Einzelbild herunterladen

SrrtS vierteljährig 1 ft 13 fr. « Bringerlohn. Durch bi< bezogen vierteljährig 1 fl. 39 fr.

Gießener

Srschemr täglich, mit Mit­nahme Sonnt rgS.

ti$ötbttißn: Gang leib

Bit B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Messen.

Mr. 177»

Freitag den 1. Angnst

Amtlicher Theis.

187».

BSb&äH&iiMi

Gekannt m a ch u u g, die Reinhaltung der Straßen betreffend.

Bei der jetzigen heißen Witterung ist es mehr wie sonst nöthig, daß die wegen Reinhaltung der Straßen bestehenden Vorschriften Pünktlich befolgt 'mbclL nttÄWÄM - Dienstag, Donnerstag m.b Samstag Nachmittags - vollständig gereinigt werden. Bei trockenem Wetter müssen die Straßen unmittelbar vor dem Kehren mit reinem Wasser begossen ^^rden- Daber müssen

2) Die Straßenrinnen vom Schlamme befreit (ausgekehrt und abgespült) werden, damit faules Wasser mcht stehen bleibt.

3) Die Abtritte, insbesondere die Winkel-Abtritte, müssen öfter als sonst ausgeleert, ein Auslaufen derselben muß vermieden werden.

aus den Hofraithen entfernen zu lassen.

Nichtbrfolgung dieser Vorschriften wird mmachsichtlrch bestraft Polizei-Verwaltung der Proviuzialhauptstadt Gießen.

vaHCpcn, vcii frv. ^51111 1010. Nover.

P 0 silischer Theis.

Oeutfdjlanö.

Darmstadt, 29. Juli. Das Großherzoglichc Regierungsblatt Nr. 34

nicht glauben. Wie steht es mit dem Hasse Bismarck's gegen die Internatio­nale ? Wollte er vielleicht dieser durch die Intervention einen Streich versetzen nnd den übrigen Mächten die Gelegenheit zu gemeinschaftlicher Sichen gegen diese Verderben bringende Gesellschaft gebend

enthält: .

1. Uebersicht der von Großherzoglichem Ministerium des Inner'» für das Jahr 1873 genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedurfnisjen in den Gemeinden des Kreises Büdingen.

2. Uebersicht der von Großherzoglichein Ministerium des Innern für das

Warum Deutschland intervenirt?

Die Intervention Dentschlands zu Gunsten der in Madrid bestehenden gemäßigt-föderativ-republikanischen Regierung so darf man wohl jefct tue Wegnahme des spanischen Jnsurgenten-DampfersVigilante durch das Pan- verschiffFriedrich Karl" nennen ist ein Ereigniß von wetttragender Bedeutung, uicht alleiu für Spanien, sondern in zweiter Linie auch für

Die Furcht selbst der eisengepanzerten Militär-Monarchie Europas vor dieser weitverzweigten, zwar streng überwachten, aber noch uicht genug bekann- ten Gesellschaft ist allerdings eine sehr große und wenn mit der Wegnahme derVigilante" die ganze Intervention beendigt sein sollte, so dürfte die Auf­fassung, daß Furcht vor derInternationalen" der Grund gewesen ist, ihr gut Theil Berechtigung haben, die moralische Erstarkung, welche unter allen Umständen das Gouvernement Salmeron's durch die Intervention erhalten hat, träte dann erst in zweite Linie. Wir glauben aber nicht, daß es mit dem bisher Geschehenen sein Bewenden hat; es braucht ja uicht noch ein Jn- surgenten-Dampfer genommen zu werden, auch brauchen deutsche Soldaten nicht auf spauischem Bodeu ihr Blut zu lassen, es ist nur uöthig, daß von den europäischen Regierungen die Lage der Dinge in Spanien in ernste Erwägung gezogen wird und dafür ist durch die deutsche Intervention so ziemlich alles Nothwendige vorbereitet wordeii.

Die deutsche Politik mag Gründe gehabt haben, die Rebellen von Gottes Gnaden, die Carlisten vorläufig zu schonen. Wenn jedoch von der europäischen Diplomatie die Pacificirung Spaniens in's Auge gefaßt ist, so sind gerade gegen diese gefährlichen Rebellen, gegen die Carlisten, die schärfsten Maßregeln geboten. Das Hauptquartier der carlistischen Banditen steht in engem Zusam­menhänge mit Versailles und Rom. Wenn dem armen gefangen ge^IteiKn heiligen Vater seine Kreise gestört werden, so gebietet schon die Christenpflicht, ui schweigen und zu duldcu; anders steht die Sache in Versailles, denn Mac Mahon ist ja Feldherr bis zur Zehe. Der große Marschall hat nun diesmal die deutsche Intervention nicht mit einer sofortigen Kriegserklärung beantwor­tet aber von Frankreich ist die hohenzollernsche Eandidatur für den spanischen Thion wieder als europäische Frage fälschlich aufls Tapet gebracht worden, em Beweis, daß man auch in Versailles über das kühne Eingreifen der deutschen : Politik nicht wenig betroffen gewesen ist.

Da Nichts davon verlautet, daß der kleine DampferVigilante" zuerst ' aaaressiv vorgegangen sei, da endlich auch nicht von einer Nepressivmaßregel : dieNede sein kann, so har die Wegnahme des spanischen Jnsurgentenschlffes em- ; fach die Bedeutung einer deutschen Intervention in Spanien, die Bedeutung eines wichtigen politischen Ereignisses. Wenn jetzt offiaos gemeldet wird, daß Cavitän Werner ohne Autorisation der Negierung gehandelt hat, so ändert das an dem Factum und seiner Folge Nichts. Wenn auch Capttan Werner in diesem Falle nicht mit demKönig von Graudenz aus eine ^tufe gestellt werden wird, was er gethan, kann nicht ungeschehen gemacht werden.

6 Die enropäischm Mächte haben bis jetzt Bedenken getragen, das repnblr- j kanische Gouvernement in Spanien anzuerkennen; auch nachdem Vie Cortes die s neue Lage der Dinge bestätigt, erfolgte die eventuell versprochene Anerkennung ; nicht, die spanische Negierung erschien den Mächten auf zu schwacheu Fußen zu stehen. Die auswärtigen Regierungen sahen ruhig zu, wie fanatische Par- ' teikämpfe das unglückliche Land zerfle,schien; sie mochten wohl abwarten wollen, - ob die eine oder die andere Partei durch eigene Kraft die Oberhand bekäme. , Die Füße derjenigen Regierung, welche durch Beschluß der Cortes-Majorität als die einzig legitime gelten muß, wurden immer schwächer; sie ordnete sogar Maßregeln au, welche den Natioualstolz der Spanier tief kränken mußte; spa nische Schiffe wurden von Spanien für Piratenschiffe erklärt, und dadurch er­hielten die europäischen Mächte die Berechtigung, die,föderativ-republikanische Regierung zu unterstützen. Es gereicht Deutschland, resp. dem leitenden ^taats- manne Deutschlands zur Ehre, die Ersten auf dem Platze gewesen zu sein, eine durch Volkswillen errichtete Regierung, die durch Rebellen der verschieden sten Färbung bedrängt, einen Ritterdienst geleistet zu haben.

Tie in Frage stehende Intervention mvolvirt für den gegenwärtigen Ches der spanischen Exekutivgewalt, für Herrn Salmeron indirect die Anerkennung Seitens des Deutschen Reiches. Wenn Deutschland auf Grund von Maßregeln, die das föderativ-republikanische Gouvernement in Madrid angeordnet hat, zum Handeln sich entschließt, jo ist damit die Berechtigung der betreffenden Behörde zu solchem Vorgehen und die Behörde selbst anerkannt, ein Umstand, der für die jetzige Negierungsform in Spanien immerhin seine Bedeutung hat. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß demnächst auch andere europäische Groß­mächte, was die Anerkennung der spanischen Republik berrifft, dem Beispiele Deutschlands nachfolgen werden. Daß das PanzerschiffFriedrich Karl" seine Beute nicht nach irgend einem spanischen Hafen, sondern nach Gibraltar ge­bracht hat, spricht dafür, daß Deutschland und England schon vor dem aus­geführten Coup im Einverständniß gewesen sind, daß somit auch von Seiten Englands eine indirecte Anerkennung deö spanischen Gouvernements erfolgt ist. Welche Gründe England zu diesem Schritte bewogen, ändert an der Bedeutung des Faclums für Spanien nicht daö Geringste.

Bei England mögen finanzielle Gründe wohl die Haupttriebseder gewejen sein. Die englische Finanzwelt ist, da die meisten spanischen Anleihen in Lon­don contrahirt sind, der Hauptgläubiger Spaniens- Bei dem Chaos, welches durch die unaufhörlichen Staatsumwälzungen in Spanien hervorgerufen war, schienen die englischen Interessen rechtlich gefährdet, so daß England gewiß nut Freuden die Gelegenheit ergriffen hat, bei einer Intervention zu Gunsten der gesetzlichen Regierung in Spanien, wenn auch erst in zweiter Lime thatlg zu sein. Für Deutschland lag dieser Grund nicht vor; zärtliche Sorgfalt eines 1 unter dem Hause Hohenzollern uud unter Bismarck geeinigten Deutschlands für die spanische Republik läßt sich ebenfalls uicht als Grund annehmen. Soll die Absicht, aus HumanitätSrücksichten den Gräueln der Revolution in Spanien ein Ende zu machen, den Ausschlag gegeben haben? Auch daran mögen wir.