Ausgabe 
27.8.1873
 
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Gießener Anzeiger

Anzeige- und Mmtsölatt für den Kreis Kiessen

Mr. LÄV

Mittwoch den 27. August

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Neue Combinationen.

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Italien, wie das moderne Deutschland müssen in dem Papstthum ihren erbit­tertsten und conseqnentestcn Gegner erblicken, und schon diese Erkenntniß allein wäre hinreichend, um die beiden Mächte zu gemeinsamen Actionen zu bestimmen. Allein, noch andere Umstände kommen ist Verracht. Nämlich die Haltung Oesterreichs. Daß die jetzige legitimistische Clique in Frankreich ihre Stütze in Wien gefunden hat oder gefunden zu haben glaubt, ist eine Vermuthung,

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Berlin, den 15. August 1873. Nachdem die in der Vorstellung des Vorstandes vom 11. Juni er. vorgebrachten Beschwerden einer näheren Prüfung unterzogen worden, eröffne ich demselben, daß ich zu einer Wie­deraufhebung der die Abstempelung der Retour - Billets betreffenden Verfü­gung der König!. Direction der Main-Weser-Bahn vom 1. April er. zur Zeit mich nicht m der Lage befinde.

Ich verkenne nicht, daß die qu. Maßregel sowohl für das Publikum, wie für das Expeditions-Personal mit wesentlichen Belästigungen verknüpft ist; die­selbe bildet indeß zur Zeit das einzig wirksame Schutzmittel gegen die, leider von einem Theile des Publikums geförderten Billet-Desrauten, deren möglichst vollständige Abstellung nicht sowohl im finanziellen Interesse des Staates, als vielmehr mit Rücksicht auf die andernfalls zu erwartende Demoralisirnng eines Theilcs des Fahrbeamten - Personals im allgemeinen Verwaltungs- Interesse durchaus geboten erscheint.

Uebrigens ift verwaltungsseitig darauf Bedacht genommen, die aus der qu. Maßregel sich ergebenden Unbequemlichkeiten durch Erweiterung der Expe- ditions - Einrichtungen re. auf das thunlichst geringe Maß zurückzuführen. Auch werden Vorkehrungen getroffen werden, durch welche bezüglich der am halben Tage zur Hin- und Rückfahrt zu benutzenden Retour Billets eine gleichzeitige Abstempelung für Hin- und Rücktour ermöglicht und soweit für den wesent-

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Verbindungen ffcnlUchnng von Hiebe Teilung

Seit mit der Wiederbelebung des Deutschen Reiches eine große, wenn man so will, conservative Macht im Herzen Europas aufgerichtet wurde, ist allmählig das alte politische System immer mehr in die Brüche gegangen. Besonders jener mit allerlei religiösen Elementen verquickte Richelieu'sche Ge­danke von der Suprematie Frankreichs in Europa, herbeigeführt durch eine ab­sichtlich geplante Schwächung Deutschlands, ist durch die neueste Entwickelung als endgiltig beseitigt anzusehen, hatte ihm doch Louis Napoleon, als er im Zenilhe seiner Macht stand, nur kaum mehr als einige durch starke galvanische Batterien vermittelte Zuckungen beizubringeu vermocht, und alle Welt weiß, n-ie schlimm es eigentlich um die Proclamirung Frankreichs, als des Hauptes der lateinischen Völkerfamilie in Europa bestellt war. Mit dem Eintreten Ita­liens in die Gruppe der europäischen Großstaaten ist jene in Frankreich tradi­tionelle Politik noch fadenscheiniger geworden. V ~ . ...

reichs und Deutschlands um die Herrschaft in Italien ist etwas ganz anderes getreten, nämlich die Vundesgenossenschaft der neu entstandenen Macht mit derjenigen, welche ihr die meisten Garantieen und Aussichten bot. Naturgemäß kommen nur Deutschland und Frankreich in Betracht; holte diese ihm die Lom­bardei, so war durch jene Venedig und Rom ihm zugefallen. Es wäre daher vermessen, zu bestimmen, auf wessen Seile das Übergewicht sich zuneigte, wenn blos auf den durch die betreffende Macht vermittelten Länderzuwachs an- käme. Allein thatsächlich liegen die Dinge anders. Nicht darauf kommt es an, wer Italien innerhalb der letzten Jahre zu einem größeren Länderzuwachs verholfen, wer dem Königreich Savoyen die Verwirklichung seines nationalen Programms ermöglicht hat, sondern wer unter den fraglichen europäischen Mächten dem jungen Italien seinen gegenwärtigen Bestand garantiren will und wer es vermag. Und hierauf kann die Antwort nur sein: Deutschland.

Langsam vollzieht sich der Umschwung der Geister und in Italien sind noch mancherlei Vorurtheile gegen die Tedeschi zu überwiuden, während für Frank­reich gar manches Herz in Liebe und Verehrung, ja in Bewunderung schlagen mag. Allein die richtige Erkenntniß bricht sich dennoch Bahn, daß ' einzig in einem ehrlichen Anschluß an Deutschland Italien seine Zukunft für gesichert ansehen kann. Oder ist etwa die jetzige Bewegung in Frankreich nicht'wesent­lich gegen Italien gerichtet? Chambord und einige blaublütige Legitimisten mögen in ihrer Bornirtheit es wirklich für ihr Mission halten, das Patrimo­nium Petri wieder herzustellen, aber abgesehen von dieser verschwindenden Min­derheit, bedeutet Alles, was in Frankreich geschieht: Revanche. Direct einen Kreuzzug gegen Deutschland predigen, geht nicht gut an, um so eher kann man die Massen durch die Parole fanatisirrn: Frankreich als die älteste Tochter der Kirche müsse den gefangenen Papst befreien. Diese unaufhörlichen Wall-

führten sind ein Agitationsmittel ersten Ranges. Die nationalen Politiker Frankreichs, und zu ihnen gehören alle Parteien, waren niemals große Ver­ehrer der Idee von der italienischen Einheit; Thiers hat es ja sogar offen ausgesprochen und die Creirung des italienischen Königreichs für einen Cardi- nalfehler Louis Napoleons erklärt. Aber, indem mau die clericalen Einflüsse gegen Italien aufbietet, gelingt es vielleicht, eine große Anzahl Italiener stutzig zu machen und sie in die Interessen Frankreichs hineinzutreiben, und das um fo_ eher, als ja das Papstthum im Wesentlichen eine italienische Institution ist. also gewissermaßen Italien in dem Kampfe gegen die Curie einige Reserven auferlegt. Allen diesen schlauen Jntriguen gegenüber bleibt aber die naturge­mäße Entwickelung der Dinge nicht einen Augenblick stillstehen. Das moderne

Deutsch sand.

/ 22. August. Se. König!. Hoheit der Grvßherzog habe» mittelst Allerhöchster Entschließung vom 17. I. Mts. den Hofgerichtsrath bei Grotzderzoglichem Hofgericht der Provinz Starkenburg, Dr. Heinrich Stüber, zum Director dieses Gerichtshofes zu ernennen geruht.

Friedberg. Der Vorstand des hiesigen Handelsvereins hatte sich am 1 . Juni d. I. - in einer Eingabe an das Preuß. Handelsministerium gewandt, worin er sich über die Mißstände, welche die Anordnung der Direction der Main-Weser-Bahn bezüglich der Abstempelung der Retour-Billets verursachr, so­wie über die von der Ober-Güterverwaltung derselben Bahn getroffene Bestim- mung, wonach vom 1. Juli d. I. an nur die von der Hof- und Waisenhaus- Buchdruckerei gefertigten Frachtbrief-Formulare verwandt werden können, be­schwerend ausgesprochen und das Handelsministerium um Aufhebung beider Verfügungen gebeten hatte. Hierauf ist unter dem 15. August folgende Ant­wort seitens des Handelsministeriums in Berlin an den Vorstand des hiesigen Handelsvereins erfolgt:

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Polizei-Verordnung für die Stadt Gießen.

bei einem Hunde des Mühlcnbesitzers Burk dahier der Ausbruch der Tollwuth constatirt worden ist und andere Hunde durch dwsen at- btffen worden sind wird hiermit auf Grund des Art. 261 des Polizeistrafgesetzes für die Stadt Gießen verordnet: 9 9C"

,,' Ile Hunde m der Stadt Gießen sind bis auf Weiteres in den Hofraithen in sicherer Verwahrung zu halten, Ausnahmen sind nur aellattet wenn Hunde nut einem das Beißen vollständig verhindernden Maulkorbe versehen sind." V ° 9C,tattCf'

'J, s bLC und 260 des Polizei-Strafgesetzes hingewiesen, wonach der Polijeiverwaltungsbehörde alsbald Anzeiae zu machen ist wenn bei einem Hunde Anzeichen der Tollwuth beobachtet werden oder ein Hund von einem der Tollwnth verdächtigen Hunde gebissen worden ist.

Gießen, am 25. August 1873. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Röder.

bw mehr als wahrscheinlich ist; so lange aber.jene beiden cis- nud transalpi­nischen Mächte zu einer gemeinsamen Politik entschlossen sind, wird dieser schwerbewegliche Völkerstaat nicht leicht aus seiner jetzigen Passivität heranstre- teu und es kann, glauben wir, für Italien gar nicht wichtig genug sein, daß Oesterreich in feiner jetzigen Stellung verharre. Aber, noch andere Combina­tionen scheinen sich vollziehen zu wollen. Das sind die Beziehungen des ger­manischen Nordens in Deutschland. Auch hier dringt die Ansicht endlich durch daß der französische Einfluß auf die sog. Seemächte zweiten Ranges in keiner ^effe fordersam sei. Selbst Dänemark, das fanatische, stolze Ländchen, sucht der gegenwärtigen Lage in Deutschland Rechnung zu tragen. Allerdings sind .ie Beziehungen Deutschlands zu dem fcandinavischen Norden erst noch in den ersten Entwickelungsstadien, und noch ist fein festes Ergebniß voranszu- jehen, allein schon der Gedanke, daß es den Bemühungen der deutschen Diplo-

91., <kZ,rn> -7gelingen werde, ein Zusammengehen der mitteleuropäischen Staatengrup-

csÄrS* lLr wall tat z^ank- Pen zu ermöglichen, ein Zusammengehen Deutschlands mit Italien einer- und

den scandinavischen Reichen andererseits hat etwas nngemem Bestechendes fcenn, wenn dies dereinst möglich sein sollte, dann ist nach menschlichem Er- Nlessen der Friede in Europa dauernd gesichert.