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mentlicher Abstimmung mit 121 gegen 96 Stimmen abgelehnt worden war. Vier Abgeordnete enthielten sich der Abstimmung. Der bei der dritten Bera­tung des Münzgesetzes zurückgestellte Art. 18 wird in einer heute von Bam­berger vorgeschlagenen, regierungsseitig acceptirten Fassung angenommen. Dar­nach sind sämmtliche Banknoten bis 1. Januar 1876 einzuziehen. Von da ab dürfen nur ans Reichswährung, nicht unter 100 Mark lautende Banknoten cir- culiren und muß bis dahin auch alles Reichspapiergeld der Einzelstaaten einge­zogen sein. Ein besonderes Reichsgesetz wird über die Ausgaben von Reichs­papiergeld, dessen Umlauf und die den Einzelstaaten zum Zwecke der Einziehung des Papiergeldes zu gewährenden Erleichterungen Bestimmung treffen. Vorher waren die in heutiger zweiter Berathung zurückgcstellten §§ 2 und 3 des Ge­setzentwurfs über den reservirten Theil der französischen Kriegs-Contribution in! der Lasker-Richter'schen Fassung, welche die Vertheilung desselben von einem Gesetze über das Staatspapiergeld abhängig macht, angenommen. Heute Abend 8 Uhr findet eine zweite Sitzung statt.

Paderborn, 19. Juni, DieWestpf. Ztg." sckrecht:Aus Anord­nung des Herrn Cultusministers ist Seitens des Oberpräsidenten der Provinz Westpfalen dem hiesigen theologischen Seminarium Theodorianum die Berechti gung, die philosophisch-theologische Fakultät einer deutschen Staats-Universität zu ersetzen, entzogen worden.

Stuttgart, 23. Juni. Die Kaiserin von Rußland ist beute früh mit der Königin von Württemberg nach Jugenheim abgereist.

Straßburg, 22. Juni. Bei den Bezirkswahlen haben die für Straß­burg auf die Candidaten der extremen Partei den Sieg davongetragen. Es wurden gewählt: Lauth mit 1028 gegen den Candidaten der gemäßigten Par­tei Klein, welcher 659 Stimmen auf sich vereinigte, Goguel mit 1359 gegen Schnitten mit 583 Stimmen, Hüber mit 1078 gegen North mit 514 Stim­men, Weyer mit 1303 gegen Schneegans mit 526 Stimmen.

Straßburg, 23. Juni. Bei den Bezirkstagswahlen der Sradt Metz wurden 2350 Stimmen abgegeben. Gewählt sind: Bürgermeister Besauzou, Beigeordneter Gautier und Municipalrath Abel. Alle drei gehören der ge­mäßigten Partei an. In Colmar war die Betheiligung an den Wahlen wegen Mangels an Vorbereitung sehr schwach Bei den Nachwahlen wird eine starke Betheiligung erwartet.

Aus Elsaß-Lothringen, 16. Juni. Trotzdem der Wahltermin vor der Thür steht, ist von einer eigentlichen Wahlbewegung was mau nämlich bei Ihnen unter einer solchen versteht noch wenig zu verspüren. Unsere Local- und Landesblätter bringen zwar zahlreiche Vorschläge, dieselben gehen aber in der Regel von Einzelnen aus, und zwar von Solchen, die auch früher gewohnt waren, bei dergleichen Gelegenheiten die erste Rolle zu spielen. Ich treffe in früheren Jahrgängen des Kurier nahezu auf dieselben Namen. Der Hanptfactor bei den Wahlen, das eigentliche Volk, hat daran keinen An- theil. Ihm ist, wie ich Ihnen früher schon schrieb, die Form der Verwaltung so lange gleichgültig, als es sich unter der bestehenden materiell wohl befindet. Wäre dies, aber auch nicht der Fall, so ist die alte Gewohnheit, sich vom Bürgermeister, Schulmeister, Ortsdieuer, Gensd'armen den Candidaten auf dem Präsentirteller entgegengebracht zu wissen, noch viel zu mächtig, als daß es sich selbst den Kopf über denselben zerbrechen würde. Es wird allerdings wohl eine erkleckliche Zahl von Männern aus den Wahlurnen hervorgehen, die, ihren politischen Standpunct bei Seite setzend, sowohl die Fähigkeit als den guten Willen besitzen, die wohlmeinenden Absichten der Regierung in Bezug auf die innere Verwaltung des Landes durchführen zu helfen; die Mehrzahl der Ge­wählten aber wird wahrscheinlich der deutschfeindlichen, besser gesagt, der ultra­montanen Partei angehören, und die Gelegenheit benutzen, um die Gegensätze noch mehr zu verschärfen und der Negierung Verlegenheiten zu bereiten.

iMiencidj.

Frankreich.

Paris, 20. Juni. Graf St. Vallier ist nach Nancy zurückgereist. Mac Mahon hat seinen Adjutanten an die Grenze zur Begrüßung des russi­schen Kaisers gesandt. Heute Abend war ein großes diplomatisches Diner bei Mac Mahon. Der deutsche Geschäftsträger, Graf Wesdehlen, wohnte dem­selben bei.

Das PariserAvenir National" wurde heute mit Beschlag belegt und die Pressen versiegelt.

Paris, 20. Juni. DerFran^ais", das Organ des Herzogs von Broglie, enthält folgende Note:

Am letzten Montag wurde unser Gesandter in Berlin zu früher Stunde von Herrn Balan benachrichtigt, daß der Kaiser ihn in seinem Schloß Babels­berg bei Potsdam zu empfangen wünsche, und daß er ihn für den nämlichen Tag mit feiner ganzen Familie zum Diuer einlade. Herr de Goutaut-Biron, welcher durch Vermittlung des Reichskanzlers seine neuen Beglaubigungsschreiben überreicht hatte, sah den Kaiser von Deutschland zum ersten Mal seit dem 24. Mai. Er wurde in den großen Saal des Schlosses Babelsberg von Wil­helm I. empfangen, der sehr frisch aussah und selbst sehr heiter war und sich nur üb.r luchte Kopfschmerzen beklagte. Der Kaiser sprach natürlich mit unse­rem Botschafter über die politischen Fragen, und that es in einem Tone, der für die neue Regierung, welche sich Frankreich gegeben, sehr höflich, sehr huld­voll und wohlwollend war. Nach dem Diuer zeigte der Kaiser seinen Gästen die malerischen Punkte des von ihm geschaffenen Parks. Die Promenade sie fand zu Wagen statt dauerte 3/4 Stunden; der französische Botschafter befand sich mit der Kaiserin und seinen Töchtern in der Kalesche des Kaisers.

Die Gruben-Arbeiter in St. Etienne und in Firminy machen Strike. Man fürchtet die Ausdehnung dieser Arbeitseinstellung auf andere Oert- lichkeiten.

DerFran^ais" versichert ferner, daß Bazaine erst nach der Räu- inung vor das Kriegsgericht gestellt werben wird.

Spanien.

Madrid, 19. Juni. Die Carlisten haben den Bahnhof von Belloch bei Lerida in Brand gesteckt und die Kasfe geleert. Eine andere Bande feuerte auf eineu Zug der Bahn von Valencia und verwundete den Heizer und Maschi­nisten. Die Geiseln des Städtchens Masnou wurden gegen Zahlung von 1200 Duros in Freiheit gesetzt. Aus dem Baskenlande sind ähnliche Ereig­nisse zu melden. Vorgestern wurde der Bahnhof zu Veasaiu von der Bande Santa Cruz in Brand gesteckt. Die Reisenden nach Frankreich wurden aus­geraubt, die Correspondeuz, sowie 27 Güterwagen verbrannt, während noch 48 andere dasselbe Schicksal erwartet. In der vorigen Nacht ließ Santa Cruz Telegraphenstaugen bei Rentcria zerstören und versuchte, doch erfolglos, das dortige Tunnel zu sprengen. Der Eingang bei Renteria ist beschädigt, ob auch das Innere, weiß man noch nicht.

Portugal'.

Lissabon, 23. Juni. Nachrichten aus Rio de Janeiro vom 2. d. M. melden, daß das gelbe Fieber in Rio, Bahio und Pernambuco im Abnehmen begriffen ist.

Italien.

Nom, 22. Juni. Ein päpstliches Breve suspendirt die Einberufung der Comitieu zur Ernennung neuer Ordensgenerale und bestätigt die gegenwärtigen Generale in ihren Aemtern.

Eirgland.

Wien, 19. Juni. Die Nachrichten aus Ungarn, der Kornkammer Euro­pas, lauten nicht sehr beruhigend. Wie verschiedene Meldungen mittheilen, ist auf ganzen Pußtenstrichen das Getreide durch Braud oder Rost oder gar durch eine bisher noch unbekannte Plage heimgesucht, so daß man ernstlich mit dem Gedanken umgeht, die Getreide-Einfuhrzölle, welche gegen Rumänien bestehen, aufzuhebcn. Glücklicher Weise sind in Cisleithanien die Erndteergebnisse weni­ger gefährdet; namentlich glaubt man in Galizien einer Kornerudte ersten Ran­ges entgegensehen zu dürfen.

Schweiz.

Ueber den durch das maßlose Vorgehen der Ultramontanen in der Schweiz nun endlich geschaffenen glücklichen Wechsel schreibt dieNeue freie Presse" sehr zutreffend:Es ist deutsche Natur, eine Niesengeduld zu^eutwickeln, ein Charakterzug, welcher der deutschen Nationalität so oft den Spott des Aus­landes eintrug. Aber, sobald einmal in seinem Heiligsten, in seinem Kernleben beleidigt, erwacht jener alte deutsche Zorn, welcher in der romanischen Welt nicht ohne Grauen genannt wird Es ist nicht das Brillant-Feuerwerk der Phrase, in welchem sich der Athem des Zornes erschöpft sondern wie eine eiserne Wand rückt die festgefugte Phalanx des Volkswillens und der Ueberzeu gungsstärke vorwärts, bis dem Gegner kein anderer Raum mehr übrig bleibt, als die sechs Fuß Erde. So jetzt in der Schweiz. Dort hat der delitsche Schweizer in dem heutigen Kampfe so vollständig die Feldherrnrolle übernom­men, daß das romanische Element der Westschweiz mit fortgerisscn wird und mit im Gliede marschirt. Die Sonderbund-Generale haben keine Nachkommen mehr. Nom liebte von jeher die Purpurfarbe, weil die Blutflecken darauf nicht sichtbar werden. Aber selbst in Luzern und im geistig-finsteren Zug würde heute kein Heerbann mehr auf die Beine gebracht werden, um den übtigen Eid­genossen das Lebenslicht auszublaseu, dieweil sie gegen Leo's X Motto prote stiren:Dem römischen Papste ist jede Creatur unterthan!' Das Auftreten der Schweiz ist heute so frisch und einig, daß man nicht zu besorgen braucht, es werde dieses Aufgebot von Kraft in sich selbst erlahmen. Ein wahrhaft er­hebendes Bild, so ganz verschieden von dem, welches ihr Nachbar Frankreich zu dieser Stunde bietet! Diesseits eine kleine Nation, welche, festen Herzens, sich ihrer Zukunft gewiß ist; drüben das vergebliche Benlühen, die Welt glau­ben zu machen, daß die Sonne im Westen aufgehe, während doch dem Genius Frankreichs zugemuthet wird, vor der schwarzen Jungfrau von Chartres Ab­bitte zu leisten, der .edlen Mac Mahonue" die Schleppe zu tragen und dem nächstbesten dentalenGeneral Bum-Bum" die Stiefel zu putzen."

London, 19 Juni. Wie in Dorsetshire, so haben jetzt auch in den Grafschaften Kent und Sussex die Landwirthe sich zu einem Verein zusammen- gethan, um der Union der landwirthschaftlichen Tagelöhner kräftig Widerstand leisten zu können. Es wurde constatirt, daß gute Arbeiter auch im Winter 18 bis 25 S. wöchentlich erhalten haben, und daß nur die trägen und un­tauglichen Arbeiter unzufrieden seien. Der Rath der Tagelöhner-Union hat be­schlossen, die Vereiniger der Pächter in Dorsetshire hartnäckig zu bekämpfen.

London, 19. Juni. Heute hat der Schah verschiedene Mitglieder der königlichen Familie besucht und das diplomatische Corps empfangen. Er wird heute Abend bei dem Priuzew von Wales speisen.

London, 23. Juni. Das DampfschiffColumbus", welches 200 Passa­giere an Bord hatte, ist am Samstag bei Holyhead gescheitert. 12 Passagiere und 3 Personen von der Schiffsmannschaft ertranken.

Dänemark.

Copenhagen, 21. Juni. Der frühere Kriegsminister Hansen ist im Alter von 85 Jahren gestorben.

Rußland.

Petersburg, 22. Juni. Von dem Chiwaischen Expeditions-Corps eiugetroffenen Nachrichten zufolge hat General Kaufmann am 23. Mai die be­festigte Stadt Kajarajp am linken Ufer des Amu-Darja erobert. Der Feind wurde in die Flucht geschlagen und ließ drei Kanonen und Artillerie-Munition zurück.

Amerika.

New-Aork, 6. Juni. Der Modoc-Krieg hat unerwartet und schnel­ler als man vermuthen konnte, ein glückliches Ende erreicht. Unter Mithülfe der Warm-Spring-Jndianer ist es General Davis gelungen, Capitän Jack, den Häuptling, nebst dem Rest seiner Anhänger gefangen zu nehmen. Von allen Seiten umstellt, sahen sie ein, daß ein Kampf unnütz wäre und ergaben sich deßhalb unseren Truppen, womit die undankbare Ausgabe des General Davis gelöst war. Es war kein leichtes Unternehmen, die aus kaum 70 Mann beste­hende Indianer-Bande zu überwältigen; die zehn- oder zwanzigfache Uebermacht, welche auf Seite unserer Truppen war, gereichte denselben nicht zum Vortheil, das Terrain begünstigte die Indianer und von einer geregelten Kriegsführuug, wie sie auf den Mditär-Academien gelehrt wird, konnte keine Rede sein. Das Verdienst des General Davis wird nicht vermindert, wenn man den größten