Frankreich.
Oberförster Rumpf zu Heldenbergen; am 29. October der Präsident des Bezirksgerichtes zu Mainz Johann Carl Philipp Lebert daselbst.
Berlin, 8. November. Sämmtliche Bezirks Negierungen des Staates
sind angewiesen worden, in geordnetem Wege zur öffentlichen Kenntniß zu bringen, daß „der erwählte katholische Bischof", Joseph Hubert Reinkens, landesherrlich anerkannt worden ist, den Homagial-Eid abgeleistet und seinen ^Wohnsitz in Bonn genommen hat. Der Dr. Reinkens ist also ausdrücklich als katholischer Bischof anerkanntt
Pofen, 8. November. Man sagt, daß ein hiesiger geachteter polnischer Bürger, gleich nachdem die Pserde imb die Klitsche des Erzbischofs verkauft waren, zu ihm giilg und sich erbot, diese Gegenstände für ihn zurückzukaufen. Der Herr Erzbfichos soll jedoch das Anerbieten mit dem Bemerkeii abgelehnt haben, daß, trotzdem er für die Kutsche allein 1000 Thlr. bezahlt habe, er weder sie noch auch die Pserde zurückkaufen wolle, da sie ihm doch wieder ab gepfändet werden würden. (Ostd. Zig.)
Fulda, H. November. In einer am 10. d. Mts. dahier stahgehab ten Sitzung des Dom-Capitels wurden fünf Caiididaten für den erledigten Bischofssitze aufgestellt, welche in aller Kürze dem Kaiser präsentirt werden sollen.
Aachen, 8. November. Bekanntlich haben hier die Ultramontaiien einen beträchilichen Wahlsieg davongetragcn. Aber nun kommen, sagt die „Aach, ßtg "i Die, welche zu diesem ein giltes Theil beigetragen haben, die „Arbeiter vom Paulus-Verein", sie fordern ihren Lohn und werden abgewiesen. Am Tage nach der Wahl wurde in Aachen folgendaö Placat colporhrt:
„An unsere Gesinnungsgenossen. Fieunde! 1) Einmüthig haben wir unsere Stimmen den von der „Constantia" Erwählten gegeben, weil wir glaubten, diese seien auch Freunde unserer socialen Sache; wir haben zum Siege beigetragen und baten um Antheil au den Früchte»; übergeben haben wir unsere Programme dun Vorsitzenden der Wahlversammlung. Unser Programm wurde nicht verlesen, unsere Bitte, als dritten Abgeordileten unseren Präses zu wählen , fand keine Beachtling. Zum Wählen waren wir gut genug, die Wünsche der Wähler zu berücksichtigen, hielt man für überflüssig. Der Mohr hat seine Schuldigkeit gethau, der Mohr konnte gehen! Ungeschehen können wir Geschehenes nicht machen, in das Unvermeidliche müffeli wir uns finden, aber eine Lehre haben wir erhalten für die Zukunft. Wir wollten Frieden und Einigkeit; sollte einst Uneinigkeit entstehen, die Schuld liegt nicht au uns' 2) Wir wollen den letzten Versuch machen und unser bereits der Oeffentlich- keit übergebenes Programm den gewählten Herren vorlegen; wir werden sie bitten, schriftlich uns das Versprechen zu geben, unsere Wünsche vorzubringen und für dieselben einzustehen. Erfüllen sie unsere Bitte, gut und wohl I Wollen sie es nicht, so können sie wohl dem Namen nach als Vertreter der Katholiken Aachens und Burtscheids auftreten, in Wahrheit sind sie es nicht, denn sie find nicht unsere und unserer zahlreichen Freunde Vertreter! In Zukunst werden wir dann unsere eigenen Wege gehen! Dann aber möget Ihr, unsere Freunde, uns helfen, und Gott unsere Sache segnen. Die 4000 Arbeiter des Paulus-Vereins "
rüher ihm die öffentliche Meinung lieh, vollständig verloren hat. Dazu kommt die Wendung, welche der Proceß Bazaiuc's durch die Hulme'schen Aus- agen genommen hat. Jedermann sagt sich, daß, wenn ein anderer als der Staatschef in dem Falle Mac Mahon's wäre, das Urtheil des Gerichtshofes offen lauten würde: „Der Marschall erinnert sich nicht, die betreffende Depesche erhalten zu haben, aber die Aussagen Hulme's und die Bestätigungen, welche ihm zu MM werden, beweisen, daß sein Gcdächtniß ihn täuscht!" Im Ganzen ist nicht zu verkennen, daß der Präsident seit drei Wochen sein Ansehen bis auf einen verbältnißmäßlg kleinen Rest eingebüßt hat. Er selbst wünscht Präsident zn bleiben, und die Partei Broglie klammert sich nach Kräften an ihre Stellungen an.
Paris, 9. November. Die „Presse" sagt, nachdem die Rechte den Titel eines Präsidenten der Republik für Mac Mahon genehmigt, habe Wo- lowski sich für den Antrag Changarnier's erklärt und die Majorität in der Fünfzehner^Commission dadurch verschoben. — Mac Mahon in großer Uniform, Buffet, alle Minister und mehr als 400 Deputate wohnten heute in Versailles dem Gottesdienste für die Nationalversammlung bei. Die ultramontanen Blätter „Uuivers" und , Union" versichern, in Marseille und im ganzen Departe- ment finde eine Petition zu Gunsten der Monarchie viele Unterschriften. Die „Patrie" behauptet, zahlreiche preußische Emissäre trieben sich in Spanien herum; sie bürgt für die Wahrheit ihrer Nachrichten. (?)
Paris, 9. November. Die Linke verhandelte heute den Antrag auf Berufung (in das Volk (Plebiscite.) Der Antrag wird lebhaft angegriffen und ebenso vertheidigt.
— Graf Ladislas Zamoyski ist gestorben.
Spanien.
Madrid, 9. November. Die aus carlistiscker Quelle stammenden Telegramme über die Schlacht bei Miranda sind als vollständig erfunden zu bezeichnen. General Primo de Rivera ist keineswegs verwundet, benachrichtigte vielmehr heute die Regierung, daß der Kampf nur in einer Vorschiebung des Hauptquartiers nach Arcos bestanden habe, von wo aus Moriones heute seine Telegramme datirt.
V^adrid, 9. November. Aus Spanien ist keine besondere Wandlung in der Lage der Dinge zu berichten. Der Minister des Innern hat an die Madrider Blätter ein vertrauliches Schreiben gerichtet, worin er sich über ihre Haltung beklagt, sie zur strengen Beobachtung des Decrets vom 20. September auffordert und sie vor der Aufreizung zum Aufruhr, sowie vor der Veröffentlichung von andern als osficiellen Nachrichten über die Truppenbewegungen, den carlistischen und den cantoualen Aufstand warnt.
— Jenes Telegramm, welches uns aus Bayonne den angeblichen Sieg der Carlisten bei Oteiza mit dem Zusatze meldet, daß die Bestätigung abzu- warten sei, scheint mit seiner Vorsicht im Recht gewesen zu sein. Aus Madrid hört man ganz anders lautende Nachrichten; Reisende bringen die Kunde, daß die Carlisten bei Estella aus ihren Stellungen geworfen und vier ihrer Geschütze von den Regierungsiruppen erobert worden seien; ihr General Rada sei in Gefangenschaft gerathen und der Oberbefehlshaber der republikanischen Truppen hätte Estella, das bisherige Hauptquartier des „Königs", besetzt. Das wäre freilich ein großer Erfolg für die Negierung. Aber hier wird man eben so vorsichtig die Bestätigung abwarten müssen. Die neuesten Nachrichten aus Madrid spreche» auch nicht gerade von einem Siege, sondern nur von einer gelungenen Operation der Negierungstruppen. Die' ganze Sache habe nämlich nur in einer Vorrückung des Hauptquartiers bis los Arcos bestanden, von wo Moriones jetzt seine Depeschen barire. Wie stimmt das aber zu einer offi- ciellen Mittheilung vom 5. d. Mts., welche wörtlich lautet: „Gestern befand sich General Moriones in los Arcos und General Primo de Rivera in Sansol" ? Sollte vielleicht Moriones inzwischen nocki einmal von los Arcos verdrängt worden und dann am 7. wieder kämpfend vorgerückt sein? Unklarheiten sind also noch genug aufzuhellen.
teiiQlanö.
London, 10 November. Die beschlossene Gründung der Londoner
thronisation des Herzogs von Aumale, arbeiten, und da er die politische Thä- ilmprißn
tigkeit des Marschalls völlig beherrscht, denkt er auch dazu seine Mitwirkung «tllllll ItilL
zu gewinnen, oder wenigstens keinen Widerstand von seiner'Seite zu erfahren. Washington, 10. November. Der amerikanische Gesandte SickleS
Die Republikaner endlich würden sich die Verlängerung an sich gar nicht un- telegraphirt aus Madrid an den Staatssekretär Fish, die spanische Regierung
Schweiz.
Bern, 9. November. Von Pruntrut, wo heute die Jnstattirnug des neuen Pfarrers in Gegenwart der Negiernngsräthe Bodenheimer und Frossard statrfindet, wird gemeldet, daß der neue Kirchenrath bereits eingesetzt und die Velhastung des bisherigen ungeordnet sei, falls die Herausgabe der Kirchenschlüssel verweigert würde. Da tumultuarische Auftritte Seitens der Jugend in den Straßen stattfanden, droht ein Erlaß des Präfecteu sofortige Verhaftung. Ein halbes Bataillon ist aufgeboten und größtenteils bei ultramoiita- nen Bürgern einquartiert worden
Bern, 10. November. Einer Special - Delegation des Berner Negie- rungsrathes hat der Bundesrath erklärt, die Reclamation der ultramontanen Mitglieder der Bundesversammlung gegen das Vorgehen im Jura als unzu-> lässig zu betrachten und demgemäß zii handeln.
Bern, 11. November. Die liberalen Katholiken in St. Gallen verlangen vom Regierungsrathe die Aushebung des bischöflichen Knaben-Seminars, weil das Erziehungswesen verfassungsmäßige Sache des Staates sei, weil ferner das Seminar jesuitisch geleitet und in demselben die im Syllabus enthaltenen Grundsätze Mehrt würden.
katholischen Universität geschieht auf wiederholt dringende Aufforderung aus /mukuetch. Rom. Man hofft, Studirende nicht nur aus Frankreich, Jrla id, Amerika,
f r f . a . , !sondern auch aus den „bedrängten" Ländern Deutschland, Italien u. s. w. an-
Parrs, 9. November Die Nachrichten laufen in Paris confus durch Kolken. Der Rector, Mousiguor Capel, soll nur direct von Paris abhängig «wandcr doch .st mcht zu verkennen, daß d-l der Verl°.^er..ng von Mac:,-«in. Das Vermöge» verwalte» Erzbischvf Mannina und zwölf katholische Muhens Vollmachten etgentltch Niemand daran denkt, den Marschall wirklich Bischöfe Englands. Die Lage des Gebäudes wird demnäckst bestimmt.
zehn Jahre, wenn er |o lauge lebt, am Ruder zu sehen. Die Legitimisten am! London, il. November. Dem gestrigen Lord-Mayvrs-Bankct wohn- allerwcmgsten. Sw wollen die D.ctatnr der Reactwn, um unter ihrem Schildere,, ^.„„itliche Minister bei. Krieqsminister Cardwell erwiderte einen Toast an der L.ederanfnahme der Restauration» - Pro.ect. zu arbeiten. „Und der. die Armee, indem er die friedlichen auf di- Civilisation gerichteten Zwecke Marlchall selbst ist danut -uw-rstand-n , versicherte nur eme legitim,stische ^ gegenwärtigen Regierung nachdrücklich betonte. Gladstone toastete auf das Quelle vor wenigen Tagen Herr v. Broglie eben so wenig. Er will unter Parlament.
dem Schutze des Präsidiums au seinen eigenen Planen, speciell an der Jn-
13. Sterbefälle. Gestorben sind: am 3. September der pensionirte gern gefallen lassen; denn wenn sie einmal die Majorität in der Nationalver- Hautboist Gerhard Busch zu Mainz; am 9. der Oberconsistorial - Secretär fammlung haben, kann ihnen ein liberales Regiment nicht fehlen, und sie wür- Carl Freiherr Schenck zu Schweinsberg zu Darmstadt; am 10. der pensionirte den eventuell den Präsidenten zu einem Wächter der öffentlichen Sicherheit Hausverwalter, Jnspector Johannes Herbert zu Darmstadt; am 11 der evang. ohne politische Bedeutung herabdrücken. Die Bonapartisten sind in ähnlicher Pfarrer Ernst Vogler zu Hühnlein; am 15. der Districtö - Einnehmer Raqnet Lage. Die Verlängerung würde sonach für alle Parteien nur etwas Formelles zu Mainz, der Realschuldirector Eduard Sander zu Bingen., der (^11(161)^^fein, sie würde eine Art von schützender Eisdecke Herstellen, unter welcher der Georg Franke zu Trais an der Lumda; am 21. der pensionirte Diftricts-. Strom der Parteipolitik ungehindert weiter wirbeln könnte. So lag die Sache Einnehmer, Rendant Prätorius zu Gießen; am 22. der Landgerichts - Actuar! wenigstens vor dem 5. November. Seitdem hat der Marschall Partei für die Bauer zu Assenheirn; am 28. der evang. Schullehrer Johann Heeß zu Dals-lNeaction genommen, und unter ihm schaaren sich jetzt alle die Schreier, die heim; am 29. der 1. evang. Pfarrer, Kirchenrath Clotz zu Groß-Gerau; am Stellenjäger, die Ueberläufer, die „honneles gens“ der Fusion. Das hat 30. September der Hofgerichts - Canzlei - Jnspector Georg Forblich zu Gießen; ihm unendlich geschadet; das Publikum, ja, ein großer Theil der Armee stellt am 1. October der evang. Schullehrer Jacob Scheuermann zu Laugwaden; ihn jetzt mit den Intriganten, welche in diesen Tagen bestrebt sind, ihre Per- am 23. der pens. Hauptmann Dingeldey zu Darmstadt; am 25. der pens. fönen um jeden Preis an der Gewalt zu erhalten, auf eine Stufe. Die Zei- ~ t ™ "'i • c - hingen sprechen sich darüber begreiflicher Weise mit großer Zurückhaltung aus;
m Privatverkehr erfährt man jedoch sehr bald, daß er den Nimbus, welcher


