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Einzigen Gegenstand der Tagesordnung wird die „Kartoffel" bilden, über welche Herr
Der arme Papst!
(Alls dem „Neuen Wiener Tagblatt.")
Rom, 25. August Ziffern beweisen nicht immer, und ich möchte z. B. aus der Zahl der Unterschriften, welche die im Vatikan einlangenden Glaubens- Loyalitäts-Adressen tragen, kaum einen Schluß auf die Heeresstärke der Unfehlbarkeits-Armee riskiren. Unter Umständen aber, von gewissen Händen nieder- geschrieben, an gewissen Stellen publicirt, bedeuten Ziffern allerdings sehr viel und so ist es denn auch gewiß eine höchst lehrreiche und nicht genug zu beherzigende Ziffer, welche die „Unita caltolica“; das Jesuiten - Organ, soeben veröffentlicht. Das in Angelegenheiten des heil. Stuhles gewiß sehr wohlunterrichtete Blatt registrirt nämlich die Thatsache und registrirt sie mit protzig thuendem Aplomb, daß die Spenden, welche der Papst in den zehn Jahren von 1859 bis 1869 von allen Enden der katholischen Welt empfangen hat, die Summe von 271,175,000, sage zweihunderteinundsiebzig Millionen, ein- hundertsünfnndsiebzig Tausend Frcs. betragen. Diese Summe, durch 10 ge- theilt, ergibt nach den Regeln der einfachen Division die nette Jahreseinnahme von über 27 Mill. Frcs., oder in österreichischen Gulden gerechnet, von mehr als 10 Mill. Gulden.
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Lokal-Notiz.
Gießen, H. September. Die Bewohner unserer Stadt genossen gestern Nackmittag ein Stück aus dem amerikanischen Leben und Treiben. Myers amerikanischer Circus durchzog mit seinem ganzen Aplomb unsere Stadt. Es war dies ein prächtiger Anblick. Nur schade, daß der Himmel zu trüb war und daher die Spiegelwagen den Effect nicht machten, worauf sie berechnet sind. Das niedliche Gespann von 2 Stephanien bot etwas in unfern Mauern noch nie Gesehenes und machte überhaupt die Eleganz der Pferde, Wagen und Costüme einen sehr vortheilhaften Eindruck. Wenn der Zug als Neclame für die Vorstellungen dienen sollte, so war sein Zweck nicht verfehlt, denn dichtbesetzt war der große Raum des 2. und 3. Rangs. Daß der 1. Platz noch Viel zu wünschen übrig ließ, liegt in den Thalerverhältnissen der heutigen Zeit. Was die Leistungen der Gesellschaft überhaupt betrifft, so lassen sich dieselben nicht gut besprechen. Man muß eben selbst sehen und sich überzeugen von der edlen Dressur der verschiedenen Thier-Gattungen, sowie auch von den vorzüglichen Leistungen jedes der einzelnen Künstler vom kleinsten Clown angefangen. Wir rathen Jedem, diese Gelegenheit nicht vorübergehen zu lassen und sich Den Anblick aus einem Stück amerikanischen Treiben nicht zu versagen.
B-rrnischteS.
Darmstadt, 2. September. Ein rechter und wahrer deutscher Biedermann, wie er im Buch steht, hat geglaubt, seinen Senf zu der heutigen Nationalfeier nicht besser geben zu können, als daß er einen Bries folgenden Inhalts an einen hiesigen Lehrer der Elemcntarkna- benschulc richtete: Mit dem dringenden Ersuchen, mein Kind von Der heutigen Massenmordfeier zu entbinden, zeichnet mit der Ihnen gebührenden Achtung
I. Ludwig Knod, Schlosser.
Jsts Wahnsinn oder bewußte Frechheit, die diesen Anhänger der Pariser Commune bestimmt, seinen Mitbürgern in dieser Weise mit der Faust in's Angesicht zu schlagen? Oder handelt er vielleicht im Auftrag der gestern Abend hier abgehaltenen Versammlung? Unser „Irish People“ sollte doch bedenken, daß Alles seine Grenzen hat und daß sie falsch speculiren, wenn sie auf fortgesetzte Langmuth ihrer Mitbürger rechnen. Das, was diese Communisten wollen, unsere bürgerliche und vaterländische Entwickelung zu hemmen und zu vernichten, bringen sie doch nicht fertig. Dazu sind sic noch lange nicht fähig genug. (Mainztg.)
Darmstadt , 8. September. In Bensheim wüthet seit vergangener Nacht ein gewaltiges Feuer, zu dessen Bewältigung auch die hiesige Turnerfeuerwehr ausrückte. Auf dem hiesigen Bahnhof der Main-Neckar-Bahn wurde sie indessen mit ihrem Gesuche um kostenfreie Beförderung abgewiesen und kehrte daher unverrichteter Dinge wieder um. Könnte nicht in Fällen von force majeure eine Ausnahme von der Regel bei den Nerkehrsanstalten gestattet werden?
Wir erfahren soeben, 1 Uhr Nachmittags, daß circa 40 Wohnhäuser, 42 Scheunen unv verschiedene Nebengebäude abgebrannt sind. Bis 12 Uhr Mittags war man des Feuers noch nicht vollständig mächtig; man hofft aber, dasselbe abgrenzen zu können.
Die Turnerwehr fuhr mit dem 7 Uhr-Zug Der Main-Neckar-Bahn gratis. Ein Extra« zug konnte derselben aus Dienstrücksichten nicht verwilligt werden. (Main-Ztg.)
Atainr, im September. Die erst seit zwei Jahren hier etablirte, durch die Vorzüglichkeit ihrer Waare bekannte Bonbons- und Zuckcrwaaren-Fabrik der Herren Dofflein und Daus wurde von der Jury in Wien mit Dem Anerkennungs-Diplom ausgezeichnet.
Offenbach. Am 10. Septbr. l. I., Vormittags 10 Uhr, wird die General-Versamm« lung des landw. Bezirksvereins Offenbach in der Schlosser'schen Liegenschaft dahier stattfinden. Mit derselben wird eine Ausstellung von mehreren Hundert der edelsten und seltensten Arten der Kartoffel stattfinden, welche das Vereinsmitglied Herr Batz von Offenbach zur dreihundert- ährigen Gedächtnißfeier an die Einführung der Kartoffel in Europa durch Francis Drake veranstaltet hat.
chowski anläßlich seiner Verurtheilung durch das Kreisgericht eine Beileidsadresse überreicht.
München, 9. September, Vormittags. Die von Adele Spitzeder gegen das Urtheil des Schwurgerichts erhobene Nichtigkeitsbeschwerde ist von dem hiesigen Oberappellationsgerichtshose verworfen worden und hat das Schwur- gerichtserkenntniß nunmehr die Rechtskraft erlangt.
München, 10. September. Die am Chiemsee gelegene Herren-Insel, 3 Stunden im Umfang, mit schönen Waldungen und Oeconomie-Anlagen, ist vom König angekauft worden.
Würzburg, 10. September. Der Kronprinz des Deutschen Reiches ist hier angekommen und wurde von einer zahlreich versammelten Menge mit lebhaftem Zurufen begrüßt. Der Kronprinz begab sich sofort zur Jnspection.
Ansbach, 10. September. Der Kronprinz des Deutschen Reiches hat gestern aufs Eingehendste die Heilsbronner Kirche, sowie das Schloß und die Kirchen Hierselbst besichtigt. Abends fand zu seinen Ehren eine prächtige Illumination und eine Serenade statt. Heute besichtigte der Kronprinz die Gum- bertuskirche. Nach 10 Uhr erfolgte die Abreise nach Würzburg. Die städtischen Behörden waren zur Verabschiedung auf dem Bahnhofe erschienen.
Schweiz.
Genf, 9. September. Bej der gestern durch Johann Philipp Becker erfolgten Eröffnung des Congresses der Internationalisten (von der Partei Marx) waren 34 Delegirte aus England, Frankreich, Deutschland, Oesterreich- Ungarn, Italien, Belgien, Holland und der Schweiz zugegen. Marx war nicht anwesend. John Duparc wurde zum ersten Vorsitzenden des Congresses gewählt. Die Bakunin'sche Fraction hatte van de l'Adele mit Vermittlungsvorschlägen an die Versammlung abgesandt. Derselbe wurde freundlich empfam gen und zum dritten Vorsitzenden ernannt.
Genf, 9. September. Der Friedens- und Freiheits-Congreß wurde heute geschlossen, nachdem Laurent einen historischen Bericht gegeben hatte, woran sich eine lebhafte Discussion schloß, an der sich unter andern Rednern Lemonnier, Micowski und Fauvety betheiligten. — Die Internationale hielt um 2 Uhr eine geheime Sitzung, der um 8 Uhr eine öffentliche Sitzung folgte. Letztere Zeit war gewählt worden, um den Arbeitern das Erscheinen zu erleichtern.
Frankreich.
Paris, 9. September. Die „Agence Havas" meldet: In Verdun ist gestern mit der Wegführung des Materials, der Ambulancen und des Trains Seitens der dortigen Besatzung begonnen worden; dieselbe wird am Donnerstag beendet sein. Der Abmarsch der Truppen wird am Freitag beginnen und am Samstag beendet werden. Am Sonntag und Montag wir die vollständige Räumung bewirkt sein. Die Haltung der Bevölkerung ist durchweg eine ruhige und würdige. Die Räumung vollzieht sich in der größten Ordnung.
Spanien.
Madrid, 9. September. Castelar hat in den Cortes einen Gesetz- Entwurf, betr. die Verhängung außerordentlicher Maßregeln in den von den Carlisteu bedrohten oder occupirten Provinzen, eingebracht; ferner einen Gesetz- Entwurf, durch welchen die Regierung zur Aufnahme einer Anleihe von 100 Mill. Pesetas ermächtigt wird. Zum Cortespräsidenten ist Salmeron gewählt worden. — In Madrid sind in Folge einer entdeckten Verschwörung, welche zum Zwecke hatte, eine Carlistenbande in der Umgegend zu bilden, mehrere Verhaftungen vorgenommen.
ämeri&a.
Rew-Uork, 7. September. Nach Berichten aus der Havannah sind durch die letzte Feuersbrunst 2500 Familien obdachlos geworden. Für die Hülfsbedürstigen ist Hierselbst eine Subscription eröffnet.
Heiligkeit" irgend ein bestimmtes Resultat erreicht werden soll. Es läßt sich also mit fast historischer Gewißheit anuehmen, daß die Katastrophe, welche der weltlichen Herrschaft des Papstes ein Ende setzte, ihn nicht gerade von allen Mitteln entblößt traf, und daß von jenen 271 Mill. Frcs. noch einige Centimes in die „Gefangenschaft" mit hinüber genommen werden konnten, da der „Gefangene" meines Wissens keiner persönlichen Visitation unterzogen und ihm nicht „von Amtswegeu" abgeuommen wurde, was er etwa am Leibe und in den Taschen trug. Er konnte unbehindert in den Vatikan mitnehmeu, so viel ihm eben von den 271 Millionen und auch sonst noch geblieben war.
Seitdem aber Pius IX. „in der Gefangenschaft seufzt", wie der officielle Ausdruck zum Sprachgebrauche frommer Seelen lautet, haben sich die Beiträge für den Peterspfennig viel eher erhöht als vermindert und die Privatspenden, die dem heil. Vater persönlich gewidmet werden, haben sich vermehrt. Die genaue Ziffer derselben läßt sich nicht bestimmen, aber wenn die Statistiker der »Unita caltolica“ dereinst in die Lage kommen, die Bilanz des halben Decen- niums von 1869 bis 187-1 der teilnahmsvollen Welt zu offenbaren, dürfte meine Behauptung ziffermäßig erweisbar werden. An reinen, nach keinen Nebenzielen ausschaueuden Wohlthätigkeitsspenden wird aber, trotzdem die „Gefangenschaft" das Gemüth des heil. Vaters weicher und hilfbereiten Regungen zugänglicher stimmen sollte, nicht mehr ausgegeben, als dereinst, das ganze Geld wird eben einzig und allein zu Zwecken der Reaction verwendet, zum Conspi- riren und Jntriguiren gegen das von dem Willen der Nation aufgebaute Italien, zum Anwerben geheimer Bauden, welche die Aufgabe haben, das Land nicht zur Ruhe gelangen zu lassen. Das ist auch eine „Intervention des Auslandes" zu Gunsten des Papstes, die mächtige Intervention des Geldes und noch dazu eine unfaßbare, weil sie nicht auf officiellen Füßen dahergezogen kommt, sondern sich in den Brieftaschen und Portemonnaies unantastbarer Privatleute birgt. Und die italienische Negierung ist gezwungen, Gastrecht gegen die frommen Pilgrime" zu üben, welche die Mittel und Waffen zum inneren Kriege ganz ungescheut und unbehelligt in's Land hereinbringen. Ein kurioser „Gefangener" das, dessen angebliche „Gefänguißwärter" Niemanden behindern, ihm die Mittel zum permanenten Befreiungsversuche am helllichten Tage in den „Kerker" hineinzutragen!
Jedenfalls aber mögen bekümmerte Herzen, denen die Sorge um das leibliche Wohl des heil. Vaters nahe geht, aus der Ziffer der „Unita catto- lica“ und aus den vergleichenden Schlüssen, welche dieselbe zur Beurtheilung gegenwärtigen finanziellen Verhältnisse des Vatikans an die Hand gibt, den beruhigenden Trost schöpfen, daß es mit dem armen Papste in dieser Beziehung nicht gar so verzweifelt steht, wie die Jammerruse auf den Kanzeln und in den Spalten der Kirchenblätter vermuthen lassen könnten. Die streitbaren Federn und Zungen der Hochwürdigen werden ja doch kaum behaupten wollen, daß ein so auserwähltes Blatt, wie die „Unita cattohca“ schlecht unterrichtet sei, oder gar absichtlich eine tendenziöse, zur Schädigung Sr. päpstlichen Heiligkeit bestimmte Lüge in die Welt setze. Ist aber jene Ziffer richtig und ist demnach auch der Schluß auf die heutigen Verhältnisse richtig, daun hat der Gefangene des Vatikans noch immer zum mindesten so viel „zu verzehren", wie der Kaiser von Oesterreich.
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Der gegenwärtige „Gefangene des Vatikan" hat also allerdings zu einer Zeit, da er noch nicht „Gefangener" war, sondern noch die weltliche Herrschaft hielt, über einen bereits sehr geschmälerten Gebietsumfang, aber außer den Einkünften, welche ihm seine Souveränetät brachte, ein Einkommen bezogen, welches das des Kaisers von Oesterreich, selbst nach den letzten Erhöhungen des Hofstaatsbudgets in beiden Reichshälsten, um ein nicht Unbeträchtliches übersteigt. Aufgebraucht ist diese Riesensumme entschieden nicht worden, denn wo es die politischen Zwecke ntcht begehrten, und wo sich keine Nebenabsichten Dr. Schneider, Dtrector der landw. Lehranstalt zu Worms, einen Vortrag zu halten sich bereit geltend machten, UM der puren Barmherzigkeit willen, versichere ich Ihnen, erklärt hat. Außerdem wird Herr Batz über die Acclimatisation der aus den Mutterlanden hat Pius IX. sehr wenig Unglück gelindert und sehr wenig Thränen gestillt. b-z°g-nm KartoffelBericht «statten. (Off. Ztg.)
Seine Ratbaeber soraten schon und soraen mtrfr tinrfc hnffir hnfc er mir _ , Sehr zeitgemäß bringt das „Mainzer Tageblatt" folgende Warnung: Die Fortsetzung k $ l o I ) r * aucv jetzt noch dafür, daß er Mir ^CT Geldfrage ist eigentliche „Banquierfraae." Denn nachdem die Einmüthigkeit des Handels-
oann glvt, wenn durch die „wohlthätige Regung des värerlichen Herzens £>r. !flanbe8 wie des Publikums die Oesterreich»- und Holländer-Seuche so ziemlich gefahrlos ge«


