hat, das Bewußtsein erweckt werden, daß, wer im Namen der Kirche frech das Gesetz des Staate- ver­höhnt im Volke Sittlichkeit und Glauben, die wahren Grundlagen der mensch­lichen Gesellschaft und der Kirche selbst, mit frevelhafter Hand untergräbt und zerstört.

DcutfdjUuiö.

Darmstadt, 1 November. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, der am 19. Cctobcr d. I erfolgten Wahl deS Hofger - Advocaten Albrecht Ohly zum Bürgermeister der Haupt- und Residenzstadt Darmstadt unterm Heutigen die Bestätigung zu ertheilen.

Darmstadt, 1. November. Die erste Kammer der Stände tritt am Dienstag, den 10 November 1874, Vormittags halb 10 Uhr, zu einer Sitzung zusammen. Die Tagesordnung umfaßt die Berathuug und Abstim­mung über:

1) den Gesetzes-Entwurf, die rechtliche Stellung der Kirchen rind Reli­gions-Gemeinschaften im Staate betreffend;

2) L>en GesetzeS-Entwurf, den Mißbrauch der geistlichen Amtsgewalt

Das Comitä der Volksküchen wird nächste Woche wieder seine Sitzin- gen unter dem Vorsitze der Frau Marschallin Mac Mahon aufuehmen. Arbeit des Comitös wird diesen Winter eine harte sein. Nicht weniger als die ungeheure Zahl von 102,719 Personen haben sich im Armenbureau und in den Luppen-Änstalteii einschrciben lasten.

Paris, 1. November. Ganz Paris ist beute auf den Fnedböfen die gan-e Bevölkerung feiert das Fest Allerseelen. Nirgends sind Rubcstörmiaen oder dergleichen vorgekommen. Auch die Kirchen waren stark besucht. I, Notre Dame leitete der Erzbischof selbst die Feierlichkeit. Von den Abend­blättern erschienen nurTemps" undßibertö."

Pari-, 2. November. Im Pas de Calais ist der Bonapartist Deliste mit 84,460 Stimmen zum Deputaten gewählt. Der Republikaner Bra^n erhielt 74,181 Stimmen.

Tas von spanischen Journalen verbreitete Gerücht von dem Heber» tritt des Don Alphons auf französisches Gebiet hat sich nicht bestätigt.

(Eiigfnnö.

London, 2. November. Dem Eolonialamt liegen sehr günstige Be richte vor über die Reorganisation und Handelsentwickelung der Goldküste. Dastclbe traf Maßregeln zur Ausrottung der eigentlichen Sklaverei und Linde­rung der sogenannten häuslichen.

Linket.

betreffend;

3) den Gesetzes-Entwurf, die Vorbildung und Anstellung der Geist­lichen betreffend;

4) den Gesetzes Entwurf, die religiösen Orden und ordenSähnlichen Con- gregationen betreffend;

5) den Gesetzes-Entwurf, daS Bcsteuerungsrecht der Kirchen und Reli- gionsGemeinschaften betreffend.

Es finden voraussichtlich mehrere Sitzungen statt.

Darmstadt, 2. November. Die zweite Kammer der Stände wird am Donnerstag, ben 5. November 1874, Vormittags 9 Uhr, wieder eine Sitzung abhalten, auf deren Tagesordnung die Berathung über:

1) die Vorlage Großh, Ministeriums des Jnnerii und der Finanzen, den Entwurf eines Berggesetzes für das Großherzogthum Hessen betreffend (zweite Lesung);

2) die Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, die Erhöhung der Gehalle der diesseitigen Beamten und Bediensteten bei der Main-Neckar-Eisen- bahn für das Jahr 1874 und eventuell für das Jahr 1875 um em Sechö- theil betreffend;

3) die Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, bauliche Herrichtun­gen 2C. in dem Main-Neckar-Bahnhos zu Darmstadt betreffend;

4) die Vorlage Großh. Ministeriums der Justiz, den Gesetzes-Entwurf, das Verfahren der unfreiwilligen Versetzungen von Mitgliedern eines Justlz- collegs in den Ruhestand betreffend, steht.

Vertin, 2 November. Cardinal Fürst Hohenlohe, welcher hier einige Tage verweilte, ist gestern wieder abgereist.

Berlin, 2. November. Reichstag. Windthorst schlägt vor, die am Samstag von einem beschlußunfähigen Hause gewählten, von der Majorität aufgestellten Schriftführer durch Akklamation zu bestätigen. Das Haus stimmt zu. Nach einem Nachruf des Präsidenten an die verstorbenen ReichStagS-Ab geordneten Mallinckrodt und Baudn werden die Postverträge mit Peru und Chili in erster imb zweiter Lesung genehmigt. General-Postdirector Stephan erklärt auf eine Anfrage, daß die Verhandlungen mit Volwia, Costarica, Urit guay, Columbia und anderen amerikanischen Staaten noch schweben. Die Ab änderung deS Posttax-Gesetzes wegen Eintrittes der Markrechniliig, die Gesetz Entwürfe über die DiSciplinar-Kammer für Reichv-Eisenahn Beamte im Aus- laude und wegeii Ütlfhebung von Bestimmungen des lübischen und Rostocker RechtS werden in erster tuiD zweiter Lesung ohne Debatte augenomnien, t-tc Gesetz Entwürfe über die Verwaltiiiig der Reichs Einnahmen und Reichs Aus gaben pro 1873 und über die Einrichtung und die Befugniffe eines Rechnungs­hofes an eine Commission von 14 Gliedern verwiesen. Nächste Sitzung Mill woch. Die Social-Demokraten bereiten einen Antrag auf Hafteinlassung der Reichstags-Abgeordneten Bebel, Most und Hasenclevcr vor. Fürst Bismarck reist heute Nachmittag nach Lauenburg ab.

Berlin, 2. November. Zwei Geheimrälhe aus dem Ministerium desl Innern, Wohlers und PersiuS, sind heiite früh auf einige Zeit nach Kassel verreist, um ein Einverständmß in Sachen der KreiS- und Gemeiiideordnung herbeiziisühren.

Posen, 1. November. Gestern wurde im hiesigen polnischen Bazars durch den Polizeidireclor Staudy das Vermögen der Parochie Goscieszyn, wegen dessen verweigerter AilSlicserung Gras Joseph Mtelzynski auf Jwno Der haftet ist, mit Beschlag belegt.

DefleiTeid).

Böien, 2. November. DerMontags-Revue" zufolge ist Baron Pot- tenburg zum Gesandten in Stockholm ernannt worden.

Frankreich.

Pari-, 31. Oct ober. DieCorrcsp. Havas" schreibt:Der Car­dinal Erzbischof fährt fort, seine besondere Aufmerksamkeit den Vorständen Bclle- ville, La Villette und Münilmontant zuzuwenken. Diese Vorstände beherberg« n sehr viele Arbeiter Familien deutscher Zunge. Seit einem Jahre sind dort nicht weniger als drei neue Kirchen und drei Mänucrklöster entstanden, deren Or­dens.Mitglieder dem Jesuiten- und Redemptoristen Orden angebören und sich, ailS Deutschland kommend, hier angesiedelt haben. Tie Fürsorge deS Erzbischofs geht aber noch weiter. Jetzt hat er auch Minonten kommen laffen, die sich m der Rue de Romalnville zu Belleville nicderlaffen und einen Theil der Seel­sorge dieser Ctadttheile iiberiiebineib

DasUnivers" macht die Mittbellung, daß ihm von Aachen der Vorschlag gemacht wurde, eine Snbscription zu Gunsten eines Comt»6s zu eröffnen, das sich die Schmückung der Kriegergräber in Deutschland zur Auf­gabe macht.

Konstantinopel, 28. October. Laut Nachrichten aus Mouastir ist der Militär-Commandant von Scutari bereits an den Ort der jüngsten Cou- fiicte abgegangcn, um auf Beruhigung der Gemüther schleunigst hinzuwirkeu. Die Untersuchungs-Commission, in der sich vertreten zu lassen Montenegro auf. gefordert wurde, ist bereits eingesetzt. Mehrere Verhaftungen sind vorgenom. meu worden. Zur Aufrechterhaltung der Ruhe in dem stark erregten Grein, gebiete sind Truppenverstärkungen angeordnet. (N. Fr. Pr.>

Spanien.

Madrid, 31. Oktober. Nach Mittheiluugen aus Junquera setzte der Carlisten-Geucral Saballs die Todesstrafe auf den Bestich des Jahrmarktes in Gerona von Figueras oder Quixolo aus, welches Verbot durch^die Weige­rung dieser beiden Städte, die von Saballs geforderten Contributioncn \u zahlen, begründet ist.

Amerika.

9tew-?jork, 2. November. Dem Vernehmen nach ist ein Secretär Arnim's in Folge eines Telegramms von Bismarck in St. Louis entdeckt wor­den. Derselbe schiffte sich am Sonntag aus Arnim'ö Wunsch mit einem Theil der fehlenden Aktenstücke von New-Aork ein, um nach Berlin zu reifen.

Cesegraphische Oi'jieschen.

Vrüfsel, 2. Nov. Rochefort nimmt seinen bleibenden Aufenthalt in Genf. Die Einführung der allgemeinen Dienstpflicht und die Abschaffung des Einsteher-Systemö in der Armee scheint hier beschlossene Sache.

Berlin, 2. Nov. Die Fractionsbesprechungen machen eine rasche Er. ledigiing der Reichstags-Arbeiten wahrscheinlich. Das Justizgesetz, das Bank- gesetz ulid der Militär-Etat follen an eine Commission verwiesen und dlc Commissious - Arbeiten durch die Beschränkung der diesmonatlichen Plenar berathungen so gefördert werden, daß im Lause des December bis Weihnachten die gesammten Reichstagsvvrlagen, die Justizgesetze ausgenommen, erledigt wer den können. Behufs Beseitigung der in Heffen wegen Einfügung der hessi­schen Gemeinde-Organisationen in die preußische Reformgejetzgebung hervor getretenen Mißverständnisse sind Bennigsen. Miquel und Lasker zu einer ver traulichen Besprechung mit hessischen Landtags-Abgeordneten und Vertrauens männern nach Kassel abgereist. Tie Wichtigkeit der preußischen OrgauisatioiiS- Aufgaben auch für daS deutsche Reich ist dafür ein wesentlicher BestlmmungSgrund.

Berlin, 2. Nov. Der Reichskanzler bat dem Bundcsrathe einen Gesetzentwurf für Elsaß Lothringen zu gestellt, durch welchen daS bisher gültige Recht über die Stempel-Abgaben größrentheils aufgehoben wird.

London, 2. Nov. Die hiesigen Abendblätter veröffentlichen cm Tele gramm aus Rio de Janeiro vom 31. Oktober, wonach in dem Staate Bnenoe Ayres, unweit der Mündiing des Solado zwischen den Regierungöiruppen unter CampoS und den Justirgenten unter Ribas am 26. Oktober em Gefecht statt fand. Nach dcii Berichten der Regierung wurden die Insurgenten geschlagen. Rlbas vereinigte sich jedoch mit Mitre. der auf die Hauptstadt marschirt. Eine neue Schlacht wird erwartet. Die Verbindung von Buenos-AvreS mit der llmgegend ist unterbrochen, die Stadt ist stark befestigt. DaS Kabel der di­rekten amerikanischen Linie ist aufgefunden worden und die Splißung heute Morgeii begonnen.

Paris, 2. Nov. DerTemps" veröffentlicht ein Schreiben des Her­zogs v. Broglie, worin derselbe, den Meldungeii englischer Blätter gegenüber, in Abrede stellt, daß er am 23. Mai 1873 bei Arnim durch einen Unterband- ler habe ausragen laffen, ob der Sturz Thiers' in Berlin Mißfallen erregen werde. Broglie fügt hinzu, daß weder vor noch nach dem 24. Mai die ftag- l»che Angelegenheit zwischen ihm und Arnim direkt oder indirect erörtert wor­den sei. DieUnion" und derMoiilteur" melden übercmflunmciib, Don ill- ons und Gemahlin hätten Spanien verlaffen und sich nach Graz (in Stever- mark) zurückbegeben, um sich dort von den Strapazen des Feldzuges zu er­holen.

V e r m i s cl) t e S.

TratS-H ort off bei Hungen. Nachdem der feilberige Bürgermeister Raab bebtet in s öffentlicher Versammlung erklärt hatte, eine Wtederrvahl nicht annebmen zu wollen, so wurde : bti der biesigen Vürgermclsterwaht das feilberige Mitglied des Kemeinderaths, Heinrich !Iosi Schneider, zum Bürgermeister gewäblt und bat derselbe dieser Tage die Bestätigung er­halten. Man glaubt, in der Person dieses Mannes eine glückliche Wahl getroffen ju baben.

(Brüningen, Kreis Sieben, 29. Oct. Die heute dahier stattgehabte Bürgcrmcistrrwabl ist ohne blutige Köpfe, ja fast ohne allen Rumor, wenn man die dem Reugewäblten bernach dargebrachte Ovation abrechnet, vor sich gegangen. Der seitherige Großherzogliche Bürgermeister W. Leid ick, Metzger, wurde mit großer Majorität der Stimmen wieder gewählt. Leider nur