Ausgabe 
18.4.1873
 
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Oießcmr AnMtr

Mnzeige- und Mmtsötatt für den Kreis Liessen

1873.

Frcitliff iicu 18. April

Rr. 90

Oesterreieh und Ungarn.

Deutschland.

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fcwae ist, noch oft Stoff zu Reibungen, Recriminationen, zu augenblicklichen

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bleiben werde

-fang, von riedrich.

igen bei ann-

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1873:

^teü vierteljährig 1 st. 12 kr rit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 st. 29 ft.

Als der frühere österreichische Reichskanzler Herr v. Beust den berühmten Ausgleich zwischen Oesterreich und Ungarn glücklich zu Stande gebracht hatte, da galt als stillschweigende Voraussetzung, daß zwischen den beiden Reichshälf- teu eine Art von politischer resp. conunerzieller Parität sich für die Dauer würbe Herstellen lassen. Diese Voraussetzung hat sich je länger je mehr als eine falsche heransgestellt. Ungarn prätendirt allerdings in allen politischen und internationalen Fragen die vollste Gleichberechtigung mit dem übrigen Län- dercomplex des österreichischen Staates, allein thatjächlich ist dieses Verhältniß uicht durchzuführen, schon um der ungleich vertheilten Veranlagung beider Hälf­ten zu dem gemeinschaftlichen Rcichshanshalt nicht.

Wiewohl gesetzlich festgestellt, ist der Grundsatz der Parität jenseits der Leitha noch nicht dermaßen in -das Blut übergegangen, daß nicht hie und da

Berlin, 15. April. DieGrenzboten" bringen willkommene genauere Lasker wurde, wie wir denselben

flirt a. R en Europa'*.

aller Arten lpreisen in In- und

'N öet:

günstiger, hier in gleichem Maaß ungünstiger; die Administration dort ist rela­tiv wohlfeil, trotz einiger Mängel zweckentsprechend und zuverlässig, hier haben wir eigentlich gar nichts, was Administration im modernen Sinne genannt werden könnte, wir schweben im Raum zwischen Municipal - Autonomie und centralisirendem Bnreaukratismns. Wir sind also sowohl, was die Consolidi- rung der parlamentarischen Grundlagen betrifft, als auf dem Felde der greif­baren Fragen deS Staatslebens gegen Oesterreich entschieden zurückgeblieben. Oesterreich ist specifisch schwerer, Ungarn leichter geworden. Diese Störung des Gleichgewichts müsse sich meint nunP. Lloyd" peinlich für Ungarn fühlbar machen und könnte am Endealle die Gelüste wieder anregen, die nur das volle Gewicht unserer Stärke und Straft nieder zu halten vermag." Sie sehen, daß nicht einmal jene Partei, welche den Ausgleich gemacht hat, unbe­dingt dem dualistischen Bruder vertraut und auf die ungestörte Fortdauer der gegenwärtigen Beziehungen rechnet. Oesterreich und Ungarn sind gerade keine feindlichen Brüder, aber doch Rivalen nm die Herrschaft in Oesterreich Ungarn. Was dem einen nützt, schadet daher dem andern. Vis jetzt haben die Ungarn regiert, es ist die Frage, ob sie auch ferner noch im Stande sein werden, das Sceptcr zu führen. Vielleicht werden sie jetzt, wo die Gefahr in dem Wett­streit unterliegen und ihre politische Suprematie zu verlieren so nahe liegt, end­lich mit denReformen" beginnen, welche sie seit sechs Jahren im Munde führen, ohne etwas nennenswerthes gethan zu haben. Mit den politischen Ma- növern, die den Gegner stets in eine Zwangslage bringen, geht es doch nur so lange, als derselbe schwach und ungeschickt ist; kommt er einmal zu Kraft und hat er die Finten des Feindes demselben abgelernt, daun hält es schwer, ihn zu düpiren, und,zwar um so schwerer, wenn die ursprüngliche Kraft in» besten auch zum Theil verloren gegangen ist. Das Abgeordnetenhaus wird bald zu Grabe geläutet sein, das selbst in den wichtigsten Momenten kein Wort zu einer Interpellation oder Discussion sand und 1870, nicht als die Bankfrage brennend geworden, nicht neulich, als im ungarischen Parlament so provocirende Worte gegen die jenseitige Regierung gefallen sind; stets har die Versammlung, die bis jetzt vor dem Schottenthor getagt, die Initiative und das große Wort, daher auch die Entscheidung den ungarischen Abgeordneten gelassen. Wird Un­garn auch weiter ein so gefügiges Schwesterparlament zur Disposition haben?

Erscheint täglich, mit A«A- nähme Sonntags.

totbition: San|(c|B<ta.

8it v. Ri. 1.

.pstble i) ^holsaM

mberger, I 1191.

beim, fliiöcrcr Wanb: * von der fonit Mraße, 2 sl- 24 fr u"dAus- Ulcntzu, , tn Xiidn lu$ und 1Jj°n ati ^nichts 5<itunßeij 1 öciben, lucgsbk.di, -^urentius itom.

w Namens- (fielt ist. einem Buche

Berlin, 13. April. DieDresdener Presse" brachte dieser Tage inter­essantes Material zur-Beantwortung der Frage, was den Bayerischen Cultus- minister v. Lutz abhalten konnte, die sogenannten Marianischen Congregationeu den dem Jesuitenorden verwandten Institutionen beizuzählen. Diese Congrega- tionen seien in Bayern unter den Auspicien der Bayerischen Fürsorge gegründet worden und erfreuten sich zur Stunde noch des hohen Protectorates, ja selbst der persönlichen Mitgliedschast des Bayerischen Königshauses. In München beständen zwei von den Jesuiten im siebenzehnten Jahrhunderte gegründete der­artige Cougregationen, und dieselben seien nach der Aufhebung des Jesuiten­ordens theils von Exjesuiten, theils von Weltgeistlichen geleitet worden. ES habe besondere Congregationen für Damen, für Bürger und für Studirende gegeben, und die beiden noch in München bestehenden besäßen namhafte Geld­mittel und Werthgegenstände, die sogenannte Bürger-Congregalion sogar eine ihr eigenthümlich angehörige Kirche, in der regelmäßig Gotter dienst statt finde, ganz besonders aber auch ekstatische Andachten gepflegt würden. Mitglied der zweiten sogenannten großen Lateinischen Congregation, einer Schöpfung des Herzogs Wilhelm von Bayern, sei unter anderen Angehörigen des Bayerischen Königshauses auch das Oberhaupt desselben, wie dies schon König Ludwig I.

DieSüddeutsche Reichspost" bemerkt hierzu:Diese Ausstellungen

a franco.

Kaufmann, tüchtig, human, fromm; er starb, nachdem sein Sohn die Umverst- tätsstudien kaum vollendet hatte; seine Mutter verlor Lasker schon im iu. Jahre. Lasker's Naturell ist eine Mischung von Vater und MutterlL)es Lebens ernste Führung" hat er vom Vater, das Temperament, den raschen Verstand von der Mutter, die in der Gemeindedie kluge Rebekka 1)icp- -*-)cn Vater zeichnete Pflichttreue und Sittenstrenge aus, er schwor niemals emen Eid in Processen und gab nach biblischer Vorschrift den Zehnten seines Eui- kommens den Armen. Eduard Lasker hatte einen Hauslehrer; als er 10 Jahre alt war, erklärte dieser, es hieße dem Vater Geld stelsten, wollte er ihm weiter Unterricht geben, der Junge wisse mehr als er. Im 3° 9 kam Lasker auf das Gymnasium in Breslau; es war bald zuruckgelegt. Er «wollte Mediciu ftudireu, da aber der Vater dagegen war, warf er sich Jahre

cnberger, |193- _

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OKU schell, iuinüdbuil tie alte Anschauung zum Durchbruch käme, der zufolge die materiellen Leistun- find, i t gen jn gemeinsamen Zwecken auch den Maßstab für den berechtigten Einfluß ___ beiter Reichstheile abgeben sollten. Wenn das gemeinsame Budget berathen ns. womöglich'ird und die ungarische Delegation einen Posten votirt, den die österreichische i"fen fiM.Ijieber streichen möchte, dann ist vorerst die öffentliche Meinung darüber gleich --- hri der Hand nnd sagt: die Ungarn hätten leicht votiren, zahlten sie doch nur ss Men ee-lIO (richtig 32) Procent der votirten Summe. Die Presse bespricht den Satz fccr l'nglcichen Leistung und dem gleichen Recht ganz allgemein, bitter oder : minber bitter, je nachdem der Reichstag festen oder minder festen Boden unter seinen Füßen spürt. Die ungarische Presse bleibt die Antwort nicht schuldig, Zticft, sie führt als erstes stets die Erwägung in's Treffen, daß Ungarn numerisch ci/fiic Gkßtt.' zwar eine geringere Summe zahle, aber im Vergleich zur eigenen Leistungs- utrfmift fthigkeit doch gleichviel wie Oesterreich. Die deakistische Presse insbesondere bezeichnet die Parität als den Eckstein des Systems, ja noch mehr, als die Be- bingung, ohne welche an den Dualismus und den Ausgleich gar nicht zu den­ken gewesen wäre. Die Parität sei der Ausdruck der Souveränetät Ungarns, durch dieselbe werde documentirt, daß Ungarn keine Provinz sei, sondern ein luiiabhä.'giges Reich, das, mit Oesterreich staatsrechtlich verbunden, die duali- siische Monarchie bilde. Man sieht, daß in den30 und 70 Procent mehr steckt, als eine einfache Fmanzsrage. Die Presse der Linken geht weiter, und meint, daß Ungarn über seine Kräfte, jedenfalls indirect mehr als die 32 Pro- tiiit, zu den gemeinsamen Lasten beitrage, denn so schrieb erst jüngstElle iwr" wir geben unser Eapital hin, ohne etwas zurückzuerhalten; Oesterreich |c|.t das jährlich einzuzahlende Capital bloß um, indem was es z. B. fiir bie Armee zahlt, auch auf verschiedenen Canälen zurückbekommt; alles was das ffrecr für die Bekleidung, Bewaffnung u. s. w. erfordert, wird in Oesterreich bestritten, und es verirren sich nur kleine Bruchtheile davon nach Ungarn. Wie bem nun immer sei, sicher ist es, daß die Parität noch keine ausgetragene

Leibitterungen, ja möglicherweise auch zu ernsten Zwischenfällen gebeii dürffte. Betrachtet mau die finanziellen Leistungen beider Reichshalsten als die Ca- vitalien, welche jeder Theil zum genwilisamen Geschäft einschießt, so lassen sich tic beiderseitigen Pcirlanie-ite vielleicht als die lcitniden Geschäftsfuhrer ansehen. Ais jetzt war ohne Zweifel der ungarische Geschäftösührer der thatlgcre und tttjcniae welcher niehr für die Sache gewirkt, der - immer nur d.e gemem- senneii Angelegenheiten vor Augen haltend - die der gemeinsamen Lerblndung in Grunde liegenden Ideen fest basirt, vertheidigt, -»tw-cke t und «<i end g - macht hat. Nicht gerade, daß der andere Theil nichts geleistet hatte, aber sicher weniger; denn er war oft befangen, dann oft anch im Kampfe m t

Schwierigkeiten der inneren Lage, konnte daher nicht^gleich me Zm und M he ^ieSüddeutsche Reichspost^' bemerkt hierzu-X'ic|e ANsircuungen

'daran wenden. Bis zetzt lag die Sache so . hier goß r Thäl gk^ bcis ®lltfp'r(d)ell Qlld) den thalsächlichen Verhältnissen; diese lestteren aber lassen es «res Capital, dort geringere Thatigk t nnd groper C i t)öd)ft wahrscheinlich betrachten, daß die Frage der Anflosnng oder

derseits der Quotient nahezu «-ruh I'U> mochte, y ' ° ^Kvaanonidcs Fortbestandes der Marianischen Congregaiionen im Bnndesrathe weiterhin

KftS 8ii7'dästZ°'^ (wenigstens 'glaubt er bereits^nicht mehr wird disentirt werden, wenigstens so weit Bayern dabei in Betracht

Jil dies zu sein)?bereit nnd in die Möglichkeit versetzt, seine ganze Kraft em-kommt. .. .

lusttzen - heute fragt es sich - ob ^'1°^e 7rcit'7nach Mei Rich Angaben über Lasker's Entwicklungsgang. Lasker wurde, wie wir denselben

' Da- Gleichgewch dr K°s st Uibt Un- entnehmen, in dem Städtchen Jaroscyn, ei» paar Meilen von der pol.nschen

tungen bin gestört - Einmal kräftigt 8 M Das neue österreichische Grenze, Kreis Pieschen, geboren. Sein Vater war ein angesehener indischer

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machen, und das traurigste dabei ist, daß Niemand ube^- das W> de'stlb n reckt im Klaren ist. Die Magnatentasel ist eine Null, ihre Veratbungen stnv bloß Formsache, und streng genommen herrscht in Ungar» das Emkomnnm systenn Weit überragt das österreichische Herrenhaus, weimgleich mcht wei g vorsnndflnthliche Wesen in demselben sitzem, du-ungarische Maguateiita el a politischer BedeutiiNg. Noch mehr hat Oesterreich Ungarn »beiholt Mif dem Felde der praktischen Fragen. Die Finanzlage gestaltet sich dort von Jahr z