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tzkrid vierteljährig 1 fl. 12 kr. mir Bringerlohn. Durch die Pest bezogen vierteljährig i fi. 29 kr.

Gießener Anzeiger.

Erscheint täglich, mtt M nähme Sonntag-.

Expedition: Can-lei-«r-, Lit. B. Rr. 1.

Mnzeige- und Mmtsßlatt für den Kreis Kressen.

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Donnerstag den 7. April

1873.

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Bekannt m achn n ß, den Remonte - Ankauf pro 1873 betreffend.

Zum Ankauf von Remonteu im Alter von vorzugsweise drei, und ausnahmsweise vier und fünf Jahren, sind im Großherzogthum Hessen in diesem Jahre nachstehende Morgens 8 Uhr resp. 12 Uhr beginnende Märkte anberaumt worden, und zwar:

den 14. Juli in Alsfeld,

15. ,, Grünberg,

17. Lich,

18. Nidda,

19. Nieder-Wöllstadt,

23. Groß-Umstadt (früh 8 Uhr),

,, 23. Groß Bieberau (12 Uhr),

den 24. Juli in Bickenbach,

25. Groß-Gerau,

26. Goddelau,

28. Gernsheim (früh 8 Uhr),

28. Biblis (12 Uhr),

,, 29. Bürstadt (früh 8 Uhr),

29. Lorsch (12 Uhr.)

Die von der Militär - Kommission nach gegenseitigem Uebereinkommen erkauften Pferde werden zur Stelle abgenommen, und gegen Quittung sofort baar bezahlt.

Zu wenig entwickelte, oder solche, die zu schwach, schwerfällig und ordinär, den Ansprüchen an ein Militär-Zug oder Reitpferd nicht entsprechen, auch Pferde, welche durch zu frühen Gebrauch gelitten haben, mangelhaft gebaut, mit bedeutenden Knochen- oder anderen erheblichen Fehlern behaftet und nicht gängig sind, können nicht gekauft werden.

Pferde mit solchen Fehlern, welche nach den Landesgesetzen den Kauf rückgängig machen, sind vom Verkäufer gegen Erstattung des Kaufpreises und der sämmtlichen Unkosten zurückzunehmen Die Verkäufer sind ferner verpflichtet, jedem verkauften Pferde eine neue starke rindlederne Trense mit zweckmäßigem Gebiß, eine starke Kopfhalter von Leder oder Hanf mit zwei mindstens sechs Fuß langen starken Stricken ohne besondere Vergütung mitzugeben.

Berlin, den 6. März 1873. Kriegs-Ministerium, Abtheiluug für das Remontc-Wesen

gez. von Schoen. Mentzel, von Kl üb er.

Voll lisch

Die Abdankung Brighour Boung's

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben viel Glück. Nachdem das Genfer Schiedsgericht ihnen im Alabama-Streite eine Entschädigungssumme zu- ' erkannt hat, über deren Verwendung sie nachträglich in einige Verlegeuheit^ge- ' riethen, und auch der Schiedsrichterspruch des Deutschen Kaisers in der San Juan-Frage zu ihren Gunsten ausfiel, that ihnen jetzt Brigham Poung, das ' berühmte Mormonenhaupt, den unerwarteten Gefallen, freiwillig von seinem eigenthümlichen Thron herabzusteigen und seine Schritte vom Salzsee nach an­deren Gefilden zu lenken. Dadurch wird die Mormonengemcinde ihres großen Propheten beraubt und, wofern sie nicht einen Andern von gleich starkem Ein­flüsse und gleich hoher Begabung in ihrer Mitte besitzt, dürfte sie rasch auf die Stufe der vielen anderen politisch-religiösen Secteu hinabsinken, an denen Amerka so reich ist.

Volle siebenundzwanzig Jahre hatte Brigham Houng das Scepter über eine Gemeinde gesührt, die, von kleinen Anfängen ausgehend, allmählig zu einer Bevölkerung von über 100,000 Seelen anschwoll. Es war im Jahre 1846, als er, mit einem Häuflein fanatischer Anhänger von Missouri und Illinois verjagt, in die dazumal fast unbekannte Wildniß am Fuße der Felsen­gebirge zog, um in dem Thaale des Salzsees eine Niederlassung zu gründen, die er als Despot beherrschte, aber als solcher unlängbar zu außerordentlicher materieller Blüthe brachte. Wer das in unserer Zeit gegenüber den feindlichen Gewalten bewaffneter Macht und geistiger Aufklärung vermochte, war auf kei­nen Fall ein gewöhnlicher Mensch und muß, neben gemeiner Schlauheit und noch gemeinerer Rücksichtslosigkeit, Charaktereigenschaften besitzen, die ihn zum Führer und Herrscher stempeln. Es gibt kaum einen orientalischen Fürsten, dem unbedingter und, bis zu einem gewissen Grade wenigstens, treuer gehorcht wurde, als diesem Manne. Mag er immerhin für das materielle Wohl seiner Gemeinde aus vollen Kräften gesorgt haben, den Löwenantheil des Gewinnes behielt er doch immer für sich. Jedes Ereigniß, selbst das scheinbar ungün­stigste, wußte dieser schlaue Kopf zu seinem eigenen Vortheil zu verwerthen. Als er im Jahre 1857 dem vom Präsidenten Buchanan ernannten Gouverneur von Utah den Gehorsam weigerte, »ub die amerikanische Negierung deshalb ein nicht unbeträchtliches Heer gegen ihn entsandte, da schien sein Sturz und Untergang unvermeidlich zu sein. Er aber verstand es, diesem Executionsheere das Vordringen in die Wildniß so sehr zu erschweren, daß es ans halbem Wege vor Erschöpfiing und Hunger schier zu Griinde ging. trat er frei willig mit klugen Versöhnungsanträgen auf, nnd dicsclbige Armee, die ausgc- zogen war, um ihn zu stürzen, mußte sich glücklich schätzen, daß er sie vom Verhungern rettete und ihnen Lebensmittel lieferte, und zwar gegen emen Preis, um den ihn jeder moderne Kriegslieferant des Ostens und des ^^esteiis hatte beneiden mögen. Nicht minder schlau beuahm er sich, als die Pacifie-Eisenbahu dem Salzsee allmählig nahe rückte und alle Welt sich nut der freudigen Pro­phezeiung trug, daß das Pfeifen der ersten Locomotive der Grabgesalig des Mormonenthnms sein werde. Nicht genug an dem, daß er die betreffende Ge­sellschaft vermochte, den von ihm selber angegebenen Weg für ihre Bahn zu wählen, verschaffte er sich überdies noch den Baucontract, der seinen Gemeinde-

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angehörigen, vor Allem aber ihm selber, gewaltigen Nutzen brachte. Und als schließlich in Utah reiche Miueuschätze entdeckt wurden, die Tausende von Aben­teuern lüstern machten, sein friedliches Gebiet zu überschwemmen, da war er wieder allen Andern voran, um die günstige Gelegenheit für sich auszubeuten. Viele von den ergiebigsten Bergwerken nahm er zeitig als sein Eigenthnm in Beschlag, viele von den anderen, zweifelhafteren Gehalts, ließ er durch seine Agenten an fremde Bergwerks-Gesellschaften verkaufen und steckte den Actien- erlös gemüthlich in seine reiche Kasse.

So kam es, daß er ein ungeheures Vermögen sammelte, welches ^ielfach auf nicht weniger als 70 Millionen Dollars, geschätzt worden ist. Die Summe mag übertrieben sein, und ungenau ist wahrscheinlich auch die telegraphische Angabe, daß er sein ganzes ungeheures Vermögen unter seine 16 Frauen und 60 Kinder vertheilte. Andererseits aber kann kein Zweifel darüber herrschen, daß sich an Reichthum mit ihm kein zweiter Mensch in Amerika messen kann, und daß er selbst nach glänzender Versorgung seines patriarchalischen Hausstan­des noch ein gewaltiges Vermögen mit sich nehmen wird.

Was auch immer diesem eigenthümlichen Manne zur Last gelegt werden muß, in seiner Gemeinde genoß er ohne Widerrede beispielloses Ansehen. Er herrschte mit Strenge nnd verlangte unbedingten Gehorsam, aber die sich ihm unterwarfen, müssen eingestehen, daß er ihnen ein System von Fleiß und Spar­samkeit eingeimpft hat, durch welches sie zu großer materieller Wohlfahrt ge­langten In ihrer Ansiedelung gab es keine Armuth und keine Prostitution. Und wenn an der Stelle der letzteren der Vielweiberei eine Heimath gegründet wurde, so war es ohne Zweifel diese, welche ihm Proselytey zuführte und durch deren mystisch-wüste Lehre er sich eine beinahe unbeschränkte politische und religiöse Oberhoheit eroberte. Ob er sich in den Betrug, den er gegen Andere übte, schließlich selber hineingelebt habe, ist schwer zu sagen. Wahrscheinlich ist dies nicht. Denn so viel wir von ihm wissen, ist er ein kalter, Herz- und lei­denschaftsloser Mensch, ein Egoist durch uub burch, imb Alles eher als ein Enthusiast, ber sich für einen ibealistisch - moralischen Gedanken um dessen selbst willen hätte begeistern können.

In dem Briefe, welcher seinen Abdankungsentschluß kundthnt, sagt er: Mehr als 40 Jahre habe ich mit unermüdlicher Arbeit meinem Volke gedient. Ich bin nun bald 72 Jahre alt lind bedarf der Ruhe. Mein Rücktritt als Verwalter der Kirche. Präsident der Kooperativ- und Handels-Gesellschaft Zion und Präsident der Nationalbank von Deseret ist nur durch die Rücksicht aus weltliche Sorgen bestimmt und berührt nicht meine Stellung als Präsident der Kirche. Wir beabsichtigen, eine Niederlassung in Arizona, im Lande der Apache- Indianer, zn gründen, in der Ueberzeugung, daß, wenn wir mit denselben be- . , kannt werden, wir einen segensreichen Einfluß auf sie ausüben können. Wir ' hoffen, bei dem Bau der Eisenbahn, welche jenes Land durchziehen soll. Hülfe i leisten und einen großen Theil unserer Einwanderung dorthin lenken zu können." Die alte Mormonenpolitik der Abschließung gegen die Welt will Brigham < Poung aufgeben - er fordert gute Bürger auf, sich in Utah niederzulassen, und verspricht den Capitalisten, die dort ihr Vermögen anlegen wollen, leichte i Steuern und hinreichenden Schutz- Aber was er auch zur Verminderung der -!Tragweite seines gegenwärtigen Entschlusses sagen mag, es bleibt doch alle

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