Düsseldorf, 30. Mai. Alle noch hier hausenden Dominikaner-Mönche, sind, mit Ausnahme eines einzigen, der das städtische Bürgerrecht besitzt, aus-! gewiesen worden.
München, 1. Juni. Heute Vormittag fand in der Frauenkirche ein Trauer-Gottesdienst für den verstorbenen Reichstags-Abgeordneten v. Mallinckrodt statt. Außer sämmtlichen Mitgliedern der bayerischen patriotischen Partei waren auch zahlreiche liberale Abgeordnete erschienen, darunter Stauffenberg, Marquardsen, Ebel, Herz, Gerstner und Kastner. Die Kirche war dicht gefüllt.
AuÄ Elsaß-Lothringen, 29. Mai. Ein Pariser GerichShof hat kürzlich erkannt, daß ein minderjähriges Kind, das in Frankreich vor der Annexion geboren wurde und von elsässischen oder deutsch-lothringischen Eltern stammt, französisch bleibt, wenn auch dessen Vater seine erste Nationalität, weil er nicht in der vom Frankfurter Vertrag festgesetzten Frist optirt, verloren habe.
Echternach, 30 Mai. Die in unserem berühmten Spring-Processions- Eden hausenden Redemtoristen-Patres haben von der preußischen Regierung die stricte Weisung erhalten, das jenseitige Ufer der Sauer (welches bekanntlich preußisches Gebiet ist) nicht mehr zu betreten.
Schweiz.
Bern, 1. Juni. Der Nationalrath wählte Fehr-Herzog (Aargau) zum Präsidenten, Vice-Präsident wird wahrscheinlich Ruchonet. Der Ständerath wählte Köchlin (Basel) zum Präsidenten.
Lrankrelch.
Paris, 30. Mai. Einer der „Agence Havas" von carlistischer Seite aus Hendaye über San Sebastian vom heutigen Tage zugegangenen Meldung zufolge griffen entsandte Regierungstruppen gestern fünf carlistische Bataillone, welche die Belagerer von Hermani deckten, an, wurden aber vollständig zurückgeworfen.
Versailles, 30. Mai. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung fand eine längere Discussion über die Festsetzung der Tagesordnung statt. Raudot von der Rechten bemerkte: wenn die Kammer auch in der Folge ihre Zeit verschwenden und sich ohnmächtig zeigen würde, so müßte sie sich auf- lösen; die Kammer könne aber dem Vanbe noch große Dienste leisten, er schlage daher vor, zuerst daö Municipal-Wahl- und daun das Municipal-Organisatrons- Gcsetz zu bcrathen. Der Antrag wurde von Bothmont und Verenger vom linken Ceutrum bekämpft, aber schließlich von der Versammlung angenommen. Die Versammlung beschloß ferner, sodann das politische Wahlgesetz zu discu- tiren. Das Resultat der Sitzung beweist, daß die aus den verschiedenen Frac- tionen der Rechten zusammengesetzte Majorität noch besteht. Die Regierung nahm während der Discussion keine Gelegenheit, über ihreir Standpunkt sich zu äußern.
«Rumänien.
Bukarest, 31. Mai. Die Convention zwischen Ungarn und Rumänien über die Eisenbahn-Anschlüffe bei Orsova und Kronstadt ist unterzeichnet. Beide Anschlüsse müssen binnen Frist von 4 Jahren ausgeführt sein, wogegen der Artikel betreffs des Tarifes von Ungarn zurückgezogen ist.
Spanien.
Santander, 31. Mai. Der carlistische General Lizzarraga hat bie Verbindung zwischen Hermani (an der großen Straße nach Frankreich) und San Sebastian unterbrochen. Zwischen der Garnison Hermani und den Carlisten haben lebhafte Gefechte stattgesuuden. Die Verluste waren aus beiden Seiten nicht unerheblich.
Amerika.
New-Aork, 30. Mai. Rochefort ist in Begleitung zweier Freunde heute Abend hier eingetreffen.
New-Uork, 31. Mai. Die Journale veröffentlichen ein Schreiben Rocheforts, worin derselbe die von der Pariser Commune vollzogenen Hinrichtungen, sowie die anderen von ihr begangenen Gräuel als Repräffalieu gegenüber dem Verfahren der Regierungstruppen rechtfertigt und die Leiden der deportirten Communisten während des Transports und des Aufenthalts in Neu- Caledonien schildert.
Lokal» Notiz.
... _ ließen, 1. Juni. Die Sitzungen des Schwurgerichts in der Provinz Oberhessen vom HI. Quartal l. I. werden
Montag den 6. Juli, Vormittags 9 Uhr, des zum Präsidenten dcS Schwurgerichtshofs bestimmten Großhcrzoglichen Hofgerichts RathS Herrn Eckstein, beziehungSweisc des zu dessen Stellvertreter ernannten GrotzherzogUchen Hofgerichts RathS Herrn Buss ihren Anfang nehmen und wurden demzufolge * k stattgehabten öffentlichen Sitzung Großherzoglichen HofgerichtS dahier, die Haupt und Ergänzung- Geschworenen in folgender Reihenfolge auSgeloost. —
I ErgänzungS-Geschworene: t. Gustav Ubrid), Eornrnissionär, 2. August Wießel, Bau Accessist, 3 Heinrich Kaeß, Ellenwaarenhändler, 4- Dr. Ferdinand Reatz, Hofgericht- Advocat, 5. Dr. Wilhelm Schüler, Hofgerichts Advocat, 6. Gustav Windecker, Commifsionar, 7. Friedrich Smit Gail, Agent, 8. LouiS Wcunandk, Gastwirts», 9. Karl Wilhelm Wallenfels, Branntweinhündler, 10. Isaak Hanau, Seisenfabrikant, 11. Dr. Heinrich Will, Profrffor, 12. Franz Anton Ricker, Buchhändler, sämmtlich in Gießen. —
U. Haupt» Geschworene: 1. Elieser Simon, Fruchthändler in Echzell.
2. Karl Leonardo Münch, Specereihändler in Gießen. 3. Heinrich Hölker, Gastwirth m Gedern 4 Eduard OttenS, Zeugfabrikant in Gießen.
3e?n Haustein, Liqueurhändler daselbst. Weißbeck, Kaufmann in Schlitz.
• Georg Wilhelm Heinrich Gatzcrt, Bürgermeister m Heuchelheim, Kr. Kidda. q JvbanneS Weber III., Bürgermeister in üichelsachsen.
. <-e!igmann Bauer, Häutchändler in Schotten.
10. Wilhelm Becker III., Müller in Keffelbach
11. Dr Friedrich Birnbaum, Profesior in Gießen.
12. Friedrich Cheliu-, Pachter m Wickstadt.
13. Peter Kratz, Kammerrath in Lich.
14. Dr August Streng. Professor in Gießen.
15. Dr Huqo v. Rügen, Profeffer daselbst
16. Gerson Sonneberg, Fruchthändler in Vilbel.
17. Peter Weitzel, Mineralwafferbändler in Groß Karden
18. Ludwig Bingel, Müller in Alt vuseck.
19. Aron Katz, Fruchttzändler in Gießen
20. Wilhelm Sevbold II. Bürgermeister in Vilbel.
21. Friedrich Wilhelm Hadn, Schildwirth in Beller-Helm.
22. Seligmann Scheuer II., Fruchthändler in Heldenberqen.
23. Joh. Philipp Karl Schneider, Oeconom in Dortelweil.
24 Heinrich Ruppel, Landwirth in Kloppenheim.
25. Friedrich Habenicht, Blechwaarenfabrikant ,n Gießen.
26. Karl Kircher, Gasrwirth in Laubach.
27. Wolf Vöhl, Viehhändler in Gedern.
28. Georg Friedrich Kopp, Landwirth in Offenheim.
29. Peter Kleberger II., Landwirth in Melbach.
30. Ludwig Georgi, Cigarrenfabrikant in Gießen.
Vermischtes.
Gießen. Leichenverbrennung und nicht« alS Leichenverbrennunz. Kein Blatt, keine Zeitung, die Einem in die Hande fällt, die nicht Die« oder Jenes, daS Neueste oder Aller* neueste von der Leichenverbreiinung zu erzählen wüßte. Zn der Thal aber erregt da» Schicksal unseres verehrten Ich, nachdem der TodeSengel uns mit ,einen Futigen gestreift lat, derart die allgemeine Aufmerksamkeit, ist eS so sehr allgemeiner Gegenstand deS JntereffeS geworden, daß biS weit hinein m jene Kreise, die sonst oie Fragen deS Tage- ziemlich unberührt laffen, daß Gespenst der Leichenverbrennung Grauen und Schrecken erregt.
Fragt nur jene alte^ Nähterin, die sich in dm letzten zwei Jahrzehnten mit Mühe und Noth an den einzelnen Kaffeebohnen und an der Butter zum Brode zwanzig Thaler zu'einem „christlichkn Begrabnlß" abgespart hat, wie sie der Gedanke an S Sterben mit Schrecken erfüllt, seit sie gehört hat, daß sic nicht mehr, wie ihre Mutter selig unter dem grünen Rasen und unter Immergrün, das ihr vielleicht eine mitleidige Seele auisGrab pflanzt, zur Ruhe gebracht werden ,oll, sondern daß d.e bösen Neuerer - Entsetzen und Schrecken - sie verbrennen wollen! — Verbrennen, schrecklicher Gedanke! und die arme Alte wendet sich schaudernd ab von diesem Bilde. Ist sie doch nicht gewohnt, daran zu denken, wa- der lanasame chemische Proccy in der feuchten Moderluft dcS GrabeS auS ihr machen würbe, sieht sie sich doch nur im Sarge m ihrem schonen schwarzseidenen SonntagSkleide, daß sie nun schon dreißig Jahre lang hat, mit dem Gesangbuch in den behandschuhten Händen — und nun statt dieses ewigen -LonntagSstaateS, der dem Tobe die Hälfte all seine- Schrecken- nimmt, verbrannt zu werden. — Brrr!
Glücklicherweise pflegt sich eine praktische vernünftige Idee, die sich der Zeit und derer stck die Zeit einmal bemächtigt, nicht durch die weinerlicyen Gefühle guter alter Frauen auf« halten -u lassen auf dem Wege zu ihrer praktischen AuSfübrung. Wird eS aber dock icldst, wenn die Idee, die vcrhältnißmäßig trotz Allem und Allem erst em winzig kleines Xeiiam eipbert hat, vraftiid) ins fielen tritt, lange dauern, ehe sie die Unjumnu von Borurtbeil über» windet, die >i.h ihr entgcgenslellt. Wird es doch Jahrzehnte dauern, ehr sie von den natürlichen Ccntren der Bildung und der praktischen Neuerringen, den großm Städten, sich weiter verbreitet, ehe sie aus den Kreisen der Gebildeten sich fortpflanzt in die breite Masse dcS VvlkeS
Aber, einmal durchgeführt, ist ihr Einfluß auf die ganze Anschauung-weise, selbst auf bie religiösen Ideen, gar nicht zu unterschätzen. Wird doch der Glaube en eine Auferstehung, an eine Fortdauer nach dem Tode, eine ganz andere Gestalt gewinnen, wenn die lleberlebenden nicht mehr den Körper in der Gestalt des Lebens der Erde übergeben sehen; würde doch die Ansicht von der körperlichen Auferstehung einen vollkommenen Stoß im Volke erleiden, wenn dicscr Körper, sckon den Augcn |id'tbarlid), seine Gestalt gar nickt mehr bewahrt, lind mir mdtun von geistlicher Seite wird man die Leichenverbrennung daher nickl-weniger alS aünstig ansehen.
lind unsere gute Deutsche Sprache! Sie müßte sich vollkommen auf Leichen Verbrennung einrickten, sie müßte Dutzende von Wortwendungen, von Bildern und Anschauungen fahren lassen, denn mit dem Tode nicht nur, sondern auch mit dem Körper nach dem Tode und mit dem Grabe sind hundert Bild» verknüpft. Er könnte sich Niemand mehr „im Grabe herumdrehen", denn man kann dock einer achtbaren verbrannten Leiche nicht zumuthen, ihr Aschenhäufchen noch nach der geschehenen Verbrennung um und um zu schütteln. Vom Grade- bunll könnte Niemand mehr sprechen und für die '.ule ves Grabe- müßte die Ruhe ter Urne substiluirt werden. Der „Nagel zum Sarge" müßte in - Raritäteneabinet wandeln oder Pietät: loS untcr'S alte Eisen und man könnte nur r.ock sagen, daß da-, oder der, oder - die ibm jum „Thon zur Urne", oder zum „Scheit zur Leichenverbrennung" geworben ist. „In Frieden nach der Communal-Leichenverbrennungsanstalt gefahren werben."
O. über diese Neuerer!
Baden, 29. Mai. Als heute Morgen nach 4 Uhr ein Fuhrmann durch die Stephanien- straße in den Wald fahren wollte, fand er vor einem dreistöckigen Hause eine bejahrte Frau über der Straßenrinne liegen, die sich bei näherer Besichtigung all tobt herausstellte Da fte überdies am Kovfe blutete und einen Strick um den HalS halte, machte er bei der Polizei die Anzeige und daS Gericht nahm die Untersuchung in die Hand So viel nur hören, stellte sich jedoch der Fall als ein Selbstmord dar. Die Frau, welche in früheren Jahren an sonderbaren ^teen gelitten hatte, wie daß sie nur Beefsteak- und Rotbwein vertragen könne, war in der letzten Zeit von schweren Unterleibsleiden heimgesuckt Sie hatte vorgestern in der Verzweiflung hierüber gedroht, sich einen Strick um den Hal- zu legen, oder sich zum Fenster hinauszustürzen und sogar den sckon bereiteten Strick gezeigt. Heute Nacht machte fie Beide- wahr; da bat örbängen nicht gelingen wollte, stürzte sie sich mit dem Stricke um den Hal- zu ihrem Dach» fenster, vier Stockwerke hoch, auf die Straße hinab. Der Tod erfolgte augenblicklich durch Bruch deS Rückenwirbels.
Drei amerikanische Zechbrüder gaben sich beim Abschied von der Kneipe da- Ehren» wort, den ersten Befehl, welchen Jeder bei feiner verspäteten Heimkehr von seiner Frau erhalte, unbedingt erfüllen zu wollen, und soll derjenige, welcher gegen da- Uebereinfommen bandle, anderen Tages 5 Dollars Strafe zahlen. Lckon am folgenden Morgen waren die Drei pünkt lick wieder am Plane und erstatteten sick gegenseitig Bericht über ihre jüngsten Erlebrnffe. Master Walker berichtete, er fei dabeirn im Dunkeln über einen Backtrog gestolpert und feine jran habe ihm zugerufen: „Bill, tritt dock lieber gleich in den Teig, den ich gemacht habe— „Ganz, wie eS Dir beliebt, Maggie," sagte Walter, streckte seine Füfe in den Teig und — bann in das Bett — Brown erzählte: „Meine Frau war zu Bette gegangen, al- ich tm Dunkeln an die Möbel stieß und herumvolterte, und nef mir, da sie die- hörte, grimmig zu: "Wirf gleich den Glasichrank um, Du SaufauS!" Ick gab dem Schrank einen Stoß, daß er purzelte und Alles in Scherben ging. Meine Frau wurde ganz wild und ich werde nock lange
baran denken." — Master Wilson, der Dritte, mackte ein uemlick langes Gestd't. A!» ich nack Hanse kam-, beqann er, ..und ;m Dunkeln berumstclverte, gab mir meine ,vrau den nicht ganj christlichen Rath: .Brick Dir dock da- Genick entzwei!" — Bei Leibe nickt, hebt Käthe, taju ist noch lange Zeit, jetzt thu ich - aber noch nicht, lieber bezahle ich die Zeche! — Hier finb meine 5 Dollars, fragt mich nun nickt weiter, wie mir - noch ergangen ist!'
Trier, 28. Mai Ein scheußliche- Verbrechen ist gestern Abend hier verübt worden. Ein hiesiger Einwohner, der vormalige Metzger Mattbia- D., bat seinen leiblichen Sobn, den I8jähngen Metzgerburschen gleichen Namens, erstochen, und zwar durch etntn einzigen Mefferstick, der jo tief ins Herz eingedrungen ist, daß der Tod auf der Stelle erfolgen mußte. Und worin bestand das Motiv dieser bestialischen Rohheit? Nachdem der Mörder ieiu nicht unbeträchtliches Vermögen, welche- sowohl von seinen Eltern al- auch »on feiner verstorbenen und der zweiten nock lebenden Ehefrau berrübrte, verickwendet hatte, verlangte er jetzt auck noch den Tagelobn seine- Sobne-, der tbm aber nicht verabfolgt werden konnte, weil der Sohn, der bei seiner seit einiger Zeit von ihrem Verschwenderticken Manne getrennt lebenden Stiefmutter gewohnt hat, »on seinem täglichen Verdienst seinen Unterhalt bestreiten mußte Der Mord hat auf einer ^Trepve in der Wohnung der Frau Statt gefunden. Nack vollbrachter Tkat begab sich B. in em Wirtbsdau- und betrug sich, als wenn gar nickt- Ungewöhnliches geschehen wäre. Dort «wurde er verhaftet und nach dem Justiz-Arresthause in der Strafanstalt abgeführt. Der Ver» haftete läugnete die Thal nicht. Er trug noch in der Tasche ein Dolchmeffer, durch welches der töktlicke Stick ausgeführt wurde. Daffelbe wurde al- Ueberführungsstück mit Beschlag belegt. (Tr. Z.)
— Zur ärztlichen Prari-- -Nun, waS bat der Homöopath fertig gebracht, den )br nach mir noch genommen habt?- — „Dank der Nachfrag. Unner feiner Behannlung t*


