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»te8 vierteljährig 1 fl. 12 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 29 kr.
Gießener Anjeiger.
Erscheint täglich, mit AuL* n«hme Sonntag«.
Expedition: Eanzleibera, 8it. B. Nr. 1.
Anzeige- und Mmtsßlatt für den Kreis Aiessen.
Nr. Dienstag dm 7. Octolier is23«
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fl ni t f i cf) e r Theil.
Betreffend: Die Feststellung ,'und Erhaliung der inneren Grenzen.
Gießen, am 3. October 1873.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großhersoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Mit Bezug auf unser Ausschreiben Nr. 9 vom 12. August 1867 fordern wir Sie auf, die Grenzbegehungsprotokolle der Feldqcschworenen baldigst an uns einzusenden. Sre wollen sich hierbei zugleich nach Vernehmung Ihrer resp. Gemeinderäthe und — wo es sich um gemeinschaftliche Gemarkungsqrenz- EnU! < „ — "a(7 ^ene^men mit ben betr. Orts-, bezw. Gemarkungsvorständen über die Wahl desjenigen Geometers I. Klasse äußern, welchem die
Wtederherstellung der fehlenden Grenzsteine zu übertragen sei.
v. Roder.
B e k a n n L m a ch u n g.
Die Ackerbauschule zu Friedberg betreffend.
Der Unterricht in unserer Anstalt beginnt^ in zwei Abtheilungen am 3. November d. I. und umfaßt folgende Gegenstände:
^Lbtheilung. Wöchentliche Stunden: Deutsch 4, Schönschreiben 2, Geographie 2, Geschichte 2, Rechnen 4, Geometrie 2, Zeichnen 2, Gesteinslehre 1, Botanik 2, Physik 2, Chemie 4, Bau der Hausthiere 2, Ackerbau 4, Obst- und Gartenbau 1, Thierzucht 2.
Obere Ab theilung. Wöchentliche Stunden: Deutsch 2, Landwirthschaftliches Rechnen 2, Feldmessen, Rivelliren, Planzeichnen 3, Geometrie 2, ^bysik 2, 4, Zoologie 2, Botanik 2, Thierheilkunde 2, Allgemeiner und specieller Pflanzenbau 3, Obst- und Gartenbau 1, Betriebslehre 3, landw.
Buchführung 1, Wiesenbau 1, landw. Maschinenkunde 1, Thierzucht 3, Volkswirthschafslehre 1, Landwirthschaftsrecht 1.
r, Unterricht wird ertheilt von den Herren: Dr. Heuser (seither Vorstand der Ackerbanschule zu Eppingen, Baden), Rückert, Landwirthschafts-
lehrer und Abtherlungsvorständen, Lehrer an der Musterschule Bitsch, Kreisveterinärarzt 0r. Born, Wiesenbaumeister Greb, Seminarlehrer Dr. Heidt, Reallehrer Dr. Klein, Reallehrer Lang, Seminarlehrer Süß, Seminarlehrer Wahl, Lehrer an der Musterschule Weinel.
, D^r Unterricht wird durch Excursionen, Demonstrationen und mehrere Sammlungen unterstützt. Jeden Abend finden von 7—9 Uhr Wiederholunas- Urbeltsstunden unter Aufsicht eines Lehrers statt. Aufnahmefähig sind junge Leute vom 14. Lebensjahre an, welche die in einer Volksschule erreichbaren Vor- kenntniste besitzen und nut den Practischen Verrichtungen der Landwirthschaft liicht ganz unbekannt sind. Neueintretende werden in die untere Abtheiluna auf- genommeu. Die Schüler des Wintercursus 1872/73 rücken in die obere Abtheilung vor, ebenso diejenigen Neueintretendeu, welche durch ein Heuaniß oder eine abzulegende Prüfung als hlerzu befähigt erscheinen. Das Verhalten der Schüler in- und außer der Schiile wird streng überwacht.
Das Schulgeld beträgt im oberen Cursus 20 fl., im unteren 25 fl. Anmeldungen können bei dem unterzeichneten Curatorium erfolgen und werden wegen der räumlichen Einrichtungen möglichst frühzeitig erbeten. Ausführliche, den Lehrplan enthaltende, Prospecte, sind von den Herren Directoren der landw. Bezirksvereine, sowie von uns erhältlich und sind wir zu jeder weiteren Auskunft, gleichwie zur Vermittelung von Wohnungen gerne erbötiq
Friedberg, im September 1873. Das Curatorium der Ackerbauschule zu Friedberg.
Trapp, Li n deck, Haas, ________________________________ Regierungsrath. Rentamtmann. Kreisassessor.
politischer Theis.
neter Hand der Restauration der Bourbonen widersetzen wollen.
Die Republikaner der verschiedensten Färbung treten unter der Aegide ihrer Parteiführer jetzt zu einer Gemeinsamkeit, nicht des Handelns, sondern ^der Berathung zusammen, sie scheinen noch immer in der Hauptsache ihre zu- (wartende Haltung bewahren zu wollen. Die Republikaner hätten die Gelegenheit gehabt, durch das Bündniß mit den Bonapartisten einen Widerstand zu
Das jetzige Manifest oder der jetzige Brief ist nur erst den Versuchen in der Probe vergleichbar; zur Haupt-Gala-Vorstellung, zur Königs-Proclamation wird noch ein zweites, ein deutlicheres Manifest nothwendig, in welchem die Trico- lore offen flattert und außerdem die Verheißung einer Constitution steht, etwa der Constitution von 1814, welche die ultramontane Majorität der Nationalversammlung noch besonders zu Gunsten des Papstes und der ultramontanen Clique zustutzen könnte. Warum sollte nicht auch der modermfirte Prätendent der Jesuiten von den Regierungskünsten Louis Vonaparte's Gebrauch machen? Wenn Napoleon III. nach seiner Thronbesteigung sagen durfte: „Das Kaiserreich ist der Friede!", so würde es sich entschieden nicht schlechter ausnehmen, wenn Graf Chambord in seinem definitiven Prätendenteu-Manifest die Behauptung aufstellke: „Das Bourbonen Königthum ist der Friede !" Hat doch der „Roy" bereits erklärt: „Das Phantom eines thöricht unternommenen Krieges unter unmöglichen Umständen sei kein Argument, das eine ernste Antwort verdiene."
So mit allen Prätendenten-Requisiten früherer oder späterer Entwickelungs-Phasen dürfte der von der Nationalversammlung alsdann als „Roy" pro- clamirte Graf Chambord mit einer gewissen Hoffnung auf Gastfreundschaft vor seine Franzosen treten. Die große Nation hat es sich ja gefallen lassen, wie der um das Vaterland verdiente Thiers von einer ultramontan monarchistischen Clique gestürzt wurde, die große Nation erträgt noch heute die Regierung der Männer der Ordnung vom 24. Mai, Frankreich braucht Ruhe, Henri V. verspricht dieselbe. Es ist deshalb keineswegs unwahrscheinlich, daß auch die guten Pariser dem Grafen Chambord die Rückkehr auf den Thron seiner Väter gestatten. Es hat auch nicht den Anschein, als ob die Majorität der Nationalversammlung ihre Königsrechnung ohne die Republikaner gemacht hat. Die Republikaner duleeten den Sturz des Herrn Thiers und soviel der allgemeinen Kenntniß zugänglich, werden dieselben die Letzten sein, welche sich mit bewaff-
Graf Chambord.
„Ich bin entweder ein Prinzip, oder ich bin gar Nichts!" Das ist der Grundsatz, nach welchem Chambord ein Vierteljahrhundert lang gehandelt, aus Grund dessen er bei allen Staatsumwälzungen in Frankreich die Verführungen seiner eigenen Partei, seiner Nathgeber, der Jesuiten zurückgewiesen hat. Der in einen politischen Schlaf gebannte legitime König von Frankreich, Henri V., erschien bis jetzt als eine alte feudale Ruine, der man die Achtung, die man dem Alten zollt, wenigstens nicht versagen konnte; weil er selbst jeden Fortschritt in der inneren Entwickelungsgcschichte Frankreichs seit 1789 perhorrescirte, legte man nicht den Maßstab der Gegenwart an seine Person; man sah in ihm den überwundenen Standpunkt, zuckte die Achseln und sagte unter verschiedenen Gefühlen: „Der Prinzipienmensch von Frohsdorf." Jetzt ist es anders geworden, der Einsiedler von Frohsdorf hat sich zu einem Compromiß - Manifest emporgeschwungen, Henri V., zu gleicher Zeit König der Vergangenheit und der Zukrinft, erklärt, daß er keine Partei sei, vielmehr die Unterstützung Aller nöthig habe.
Der König der Priester und der Adligen hat sich nunmehr als ein Prätendent von ganz gewöhnlichem Schlage entpuppt. Seien wir gerecht, die Hauptschuld an dieser Metamorphose fällt nicht auf den Grafen Chambord. Dieselben Leute, welche seinem Großvater Carl X. so lange mit Rath und That beistanden, bis die Juli-Revolution von 1830 reif geworden, dieselben Leute haben den Sohn der Herzogin von Berry erzogen. Die Jesuiten verstanden es immer, als Erziehungsresultat den geknickten eigenen Willen, die verlorene Charakterfestigkeit an ihren Pflegebefohlenen zu erzielen. So ist es gekommen, daß Graf Chambord im Augenblick der Krisis bereit ist, seine starren Prinzipien der Opportunität zu opfern. Es läßt sich nicht leugnen, die Majorität der französischen Nationalversammlung hat das Mögliche gethan, dem „Roy" die Wege bis an den Thron zu bahnen, jetzt bleibt dem Grafen nur noch übrig, in der politischen Arena öffentlich den Salto mortale von der Charakterfestigkeit zur Charakterlosigkeit zu machen; die französische Nationalversammlung wird dann keinen Augenblick mehr zögern, zu decretiren, daß das Bourbonen-Königthum in Frankreich wieder hergestellt ist.
Freilich so ein Salto mortale läßt sich nicht ohne einige Uebung machen.


