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In der Nacht vom 21. zum 22. d. M. ist der größte^ Theil unserer Unterstadt, in welchem sich namentlich fast alle Scheunen der Stadt und die Wohnungen der ärmeren Volksclasie befanden, durch Feuer total zerstört wor­den. Im Ganzen liegen 110 Gebäude in Asche und mit ihnen fast alle darin befindlichen Mobilien, namentlich aber die gesammte diesjährige Heuernte. Von der letzteren und den Mobilien war nur äußerst wenig versichert.

Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 2. bis 8. August besorgt Pfarrvikar Schlosser-,

Kleine Korrespondenz.

Illustrationen:

Straße ,,Tod oder Leben" zu Avila.

Thcaterprobe.

Kaiser Alexander II. von Rußland.

Eine Parlamentswahl im 18. Jahrhundert.

Das große Examen in Peking-

Gallische Krieger, zum ersten Mal eine Schwarze erblickend.

Der kurzsichtige Herr Professor. Neun humoristische Bilder von Ferd. Unger.

Es ergebt daher an edle Menschenfreunde die dringende Bitte, durch Geldspenden die Noth der armen Abgebrannten zu lindern. Die Unterzeichneten sind bereit, dieselben in Empfang zu nehmen.

Berleburg, den 24 Juli 1874.

von Schrötter. Dr. Winckel. Barth. Pfeifer. Harth Wahl. A. Notberg. Costers. Trainer. Franz Althaus

Das Brandunglück trifft ausschließlich den ärmeren Theil der Bevölkerung und die deshalb nicht versichert ist, da die Gesellschaft der -Ltrohbedachnng wegen die Versicherungen ablehnten. Diesen Armen ist fast Alles verbrannt und die Noth in Allem, insbesondere an Kleider u. s. w-, sehr groß, weshalb auch solche Gaben gern entgegen genommen werden, wozu sich die Expedition dieses Blattes sowie Herr Chr. Wallenfels am Markt erbieten.

Kirchliche Anzeige der evangelischen Gemeinde zu Gießen. Gottesdienst.

Sonntag den 2. August Morgens: Pfarrvicar Schlosser. (Feier des heiligen Abendmahls ) Nachmittags: Mitprediger Freiensehner.

Frischdücker x u Gieren.

Sonntag den 2. August. W- Hartmann in der Neustadt, C. Steinberger in der Löwengasse, Chr. Faß in der Brandgasse.

Literarisches.

DaS soeben erschienene siebenzehnte Heft vonJllustrirte Welt", (Stuttgart, Verlag von Eduard Hallberger), hat nachstehenden mannigfaltigen und interessanten Inhalt:

Text:

Verschlungene Wege. Eine Erzählung von Pauline Schanz. Schluß.

Der Rigi einst und setzt. Von E- Sch.

Die Wahrheit über den Krieg Hollands mit Atseh (Atschin). Originalbericht von einem dor­tigen Kombattanten.

Reue Fabeln von Rudolph Reither. III. Der Junggeselle.

Am Schwarzenstein". Eine Geschichte aus der Slowakei von Albert Sturm.

Eine Seele ohne Leib. Russische Sage.

Vermißt". Eine Erzählung von Johannes van Dewall. Fortsetzung.

Aus Wissenschaft und Leben. C. Bauer's Reductionsuhren- Tunnclverbindung zwischen Dover und Calais. Eine wunderbare Erfindung. Die große Mauer in China.

Milchversorgung als Typhusursache. Kühnheit kleiner Thiere. Leichenverstei Als Wunder der Welt.

Interessante Bücher.

Die Kunstindustrie auf der wiener Weltausstellung. Mosaik.

Unsere Bilder. Ernstes und Heiteres. Räthsel. Bilderräthsel. Rösselsprung.

Büchertrsch.

Die im Verlage von Franz Lipperbeide in Berlin erscheinende Zeitschrift:Die Modenwelt" erscheint seit Beginn dieses Jahres auck in einer erweiterten Ausgabe mit Unierbaltunqsblatt unter dem Titel:Jllustrirte Frauen-Zeitung." Der Abonncnten-

6ol)n t^Arftorbtnen Professors Dr K!-m Di- Th-ttnahm- b-i Verlust- war

dahier in allen Kreisen -in- ganz ungewöhnlich- und i-igl- -s sich klar, in welch hohem Grad- Uch der A-rslorben, di- Achtung und Siebe seiner zahlreichen hiesigen und auswarligen Freund- und Bekannten erworben hatte.. ,

Rach umfasienden Studien, die er nach erlangtem Doktorgrad jahrelang in Wurzburg und Daris absolvirt, blieb er noch längere Zeit in geistigem Berkehr mit Den Geschwistern feincT Mutter, Dem bekannten Chirurgen Oberstabsarzt Dr von Siebold, UND der berühmten Geburtshelferin, Frau Dr. Charlotte HeiDenreich- vyn Siebold in Darmstadt.

Rach absolvirtem Staatsexamen begann er 1845 in Gießen seine Thattzkett als prakti. scher Arzt, Die ihn bald durch Kenntnifie und Erfahrungen zu einem sehr gesuchten Arzte, namentlich auch für Frauen und Kinderkrankheiten, machte.

Wer ibn am Krankenbette beobachtete, versteht das unbedingte Vertrauen der Kranken und ihrer Angehörigen zu ihm, die überaus große Anhänglichkeit oer Frauen welchen er in schweren Stunden als ein geschickter, zuverlässiger uno gewissenhafter Helfer zur Seite stand.

Seit längeren Jahren durch Galle- und Leberaffeetionen letbend, begab ee sich, nach einem Aufenthalte in Bad JohamuSberg, von dort gegen Ende Ma, D I. sehr leidend zu seinem Bruder, Dr. August Klein, vrakttschem Arzte in Sioßkarben. Dl- treueste Llebe und Anhänglichkeit und die sorgsamste Pstege seiner K-nd-r und Bruder inabesondere die geschickte und ausopsernde Pflege seiner Schwäg rin in Großkarben , erleichterten dem armen ,Leidenden die qualvollen, schmerzlichsten Tage und Nachte seines Krankenlagers, das er bet völlig, unge. trübtein, klarem Geiste mit Standhaftigkeit ertrug, bis ihn am 2a. o. M. der Tod ohne Todes-

ka rnpf von seinen Leiden erlöste. . ,

(Sin sehr hervorragender und überall anerkannter Charaktcrzug war seine ungewöhnlich Hefe Herzensgute und Uneigennützigkeit; er hätte das beste Schicksal verdient. Em seltener Charakterzug, den er mit von Siebold gemein hatte, war tue ne dlose Freude, welche -r über das Emporstreben und die tüchtigen Leistungen jüngerer Egllegen rmvfont. Sehr b-kunnt und von Sinsicktiqen gewürdigt sind des Verstorbenen unausgesetzte Bemühungen für die öffentliche Gesundbeitspfleg- und es ist zu hoffen, daß seine Ideen in dieser Beziehung demnächst einmal iur Ausführung kommen werden. . ,

Zahlreiche Freunde und Bekannte von Gießen und Auswärts legten bei der, nach seinem Wunsche zu Großkarben stattgefundcnen, Beerdigung von ihren Gefühlen gegen den zu früh Verewigten Ze'ugniß ab. Sein Andenken wird hier und bei seinen auswärtigen Freunden und Bekannten unvergeßlich in Ehren bleiben. e

Bingen, 29. Juli. Wohl noch selten hat in un,erer Stadt,e>n Todesfall eine allge­meinere The'ilnahmc hervorgerufen, als der gestern früh nach dreiwöchentlichem Krankenlager erfolgte Tod des praktischen Arztes Dr. B Horn. Kaum 35 Jahre alt, in der Vollkraft jtims Wirkens, ward er abberufen. Diese Tbeilnabme zeigte sich bei seiner Beerdigung heute in der augenfälligsten Weise. Sein Sarg war förmlich mit Blumen und Kränzen bedeckt, und das überaus zahlreiche Trauer-Gefolge bewies, in welcher hohen Achtung der Verblichene hier stand. Sein Heimgang wird auf's Tiefste betrauert. Die hiesige liberale Partei verliert an dem Verstorbenen ihren Führer und eine unersetzliche Kraft. Da die katholiiche Geistlichkeit bei der notorischen Freisinnigkeit des Verstorbenen das Geleite versagte, so hielt der hiesige proter stantische Pfarrer, Herr Dr. Bergmann, die Grabrede.

Die segensreichen Wirkungen der Lebensversicherungs-Institute finden eine immer weitere Anerkennung, es bekundet sich dieS in der alljährlich wachsenden Betheiligung des Publikums bet denselben. Diese Wahrnehmung spricht für die Intelligenz, Sittlichkeit und Sparsamkeit deS deutschen Volkes. _ £ r . m

Bei der Lebensversicherungs- und Ersparniß-Bank in Stuttgart frnbj.nad) ilircn neuesten Veröffentlichungen vom Januar Juni für die Summe von ^,975 700 Mark An­träge eingelaufen, während ihr im gleichem Zeiträume des Vorjahrs 7,348,000 Markzukamen, demnach Vermehrung des Zugangs binnen eines halben Jahres von ca. 1,600,000 Mark, wo­bei nicht unerwähnt bleiben darf, daß der Zugang des Jahres 1873 alle vorhergegangenen 3abrc übertroffen haben soll. Bei diesem Institut sind derzeit 23,500 Personen mit einem Capital von 88 Millionen Mark bethetligt, die jährliche Einnahme an Prämien stellt sich auf 2,800,000 Mark und der Bankfonds erreicht die Summe von über 16 Millionen Mark. Die Verwaltung ist bei der Aufnahme neuer Mitglieder streng und erregt dadurch bet ihren Agenten manchmal Unzufriedenheit, sie erzielt aber durch diesen vorsichtigen Betrieb und durch ihre be kannte Sparsamkeit und solide Anlage der Fonds alljährlich ohne Ausnahme sehr bedeutende Ucberschüsse, welche ihren Versicherten ungeschmälert zu gute kommen.

Die Ueberschüsse aus den Jahren 1869 73, welche derzeit im Sicherheitsfonds ruhen, in diesem und den nächsten 4 Jahren aber zur Dertheilung gelangen, betragen z. B. nicht weniger als 3,282,063 Mark = 37,2 Procent Der entsprechenden Prämienzahlungen.

Vom 1. Juli 74 30. Juni 75 werden laut dem Rechenschaftsbericht 651,/OO Mark 37 Procent der Prämie vertheilt. Die von den Versicherten zu zahlenden Prämien redu- ciren sich dadurch auf das geringste Maß. Jede bezahlte Jahres-Prämie hat, sofern der Be- theiliqte mit Gcwinnanthcil versichert ist, Anspruch auf Dividende, nur wird die Dividende immer erst 5 Jahre später flüssig. Im 6. Jahre wird dem Versicherten d»e Dividende seines Beitritts-Jahres, im 7. die seines 2. Versicherungs-Jahres u. s. w. in Abrechnung gebracht, gtirbt der Versicherte z. B. im 1., 3. oder 7. Versicherungs-Ja're, so erhalten ferne Erben neben der Versicherungssumme noch den Werth Der rückständigen Dividenden. Die Divi- benDe kann auck bei der Bank gegen Verzinsung stehen bleiben, in welchem Fall dieselbe bei Erlangung eines höheren Alters die Höhe der Versicherungssumme erreichen kann. Die steyen- aelassene Dividende kann beliebig mit Zinsenanwachs erhoben, oder spater zur, Zahlung Der Prämie verwendet werden. Kommt ein Versicherter in die Lage, nicht mehr lortzahlen zu kennen, so wird seine Versicherung bei rechtzeitiger Anzeige unter Benützung des vollen Werths der Police in eine prämienfrcie Police umgewandclt. , .

Die Bank gewährt alle Arten von Versicherungen, dabei ist insbesondere hervorzuheben, daß dieselbe bei den alternativen Versicherungen, welche beim Tod oder m einem voraus- bestimmten Lebensalter zahlbar werden, nicht nur aus der lebenslang ichen Quote der Prämie volle Dividende, sondern auch aus der alternativen Zusatz-Pramle hälftige Dividende gewahrt, fcieie Versicherungsart bietet in Folge dieser Einrichtung ganz besondere Vortheile, da andere Malten aus der Zusatz-Prämie keine Dividende zu gehren vfregen. Sem Ser^erten ift bet Aufenthalt in ganz Europa gestattet, auck kann, derselbe Nordamerika und alle Kustenorte les mittelländischen Meeres bereisen, ohne Extra Prämie bezahlen zu muffen. Im Falle des Krieges setzt die Bank die Versicherungen von MilitärDienstpflichtigen bis »unr ^trage von 21,000 Mark gegen Zahlung einer mäßigen Extra-Pramic auch über Die Zett de-.' Krieges fort.

Berlin." Ein hiesiger hoher Beamte hatte eine Ehe geschlossen, Die tn jeDer Beziehung eine glückliche zu nennen war, Denn beide Eheleute thaten, was einer Dem andern an Den »uten absehen konnte, ja der Herr Gemahl verzichtete sogar auf den Genuß einet Nachmittags, pfeife, weil seine Gattin das Naucken nicht vertragen konnte. Bald genug sollte sich aber das Nattchen wenden. Der jungen Frau wurde von bösen Zungen hmttrbracht. daß ihr Gemahl icgclmäßig, wenn er Nackmittags aus Dem Büreau käme, in ein gewisses Haus m dcr Friedrich, straßc ginge und erst nach einer Stunde wieder herarlskäme; in der Beletage des Hauses aber wohne eine pikante Tänzerin. Der jungen Frau ging diese Erzählung im Kopse herum und ihren durch die Eifersucht geschärften Blicken entging es nicht, daß ihr Mann feit einiger Zci ziemlich betreten war, wenn er nach Hause kam und ihrem Willkommenkusse w lange auswich, ii8 er ein ober zwei Taffen schwarzen Kaffee genossen hatte. Ta es der lungen Frau immer ^heimlicher um's Herz wurde, machte sie sich eines Tages auf und beobachtete ihren Gatten. Richtig! aus seinem Büreau kommend, eilte er direct nach dem bezeickneten Hause. Tie ent­rüstete Gattin that desgleichen und stieg hinter ihm leise die Treppe hinauf. Jn fcer ©tubcn= tbür ankommend, wo er verschwunden war, horte sie deutlich, wie et ausnef: ^.Ach, wie zlücklich, daß ich dich endlich wieder habe!" Dieser Ausruf reizte die junge yrau aum Seußersten, sie riß erzürnt die Tbür auf und sah ihren Herrn Gemahl - Semuchlich aus dem Lopba liegen und machtvoll aus einer langen P^ift dampfen die er liebkosend ftreichelte. Unter Tbränen und Lachen erklärte sich die komische Geichichte bald auf. Der Herr Rath hatte Km Nachmittagspfeifchen nicht verschmerzen können, um aber 'einer l,eben Frau keme Unan­nehmlichkeiten zu bereiten, hatte er sich eigens ein Zimmer gemiethet, wo er eine geliebte Pftise in Frieden rauchen konnte; ihr nur hatte die zärtliche Begrüßung von vorhin gegolten. Die Gattin, von ihres Mannes Unschuld und Treue überzeugt, hat daraufhin dem Herrn Rath gestattet, feine Pfeife fortan im eigenen Hause zu rauefaen.

Vermischtes. , Lipperheide'scke Unternehmen ist jetzt in. 180,000 Exemplaren verbreitet und erscheint gleichzeitig

Gießen, 28. Juli. Die ''^arr^ pj.b ftrDin^nD^JbUU^Gictzcm i Dtt ^Jllustrirte Frauen-Zeitung" ist aus dem vielfach geäußerten Verlangen der Damen

dem Ableben des praktisch ~ i äi o , , . ,..r_ -.^ entstanden, neben Der eigentlichen Fachzeitung für Toilette und weibliche Handarbeit ein Unter:

®raDe Haltungsblatt zu besitzen, wie es die anderen größeren MoDezeitungen, z. B. derBazar", bereits aufzuweisen haben. Die großen Vorzüge, Die Reichhaltigkeit, die Eleganz, der Geschmack und die ebenso reiche wie solide Mannigfaltigkeit des FachblatteS derModenwelt" brauchen wir nicht noch besonders hervorzuhcben; die künstlerisch schönen kolorirten Modekupfer gehören zu Den besten dieser Art ; das Unterhaltungsblatt derJllustrirten Frauen-Zeitung", das alle 14 Tage erscheint und deffcn zuletzt erschienenen Nummern uns vorliegen, bringt Die Fortsetzung eines Romancs von Rod. Byr:Nachruhm", eine Skizze von Karl ZettelHans Sachs,"

mit Portrait und Denkmal des Dichters in Nürnberg,Zur Reisesaison" von Oskar Blumen« ihal mit Illustration von G. Guthknecht, eine weitere Abheilung derBilder zur Geschichte ves Tanzes" von Lackowitz mit Illustrationen von C. Nöhling,Wtrthfchaftliches",Mathilde Mallinger" von R. Fiege mit Portrait,Berliner Thiergartenbilder", von W. v. Dünheim mit Illustrationen von Hermann Lüders,Die Herberge für Fabrikarbeiterinnen in Stuttgart", von Emma Laddey mit Illustration und Grundrissen,Verschiedenes",Bttefmappe."

Unter den angeführten Namen der Mitarbeiter finden wir die bewährtesten Namen unserer heimischen Schriftsteller, wie Rodenberg, Julius Grosse, ©. Hiltl, Oskar Blumenthal, Theod. Fontane, Adolf Strodtmann, Feodor Webl, Hermann Uhde, Emil Rittershaus, Alfred Meißner, Robert Schmeichel, Max Ring, Herm. Kletke u. s. w.

Laiidwirtlisclinftllches.

(Dresch-Mascdinen) verbreiten sich jetzt in so rapider Weise, daß fast in jeder mittleren und kleineren Wirthschaft eine solche anzutreffen ist.

Als besonders gut construirt und solid gebaut werden die Dreschmaschinen der weltberühmten Firma Pli. Mayfarth «£ Co. in Frankfurt a. M. geschildert, deren Dreschmaschinen in medr als Fünfzehn Tausend Exemplaren verbreitet sein sollen. Schon für Thlr. 60 soll eine complete Dreschmaschine zu haben sein, die alle Fruchtgattungen gleich gut und rein ausdresche und kein Körnchen zer­schlage. Die Zusendung geschieht franco. Man wende sich brieflich dahin oder an deren Agenten.