mit
— Mehrere Communisten und eine der berüchtigtsten Petroleufen wurden
man ihm diese Krankheit nicht glaube, und daß er oft geschlagen werde. Zum Beweise der erlittenen Behandlungen zeigte er ihr Arme und Brust, welche von schwarze,! und blauen Flecken ganz bedeckt gewesen seien. Der dritte Zeuge (Zeugin) giebt an, daß sie mehrere Male im vorigen und heurigen Jahre sah, wie Plattner beim Ausrücken der Mannschaft von, 2 Unterosficieren in die Mitte genommen und links und rechts auf denselben eingehanen wurde. Als mau einmal besonders hart mit ihm verfuhr und ein ihr bekannter Corporal Namens Müller unter den dabei Thätigen war, habe sie gerufen: warum man denn gar so grausam und unmenschlich mit Plattner verfahre, da er doch krank sei. Allein es wurde ihr bedeutet, daß Plattuer sich nur verstelle und es sic- nichts angehe. Zeugin sagt ferner aus, Plattner sei öfter in ihr Haus gekommen, habe über heftige Kopfschmerzen und Mißhandlungen Seitens seiner Vorgesetzten geklagt und habe ihr zum Beweise der erlittenen thätlichen Behandlungen wunde Flecken sehen lassen. — Zwei weitere Zeugen sagen gleichzeitig aus, daß sie ungefähr 14 Tage vor dem Tode des Plattner denselben beim Pferdeschwemmen im sog. Schloßweiher dreimal ins Wasser fallen sahen. Statt ihm zu helfen, mußten die Soldaten auf Befehl der Uuterofficiere denselben immer wieder untertauchen, wobei sie bemerkten, daß es für diesen Hund nicht schade sei, wenn er crepire. Den Zeugen fiel dies Benehmen um so mehr auf, als Plattner allgemein für kränkelnd gehalten wurde. — Der sechste Zeuge sah ungefähr 14 Tage vor dem Tode des Plattner, wie derselbe im sog. Schloßweiher beim Pferdeschwemmen sein Pferd führen mußte, und zwar an die tiefsten Stellen, während die übrige Mannschaft ritt. Als er mitten im Wasser war, kam ihm seine gewöhnliche Ohnmacht, die man öfter an ihm bemerken konnte, und er fiel iiLs Wasser. Nachdem ihn ein paar Soldaten aus dem Wasser zogen, wurde commandirt: „Stoßt ihn wieder in's Wasser, diesen Hund, wenn er auch hin ist!" Dieses Commandowort hörte Zeuge vom anwesenden Premier- Lieutenant Fürthmaier zuerst und dann von allen anwesenden Unterosficieren. — Der siebente Zeuge sah den Soldaten Plattner im vergangenen Sommer, als er eben Stallwache halten mußte, auf der Thürschwelle liegen und hörte dabei ihn jämmerlich über Kopfschmerzen klagen. Da kam Corporal Müller, forderte ihn auf, seinen Pferdezaum zu putzen, und da Plattner sagte, er könne gar nichts leisten, gab ihm Müller mehrere Stöße mit dem Fuße, woraus Plattner zu putzen anfing, aber nicht vollenden konnte und ein Anderer ihm half. Später sah Zeuge den Plattner auf der Düngerstätte liegen, und als in den Stal! geblasen wurde, Plattner aber nicht gehen konnte, kam Corporal Gluth und drohte, mit dem Säbel darein zu schlagen, wenn er nicht aufstehe. Kurze Zeit hernach sah Zeuge den Plattner durch zwei Soldaten abführen, wahrscheinlich in Arrest. Derselbe Zeuge sah auch einige Male die in Folge erhaltener Stöße schwarz und blau unterlaufene Haut des Plattner. — Ein fernerer achter Zeuge (Zeugin) sah neben anderen Mißhandlungen, wie Plattner einmal in Folge seines Gekirnleidens an das Pferd hinfiel und in den Zügeln hängen blieb. Die Stallwächter wollten ihm helfen, aber Corporal Müller schalt dieselben und fragte, warum sie diesen Hund nicht haben hängen lassen, daß ihn der Teufel geholt hätte. — Der neunte Zeuge, welchen Pl'.ttner öfters besuchte, giebt an, daß er ihn gar oft über zu harte Behandlung klagen hörte, und besonders darüber, daß er beim geringsten Vergehen zwei Tage lang bei Master und Brod eingesperrt werde. Einmal habe er ihm seine Arme gezeigt, welche ganz mit Blut schwarz unterlaufen waren, daher kommend, daß er mit beiden Armen an die Reckstange des Turn Apparats gebunden worden sei, wor- nach zwei Soldaten den herabhängendcn Körper hcrumschwingen mußten. Dieser Zeuge vernahm ferner, daß Plattner, angeblich um ihn von Ungeziefer zu
Dte von dem Abg. Lerzer und seinen Zeugen angeführten Thatsachen werden ohne Zweifel übertrieben sein, aber die Nothwcndigkeit einer gerichtlichen Feststellung darüber wird kein Jurist zu läugnen wa^en.
Karlsruhe, 28. November. Die Abgeordneten - Kammer hat nach liebenstündiger Debatte den von der clericalen Minorität eingebrachten Adreß- Entwurs mit 51 gegen 10 Stimmen verworfen und den Adreß- Entwurf der Majorität mit 48 gegen 10 Stimmen angenommen. Der Abstimmung über den letzteren enthielten sich die drei iii der Kammer sitzenden Demokraten.
Schweiz.
Bern, 27. Jftoüember. Der Große Rath von St. Gallen genehmigte 84 gegen 52 Stimmen das Gesetz, welches Ge stliche wegen Störung des confessionellen Friedens mit Geldbuße bis zu 1000 Frcs., eventuell Gefängniß, AmtLernstellung und Amtsentsetzung bestraft.
tigkeit der ultramontanen weltlichen und kirchlichen Aristokratie und fragen höhnisch, ob dieser neueste Erlaß auch mit Zustimmung der erzbischöflichen Cune ergangen sei. Die erwähnte Bosheit geht darauf, daß eine den bekannten Pfarrer Westermayer ab und zur Ruhe weisende Entschließung des Ministeriums als im Einverständniß mit der erzbischöflichen Curie ergangen bezeichnet ^Aicher dieser Angelegenheit niacht sich die clericale Presse und ganz gerechter Weise nicht blos sie mit dem ferneren Schicksal der durch die Lerzer'sche Interpellation bekannt gewordenen Angelegenheit des Soldaten Plattner zu thun. Das „Vaterland" bemerkt ironisch, daß das Kriegsministerium Auftrag gegeben habe, die vom Abg Lerzer in seinem Zeitungs-Artikel aufgeführten Zeugen eidlich vernehmen zu lassen. Auch in nicht clericalen Kreisen ist man der Meinung, daß die beschuloigten Persönlichkeiten nicht umhin können, eine Untersuchung wegen Verleumdung zu beantragen und dadurch im öffentlichen Verfahren vor Civilrichtern sich von den schweren Anschuldigungen zu reinigen welche unwiderlegt nicht blos das Ansehen der Betreffenden, sondern die ganze Armee und ihre Einrichtungen in der Abschätzung der Bevölkerung schädigen
Frankreich.
Paris, 27. November. Die officiösen Journale besprechen das neue Cabinet und tage, dasselbe sei entschlossen, ganz entschieden und mit vollem Ernst dem Votum der Nationalversammlung, durch wel . es die Vollmachten Mac Mahon's verlängert worden sind, durch alle Parteien ohne Unterschied Achtung zu verschaffen. Aus diesem Grunde seien Labouillerie und Ernoul, welche die äußerste Rechte repräfentiren, aus dem Cabinet ausgeschieden. Das jieuc Cabinet würde von allen konservativen Gruppen, mit Ausnahme der äußersten Rechten, welche eine lebhafte Mißstimmung zeige, gut aufgenommen
Paris, 27. November. Das neue Ministerium soll die Absicht haben, seine Politik auf die Vereinigung beider Centren zu stützen. Es würde daher die constitutionellen Gesetze votiren lassen, selbst wenn sie einen republikanischen Charakter tragen. Der Bruch zwischen der Negierung und einem Theile der Rechten ist vollständig.
Die Nachricht einiger Blätter, daß Chambord nach seiner mißglückten Pariser Reise abdanken wolle, ist unbegründet.
Die „Assemblee Nationale" sagt: Gontaut-Biron hat einen Beweis großer Aufoferung abgelegt, da er zugestimmt, als Botschafter nach Berlin zuruckzukehren. Keine politische Persönlichkeit wollte einen so peinlichen Posten übernehmen.. Goulard soll französischer Botschafter in London werden.
Paris, 28. November. Der „Nov" war doch nicht so geduldig, als er that, und seine Vertrauten operirren mit einer Naivetät, die zu den Wundern unseres Jahrhunderts gehören würde, wenn sie nicht zufällig die Frucht über die Gebühr schlauer Berechnungen gewesen wäre. Er hatte sich für die Abstimmung des 19. November parat gehalten und wollte' der Nationalversammlung im kritischen Moment zurufen: „Da bin ich! kommt an mein Va- terherz, meine Kinder!" Aber seine Getreuen waren mit Blindheit geschlagen und stimmten für Mac Mahon, weil sie ihm die Rolle des Johannes des Täufers zutrauten, und nun ist die Regierung in den Händen von Leuten, welche dem Roy ein Bein gestellt und, obschon Monarchisten, doch keine Neigung haben, sich für die vorsündflutlichen Ideen des Principienmenschen zu opfern. Der Charakter der neuen Regierung ist die charakterlose Chicane: „Mac Mahon ist wie er ist", die Jesuitenfrcunde im Cabinet haben sich nicht gehäutet, Magne, nach wie vor Finanzminister, bleibt Bonapartist, das Heft aber haben die Bonapartisten in Händen. Audiffret-Pasquier stand auf dem Sprunge, ein spezielles orlcanistisches Cabinet bilden zu sollen, aber schließlich wurde Broglie mit Mac Mahon des Handels einig, und man trat die auswärtige Politik einem Vertrauensmanne der Clericalen ab, die dadurch wieder enger an das Schicksal der jetzigen Negierung gefesselt wurden. Als Pflaster auf die Wunde des mißlungenen Restaurations - Coups bringt das „Univers" eine neue Neihe von Petitionen, die mit neuer Energie betrieben werden; die Maulwürfe sind wieder überall thätig, besonders im Süden.
reinigen, bei der größten Kälte in einem ungeheizten Saale in einen Behälter voll eiskalten Wassers gelegt. — Der zehnte Zeuge bestätigt ebenfalls den krankhaften Zustand des Plattner, sowie dessen überaus schlechte Behandlung. Der Unterfertigte glaubt, daß diese Zeugenaussagen genügen dürften, um nachzuweisen: 1) daß der an einer schweren Krankheit leidende Soldat Plattner durch Unfähigkeit des Arztes und durch die gröbsten Mißhandlungen seiner dienstlich Vorgesetzten förmlich bis zum Tode gepeinigt wurde, und 2) daß zu diesen Mißhandlungen (siche Zeugenaussage 1 und 6) der Befehl ertheilt wurde. Nach dieser öffentlichen Erklärung sind nach Ansicht des Unterfertigten zwei Fälle denkbar: a. Entweder sind die vorstehend geschilderten Thatsachen unwahr, dann erfordert es die Ehre des Mllitärstandes, den Unterzeichneten als Verbreiter unwahrer tendenziös gehässiger Thatsachen vor Gericht zu stellen und ihm Gelegenheit zu geben, seine Behauptungen öffentlich zu beweisen oder b. die Thatsachen sind wahr, dann hat die tief beleidigte öffentliche Meinung, dann hat das Volk ein Recht, Sühne zu verlangen für Mißhandlungen eines Mannes, der dem Vaterlande seine Dienste weihen mtißte, weil er das ihm Unmögliche nicht leisten konnte, bis zu seinem Ende gepeinigt wurde. München, den 18. November 1873 Lerzer, Landtagsabgeordneter. (B. B-C)
— Aus Veranlassung dieser Erklärung hat das Bayerische Kriegsministerium den Befehl erlassen, die wegen des Todes des Chevauxlegers Johann Plattner gepflogenen Untersuchungsverhandlungen in allen durch den genannten Herrn Abgeordneten in seiner Interpellation und in der erwähnten Erklärung bezeichneten Richtungen durch eidliches Abhören sowohl der bereits vernommenen, als auch der nach dieser Erklärung noch vorhandenen und etwa außerdem ermittelt werdenden Zeugen, sowie durch Vornahme aller sonstigen zur Aufklärung — wicyicit ks,vmmunqien uno eine oer oerucytigeren Petroleusen wurden der Sache dienlichen Erhebungen wieder aufzunehmen und in möglichst er-jim Laufe des Tages verhaftet. In derselben Zeit wurden drei Selbstmorde schöpfender Weise mit jeder thunlichen Beschleunigung durchzusübren. «constatirt, worunter der eines 84jährigen Hauseigenthümerö des plutokratischen
Vtunchen, 28. November 4Je Ministerial - Entschließung, welche Fanbonrg St. Honore. 17 Individuen sind wegen Betheiligung an dem unter dem 20. d. Mts. ergangen ist und den vielberedeten Erlaß vom 8. April Morde Vizentini's eingebracht worden. Man wird sich erinnern, daß die feige 1'?52 außer Wirksamkeit setzt, wird nicht verfehlen, den clericalen tohirm an- Mordthat, die an diesem Polizei-Agenten begangen wurde, das Signal für zufachen, allein man soll dabei immer dessen eingedenk sein, daß die damals toeitercn Gewaltacte der Commune war.
gemachten Zugeständnisse die Herren Oberhirt,en keineswegs befriedigten und Paris, 28. November. Im Pariser Stadttheile der Gobelins ist die die Hauptbedeutung des neuesten Schrittes darin liegt, daß man die allerdings Armuth so groß, daß der Maire des Arrondissements an alle bedeutenden Ge- sehr falsche Politik verwirft, aus welcher 1852 jene Maßregel hcivorging. schäftsleute Schreiben gerichtet hat, um sie nm ihre Unterstützung anzugchen. Mit besonderer Betonung wird in dem neuesten Erlasse hervorgehoben, daß In diesen Arrondiffements soll auf je fünf Einwohner ein Unterstützungsbedürf-
tommanbitte, welche den Plattner in die Mitte nehmen und mit Fäusten links,das königliche Patronatsrecht völlig frei zu üben ist und die Verleihuna des und rechts ans denselben emhauen sollten, was auch wirklich ansgeführt mutte. Tischtitels Seilens der Krone als reine Gnadcnsache erscheint Das baverische Dieser Zenge giebt ferner an, dah Plattner öfter in seine Wohnung kam, sich Staats-Kirchenrecht wird durch den Erlaß in seiner vollen Reinbeit wiederb7r- über seinen leidenden Zustand, sowie über die schlechte Behandlung von Seite gestellt und von den Umnebelungen befreit, welche man sich früher ichwack- seiner Vorgesetzten beklagte und öfter den bloßen Rücken zeigte, welcher in Folge müthig gefallen ließ, obne dafür die gelwffte Gegenleistung Seitens der Xieenr- der erlittenen Behandlung ganz blau angelanfen war. -■ Ein zweiter Zeuge chie zu erhalten. Die Organe der Clerieal - Demokratie betrachten natürlich (Zeugin) giebt an, daß Plattner mehrere Male in deren Wohnung kam, um dieses Vorgehen der Regieruug als eine Frucht der Nachgiebigkeit und Uiitbfc eine Taste Kaffee bat und stets über Gehwnleiden klagte, sowie darüber, daß tigkeit der ultramontanen weltlichen und kirchlichen Arillokratie und bJL


