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Anlage zu Ar. 274 des Kießener Anzeigers.

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Dculfcöfnnb,

Berlin, 20. NovemberDer Kaiser", schreibt dieProv.-Corresp.", ist jetzt auf dem Wege vollständiger Genes-ung von der schweren Erkältung, welche er sich vor drei Wochen zugezogen hatte. Nachdem die rheumatischen Lnden gewichen waren, hat sich das Gesammtbefinden allmählig wieder gehoben und gestärkt und der Kaiser konnte im Laufe der letzten Woche sowohl den Besuch fürstlicher Verwandten empfangen, wie auch sich von Neuem den Negie- ruugsgeschäften widmen und in den letzten Tagen auch wieder einige Vorträge entgegennehmcn."

Die amtlicheCoburger Zeitung" enthält ein bestimmtes Dementi einer in mehreren deutschen Blättern abgedruckten Berliner Correspondenz, welche sich mit dem künftigen Herzog von Coburg, Herzog Alfred von Edin- burg, beschäftigt hatte. Das Dementi wendet sich sowohl gegen das dem Prinzen vorgeworscne absichtlicheFernbleiben" von dem hiesigen Hofe, wie gegen die demselben imputirtebekanntlich partikularistische" Gesinnung."

Aus Erfurt wird derMagdcb. Ztg." geschrieben: Am vergangenen Dienstag Abend hat sich in seiner Wohnung der 73jährige katholische Probst und Director des geistlichen Gerichts, Hucke, erschossen. Die Wirren der ka­tholischen Kirche gegen die Negierung sind wohl hauptsächlich der Grund eines schon vor 8 Wochen entstandenen Gemüthsleidens, dessen Opfer H. geworden. Vor dreiviertel Jahren feierte er sein 50jähriges Dienstjubiläunl, bei welcher Gelegenheit ihm unter Anderem auch ein Dankschreiben vom Magistrat über reicht wurde, weil er mit mildem Sinn alle Streitigkeiten vermieden. Zu einem Fest-Diner war damals auch der evangelische Senior Nudolph eingela­den, die Deputirten Tr. Lucas rc. rc., es sollten 50 Gedecke sein, aber' die ganze junge katholische Geistlichkeit mit ihren nltramontanen Führern ließen ab sagen, so daß nur 30 Personen zur Tafel kamen.

München, 20. November. Die Cholera ist hier wieder stärker auf­getreten. Gestern wurden 11 Cholerafälle amtlich constatirt, davon i Sterbe fall; vorgestern 4 Erkrankungen, davon 2 Sterbefälle.

Stuttgart, 20. November. Abgeordnetenkammer Außer den Kosten für die Gesandtschaften in München und Wien wurden auch die für Berlin und Petersburg bewilligt. Eine Bitte um Erwägung der spateren Aufhebung des Wiener Gesandtschaftspostens wurde durch Stich-Entscheid des Präsidenten angenommen.

Schmeiz.

Bern, 21. November. Der Große Nath von St. Gallen hat einen Gesetzvorschlag, wonoch Geistliche, welche confessionellen Unfrieden stiften und ihr Amt zu politischen Zwecken mißbrauchen, mit Geldstrafe bis 1000 Frcs. oder Gefängniß bis 1 Jahr, im Rückfälle mit temporärer Amtssuspension oder gänzlicher Amtsentsetzung bestraft werden sollen, für erheblich erklärt und den­selben einer Special-Commission überwiesen, die darüber noch im Laufe der gegenwärtigen Session Bericht erstatten und Antrag stellen soll.

Frankreich.

Pari-, 19. November. Der Kampf in der Nationalversammlung dreht sich seit der Botschaft des Präsidenten nicht mehr um Republik und Monarchie, sondern um die Frage: Soll Frankreich mit oder ohne liberale Bürgschaften regiert werden, ja, soll cs überhaupt ein wirklich parlamentarisches Leben be­halten, wie es jetzt in Westeuropa allgemein ist? Nach dem bisherigen Ver­lauf der Debatten zu schließen, wird, wenn die Linke besiegt ist, die sog. con- servative Coalition nur noch durch das Stichwort: Reaction bis hinter die Charte dcs Juli-Königthums! zusammengehalten werden. Die alten Parteien haben es bereits gar kein Heb! mehr, daß sie nach Austragung der jetzigen Händel ihre Arbeit zur schließlichen Durchsetzung ihrer Plane sofort wieder auf­nehmen werden. Will der Präsident Mac Mahon also Ruhe halten, so kann es nur durch eine eiserne Hand gelingen. Broglie deutet bei jeder Gelegenheit auf diese Art von Stärke undStabilität" hin. Aber weder die Linke noch die Rechte traut heute noch Mac Mahon diese feste Unwandelbarkeit zu; seine Botschaft hat einen gereizten, nervösen, ehrgeizigen, rechthaberischen politischen General enthüllt, wie er sich freilich schon in Algerien während seiner letzten Verwaltung angekündigt hatte. Rouher, der den Marschall kennt, sagt gera- dazn, er fürchte, derselbe werde eher zu wenig als zu viel regieren; aber eben zu einem solchen System gehört ein sehr feiner Tact, ein ausgebildeter politi­scher Blick, ein klares Bewußtsein der Verhältnisse und Menschen; und eben davon zeigt sich in den beiden Botschaften das Gegentheil. Mac Mahon pflegt gemächlich zuzuwarten, dann jählings in's Geschirr zu gehen uub schließlich den Karren an einer schlimmen Stelle stecken zu lassen. So war er bisher als Soldat und als Administrator; wird er in seiner künftigen überragenden Stellung anders operiren? Wie feit dem 24. Mai die Bouapartisten wieder gewachsen sind, zeigte sich recht schlagend in der Rede Rouher's, sowohl in der alten Selbstgefälligkeit und dem Gefühl der Ueberlegenheit, wie er es in seiner vicekaiserlichen Zeit zur Schau trug, wie in der geduldigen Aufnahme, die diese Manier diesmal in der Nationalversammlung fand. Noch gestern zeigte sich das Cabinet besorgt um seine Existenz; heute scheint diese Besorgnis; verschwunden zu sein, und zwar, wie die CorrespondenzHavas" andeutet, in Folge der Umkehr von einem Dutzend Legitimisten, die bei der entscheidenden Abstimmung Passen wollten, nunmehr aber für den Minoritäts-Entwurf stimmen werden., Diese Leute glauben durch Chesnelong's Rede ihr Gewissen gewahrt und nun! für Mac Mahon stimmen zu können. Auf der äußersten Rechten dagegen ßat' Chesnelong's Erklärung empört; man findet cS unehrerbietig und frech, daß ein solcher Mensch denKönig" so bloß zu stellen wagt. Aber diese Empörung wird sich schwerlich in Zahlen aussprechen; denn alle drei monarchischen Grup Pen haben ein zu überwiegendes Interesse daran, daß Mac Mahon die Schild­wache behalte, bis ihn Heinrich V. oder Louis Philippe II. oder Napoleon IV. abzulösen oder zur Seite zu schieben in der Lage ist.

[ Paris, 20. November. Die Minister werden bis nach der Discussioi der Interpellation Say's im Amte bleiben. Mit der Neubildung des Cabi nets wird wahrscheinlich Broglie betraut.

Paris, 21. November. DerMoniteur" meldet, daß Graf Cham bord seit einer Woche in Frankreich verweile. Derselbe habe natürlich vw | Anhänger empfangen, seine Reise trage aber keinen ausgesprochenen politischer! Charakter; Graf Chambord habe in der letzten Krisis den Deputirten bei Rechten volle Freiheit gelassen.

Versailles, 19. November. Nationalversammlung. Die Nachtsitzung! wird 1 iy2 Uhr eröffnet und nimmt zuerst der Herzog von Broglie das Wort. > Derselbe weist den ihm gemachten Vorwurf, daß er sich hinter Mac Mahon zu decken suche, zurück, und führt aus, daß eine Aenderung der gegenwärtigen Zustände nichts bedeute, wenn sie nicht auf eine Zeitdauer festgesetzt würde. Die Nationalversammlung und Mac Mahon bezeugen sich gegenseitiges Ver­trauen. An dem Worte Mac Mahon's zweifeln, welcher erklärt habe, daß er vie constitutionellen Gesetze wünsche, hieße, ihni unverhohlen mißtrauen oder I mit anderen Worten Verwerfung der drei Artikel. Jules Grevy entwickelt vorauf vom Rechtsstandpuukt aus, daß die Nationalversammlung gar nicht das Recht habe, über d-e Grenze ihres Mandats hinaus eine provisorische Gewalt zu errichten. Die Discussion über das Amendement Depeyre wird sodann ge­schlossen und die Sitzung für kurze Zeit suspendirt. Nach der Wiederaufnahme Der Sitzung wird über Art. 1 des Gegen-Entwurfs Depeyre, wonach die Ge­walten Mac Mahon's auf 7 Jahre verlängert werden sollen, abgcstimmt und derselbe mir 383 gegen 317 Stimmen angenommen Der Deputirte Wad­dington erhält darauf das Wort und sagt: Mehrere Mitglieder der Versamm­lung hätten den Art. 1 des von Depeyre eingebrachten Entwurfs votirt, um Mac Mahon ihres Vertrauens zu versichern. Wenn der Art. 3 des Commis­sions-Entwurfs verworfen wäre, würden wir gezwungen sein, den ganzen Ent­wurf Depeyre's zu verwerfen; er bringe daher einen Zusatz-Antrag ein, welcher besage, daß der Art. 1, welcher soeben angenommen sei, erst nach Volirung der constitutionellen Gesetze constituirenden Charakter haben solle. Bei der Ab­stimmung wird der Zusatz-Antrag Waddington's mit 386 gegen 321 Stimmen abgelehnt. Die Veriammlung verwirft darauf ein Amendement, welches for- vert, daß die Kammer vor der Votirung der constitutionellen Gesetze um ein Drittel erneuert werde, nimmt Art. 2 des Entwurfs Depeyre an, besagend, daß eine Commission zur Berathuug der constitutionellen Gesetze von der Natio­nalversammlung ernannt werde, und nimmt schließlich den ganzen Entwurf De­peyre's mit 378 gegen 310 Stimmen an. Die nächste Sitzung wird auf Mon­tag festgesetzt und die Discussion der Interpellation Say's auf die Tagesord­nung gestellt. Die Sitzung wird Morgens 11/2 Uhr aufgehoben.

JJefflien.

Brüssel, 20. November. Die Deputirten - Kammer hat das Kriegs- Budget ohne Debatte mit 57 gegen 16 Stimmen angenommen. Herr Otto hat seine Entlastung als Schöffe von Brüssel dem König eingereicht in Folge der Gemeinderaths-Wahlen.

Holland.

Haag, 20. November. Der Colonial-Minister erklärte in einem Schrei­ben an die zweite Kammer, daß der Krieg mit Atschin dahin führen werde, dasselbe zur Garantie der Sicherheit unter holländische Oberhoheit zu stellen. Die Negierung werde Atschin aber ferne Autonomie belasten.

Spanien*

N?adrid, 19. November. Ueber dieVirginius"-Affaire registriren wir folgende Zeituugsstimmen:Krieg gegen die spanische Republik in diesem Mo- meilt ihrer größten Schwäche und Gefahr zu erklären", sagt mit Bezug auf solche Nachrichten die Londoner Morning Post,würde nicht eine Handlung sein, auf welche die amerikanische Republik stolz sein könnte." Aehnlicher An­sicht ist auch der Standard.Es ist eine Art grausamen Spottes" be­merkt das Organ der englischen ConservativenScnnor Castelar's Negie- rung für die Thaten der cubanischen Freiwilligen, über welche er ebensowenig Controle, als über die baskischen Provinzen oder die Junta von Cartagena hat, verantwortlich zu machen DerCpectator" gicbt Sennor Castelar den Rath, sich der Hülfe der Vereinigten Staaten zur Wiederherstellung der Ord­nung in Cuba zu bedienen, bezweifelt aber, ob der spanische Stolz dies zu­lasten werde. Die Madrider Journale billigen beinahe einstimmig die Hin­richtungen aus Cuba.El Pueblo" sagt, der amerikanische Gesandte könne sich wegen der Hinrichtung Ryan's nicht beschweren, denn Piraten hätten kein Vaterland. In demselben Sinne sprechen sich dieEpoca" und dieIberia" aus. DieDiscusion" findet, daß die cubanischen Bebörden vollkommen ge­setzmäßig gehandelt hätten, ebenso dasGobierno." DieBandera Erpanola" erklärt, wenn auf Cuba Recht und Gesetz nichts mehr gelten sollen, so sei c8 unmöglich, die Insel zu regieren.Eco de Espana" versichert, es wäre ebenso unklug als unpolitisch, solche Delinquenten, wie es die cubanischen Nebellen wären, mit Milde und Schonung zu behandeln. Der einzigeNeformista", freilich ein sehr radicales Blatt von geringem Einfluste, spricht sich gegen die ^Hinrichtungen aus und nennt die Negierung, die solche Gräuel zugebe, mit einem ganz neuen Worte, eineAstassinokratie."

Madrid, 20.^Rovcmber. DerPolitica zufolge hat der amerikanische Gesandte, General Sikles, seine Vorbereitungen zur Abreise in Folge von Bemühungen des englischen Gesandten Layard aufgeschoben.

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New Nork - 20. November. Der amerikanische Consul in Santiago zeigt osficiell an, daß bis zum 13. November erst 53 Gefangene vomDirgi-