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einzumengen. Professor Friedrich berichtete über die Thätigkeit des Münchener Comics, Bezirksrichter Neuthner über den Fortgang der Bewegung in der Pfalz. Geh.-Rath v. Schulte machte als Vorsitzender der sogenannten „Bischofs- Commission" folgende Mittheilungen: die Wahl eines Bischofs (zunächst nicht zweier Bischöfe), dessen Dotation für eine Anzahl von Jahren durch Zeichnungen in den Gemeinden und Vereinen sicher gestellt ist, soll am Mittwoch nach Pfingsten (4. Juni) in der Nathhauscapelle zu Köln vorgenommen und auf diesen Tag baldigst die Wahlversammlung einberufen werden. Der Erzbischof von Utrecht hat sich in einem in den letzten Tagen eingetroffenen Briefe bereit erklärt, den gewählten Bischof zu consecriren (die Versammlung brachte dem Erzbischof ein Hoch aus). Die Commission hat ferner den Entwurf einer Ge- meinde- und Synodalordnung ausgearbeitet: dieser soll bei der Einladung zur Wahl den einzelnen Gemeinden mitgetheilt werden, um von der Wahlversammlung am Tage vor der Wahl provisorisch angenommen, resp. abgelehnt oder amendirt zu werden, vorbehaltlich der definitiven Beschlußnahme der unter dem Vorsitze des Bischofs versammelten Synode. Zugleich sollen die Gemeinden ausgefordert werden, den Entwurf zum Gegenstände einer BerMung. zu machen und etwaige Bedenken und Abänderungsvorschläge der Commission eiuzusenden, um eventuell eine Umarbeitung des Entwurfs vorzunehmen. Zu einer Discussion und Beschlußfassung über diesen Gegenstand, erklärte Herr v. Schulte, sei die heutige Versammlung nicht competcnt. Die Versammlung erklärte sich denn auch schließlich mit allen gegen 12 Stimmen gegen eine weitere Fortsetzung der Discussion und für die Zustimmung zu den Propositionen der Commission.
Frankfurt, 22. April. Der Bier-Krawall, welcher schon acht Tage vorher in Aller Mund war, ist gestern Nachmittag an mehrern Punkten der Stadt, wie es scheint gleichzeitig, ausgcbrochen. Der Nickelchestag bot zu diesem Treiben um so leichter einen willkommenen Anlaß, als an diesem Tage ohnedies Tausende von fremden Arbeitern aus der Umgegend in der Stadl waren. Eine Bande von etwa 200 Burschen erschien gegen 5 Uhr auf der Gallusgasse in den beiden Neutlinger'schen Brauereien, in ihrer Mitte eine rothe, wie es scheint, von einem Vorhänge herrührende Fahne, und begannen das Werk der Zerstörung Was nicht nied- und nagelfest war, ging in Trümmer. Fünf bis sechs achtzehnzährige Bursche stellten sich auf die Tifche und stampften sie zusammen; ein Anderer mit einem Prügel zerschlug die Spiegel, während wieder Andere die Stühle zerbrachen, den Herd zusammenrissen und das Küchen- geschirr demolirten. Nachdem das Werk vollbracht, zog die vor Wuth brüllende Menge zu der benachbarten Schwager'jchen Brauerei. Hier wurde ihr ein heißer Empfang zu Theil. Mit siedendem Wasser wurden die Angreifer empfangen und eine ziemliche Anzahl derselben arg verbrüht. Der Dampf der Kessel wurde losgelaffen und that gleichfalls feine Wirkung. Jetzt rückte im Laufschritt eine Compagnie 81er zu Hülfe, die Bande zerstob, nachdem ihr 11 Gefangene abgenommen worden waren, wobei mehrere Schüsse auf die Fliehenden abgegeben wurden. Gleichzeitig, zum ^Theil noch früher, ging es bei Lind- heimer im Haberkasten, bei Henrichs im Spitalbrauhaus, bei Müller an der Mehlwaage, bei Dörr im großen Speicher, bei Gräff und Stein anr Allerheiligen-Thor los. Ueberall mußte das Militär eingreifen, welches mit Back- und Pflastersteinen von den Ruhestörern beworfen wurde. Nuu hatte die Lang- muth ein Ende, Salve aus Salve krachte, und in der Fahrgasse allein, wo Nachts um 11 Uhr die Ruhe noch nicht hergestellt war und noch immer geschossen wurde, blieben 21 Personen, darunter leider auch ein Kind und eine Frauensperson. Nach ziemlich verbürgten Mittheilungen befinden sich im heil. Geiste Spital 10 Todte und 37 Verwundete, im Bürger-Spital 2 Todte und 4 Verwundete. Darunter befinden sich auch Solche, welche mit dem Bajonnet durchbohrt wurden. Zu erwähnen ist noch, daß bei Reutlinger die Gasröhren abgeschnitten und das ausströmende Gas angezündet wurde. Ferner wurden die Betten ausgeschnitten und ein Clavier zertrümmert. Einzelne der Tumultuanten versuchten sogar, mit dem Militär zu fraternisiren Zur Charaktcrisi- rung der ganzen Bewegung diene, daß die Ruhestörer, welche ganz planmäßig zu Werke gingen, vorübersahrende Equipagen anhielten und die Insassen zwangen, zu Fuß weiter zu gehen. Heute Morgen wurde eüiv Ansprache des Polizei-Präsidenten Hergcnhahn und Oberbürgermeisters Dr. Mumm angeschlagen, in welcher das Vorgefallene beklagt und gewarnt wird, auf den Straßen und
Plätzen stehen zu bleiben oder in Massen sich zu bewegen, denn der Unschuldige werde alsdann mit dem Schuldigen leiden. Gleichzeitig würden die Strafgesetz- Paragraphen gegen Zusammenrottungen bekannt gemacht.
Zur Ergänzung unseres ersten Berichtes erwähnen wir weiter, daß die Tumultuanten bei Reutlinger gleichzeitig den großen Bierfässern die- Böden ein-
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Bern, 19. April. Die Solothurner Blätter bringen heute nähere Mittheilungen über die Räumung des bischöflichen Palais in Solothurn Seitens des Exbischofs Lachat. Laut denselben verfügte sich Negierungsrath Heut- schi mit dem Staatsschreiber Amiet am Morgen des 16 April in den Bischofspalast, um die Schriften des Bisthums unter Siegel zu legen. Zu gleicher Zeit kündigte er Herrn Lachat an, daß er sammt dem Kanzler Duret im Laufe des Tages unfehlbar die Wohnung zu räumen habe. Herr Lachat stellte das Begehren, daß man ihn durchs die Polizeibehörde eigens dazu auffordern möge (nach ultramontanen Berichten antwortete er auf die Aufforderung, das Palais zu räumen: „er werde dies freiwillig nie thun"). In Folge deffen erschien um 11 Uhr Regierungsrath Ackermann, der Chef des Polizei-Departements, und wiederholte die Aufforderung. Nun folgte eine Abschiedsscene, wobei, so berichtet der Oltencr Anzeiger, Herr Lachat offenbar der Maria Stuart nach- -znahmen suchte, als sie zum Schaffot ging. Die Dienerschaft und anwesende Anverwandte desselben warfen sich schluchzend vor ihm auf die Kniee, während er ihnen den Segen ertheilte. Man sieht, daß nicht nur Mermillod Komödie zu spielen versteht. Darauf verließen Bischof und Kanzler, umgeben von dem Domsenat, das Palais, wobei sie Negierungsrath Ackermann bis zum Gitter im Vorhofe begleitete. Auf dem Wege besuchte Herr Lachat mit seiner Begleitung noch die Kirche St. Ursus und Victor, wie es schien, um ebenfalls von ihr Abschied zu nehmen. Dann begab er sich nach dem Landhause des Herrn v. Haller, von wo er am anderen Morgen in aller Frühe nach Altiöhofen im Canton Luzern abreiste. Hier traf er um 12 Uhr Mittags ein vom bischöflichen Commiffar Dr. Winkler von Luzern empfangen.
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Paris, 20. April. Im „Courier de Verdun" veröffentlicht
Zräfecr Merlin nebst einem Begleitschreiben, worin er auffordert, cmc ivui» dige, vorsichtige Haltung den Deutschen gegenüber zu beobachten, folgendes
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ben, daß die Ausschreitungen solche Dimensionen annahmen. Die in der „Ger. lach's-Anlage" angesagte Arbeiterversammlung wurde militärisch verhindert, und cs sollen vorerst keine derartigen Versammlungen mehr stattfinden dürfen. Daß das „Essighaus" nicht auch demolirt wurde, wird dem Umstande zugeschrieben, daß den ungebetenen Gästen keine Bezahlung abverlangt worden sein soll. Für heute sind, um ferneren Ruhestörungen vorzubeugen, die umfassendsten Vorkehrungen getroffen. Als Hauptzerstörungsmittel wurden die Backsteine von Neu- und Canal-Bauten benutzt. Wie in der Schwager'schen Brauerei mit Dampf und siedendem Wasser, fand auf der großen Friedbergergaffe im „Reichsapfel" die Vertheidigung mittelst glühender Eisenstangen statt, worauf schneller Rückzug erfolgte. Auch in der Heyl'schen Brauerei drangen die Excedenten in eine Privatwohnung, schnitten die Betten auf, zerstreuten die Federn und nahmen die Decken mit fort.
Frankfurt, 22. April. Aus Befürchtung, daß sich die gestrigen Excesse heute wiederholen könnten, ist der größte Theil der Läden geschlossen. Um 3 Uhr rückte ein Bataillon 80er von Homburg ein; um 4 und 5 Uhr kamen noch zwei Batillone von Mainz und Wiesbaden. Die Börse, das Telegraphen- Amt, die Brücke, Sachsenhausen rc. sind militärisch besetzt; an den wichtigsten Punkten der Stadt sind Truppen aufgestellt. Im Hainer-Hof ist ein Bivouak, ter Schillerplatz ein militärisches Lager. Die Dragoner, welche wegen des bevorsteyendeu Pferdemarktes in der Umgegend cantonniren, zogen schon um 1 Uhr Nachmittags mit gezogenem Säbel und gespanntem Carabiner ein, und fingen sofort an, die Straßen zu durchreiten Ein Theil derselben ritt nach den benachbarten Waldungen, um dieselben abzustreifcn. Wie es heißt, sollen sich dori einige der gestrigen Plünderer aushalten Den Besitzern von Waffenlagern gingen amtliche Warnungen zu und das Lager des Antiquitäten-Händlers Benack wurde unter amtliche Aussicht genommen. Die Truppen bewahren eine entschiedene, aber ruhige Haltung. Wie man uns mitiheilt, hält der Magistrat die Stadt nicht für verpflichtet, für die Verwüstungen Entschädigung zu leisten, weil das Gesetz von 1850, welches die Entschädigungöpflicht bei Aufständen seftsetzt, hier nicht publicirt sei. Zu den gestrigen Excessen ist noch nachzutragen, daß eine Anzahl der Einbrecher mit krummgebogeuen eisernen Stangen in die Laden der zum Opfer ausersehcnen Localitäten einhieb. Unter den Verwundeten befinden sich, wie wir hören, auch ein Officier, ein Soldat und der Polizeicommissär Bergmann. Unter den etwa 20u Verhafteten befinden sich Viele, welche bei der Demolirung aus frischer That ertappt wurden. Manche haben sich eine Anzahl Ausschreiter in's Auge gefaßt, und toerben im Stande sein, namentlich Diejenigen von der Fahrgasse wieder zu erkennen. Von den Schwer-verwundeten, die sich im h. Geist-Hospital befinden, sind heute Mittag wieder zwei gestorben.
Kassel, 22. April. Die Drucker ei der „Hessischen Blätter" in Melsungen ist gestern durch den Staatsanwalt von Rothenburg versiegelt worden.
Wiesbaden, 22. April. Die hiesigen Truppen — Infanterie und Artillerie — sind vermuthlich wegen des Frankfurter Bierkrawalls seit Mitternacht mobil und erwarten weitere Ordre.
München, 20. April. Der Tod Liebig's erregt die allgemeinste Theil- nahme. Zn der weltberühmten wissenschaftlichen Stellung des Gelehrten gesellt sich für München ganz speciell noch das Gewicht seiner Autorität als eines freisinnigen, nationaldenkenden Mannes, der seit Jahren immer in der ersten Reihe stand, wenn es galt, für den guten Geist der Münchener Bewohnerschaft Zeugniß abzulegen. Sein Beispiel ist denn auch für die eigentlich gelehrten Kreise hier von großem Einfluß gewesen und hat viel dazu beigetragen, die Kluft zu überbrücken, welche früher zwischen den „Berufenen" und den „Nativisteu der verschiedenen Berufszweige bestand.
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schlugen und das Bier fortlaufen ließen; Brod, Schinken und Coteletten nahmen sie mit sich; letztere waren noch roh. Weitere Demolirungen fanden au dem Markte in der „Eule", Eigenthum des Herrn Leschhorn, statt. Ferner, wie schon gemeldet, im großen Speicher, der Schneider'schen Wirthschaft am kleinen Kornmarkt und der Freieisen'schen in der Schnurgasse, später auch in den am Judenmarkt gelegenen Wirthschasten der Brauer Heyl und Gellert. Am Aergsten wurde in der Fahrgasse bei den Herren Brauer Müller und Fleß gehaust. Auch wurden ein in demselben Hause befindlicher Schuhladen und ein Kleiderladcn demolirt und ihres Inhalts beraubt; das Gleiche wirb von einem nebenan licgenbcn Leinengcschäft berichtet. Ferner würbe bie Wirthschaft bes Herrn Roth, Eigenthum bes Herrn Glock, am Garküchenplatz, zusammengeschlagen ; zerstör^ ist ferner bie Brauerei bes Herrn Encke. In Henrich's Brauerei in ber Stelzengaffe drangen die Excedenten auch in bas Comptoir unb zerstörten bie Bücher. An ber Leiche ber obenerwähnten tobtgeschossenen Frau hielt ein junger Mensch eine bas Volk harrangirenbe Rebe. In Sachsenhausen schritten bie Bürger selbst gegen bie Excebentcn ein unb vertrieben bie Ruhestörer. Das Polizei-Commiffariat bes ersten Bezirkes ist gleichfalls vernichtet. Im heil. Geist-Spital liegen 12 Tobte unb 37 Verwunbete, tm _.o., Bürgerspital 4; eine große Anzahl bcfinbet sich noch in Privatpflcge. Eine' Aktenstück: Maffe Gefangener, meist bem Jünglingsalter angehörig, würbe cingebracht.! Commanbantur 399. Verbun, 10. April 1873.
l @tabt cmc ^ope. Der angenchtete Schaben wird' An bie Unter-Präfccten bieser Stabt. Am Abenb bes 7. b Mts. warf
aU m r c • • rin Bewohner des Faubourg Pavö einen Stein in ben Wagen ber Felbpost,
c» u »rankfurt, 22. April. Die Verhaftungen Derjemgeu, welche als als bieselbe burch den Faubourg fuhr; ber Thäter konnte nicht entbeckt werben» Ruhestörer namhaft gemacht würben, bauern fort. Es kommen immer mehr ba sowohl er als bie Personen, welche Zeugen waren, bie Flucht erariffen. Verwunbungen zur Anzeige. Allseitig hört man, baß bie Zahl Derer, welche Der Commanbant bittet bie Unter-Präfectur, Nachforschungen anzustellen um elgentlich ben Auflauf verursachten, nur eme gennge war; die Zahl ber Neu-ben Urheber dieser Grobheit zu entbecken und mir deffen Namen anzuqeben.
; Beffallsrufe, wenn die Fenster klirr-,Zugleich wird sie gebeten, Maßregeln zu ergreifen, damit sich eine solche Un
ten u. s. w., die Zertiummerer anfeuerten, soll wesentlich dazu beigetragen ha- ordnung nicht wiederholt; ein ähnlicher Vorfall würde zur Ergreifung von für


