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England.
London, 26. Juli. Der arme Herr Stanley, der am Samstag hier ein- treffen werd, hat von den Anstrengungen der Reese nicht wenig gelitten. Der Pariser (Lorrespondent des Daily Telegraph, der Herrn Stanley's Ankunft in Marsaille erwartet hat, meldet dem genannten Blatte unter Anderem: Das früher blonde Haar Stanley's ist während ter Expedition ganz grau geworden. Er hat aber auch nicht weniger als 23 Mal die Anfälle einer Localkrankheit aushalten muffen. Das Körpergewicht Stanley's betrug, als derselbe Zanzibar verließ, 170 Pfv., siel aber auf 124 und schließlich auf nur 110 Pfund. Heer Stanley ist nicht, wie behauptet wurde, Engländer oder Waliser, sondern Amerikaner.
London, 27. Juli. Nachdem lange und indtrecte Nachrichten von und über Livingstone zu unserer Kenntniß gekommen sind, liegt endlich heute noch einmal ein Blief von des berühmten Reisenden eigener Hand vor. Er ist aus Uvschioschi am Tanganyika vom November 1871 datirt und an Herrn James Gordon Bennett, den inzwischen verstorbenen Herausgeber des „Newyoik Herald" gelichtet, welchem Livingstone in sehr warmen Ausdrücken seinen Dank für die Aussendung des Correspondenten Stanley ausspricht, der den der Unterstützung sehr bedürftigen Reisenden am Tanganyikasee aufgesunden hatte. Livingstone schildert seine damalige drückende Lage und alsdann seine Freude über das Erscheinen Stanley's in bewegten Worten, und spricht von dem Erstaunen, mit welchem er von den großen politischen Veränderungen in Europa, der erfolgreichen Legung des atlantischen Kabels, der Wahl des Präsidenten Grant gehört habe. Seit vier Jahren habe seine einzige Nachrichtqurlle in einigen wenigen Nummern des „Saturday Review" und des „Punch" aus dem Jahre 1868 bestanden. Die an ihn abge- fertigten Sendungen waren von einem Mahomedaner veruntreut worden. Die geographischen Mitthellungen, welche in diesem Briefe enthalten sind, geben nicht viel mehr Aufschlüsse, als die bisher schon bekannt gewordenen Nachrichten. Die Wasserscheide des südlichen Mittelafrika, bemerkt Livingstone u. A., ist über 700 Meilen lang. Die an ihr entspringenden Quellen sind fast zahllos; sie vereinigen sich in vier große Flüsse, welche wiederum zwei mächtige Ströme des großen Nil- thales bilden, welches zwischen 10 und 12° s. Br. beginnt. Der Centralabstuß nach dem Cannibalenlanve Manyema hat vier größere Seen; nahe an dem letzten derselbcn, der 1—3 Meilen breit ist, mußte er umkehren. Es sind zwei westliche Abflüsse; der Lufira oder Bärtle Fren's Fluß mündet im See Kamolondo; der große Lomami fließt in denselben durch den See Lincoln und scheint den westlichen Arar des Nils zu bilden, auf welchem Petherick Handel trieb. 600 Meilen ter Wasserscheide hat der Reifende kennen gelernt; die weitere Strecke von 100 Meilen ist wohl die interessanteste. Von dort ergießen sich vier Quellen, die bald Strome werden, j- zwei nach Norden, Lufira und Lomami, und zwei nach Süden, der Liambai oder obere Zambezi und der Kafue. Diese vier Ströme erinnern Livingstone an die von Herodot mit einigem Zweifel erwähnte Angabe des Schreibers (grammatistes) im Heiligthum der Athene zu Sais. Trotz feines Heimwehs will Livingstone dieses Quellgebiet noch erforschen, ehe er seine Rückkehr antritt. Aber wichtiger noch als die Erforschung der Nilquellen, sagt Livingstone, würde ihm die Erlangung der Gewißheit sein, daß seine Nachrichten über den Menschenraub <n Udschidschi und den ganzen Sklavenhandel nach der Ostküste dazu beitragen würden, diesen Gräueln in Afrika ein Ende zu machen.
Befürchtung des Daltimore'schen Blattes ist also eingetroffen und eine neue Schmach auf die Gerecht'gke'tspfl'ge in den Vereinigten Staaten geworfen worden.
Washington 10. Juli. Daß der zukünftige P äfident der Vereinigten Staaten nicht wieder Grant, sondern Horace Greeley heißen wird, ist nach der gestern eingetroffenrn Kunde, daß die Baltimorer Convention der demokratischen Partei den Nominirttn der Sumne^-Schurz'schen Fraktion ter R<publikaner ebenfalls normirt habe, als beinahe zweifellos anzusehen, tenn die bisherigen Demokraten sind eine sehr starke Minoriät, die bei d»r Wchl von 1868 nur deßhalb keine Rolle spielen konnte, weil Der Süden, wo sie ihre Hauptstalke hat, damals noch unter dem KriegSgesetz stand und dadurch des Wahlrechts faktisch beraubt war, und wenn sie sich mit den Republikanern der neueren Schule auf einen Can- didaten vereinigen, so bildet diese Coalition ganz entschieden die Majorität gegenüber dem Flügel ter republikanischen Partei, welcher turch seine Delegirtcn in Philadelphia sich für eine Wiederwahl des jetzigen Präsidenten ausgesprochen hat. Die Wahl Grceley's wird aber noch gewisser dadurch, daß Greeley auch jetzt von Schurz selbst und seinen engeren F.-eunden wo nicht gutgeh.ißen, doch als Zugabe aufgefaßt wird, die man sich bei ter Thatsache eines vollständigen Beitrilis ter Demokraten zu dem Programm der 1 beraten Reformpartei gefallen lass.n müsse. Ich habe dies aus dem Munde von Leuten, die mit Schurz, der wegen der Convention in Baltimore von St. Louis hieher gekommen war, in vertrauter Beziehung stehen. Vermuthlich wird Greeley nach feiner Wahl den von Schurz in Cincinnati aufgestillten CanbiDaten Charsts Francis Adams nun zu feinem Premierminister machen und ein paar andere Minister aus den Reihen Der bisherigen Demokraten nehmen, welche sich jetzt durch Annahme des Candidaten und DeS ProgrammS Der liberalen Reformpartei ihres alten Namens eigentlich begeben und sich mit der gegen die Altrepublikuner gerichteten Partei Sumner's und Schurz* verschmolzen haben.
Washington, 29. Juli. Die Regierung erhielt osfictclle Nachrichten aus Genf in Betrrff der nortamerikanischen Anlprüche, welche günstig lauten. — Columbia zahlte an die Unionsregierung die rückständige Entschädigungssumme.
Börsenberichte.
Frankfurt a. M., 30. Juli. Die französische Anleihe 10—12fad) überzeichnet! Was werden da die Franzosen wieder den Mund voll nehmen und rufen: „Seht ihrs, ihr Völker? Wir find eben dach die grande nation! Seht ihr, wie man sich um die Ehre reißt, unsere Gläubiger zu sein? Der Eledit Frankreichs ist mit Recht praß, so groß jedock, als eS nach dem Sl'bscriptivnSresultat scheint, ist er denn doch nicht. Bleiben wir bei den Zeichnungen am hiefi-- gen Platz, die über 4 Milliarden betragen, wovon der größte Theil auf das Hans Jacob S. H. Stern enifällt, während die Ze.chnungen bei Rothschild relativ verschwindend klein sein sollen. Nicht der vierte Theil wurde von Solchen gezeichnet, die wirklich ihr Geld in französischen Renten anlegen wollen; alles Andere wurde von Speculanten sudscribirt, die, wenn sie einen Betrag von 1000 FrcS. R.nte erhalten wollen, mindestens 15,000 FrcS. zeichneten, und dies nur, um dann die erhaltenen 1000 FrcS. mit wenn auch noch so kleinem Profit sofort wieder zu verkauf»«. Un> so wie hier war eS auch anderwärts. Die 3 Milliarden Anleihe »st für Herrn Thiers gesickert, das ist allerdings richtig, aber diese sogenannte Ueberzeichnung, dieser „Andrang deS Eapitals", ist Fiktion und wir möchten die langen Gesichter sehen, wenn eS Alfons I. einfallen würde, den ganzen Betrag der Anleihe den Deriischen allein zu überlaffen. Doch mundus vult decipi, ergo! Subscriptionsresultate wurden heute in großen Summen zu 2 Fr. 20 (5(6. gehandelt. Im Uedri- gen war die Börse heute bet guter Laune und bewegte sich wieder einmal mit Behagen im Sonnenschein einer Hausse, welche für Ereditactien von Wien her tmpvrtirt wurde, so daß sie selbe bis zu 351 bezahlte. Staatsbahn und Lombarden freilich mußten im Winkel sitzen bleibe» und konnten an der Avance ihrer Spielgenoffen nicht Tbeil nehmen. Ueberhaupt »rollen oster.
Griechenland.
Im griechischen Archipel hat Die Seeräuberei in letzter Zeit dermaßen überhanD genommen, Daß man sich zwischen die SunDainseln oder in das chinesische Meer versetzt glaubt. Die hellenische Regierung vermag den Unfug nicht zu steuern, tenn sie besitzt kaum ein brauchbares Kriegsschiff und noch weniger brauch, bare Seeleute. Am allerwenigsten aber Den nöthigen guten Willen. Daß Da« Räuberthum auf Dem festen LanDe längst, so zu sagen, zu einer verfassungsmäßigen Einrichtung geworDen ist, Deren Die verschiedenen politischen Parteien nicht entbehren können, weiß in Athen j»des Kind. Nun scheint auch dem Piratenwefen eine ähnliche Entwicklung zugedacht zu sein. So wird nichts übrig bleiben, als daß die europäischen Großmächte, Die sämmtlich Flottenstationen im Orient haben, sich zu einer Razzia gegen Vie Seeräuber zu vereinigen. (Spen. Ztg.)
Amerika.
In Hinsicht auf den gegen den Mörder des berüchtigten James Fisk, den nicht minder berüchtigten Edward Stockes, eingeleiteten Proceß schreibt der Baltimore Wener vom 12. Juli: „Daß es mit der Gerechtigkeitspflege bei und sehr schlecht bestellt ist, wird jeder zugeben, der einen Einblick in das amerikanische Justizwesen gethan, der Die vielfachen Mängel des Geschworenensystems kennen gelernt hat. Täglich werden Mörder und Diebe, thetls durch Avoocatenkniffe. theils durch unwissende oder parteiische Iuries ihrer gerechten Strafe entzogen; je reicher der Verbrecher, desto sicherer entgeht er derselben mit Hülse seines gut bezahlten VertheidigerS. Auch Stockes, Der gegenwärtig in Newyork procefsirte Mörder Fist's, flieht sich alle mögliche Mühe, seinen Hals aus Der ihm drohen- den Schlinge zu ziehen. Auch bei ihm soll der Einwand Der Nothwehr, Der schon so Manchen vom Galgen errettet, Der Helfer sein. Er behauptet nämlich, FiSk sei bewaffnet gewesen und habe früher öfters Todesdrohungen gegen ihn ausgestoßen. Eine frechere Entschuldigung, ein frivolerer Vorwand für einen so kaltblütig auSgesührten MorD wie diesen ist wohl noch niemals gegeben worden. Eine Schmach wäre es, wenn man Den Mörder auf solche erbärmliche Lügen hin dem Arm des Gesetzes entschlüpfen ließe." Nun ist telegraphisch schon die Nachricht gekommen, Daß Die Jury Den Angeklagten freigesprochen hat! Die bedingte
reickische Bahnwerlhe in letzter Zeit nicht mehr recht ziehen. Die guten Ernten in Deutschland und Frankreich haben den ErpvrtauSsickten den Buden genommen und österreichische Bahnactie» führen nun an der Börse ein still beschauliches Leben. Deutsche Bahnen daqegcn finden wi.der mehr Gnade beim Publikum und waren auch beute wieder in Umsatz. Recht belebt war heute der Verkehr in Bankaktien und waren namentlich Darmstädter, ProvinzialdiSconto und Deutsche Vereinsbank gesucht. Oesterreichisch.-deutsche und Effectenbank beliebt. In Prioritäten ging einige- MehrereS zu guten Coursen um und von Staatspapieren behaupteten österreichische Renten ihr« gestern errungene PreiSaufbefferung. Von Gelbsorten Napoleons höher. Gelb für Ultimo 5'/, bis 6 Procent.
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ttörsenoachrichten.
30. Juli 1872.
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„ » 1W7r
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Bayer. 5% „ 1003/r
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Würtemb. 4*/,% Obi. 993/.
Baden 41/$% Obi. o. E. L. 993/.
Oesterr. Silberrente 643/.
„ Papierrente 583/.
Spanier, neuest. 30/0 29
A eilen.
Frankf. Bank 141'/.
Frankf. Vereins-Kasse 141'/.
Dar inst. Bankaot. 485
Wien Bankactien 894
Oest. Creditaot. 352
| Galizien 257
Preuss. 4'/a°/o Oblig. 103 Frankf. 3'/,0/0 Obi. 87'/.
Nass. 4'/,% Obi. 99'/.
Kurheas. 4% „ 933/fl Gr. Heea. 5°/g Obi. 1013/.
Aetien.
5O/o östr. F. St. E. B. 3551/3 Lombard. Bahn 219 '/3 Ludwigah.-Baxbach 200 Maxbahn —
Bayer. Ostbahn 138'/z Rhein-Nahebahn-Act. 455/a Hess. Ludwigsb.-Act. 181 Oberhessen „ 813/.
Prioritäten.
30/0 öster. Stsb.-Prlor. 58>/z 3% öst. s. Lombard 507/e 30/0 Livorneser 39'/6 50/0 Toscaner 62'/8
5% Elisabeth.-Prior. 843/.
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Weehoel»
Amsterdam k. S. 98
Augsburg k. 8. 993/.
Berlin k. 8. 104V8
Bremen k. 8. 175'/.
Brüssel k. 8. 933/a
Hamburg k. 8. 87'/.
Leipzig k. 8. 105
London k. 8. il83/g
Lyon k. 8. —
Paris k. 8. ?23/g
Wien k. 8. 11'5'/,
ditto m. 8. 1053/g
ditto 1. 8. 1053/a
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Geldaorten.
fl. kr.
Pr. Friedrdor 9 57'/,—58«/, Pistolen . . 9 40—42
„ doppelte 9 40—41 HoU. fl. 108t. 9 53-55 Ducaten . . 5 34—36 20 Frankenst. 9 20—21 Engi. Boxer. 11 48—50 Buss. Imper. 9 40—42 Dollar in Gold 2 24'/,—25«/,
Anlehentlooae.
Darmstädter ll.50l.ooso 192 „ n 25 „
Kurh. 40 ThJr. Loose — Nassau 25 fl. 45'/, Braunschweiger 21% 3% Oldenburg, ä 40Thlr. 39 40/g bayr. Präm.-Anl. 112'/, 4% badische Loose 111 Badische fl. 35 Loose 703/r Oestr. fl. 250 v. 1854 843/. 1858r Prioritätsloose 205 1860r Loose 94 1864r „ 157'/,
-
Allgemeiner Anzeiger.
Besondere Bekanntmachungen.
E d i c t a l l a d u n g.
2824) Nachdem Grsszherzogllches Hof- gerlcht der Provinz Oberhessen über das Vermögen des unter Curatel stehenden Heinrich Heidt von Burkhardsfelden den formellen Concurs erkannt, so werden fämmtliche Gläubiger des Heidt zur An- zeige und Begründung ihrer Forderungen
und etwaigen Vorzugsrechten, sowie zur weiteren Beschlußnahme über die Masse auf Mittwoch den 7. August 1872, Vormittags 9 Uhr, bei Meidung des stillschweigenden Ausschlusses von derselben geladen.
Gießen, den 29. Mai 1872.
Großherzogliches Landgericht Gießen. Bötticher, Wiener, Landrichter. Landger.-Assessor.
F r i st a b l a u f.
3576) Zur Fürstlichen Rentei Lich können die Nückstäiide nur noch bis zum 15. August an den Zahltagen Dienstag, Mittwoch und Donnerstag ohne weitere Gerichts kost en, namentlich Pfändungskosten, bezahlt weiden.
Lich, 29 Juli 1872.
Kreutzer. 1
Versteigerungen.
Main - Wescr - Bahn.
3518) Es soll die Anlieferung oon 2100 Stück Bahnschivellen von Eichenholz im Wege öffentlicher Submission verdungen werden.
Die Offerten sind portofrei und versiegelt mit der Aufschrift:


