ÄUfltrKn tielcrt, ihre ander«de»kenvrn Kirchengenossm selbst zu »erfolge». Vai flogt über die Verletzung heiliger und verbriefter Rechte der Kirche durch die »eue» Gesetze; nun, »er »ritz et lütt, daß da- wichtigste dieser Gesetze, da« über die Schulaufsicht, licht« Inten« ist, al« eile Erneuerung und Bekrästigivg de« staatsrechtlichen Satze«, der in Preußen gegolten hat, so lauge ei» preußischer Staat existier, daß die Schule de- Staate« und nicht der Kirche ist, em« Satze«, der erst in den letzten Jahrzehnten, nicht durch ein Gesetz, sondern durch eine reaetionäre Verwaltung theilweise verdunkelt worden ist. Nein, »eine Herren, nicht um Religion handelt e« sich, uub nicht u» verletzte Rechte der K.rche: t« handelt ßch bei den Anforderunge» der cleriealen Partei uw ein große« nid süße« Ding, tu die Herrschaft. (Dir ehren den Geistlichen auf setnem Felde, vor de» tlterf, auf der Kanzel, in der Seelsorge; hier ist sein Gebiet, und e« »äre schlimm, »eon hier die Achtung vor seinem edlen Berufe jemal« verschwände. AVer wir können nicht anuehwen, daß, weil Jemand Theologie studirt hat, er dadurch auch geschickt weide, die Welt und den Staat, die Schule und die Wissenschaft zu beherrschen. Wer e« lernen will, '»a« diese Herrschaft bedeutet, kann c« an keiner Stelle beff r, al« hier in unsere« schönen Rheinlande, tat heute unter preußischem Seepter eine Perle der deutschen Provinzen g-worden ist, und da« einst nach der Menge seiner geistlichen Staaten de« heiligen Römischen Reiche« Piaffeustraße genannt wurde. Roch leben ältere Männer, welche die Ueberblelbsel der früheren Zustände gesehen Huben. Sie können Ihnen erzählen, wie in den Sitzen der heutigen Industrie da« Gra« auf den Straßen »ich«, wie die Echaaren de« niederen Volke«, dir jetzt al« rüstigc Arbeiter wirken und schaffen, damal« durch »agere Vettelsuppen der Klöster ernährt wurden, wie kein Vach »nd keine Zeitung ohne die doppelte Lensur der weltlichen und geistlichen Polizei da« stille vegetireu der Unterthanen stören durste, wie elend die Schule, wie versumpft da« geistige leben dieser Landschaften »ar. Da« war ja die berühmte Herrschaft de« Krummstabe«, welche da« Land nach innen tobt, nach außen wehrlos ließ. Und die Lobredner dieser Zustände find e«, die öffentlichen Dank au«sprechen für eine gegen da« Oberhaupt Deutschland« geschleuderte Injurie wenige Jahre nach den deutschen Siege-glorien ohne Beispiel in den Jahrhunderten wenige Jahre nach der heißersehnten, jubelnd begrüßten Vereinigung der Ration. Wir, euine Herren, wir halten au Kaiser und Reich."
Nach dieser mit großem Beifalle aufgenommenen Rede wurde die Abreffe auf Verlangen nach ihren einzelnen Punkten nochmal« verlesen und diese so wie Vie ganze Abreffe durch Handanfheben der Versammlung angenommen. Die Adresse lautet:
„Allerdurchlauchtigster Kaiser, Allergnädigster Kaiser, König und Herr! vor einigen Tagen hat eine in Bonn veranstaltete Wandcrversammlnng ein frauzöfische«, von drei rheinischen Ebelleuten unterzeichnete« Telegramm beschlesscu und abgcsandt, nm Gr. Heiligkeit dem Papste für die Alloeatiou vom 23. Dec. zu dankrn, worin derselbe die Regierung de« Deutschen Reiche« mit den schwersten Schmähungen überhäuft. Die Unterzeichneten Bonner Bürger au« allen Con- fesstonen, durch jenen Vorgang auf da« Schmerzlichste in ihrem patriotischen Gefühle berührt, halten e« für eine Ehrensache, ihre Treue gegen Ew. Majestät und ihre Liebe zum deutschen vate,lande öffentlich zu bekunden. Wir wissen, daß E». Maj. Regierung nicht« ferner liegt al« die Verfolgung einer anerkannten Kirche, daß die neuen Gesetze keinen andern Zweck haben, als Lowehr kirchlicher Uebergriffe in den gesetzlichen Wirkungskeei« de« Staate« und die versaffuug«mäß^e Religion«srelheit der Bürger. Wir hiess--, anojtpar Re-
oirrnno w.wr, olle« zu diesem Zwecke vorzukehren. Ehrfurchtsrov
bitten »ir E». Majestät, die Versicherung unserer unerschütterliche» und patriotischen Anhänglichkeit »it gewohnter Huld entgegeizunehmen."
Deutschland.
Darmstadt, 7. Jan. Der zweiten Kammer der Stände ist heute der noch stehende Gesetze« - Entwurf, die Erhebung tr direkten Steuern betreffend, zu- gegangen:
Ludwig 111. von Gotte« Gnaden, Großherzog von Hessen und bei Rhein Wir haben Un« bewogen gefunden, unter Zustimmung Unserer getreuen Stände zu verordnen uub verordnen hiermit, wie folgt:
Art. i. Die direkte» Stenern »erden nicht mehr in e i u monatlichen, sondern in zwei monatlichen Raten erhoben, welche in den ersten fünf und zwanzig Sagen der Monate Januar, März, Mai, Juli, September und Nov.wbcr zu entrichten find.
Beginnt jedoch die Steuerpflichtigkeit einer Person im Lause de« Jahre« mit eine» der vorstehend nicht genannten Monate, so ist die erste zur Erhebung kom- mende Rate nur eine eln»onatl,che.
•rt. 2. vorau«zahlungen von Steuern für da« lausende Steuerjabr können nur in Zahlungen von Sech«theilen der Jahre«st,ier flattfinven.
Alt. 3. Gegenwärtige« Gesetz tritt mit dem 1. Januar 1874 in Kraft. Urkundlich K.
■u« den dem Gesetzentwurf betgegebenen Motiven lasen wir nachstehend au«zug«weise die Einleitung folgen:
Ruch den bestehenden Vorschriften werden die direkten Steuer» i» monatlichen Raten in den erste» 10 Tagen jede« Monat« .rhoben und c« hat sich ber Steuererheber innerhalb dieser 10 Tage jede« Monat« in die auswärtigen Orte feile« Bezirk« zur Steuererhebung zu Gegeben. Aus diesen Vorschriften beruht wesentlich die gegenwärtige Territorial.Organisation der Distrirt«.Elnneb- mereien. Die Bezirke derselbe» würbe» zwar bei t:r in den Jahren 1852 und 185.; vorgrnommenrn Organisation erheblich vergrößert. E« w rb aber thunlich sei», eine »eitere Vergrößerung der Bezirke und dawit eine »(ihre beträchtliche Verminderung de« Personal« rer Distrtet«.Ein»eh»er eintreten zu lassen, wenn »an stch dazu entschließt, zu der Erhebung ter Steuern in zweimonatl.chen Raten überzugehe», weil alsdann die Erhrbungszeit von 10 Tage» ausgedehnt werte» kann uit koch »och bi« zu» nächsten Erpebungetermine Zeit genug t»e tte folgenden Arbeiten übrig bleibt, lieber diese» Gegenstand hatte» bereit« bei de» Finanzministerium ttebrhiwgcn stattgesunden, al« er auf tee von,en Land- Ug durch eine» Antrag L« Avg. F nk angeregt wurde, »eichen die Sta.de der Regierung zur Erwägung empfohlen haben. Bei der hierauf wiederholt stattge. fnntenen Prüfung hat sich die Regierung tasür entschiede», die fragliche Maßregel in Vorschlag zu bringe». Rach vor ä.figer Ermittelung w rb »an etwa bei fünften The»! der deste-ente» District«-Üinnehwereii» eingehr» lasen können,
wodurch »ach vollständiger Durchlnbrnn« der neue» Organisation, die zur Vermeidung von Penßonirungeu n r nach und nach In Vollzug zu setzen fein wird, eine Er p:rn ß von mehr al« 20,000 p erzielt »erben kaum Damit den unbemittelten Steuerpflichtigen die Zahlung der Steuer» in zweimonatliche» Rate» nicht allzu schwer wirb, ist »mir veabstcht g«, die Erhebung der E-mmanal- steuern so zu bestimme», daß ße nur auf die Monate fällt, in »eichen die Staatssteuern nicht zu entrichte» find.
Darmstadt, 8. Jan. De« Großher;og« Königliche Hoheit habe» am 6. l. Mi«, zu genehmig » geruht, daß da« Lez,rk«strafgeercht Orten)erg aufgehoben uub vo» 1 März I. I. an mit dem Bezirk«ßrafgeeicht G eße» weretn gt werde. Da« di«po»ibel »erdende Beamhnpersonal wird geeignete weitere Dienststellen erhalten.
Berlin, 5. Jan Englischen Blättern wird au« Pari« geschrieben: „£rrr Leon Soy, der französische Finanzmini-er, führt mit de» Rothschild'« Unterhaus- lunge» für eint Garantie des an Deutschland »och schnlbigen Gelbe«. Er iß ein alter und intimer Hr.'unb der Raihschilb'«, und da« einzige Hinveraiß für ke» Erfolg der Unterhanblengen iß, wie «an sagt, die Frage der Xbrilneg de« Nutzen« unter den ©anquitr«, die sich den Rothschild'« in dieser Tran«aetton anschließen sollen. Die franzöfi'che R gierung hat 810 Millionen Frc«. in frem- Dtn, innerhalb der nächsten 150 Tage fällig »trfcenbri Wechsel in Händen und schuldet Deutichland noch 2100 Millionen Frc«. Die deutsche Regierung rß In Kenntniß gesetzt worden, daß 220 Millionen Frc«. a» 15. Januar unk eine gliche S mme resp. a« 15. Februar, März, April und Mai gezahlt werden würde, so daß »ach dieser letzte» Zahlung nur noch 1000 Millionen Fee«, zu bezahlen sein werden. Diese Summe wirb sofort gezahlt »erde», wenn b c mit ke» Rothschild'« und Eonsorten geführten Unterhandlungen reusfire». liefere« Erachten« ist e« die Frage, ob die deutsche Regierung mit dieser „sofortigen* Zahlung, deren vkrauosetzung immerhin ihre Bereitwilligkeit zur „sofortigen" Räumung de« »och ockupirteu französischen Territorium« wäre, einverstanden rß. So viel hier verlautet, liegt eine derartige Beichleunigung der Abwickelung, die auch für den europäischen Geldmarkt erneute Gefabre» heraufbeschworen würde, keineswegs in ber Absicht der deutschen Reich«regierung.
Berlill, 8. Jan. Die „Prov.-Eorrefp.* bezeichnet al« leitenbe» Grundsatz der Gesetzesvorlage über die Grenze» de« Rechte« zum Gebrauch kirchlicher Straf- und Zuchtmiitel, daß der Staat, welcher de» verschiedene» Kirche»- und Religion« - Gesellschaften Raum zur freien selbstständigen Eatwickelung gewährt, nur in soweit de» Beruf hat, (*<g<n den Mißbrauch der geißl-chin Amtsgewalt einzuschreiten, al« staatliche Einrichtungen, Gr,etze und Rechte Staatsangehöriger ober die Erfüllung der Pflichten Letzterer gegenüber dem Staate gefährdet werbe». Der Staat kann überhaupt nur Strafe» für zulässig erklären, deren Wirkung ßch lediglich auf das kirchliche Gebiet beschränkt. DaS StaatSgefetz hat bas Recht und die Pflicht, jeden Uebergnff über tiefe Grenze zu verbiete». Der Gesetzentwurf verbietet ferner die Anwenvung von Kircheustrafen, wenn die Strafe keßyalb verhängt »ird, weil die betreffcabe Person ivren amtlichen ober ßaat«- bürgerlichen Pflichten oachka», ober vo» ihren» öffentlichen Wahlrechte Gebranch machte, ocer dessen LuSübung unterließ. Der Gesetzentwurf bezweckt endlich die Behinderung einer Form ber Strafmittel, welche, abgesehen von der persönliche» Kränkung de« BetheiligttU, In weitere» atinfr* «la *«rgcrui| Smyfunre» wird. Kein fvO desugt sein, Kiicheustrafe» unter Bezeichnung der Be
troffenen bekannt zu machen. Die Kirchenzncht an sich erleidet feine Einsuße. Ihre äußere Beihäligung wird in Grenzen gewiesen, welche die öffeotUche Ord- nung und den religiöse» Frieden gleichmäßig fördern.
Berlill, 8. J.n. Wen» behauptet worden iß, Gras v. Roon beziehe »1« Miulst.rprafideut und al« Kriegsminister ein Gehalt von je 12,000 Thlr., so beruht diese Angabe aus einem Jrrthame. Al« «luißer vo» Preußen hat er ein Einkommen von rund 12,000 Thlr. im Ganze», nicht da« Doppelte. Er bekommt die angeführte Summe in seiner S genfchast al« Ehrs der M.litärver- waltung, seine Gehaltsquote figurirt also, gerade so, w.e die des Fürste» BiA- marck, auf bem R.ichSetat. Der Reichskanzler ».rb ebenfalls n.cht befouber« bafür honorirt, daß er nebenbei preußische auswärtiger Minister ist. Ferner fei bemerkt, baß eie Würde eines General - Fel,Marschalls nicht Reoenüeu mit sich bringt; es kann nicht bie Rede davon fein, daß, wie angegeben morde», dem Grafen Ros» aus dieser feiner neuesten Qualität ein Eivko amen >an 24,000 Ibalern erwachse» wäre. In Summa bezieht tr fein einfach,» Gehalt al« Kriegsmin^stee. — Ter SiaatSmintster v. Kam ke gelangt zu de« gleiche» Eta- kommen und zwar hat der Reichstag 12,000 Thlr. für ihn zu genehmige». Da« Recht ber Genehmigung schließt das Recht der Verweigerung in sich, und die Verweigerung erfolgt, wen» bas Pa.lamenl sich überz.ugen sollte, e« fei uuzu- luiflg, zwei Kri,gs»i»ister zu hab,». Wa« die finanzielle Stellung unserer Ml- Nister »m Allgemeinen anbetangt, so ist sie, mit 12,000 Thlr. bourl, eine glä». jeibe durchaus nicht zu nenne». Wir wisse», schreibt die „Magveb. Ztg.^, bass ei» Minister, der nebenbei vermöge» hat, also auf sei» Gehalt » cht wesentlich angemiese» ist, vor Kurzem schlagend bemerkte: „3* mußte, wenn ich mH de» 12,000 Thlrn. auszukommen geaöihigl wäre, entweder Schulden machen, wozu ich keine Lust habe, ober ich wäre grnöth gt, auf da« vergangen zu verzichte», meine Räihe und diesen oder jenen Eollegen bisweilen bei mir zn sehen."
— Die Samminngen de« Deutsch,» Hulfsverein« für die Ostseeprovinze» nehme» ihre» Fortgang. Com ttentral Comite zu Straßburg im Elsaß sind bi« j,gt 21.U0J Thlr. eingegangen, außerdem von ber OccupakionSarmer 2675 Xblr. du« Amerika ist al« erste Rate ber Sammlungen u t r den dortige» Deutschen bie Summe von 3000 Thlrn. übersandt vorbei. Der fleDieeiretenbe Vorsitzende te« Veretv«, Abgeordneter Tr. v. Bunsen, hat vor einige» Tagen in Wiegbaden bem Kronprinzen, Pro:ecior de« Huif«,ere>n«, über biff ■ Thätigk.it eine, et»- sehenbc» Belicht abgeßattet. U.beigen« hat fich »ach t.iegraphtsch eingezogene» Anträge» er« b.», daß die Erträge sämmtlicher Sammelstellen i» Deutichland bif^r kaum bie Summe von s/t M.ll.onei Thalern erreiche», währe»b i» Dänemark schon ein höherer Ertrag erzi.lt ist.
Vkllill, 8. Ja», ti? e b.m „Berl. V -C.- von gut »»trrnchteter Seit« mitgelhe.lt »ttb, Hai der Kai er von Oesterreich au« Anlaß der jüngsten Gra- moai'tchen (8nibüJu»t,en ein Schreiben an den Kaiser vjilhelm ger-ch et, »cichc« b ßirat fei» soll, eine Trübung ber guten Beziehungen der (Saeinetie von W-e» bi« Berlin, »re fie in Fol^e z er Eit-üllunge» möglich wäre, zu vermeidr». Der osterr.ichlsche Bot chaster, Gras Earol-t, hat ßch fei»:« Anfi.ag'«, be» öuef persönlich zu »beireiche», bereit# eeiletigL


