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Gießener Anzeiger.

Erscheint täglich, mit Aus­nahme Sonntags.

Expedition: Canzleiberg, Ltt. B. Nr. 1.

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Mnzeige- und Mmtsßlatt für den Areis Hiessen.

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Gießen, am 5. September 1873.

Betreffend: Die Mitwirkung der Forenfen bei der Festsetzung des Gcmeindevoranschlags.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichcn Bürgermeistereien zu Beuern, Burkhardsfelden, Gießen, Grvß-Buseck, Groß-Linden, Grüningen, Heuchelheim, Laug-Göns, Münster, Rieder-Bessingen, ReiskirchenZund Steinbach.

Wir erinnern Sie an die alsbaldige Erledigung unserer Verfügung vom 22. v. Mts.

v. Röder.

politischer Th eit.

Deutschland.

Berlin, 3. September. Daß das täglich dreister auftretende Gebah- ren der Bischöfe dem Gerichtshof keinerlei Schonung erlauben wird, ist leider anzunehmen. Hat doch, wie diePos. Ztg." meldet, der Erzbischof Graf Ledo- chowski den am katholischen Schullehrer-Seminar in Posen als Religionslehrer fungirenden Geistlichen Schröter wegen Unterzeichnung der Loyalitätsadresse schlesischer Katholiken zur Verantwortung gezogen. In dem an ihn gerichteten erzbischöflichen Schreiben wird ihm angekündigt, daß er durch die Unterzeich­nung der Adresse eo ipso der größeren Excommunication verfallen sei, und er wird gefragt, ob und in welcher Weise er das gegebene Aergerniß wieder gut| machen wolle.

Berlin, 3. September. Der Bericht der Reichs-Commission über die Erforschung der Ursachen der Cholera u. s. w. macht an erster Stelle darauf aufmerksam, daß die bisherigen Anschauungen darüber, ob die Cholera durch Ansteckung oder durch Übertragung von Dejectionen, aus letzterem Falle mit­telbar oder unmittelbar, verbreitet werde, noch nicht endgültig entschieden seien. Namentlich haben zwei Fälle während der Arbeit der Commission, wobei die Verbreitung durch Ansteckung festgestellt war, den Beobachtungen eine andere Richtung gegeben und die Commission auf den rein objectiven Standpunkt ge­führt. Man rühmt ganz besonders, daß der Vorsitzende, Professor Pettenkofer, von seinen eigenen persönlichen Anschauungen abstrahirt und erklärt habe, den Eingang weiterer Wahrnehmungen für sein Urtheil abwarten zu wollen. Dar­über ist die Commission einig, daß das hochwichtige Präservativmittel der Desin- fection durchgängig noch nicht richtig angewendet werde und daß ein Haupt­augenmerk darauf zu richten sei, daß künftig in allen Ortschaften mit Bestim­mung gewisser Persönlichkeiten zur Ausführung der Desinfection vorgegangen werde. Man betrachtet diesen Antrag, dessen Ausführung sehr leicht zu ermöglichen ist, als eines der wichtigsten Resultate der Commissions-Arbeiten.

Berlin, 3. September. DieMagd. Ztg." hat von einem Mitgliede der Eisenbahn-Untersuchungs-Commission die Versicherung erhalten, das Publi­kum werde in dem umfänglichen Bericht, der 85 geschriebene Bogen stark ist und zu dessen Lesung die Commission voll 6 Stunden Zeit nöthig hatte, recht wenig Neues und Pikantes finden. Von Enthüllungen über Bestechlichkeit höherer Beamten oder über schlimmere Manipulationen, als Dr. Lasker sie vorgebracht habe, finde sich in dem Berichte nichts vor, wenngleich er consta- tire, daß Lasker in jedem Betracht gut informirt gewesen sei.

Berlin, 5. September. Das General Postamt hat soeben verfügt, daß die österreichischen Viertel-Gulden Seitens der Postanstalt bis auf Weiteres

Katholiken-Vereine in deutscher, französischer und italienischer Sprache fordert die liberalen schweizer Katholiken Namens der altkatholischen Delegirten Ver- sammlung vom 31. August zu zahlreicher Theilnahme an der Constanzer Alt- katholiken-Versammlung auf. Der österreichische Kriegsminister, welcher der Zusammenziehung der eidgenössischen Truppen beiwohnt, wurde heute von dem Bundes-Präsidenten empfangen.

Frankreich.

Paris, 3. September. Die Absendung von Adresien an Mac Mahon, in welchen gegen die Plane der Royalisten protestirt wird, hat bereits begon­nen. Die eiste geht vom Depurirten Michal - Ladichöre aus und ist von 21 Generalräthen der Jsöre gutgeheißen; sie erinnert den Marschall an sein gege­benes Wort und fordert ihn auf, dem Lande die Sicherheit znrückzngeben, welche seine ersten Erklärungen ihm eingeflößt.

Der Minister des Innern hat den Präfecten befohlen, ohne vorherige Anfrage keine Maßregeln gegen die Presse zu ergreifen.

Der Marquis Harcourt, Vetter Mac Mahon's, soll jetzt Botschaf­ter in Wien werden; es heißt, Oesterreich habe Chaudordy als zu clerical verweigert.

Die englischen Pilger, ungefähr 200 an der Zahl, mit dem Herzog von Norfolk an der Spitze, kamen heute Nacht durch Paris und setzten Mor­gens um 7 Uhr ihre Fahrt nach Paray fort.

Paris, 5. September. Tie Regierung hat beschlossen, nach vollstän- 'diger Räumung des französischen Gebiets eine religiöse Dankseier in allen

wieder an Zahlung angenommen werden.

Aus Kurhessen, 3. September. Nach demN. K. Anz." wäre gegen Herrn Rudolf Schlunk in Kassel wegen einer in einem Inserat gegen die Sedanfeier gethanen Aeußerung über das Jahr 1666 bei der Staatsanwalt­schaft Anklage erhoben worden. In Oberkaufungen hat sich bei der Sedan­feier ähnlich wie in Felsberg ein Vorspiel zugetragen. Metropolitan Schantz verweigerte das Läuten der Glocken während des Festzugs. Eine deshalb von Seiten des Festcomites an das König!. Consistorium gerichtete Beschwerde er­wirkte, daß nun doch geläutet wurde. Aus Fulda wird geschrieben: Die beiden widerrechtlich angestellten Priester Helferich und Weber, welche wegen Zuwiderhandelns gegen den § 23 der Maigesetze bezw. § 132 Str.-Ges.-Bchs. in Anklagezustand versetzt worden sind, verweigerten im Ermittelungsverhöre jedwede Auskunft, indem sie gleich ihrem Oberhirten die Zuständigkeit eines weltlichen Gerichtshofes in rein kirchlichen Angelegenheiten verwarfen. Wie verlautet, soll sich ein Bürger in Fulda erboten haben, die Geldstrafe für den Bischof aus eigenen Mitteln zu entrichten, welches Anerbieten aber von Letzte­rem dankend abgelehnt worden wäre.

Fulda, 4. September. Bisclof Kött, welcher von Salzschlirf zurück­gekehrt ist, wurde gestern Abend von einem Schlaganfall betroffen. Sein Zu­stand gilt für bedenklich.

Aus Bayern, 3. September. Unsere bayerischen ultramontanen Blät­ter haben wieder einmal Zeter geschrieen gegen eine Sedanfeier und leider i|r ,

ihr Schreien in manchen Gegenden nicht fruchtlos geblieben. Eine Sprache Kirchen, Tempeln und Synagogen anzuordnen. In Paris soll em feierliches von Deutschen zu hören, wie sie eben aus diesem Anlaß in den jüngsten Tagen Tedeum in der Notre-Dame Kirche stattfiuden, welchem Mac Mahon, die Mini-

die ultramontanen Zeitungsblätter brachten, muß empören und man muß sich schämen, solche Vaterlandsvcrräther zu seinem Volke gezählt zu sehen. Diesen Leuten scheint in der That keine Geschichte aus den Studienjahren im Gedächt- niß geblieben zu sein. Nur Eines wollen wir hervorheben. Der ultramontane Regulator Frankens,das fränkische Volksblatt", erdreistet sich unter Anderem in seinen Erinnerungen an den großen Tag von Sedan nicht nur die Er­schossenen und als Krüppel heimgekehrten Krieger zu einem Todtentanz zu ver­sammeln , sondern es rechnet auch als Folgen von jenen großen Kriegekata- strophen, die uns Macht, Sieg und Einheit gebracht, die schädigenden Elementar­ereignisse dieses Jahres, indem es schreibt:An allen Enden und Ecken des Reichs herrscht Nothstand, die Mißerndte an vielen Orten wird ihn noch vergrößern, das Brod schlägt auf nach der Erndte; dazu noch die Cholera, die Feuers­brünste, Wolkenbrüche, Hagelschlag und hundert andere Calamitäten!" So und in ähnlicher Weise treibens diese Herren bei uns nun schon seit Jahren und immer und immer wieder finden sie in der Dummheit eines Theiles un­serer Bevölkerung Boten, auf dem ihre Aussaat Frucht bringen wird.

München, 5. September. Behufs Durchführung des Reichs-Münz- Gesetzes ist die Einziehung der bayerischen Ein- und Zwei-Guldenstücke ange­ordnet worden. Die Central-Staatskaffe leistet Zahlungen nur in Vereins- Thalern.

Stuttgart, 4. September. Der Kronprinz des Deutschen Reiches traf heute Nachmittag 33/4 Uhr mit dcm Courierzuge hier ein und reiste 41/4 Uhr nach Ulm und Nistissen weiter, wo er bei dem Frhrn. v. Stauffen­berg wohnen wird. Zur Begrüßung hatten sich der Herzog Eugen von Würt­temberg, der Adjutant des Königs, Oberstlieutcnant v. Fränzinger, der preußische Gesandte, der General v. Stülpnagel und die obersten Militärchargen am Bahnhof eiugefunden.

StraHburg, 4. September. Zwei Straßburger Kaufleute und zwei Eisenbahubeamte von Straßburg und resp. Avricourt wurden vorigen Sonntag in Luneville ohne jede Provocation von wüthenden Volksmassen lebensgefährlich bedroht und verfolgt. Einer der Kaufleute wurde am Auge schwer verletzt, nur mit Mühe gelang es französischen Osficieren, die Bedrohten zu retten. Heute wird das neue Theater mit Figaro's Hochzeit eröffnet werden. Das Haus ist bereits ausverkauft.

8chweiz.

Bern, 4. September. Ein Aufruf des Centralcomites der liberalen