Amtsmiene und gibt selbst der Presse erst dann die nöthige Mitthetlunz, wenn die Thatsachen schon dem großen Publikum bekannt sind. Einstweilen hat Herr JaniszewSki eine Strafe von 15 Monaten zu verbüßen, zu der wohl bald noch eine längere Gefängnißhafl hinzukommen dürfte, da, wie bekannt, am 4 August ein Termin wider ihn ansteht. Was später, d. h. nach Verbüßung der Haft, mit Herrn JaniszewSki geschehen wird, ist leicht vorauszusehen; unter den bestehenden Verhältnisien hat er keine Hoffnung, je wieder nach Posen zurückzukommen. Die Ausführung der Maigesetze scheint bei uns in ein praktisches Stadium getreten zu sein, nachdem sie einige Zeit mit einer gewissen Nachsicht gehandhabt worden, welche di- widerspenstige Geistlichkeit nur noch mehr zum Widerstande reizte. Der Ausweisung Korytkowski'S ist die Verhaftung Ja niszewski's aus dem Fuße gefolgt und gleichzeitig der Vicar Enn aus Kostrzyn aus dem Krerse Schroda und Posen verwiesen, sowie ihm zugleich der Aufenthalt in der Stadt Posen verboten worden. Außerdem ist der Vicar Powa- lowski aus Lopienno, welcher wegen gesetzwidriger Ausübung von Amtshandlungen zu einer längeren Haft verurtheilt ist, verhaftet und in's Kreisgericht nach Trzemeszno abgeführt worden. Man kann zwar nicht mit Sicherheit behaupten, daß der Widerstand der Geistlichkeit unserer beiden Erzdiöcesen schon gebrochen sei; wenn jedoch nicht alle Anzeichen trügen, so ist es sicher, daß sehr viele Geistliche, wenn sie es auch noch nicht offen sagen, gern geneigt sind, mit der Regierung zu gehen.
Kisstngen, 29. Juli. Fürst Bismarck machte heute Vormittag eine Fußwanderung über Schützenhalle und Staffelberg, empfing Mittags den Bürgermeister und fuhr Nachmittags nach der Saline. Sein Sohn Graf Wilhelm Bismarck ist abgereist.
>Lal;seestadt, I. Smith, Sohn des Präsidenten ®. M. Smith, und David Mackenzie, der Lecretär Brigham Honng's. Beide gedenken England mit den Segnungen des Mormonismus zu beglücken. Zum Hauptquartier für die mormonische Auswanderung ist Liverpool ausersehen. Smith wird vorzugsweise England missionarisch bearbeiten, während Mackenzie, von Geburt ein Schotte jenseits des Treiit operiren soll.
- Nahe bei der Stelle, wo im vorigen Jahre der Norkbfleet in dm Grund gebohrt ward, ereignete sich heute um halb 2 Uhr ein ähnliches Un- gluck- Der Dampfer Milbanke, der mit Zink beladen auf der Fahrt von Cartagena nach Lunderland war, stieß vor Dungenefs im Canal mit dem Dampfer Hankow zusammen uno verlor 14 Mann, einschließlich Crpitän und Ober. Steuermann, in den Wellen; 16 wurden gerettet und befinden sich auf dem Wege nach London.
London, 29. Juli. Der deutsche Botschafter Graf Münster sprach im Namen des Kaisers den hiesigen Protestanten dessen Dank für das empfangene Gedenk-Album ans und zeigte an, Fürst Bismarck werde so bald als möglich .in Gle-cheö thun lassen.
London, 29. Juli. Der britische Dampfer „Admiral", welcher zwischen Liverpool und Australien fährt, hat am 23 Mai bei den Klippen von Kmgs-Jsland Schiffbruch gelitten. Von 89 Personen wurden 9 gerettet. — Das Unterhaus erledigte in der Special - Berathung die Bill betreffs Reauli- rung des Ritus des öffentlichen Gottesdienstes. — Das Geschwader des stillen Meeres ist angewiesen wo,den, der Zahlung der Entschädigungs-Summe von 20.000 Psd. Sterl. für den gemißhandelten englischen Vice-Consul Magee be der Regierung von Guatemala Nachdruck zu geben.
DcfleiTcidj.
Wien, 30. Juli. Die internationale Sanitäts - Conferenz hielt gestern ihre letzte Sitzung ab. Der feierliche Schluß findet am 1. August, Vormittags , statt.
ZrnnftiTidj.
Paris, 29. Juli. Der kaiserliche Prinz ist auf seiner Reise nach Arenenberg in der verflossenen Woche durch Paris gekommen, hielt sich drei Tage hier auf und empfing zahlreiche Besuche, ohne im Mindesten belästigt zu werden.
— Der Kriegsminister Cisscy hat dem Präsidenten Mac Mahon das Decret, welches Frankreich in 18 Rögions mililaires und 144 Subdivions de Region ciutheilt, zur Unterzeichnung vorgelegt.
— Es steht fest, daß die italienische Regierung eine Note an Frankreich gerichtet hat, um die. Abberufung des Ordnoque aus Civita-Vecchia zu verlangen.
- Den Feldzug gegen die Auflösung leitete bekanntlich Broglie. Demselben gelang es, die Erzroyalisten dadurch zu gewinnen, daß er ihnen im Namen der Negierung während der Vertagung alle Freiheit für ihre monarchische Propaganda versprach, deshalb waren die gestrigen Bemerkungen des Ministers des Innern in der dritten Abtbcilung auch so zweideutiger Natur, und erklärte heute die legitimistische „Union" den die Vertagung bekämpfenden royalistischen Provinzialblättern, daß die Vertagung der royalistischen Sache von größtem Nutzen sei. Einen Theil der Bonapartisten gewann Broglie dadurch, daß er ihm bei bonapartistischen Haussuchungen mit Beschlag belegte Actenstücke zurück- geben ließ. Auch ein Theil des linken Centrums gab klein bei; außer Wo- lowski reisten noch Andere, darunter der bekannte Finanzmann Germain, in's Bad. Die Regierung beschloß heute, sich nicht in die Debatte emzumischen, sich aber, falls sie zum Sprechen aufgefordert würde, gegen die Auflösung zu erklären. Die Linke ist grimmig über die Haltung der abtrünnigen Mitglieder des rechten Centrums.
— Das Schauspielhaus in Versailles war überfüllt. Alle Botschafter und Gesandten batten sich eingesunden, nur Fürst Hohenlohe nicht. Thiers ist anwesend, aber mürrisch; er wird nicht sprechen. 'Die Stimmung im Saale ist weniger erregt, als man erwarten könnte. Es herrscht allgemein'der Glaube, daß die Auflösungsanträge verworfen werden. In Paris ist die Spannung größer. Aus Km Bahnhof St. Lazare sammelte sich eine Menge Menschen, um die Versailler Nachrichten zu erwarten.
Paris, 29. Juli. Am Sonntag Abend kam es in einer Kneipe in Saint Denis zu einem blutigen Streit zwischen einem unter dem Namen Jacques bekannten Deutschen und einer Anzahl französischer Arbeiter. Da die letzteren unter dem Ruf: „Nieder mit den Preußen!" und mit Faust- und Stockschlägen über ihn herfielen, so zog er sein Messer, verwundete 5 Arbeiter und eilte dann auf die Straße. Dort spielte sich der Streit aber fort und Jacques brachte zwei Arbeitern schwere Wunden bei. Die Polizei, welche der Lärm herbeigelockt, verhaftete Jacques alsdann.
Der Sohn des verstorbenen Saint Marc Girardi«, gegenwärtig Unter- Präfekt in Corbeil, ist zum Cabiiietschef deö Ministers des Innern, Generals de Chabaud Latoiir, ernannt worden.
Rußland.
Petersburg, 30. Juli. Der Anklage-Proceß gegen die wegen Der breitung revolutionärer Proclamationen angeklagten 10 jungen Männer und 2 Frauen ist beendet. Sechs wurden zu 3- bis kOjäbriger Zwangsarbeit, die übrigen Angeschuldigten zu Gesängnißstrafen von 3 Tagen bis zn 2 Monaten verurtheilt.
(Engfiinb.
Spanien.
Madrid, 28. Juli. Die Zeitungen besprechen Frankreichs Verhalten gegen Spanien und Italien und bemerken, daß die französische Regierung, in« cemjie dulde, daß ihre Behörden dem UltramontanismuS zu Dienste seien,' sich allwärts die Sympathieen der Nachbarländer entfremde.
porlugar.
Xiffabon, 29. Juli. Die Regierung hat für die Grenzbezirke Maßregeln zur Ueberwachuug der Carlisten angeordnet.
Lokal-Notiz.
Gießen, 31. Juli. Die kleine, zwölfjährige Pianistin Tberese Henne«, welche im vorigen Winter hier nut so vielem Beifalle concenirte, wirb nächsten Dienstag im Kursaale ,u Nauheim als Conccrtgeberin auftreten. —
Gießen, 31. Juli. Heute Nachmittag wurde auf dem Kreuz rin junger Mann von einer Droschke überfahren und erheblich verletzt. Der Rosfelenker, Hausknecht eines hiesigen Hotels, fuhr wie toll und ist es kein Wunder, wenn em derartiges Unglück passirt. In verstoßener Woche wurde ebenfalls eine Dame auf dem Lmbenplatz überfahren und eine Strecke mitgeschleift. Statt daß der betreffende Droschkenkutscher bielt, wollte er noch weiter rennen, was durch Hinzutreten mehrerer Personen verhindert ward. Ueberhaupt nehmen derartige ürcesse eben wieder überhand, namentlich auch das Reiten nach und von der Schwemme; es wird Galopp geritten, einerlei ob Personen im Wege sind oder nicht. Unsere Polizeibebörde möchten wir bitten, auf diesen Uebelstand ihr Augenmerk zu richten.
(Ecfegrnpljifcfje Depeschen.
Brügel, 30. Juli. Der Kaiser von Rußland hat eigenhändig an den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Nord-Amerika geschrieben, nm den« elben zn veranlassen, seinen Beschluß bezüglich der Beschickung des kriegörecht- lichen Congresses zu ändern; Grant beharrte aber ans seiner Weigerung.
Kiel, 30. Juli. Die „Kieler Zeitung" erfährt aus guter Quelle, daß vorläufig nur die Kauoeien-Boote „Nautilus und „Albatros" zum Kreuzen an der spanischen Nordknste bestimmt sind
Madrid, 30. Jnli. In der Provinz Astnrien hat ein zweistündiges Gefecht statigefunden, in welchem der Carlisten-Führer FaeS und mehrere Car- listen gefallen sind.
London, 30. Jnli. llnterhaus. Der LtaatS-S^crelär des Auswärtigen erklärt auf eine Anfrage, die spanische Regierung habe versprochen, ihr Mög« lichsteS zu thun, der Seeräuber, welche den Engländer Hasselton beraubt haben, habhaft zu werden und das von Hasselton gezahlte Löiegeld wieder zu erlangen. Betreffs der bei Carthagena beschädigte« Eagläuder habe die Regierung Schaden- Ansprüche bei der spanischen Regierung erhoben, nachdem letztere den deutschen und italienischen Reklamationen gerecht geworden ist. Die Regter>mg glaube eine baldiae zufriedenstellende Antwort erwarten zu können.
Wien 30. Juli. Erzherzog Albiecht verläßt heute Petersburg und trifft am 7 hier ein. — Tie „Presse" dementirt die Nachricht des Pariser Journals „U non" über die angebliche'Weigerung der österreichischen Regierung, den neu ernannten spanischen Gesandten anzuerkennen, und sagt, der spanische Gesandte Del Maao sei bei seiner Ankunft am 12. Juni vom Grafen Andrassy auf das Best empfangen rvorden und erfreue sich seither in Allem der ferner Stellung schuldigen Beweise der Achtung und Rücksicht, obgleich er nicht officiell anerkannt sei.
Berlin, 31. Jnli. Eine gestern Abend hier stattgehabte Katholiken- Versammlung constituirte einen Berliner Verein der Centrumöpartei oehufS festerer politischer Vereinigung der Katholiken nach erfolgter Schließung der Katholiken Vereine. DaS Statut wurde einstimmig und en bloc angenommen, auch von dem mitanwesenden social demokratischen Führer Hasselm an«.
Stuttgart, 31. ^Jiili. Nachdem der bei der Tecans-Wahl in Ellwangen gewählte iiltramontane Stadtpfarrer Schwarz die Bestätigung des Bischofs Hefele nickt erhalten hatte, wurde gestern neuerdings zur Wahl geschritten und Pfarrer Schmid gewählt.
London, 28. Juli. Eine Feuersbrunst hat in Liverpool den neuen Löschplatz in einer Ausdehnung von 700 Meter zerstört. Der Schaden wird auf 200,000 Pfd. Slcrl. geschätzt. Schiffe wurden nicht zcchört. Rom. 31. Juli. Die „Opinwne" billig, die Absicht der deutschen Re-
London, 2>. Juli. Durch Vermittlung des deutschen Consuls in Syd-gierung, ein Geschwader nack den spanischen Küsten zu senden' das Blatt will nev ist eüie Adresse australischer Protestanten an den Dcntschen Kaiser unter- wissen, daß auch andere Großmächte über die Sendung von Geschwadern dort- wegs. Dieselbe drückt berzlicke Sympathie un Kampfe mit dem Ultramouta- hm zum Schlitze ibnr resp. Landes Angehörigen unterhandelten msmus und völlige Billigung der befolgten Politik ans. Paris, 31. Juli Das „Journal officiel" schreibt: Tie Journale be-
Wt-tn 0' r” 4ll'r ■ $ul1 Unter tcn Passagieren, welche am 14. d. sich von sckäftlgen sich seit einigen Tagen Mit dem Hirtenbrief des Erzbischofs von Paris, aOrü "ach England emschifften, befinden sich zwei bekannte Mormoren derldie Regierung habe mit Bedauern die Veröffentlichung desselben gesehen.
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