„Hotel jum Wiener Hofe" ergehen lassen. Tagesordnung: 1) Berathung über; eine in Bonn am Sonntag nach Ostern anzuberaumcnde Versammlung wegen btt. Btschofswahl; 2) Berathung über eine im Ausland zu veranstaltende Samm- lung von Geldbeiträgen für die allkatholischen Zwecke überhaupt; 3) Berathung wegen Beschaffung der Mittel für zwei Bischöfe in Köln und München.
Leipzig, 4. März. Der Au-schuh des Buchdrucker-Vereins hat au- allen Theilen DrulichlandS Zustimmung- - Elkiärungen mit dem Versprechen erhalten, den VerbandSgehülfen am 8. März kündigen zu wollen; so von sämmtlichen Der« ein-mitgliedern in Magdeburg, Braunschweig, Breslau, Chemnitz, Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg, Heidelberg, Straßburg, Metz und Lahr, aus zahlreichen andern Städten des südwestlichen Deutschlands, aus allen größeren Städten Schleswig-Holstein- und von den drei größten Firmen Kölns, welche zugleich das ganze Rheinland zum Kündigen aufforderten.
Stuttgart, 5. März. Das heutige Bülletin über die Königin »Mutter lautet: Nucvt sehr unruhig; große Athemnoth von Abend bis Morgen.
Straßburg, 4. März. Eine Verordnung des Bezirks.Präsidenten verbietet die in der «tiemtinbe Gereuth im Weilthale anläßlich der dortigen Wundererschei» nungen stattfindenden religiösen Versammlungen im Freien. — Nächsten Mon- tag werden die Arbeiter in den hiesigen größeren Buchdruckereien die Arbeit einstellen.
Schweiz.
Bern. In der Schweiz hat der Aufmarsch der beiden feindlichen Armeen begonnen. Auf der einen Seite stehen die Solothurner Scharfschützen, auf der andern die schwarzen Schaaren. Zunächst haben sämmtliche Schweizerischen Bi. schöfe eine nicht weniger al- 48 Seiten umfassende Zustimmungsadresse an den Bischof Lachat gesandt. Sodann sind die ultramontanen Laien unter der Führung ihre- Obergewaltigen, des Herrn Franz von Tugginer in die Gifechtslinie getreten. Sie haben folgende Forderungen aufgestellt: 1) Es sei der CantonS» rath außerordentlicher Weise ohne Verzug einzuberusen, um von der Regierung über ihren Anschluß an die Beschlüsse der Diöcesanconferenz, über den Bruch de- DiöcesanvertrageS und die AmtSentsetzung des Bischofs EugeniuS Lachat Rechenschaft zu fordern, sodann das Vorgehen der Regierung als einer nach der StaatS- verfassung incompetenten Behörde zu mißbilligen und zu snnulliren und die Frage unter allen Umständen der Volksabstimmung zu unterwerfen. 2) Es sei der Beschluß des CantonSraths vom 27. November 1872 über die Inschutznahme des suspendirten Pfarrers Gschwind ebenfalls der Volksabstimmung zu unterstellen.^ Zn dem diesen Antrag begleitenden Schreiben heißt cs, daß er von wehr als 6000 Unterschriften unterstützt sei; da aber die Sammlung noch nicht geschloffen, habe man nur die Listen aus den Bezirken Solothurn, Dörnach und Thierstein beigelkgt, welche im Ganzen 2156 Unterschriften zählen. Die Listen au- den anderen Bezirken sollen noch folgen. „Sollten Sie," schließt das Schreiben, ziemlich kleinlaut, „Sich nicht veranlaßt finden, sofort eine außerordentliche Versammlung de- CantonSraths einzuberufen, so ersuchen wir Sie, diesen Gegenstand wenigsten- unter die Tractanten btt am 17. März anberaumten CantonsrathS- sitzung aufzunehmen." Da bie Sammlung ber Unterschriften, seit mehreren Wochen im Gange, scheint bie Behauptung, baß schon jetzt über 6000 vorhanden, nicht sehr glaudwürbig zu fein. Bekanntlich sinb 3000 uothwenbig, wenn verfassungS- gemäß bem Znitiativbegehren nachzukommen ist. — Im Canto» Bern ist das Fastenmanbat Lachat's von einet einzigen Kanzel verlesen worben, aber mit echt jesuitischer Umgehung von keinem Geistlichen, sondern von einem Herrn Dotter Medicinae mit Namen Schädler, einem Homöopathen, welchen ber hiesige Pfar- rer Perroulaz statt seiner auf die Kanzel geschickt hatte. Im Canton Solothurn, wo e- trotz bes regierungSräthlichen Verbotes in allen Kirchen verkünbet wurde, haben einige Geistliche baS verbot dadurch zu umgehen gesucht, baß sie es nicht von der Kanzel, fonbern unter der Kanzel verlasen. In bem Canton Thurgau ber hin Placet kennt, geschah es ebenfalls in allen katholischen Gemeinben. Wie es sich bamit im Aargau verhält, vernahm man noch nicht. Rach dem vethal- ten der katholischen Geistlichen des CantonS Bern zu schließen, auf welche ber Einfluß Lachat's nicht so groß ist wie auf bie beS CantonS Solothurn, bürfte, wenn berfelbe auch hier einmal beseitigt sei wirb, bie Versöhnung der Staatsbe- Hörde mit bem niederen CleruS gar nicht so schwer fallen.
Gens, 4. März. Das „Journal be Genöoe" .veröffentlicht ein Schreiben einer Versammlung von 300 nationalen Katholiken an ben Pater Hyacinthe, worin berfelbe eingelaben wird, nach Genf zu kommen, sowie das darauf erfolgte Antwortschreiben Hyacinthe'-, welcher zusagt und eine Reihe von Vorlesungen ankündigt.
Frankreich.
Paris, 1. März. Au- Montpellier wird der „Republique sranyaise" vom 27. Februar telegraphirt:
„Heute Mittag wurde hier in der Kirche Saint-Denis eine Seelenmesse für Napoleon III. gelesen. Auf 6000 Einladungschrciben waren höchstens 60 Personen erschienen. Beim Weggehen wurden dieselben von dem Volke ausgepfiffen und verhöhnt. Einer von ihnen machte Miene, sich mit seinem Stock zu verthei- digen, die Anderen ergriffen durch eine Seitenstraße bie Flucht. Die Ordnung stellte sich bald von selbst wieder her.
Spanien.
ben wird, denn je mehr bie Parteien burch ihre Führer versprechen, desto weniger halten sie. Dieser Satz ist Axiom.
Außerdem geben uns diese Nachrichten den Beweis, wie auch die neue spa. nische Regierung ihr Amt angetreten, um Unwahrheiten zu sagen. Ueberall wa. ren, nach ben Regierungebepeschen, die Carlisten geschlagen, zersprengt, über dir Grenze gejagt, unb gegen biefe Geschlag nen, Zersprengten und Verjagten werde« jetzt diese Maßregeln ergriffen! Don Carlos selbst ist nach einer Mittheilung des „Temps" nach einem kurzen Aufenthalt in Spanien nach Frankreich zurück, gekehrt und verweilte in Bayonne, von wo er, wie einem anderen Blatte vo» 28. v. M. gemeldet wirb, sich anschickte, nach Catalonien abzureisen, um mit seinem Bruder Don Alfonso unb Gevalis bas Nöthige über den Feldzugsplan zu verabreden. Ferner wird, was wohl noch ber Bestätigung bedarf, mitgetheilt, daß bie französische internationale Gesellschaft zur Hilfsleistung für Verwundete ben Carliften ihre Dienste angeboten habe und daß d^s Anerbieten von ben Secretär bes Don Carlos, Herrn Igarraguirre, auch angenommen fei. Daß bereits vor ben Thoren Madrids carlistische Banden erschienen seien, ist wohl eint Uebertreibnng.
Inzwischen dauern trotz des vermittelnden Ausgangs ber Ministerkrisis die Streitigkeiten zwischen ben Rabikalen unb ben alten Republikanern, ben sogenann« ten Intransigentes, fort. Letztere bestehen auf ber sofortigen Auflösung ber Cor. teS und ihrer Ersetzung durch eine constituirende Versammlung, so daß bie Mi. nister sich genöthigt gesehen haben, Derhanblunzen mit ben Radikalen anzuknü. psen, um ihre Zustimmung zu diesen Plänen zu erlangen. Letzteren wird wohl nichts Anderes übrig bleiben, als ihre Zustimmung. Die Spaltung zwischen ben beiden Parteien wird aber burch das rücksichtslose Vorgehen ber Republikaner nur noch erweitert werden. Daß ber norbamerikanische Senat bie Beschlüsse bei Repräsentantenhauses wegen Anerkennung ber Republik genehmigt hat, ist ein schwacher Trostestropfen in bem Sorgenbecher.
Schweden.
Stockholm, 4. März. Der Herzog v. Dalarne (jüngerer Bruber bes Kö. nigS, ged. 1831) ist heute Morgen 9y2 Uhr gestorben. Die Wenbung in ber Krankheit bes Herzogs, welche dessen Tod herdeifuhrte, trat erst heute Nacht ein, nachdem sich ber Herzog noch gestern wohler gefühlt hatte.
Local» Notiz.
Beschlüsse aus ber Sitzung bes Gemeinberaths vom 27. Februar 1873.
Anwesend waren: Der Großh. Bürgermeister Vogt und die GemeinderaihSmitglieder Bücking, Felfing, Gail, Honstein, Heß, Körber, Nagel, Ricker, Silbereisen, Wallenfels unb Wenzel.
1. Ein auf 46 fl. berechneter Kostenvoranschlaz über Errichtung einer Stützmauer am rechtsseitigen WachthauS am Wallthor wurde zur Ausführung beschlossen.
2. Schreiner Hermann Werner hat auf die städtische Bachmauer ein dreistöckiges Gebäude gestellt, ohne zur Baueret die polizeiliche Erlaubniß und wegen Benutzung der Bachmauer die Einwilligung der Stadt zu besitzen. Wegen dieser Eigenmächtigkeit und da nach dem Ausspruch deS städtischen Technikers die verwendete Mauer als Fundamentmauer für das aufgeführte Gebäude nicht ausreichend erscheint, wurde beschlossen, bei Gr. KreiSamt zu beantragen, daß die Niederlegung deS Baues verfügt werden möge.
3. Der Antrag de« Gr. Beigeordneten Felstng wegen Stellung der zu errichtenden @e< baute an der LudwigSstraße um 15' hinter die Straß,nliuie, zum Zwecke der Beschaffung voi Vorgärtchcn rc. wurde dem Bauausschnß zur Begurachtung überwiesen.
4. Dem Gesuche deS BanquierS S. Heichelheim um die Erlaubniß zur Anlage eines gepstasterten UebergangS nach seinem Hause auf »er neuen Anlage wurde unter der Bedingung stattgegeben, daß die Arbeit nach Angabe des Stadtbaumeisters ausgeführt werde.
5. Zwei in der Gewann 26 in der Nähe der Eifenbahudamms gelegene städtische Trieb- viertel sind für das Jahr 1873 den bisherigen Pächtern für den Pacht vom Jahr 1872 deshalb aus der Hand überlassen worden, weil dort eine neue Tintheilung der Viertel geschehen muß und die übrigen Viertel noch bis Ende 1873 verpachtet find.
6. Der Firma L. & A. Petri, welche von der städtischen Wiese vor dem Neuenwegerthor einen Bauplatz käuflich erworben hat, wurde auf Ansuchen gestattet, den vor demselben liegende, Theil deS städtischen EigenthnmS als Lagerplatz zu benutzen, wenn sie als Miethe den verhältniß. müßigen Ertrag deS Jahres 1872 an die Stadtkaffe entrichten.
7. Auf eine von dem köuigl. bayer. Magistrat in Lahr ergangene Einladung zu einer am 2. März d. I. in Gelnhausen stattfindenden Versammlung wegen Erbauung einer Eisenbahn nach Partenstein wurden von Seiten des Gemeinderaths die Herren Gail und Ricker bestimmt, diese zu besuchen.
8. DaS Gesuch von 8. & A. Petri dahier um Erlaubniß zur Benutzung deS Cchoorgraben. fundamentS zur Aufführung einer Mauer an ihrem Garten wurde dem Stadtbaumeister zum Be. richt überwiesen, ob und unter welchen Bedingungen demselben willfahrt werden kann.
9. Eine von Friedrich Graf übergebene Bauzeichnung wurde an den Stadtbaumeister zur gutächtlichen Aeußerung abgegeben.
10. Der Gemeinderath beschloß, daß die zur Pflasterung der Schulstraße oöthigen Steins jetzt zur Lieferung vergeben werden sollen.
11. Als Mitpächter für den Jagdbezirk Hangelstein sollen Melchior Müller I. und Hein, rich Somwerlad von Wieseck angenommen werden, wenn sie wegen dem Bestandgeld für dis noch laufende Pachtzeit einen zahlungsfähigen Bürgen stellen.
12. Der Gehalt des CchleußenwärterS Ludwig Hartmann wurde vom 1. Jan. 1873 <m auf jährlich 100 fl. bestimmt.
Gieße», 5. März. Auf dem gestrigen und heutigen Viehmarkte waren aufgetrieben 1593 Stück Rindvieh und 1089 Schweine.
--Kreutzberg's Menagerie im Oswald fchen Garten übt einen sehr bedeutenden Reiz auf die Besucher aus, so daß es Niemand versäumen sollte, die Gelegenheit unbenutzt vorübergv hen zu lassen, um eine Sammlung von edlen werthvollen Thiereu zu sehen, wie sie wohl selten, ja beinahe nirgends dem Beschauer geboten wird. Außer den schönen Exemplaren spricht anH die schöne Dressur der Thiere, namentlich der Löwen und deS weißen Elephanten ungemein an. Wir halten es für Pflicht, unsere Leser hierauf aufmerksam zu machen,, um einen Blick auf dis Bewohner der Wildniß zu werfen, da die Gelegenheit so günstig sich nicht leicht wieder biete» dürfte.
Madrid. In Spanien concentriren sich bie Sorgen ber Machthaber augenblicklich um ben immer bebrohlicher sich avsbrritenben carlistischen Aufstand. Die Regierung kommt allmählig zu ber Ueberzeugung, baß bie Beenbigung bes Bürgerkrieges wichtiger ist, als alle Verfassungsfragen. Sie hat einen Crebit von 10 Millionen Pefebas (nicht ganz 3 Mill. Thlr.) unb bie Genehmigung zur Organisation eines Corps von 45,000 Mann von ben Cortes g.forbert, um mit ben CarUfit» ein Enbe zu machen. Aber wir glauben, baß grabe ber Mangel an biefen beiben Dingen, Gelb unb Solbaten, ben König Amabeus zum Rück- tritt bestimmte, unb sS sollte uns wusbern, wenn bie Republik mehr von Beiben auftreiben könnte, als baS Königthum. Unb wenn eine anbere Nachricht melbet, baß in einer Versammlung ber Radikalen unb Republikaner ber Vorschlag angenommen ist, ber Regierung 100 Millionen zur Verfügung zu stellen, um 100,000 Freiwillige au-zurüsten, welche bie insurgirten Provinzen besetzen sollen, währcnb bie Truppen bie einzelnen Banben vernichten würben, so ist baS für uns nur ein Beweis mehr, baß es mit ben 10 Millionen unb ben 45,000 Mann nichts wer
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