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Gießener Anzeiger.
Erscheint täglich, mit AuS« nähme Sonntags.
Expedition: Canzleiberg.
Ltt. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kichen.
***• 125t Freitag den 31. Mai "
Bestellungen auf den Gießener Anzeiger
Erpediljo^ °bh°i.,, laff.n, erh-N-, dwscibm str dm M«n», Jmi zu 20 (r.
Amtlicher T h e i l. " ~
Gefundenk Gegenstände:
schule, eine Brille mit Futteral?dret Schlüssel in ttnem R?nge',' zwei'Schlüssel ^nUdn^ mit re-tr'’ ein Paar alte bruune baumwollene Hand-
H°senM'g mit Futter, ein- Schürze von Druckzeug und -in-Schraube mit Mutter Hohlschlüssel, e,n Etu.s zu e.ner Cigarr-nspjtz-, V/2 Ellen Futterz-ug ?Ellen später ru Gunsten d-'r^Armenkasse"Äerde^°erst!§crl w"rden. U"§ J“ mdi>en' »'drigensalls diese Gegenstände auf Verlangen an die Finder zurückgegeben oder
Pretzen, den 31. Mai 1872. m , r „,
__________ Großherzogliche Polizei-Verwaltung der Prooinzialhauptstadt Gießem
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binW sich da» Vertrauen, daß Deutschland zur Lösung derselben' befähigt sei.
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ru weit, als sie auf eine rasche Entscheidung zu hoffen scheint, während wir uns
audersetzung zwischen Staat und Kirche zu sehen.
Die Theilnahme -es Auslandes an Deutschlands Kampf mit dem Ultramontanismus.
in Folge ihres lebhaften Temperaments manche Frage angeregt, aber für keine eine gründliche Lösung gefunden, ja nicht einmal ernstliche An- strengungen gemacht, um eine solche zu finden. Sie haben mit der socialen Frage gegelt, toie Kinder mit dem Feuer spielen, ste haben die politische Freiheit einem mcht humanen, sondern egoistischen, selbstsüchtigen Gleichheitstriebe aufgeopfert, sie haben tn der frrchlichen Frage zwar einen lange als mustergilt'g gepriesenen Vertrag zwischen Kirche und Staat zu Stande gebracht, aber es ist ihnen keineswegs gelungen, den politischen Einfluß der Kirche zu brechen: Frankreich ist der rechte Arm des Ultramontamsmus; die große Frage nach dem Verhältnisse von Kirche und Staat ist durch Frankreich ihrer Losung nicht um einen Schritt näher ge- fuhrt worden; ja es gibt wenige Franzosen, die im Stande wären, die Bedeutung dieser Frage in ihrer ganzen Tiefe auch nur zu erfassen.
Erst seit Deutschland an diese Frage herangetreten ist, hat die Welt die Hoffnung gewonnen, daß sie überhaupt lösbar sei, und mit dieser Hoffnung ver-
Aber eine zugleich feste und freiheitliche Staatsordnung vermochte man auf den französischen Grundlagen nirgends zu gründen; und je wehr sich diese Einsicht verbreitete, um so mehr kühlte sich die Bewunderung der französischen Staats- Weisheit ab; und als man endlich wahrnahm, daß Frankreich sich in Folge seiner Revolu^on nicht m eine Heimath der Freiheit, sondern in einen Kampfplatz, aus dem sich Despotismus und Anarchie mit wechselndem Erfolge ihre Schlachten lieferten, verwandelt hatte, da wurde die Ucberzeugung immer allgemeiner, daß man, um zu sicheren Zustanden zu gelaugen, den französischen Ideen entsagen muffe und daß jede Natron die Antriebe zum Fortschritt aus den Tiefen ihres eigenen VolksthumS zu schöpfen habe.
Damit hatte man denn auch die Fähigkeit wievergewonnen, die Behauptung der Franzosen, daß sie das Volk der civilisatorischen Initiative seien, an der Hand der Geschichte nach allen Seiten unbefangen und gründlich zu prüfen. Und bei dieser Prüfung fand man denn, daß sie der genialen schöpferischen Kraft auf allen Gebieten tn Wirklichkeit entbehrten.
r ®l"b,ltun9 der Franzosen, daß ihnen vor allen anveren Volkern der Beins zugefallen sei, zu den großen Culturaufgaben, von deren glück- lichrr Lotung der Fortschritt der Menschheit beding, ist, den Anstoß zu geben, ihnen em freie« Few zur Gahrung und Klärung zu bieten und sie, nochdtin sie sturmen politischer Kämpfe hervorgegangen, der prineipiill. n, sur olle Volker wustergilttgen Losung zuzuführen. Tausendmal haben sie e« wi der- holt und wiederholen U noch stet«, daß ste das Volk der Initiative seien, »afi pe allein »neigennutz-g sur eene Idee zu kämpfen verständen und daß selbst anoers- wo ausgktauchle Ideen Lebenskraft und Allgemeingiltigkeit erst dann gewännen, wenn Frankreich sich ihrer angenommen, ihnen das französische Gepräge aufge- druckt und daturcy da« Bürgerrecht in ter civilestrte» Welt verschafft hätte.
Die unaufhörlich wiederhol,e Behauptung fand überall Gläubige, und Frankreich galt in der That, wie in der Mode, so auch in allen Zweigen der geistigen für da« Vorbild aller Völker und Staaten. Ot, h,nnrt nrAw m < . , . ' zu einer große« europäischer.!
B-w-gung gegeben daß ,m Verlaufe dieser Bewegung vielfach die Tillmmer inner, lrch abgestorbener Cultorzustande hinweggeschwemmt wurden, ließ sich ja auch in der That nicht b<streiten. Und da mar e« denn ganz natürlich, daß man bei der Neubegrundung der staatlichen und gesellschaftlichen V-rbäliniff- mit Vorliebe die französischen Vorbilder coptrte.
» Uederzeugung von der Fähigkeit Deutschland«, die ihm durch den Gana der Ereignisse zugefalleue Aufgabe durchzuführen, gibt stch nach dem Standpunkt der mehr oder weniger beteiligten Zuschauer in sehr verschiedener Weise kund Ultramontanismus und seiner Bund-«g-n°ssen ergehen sich in Wuthauebruchen, aus denen sehr diutlich die B-sorgniß durchschimmert, daß da« überspannte Kirchenttzum diesmal eine Macht herausgefordert hat, die im Bewußt- ub»l-g-n-n Kraft fest entschlossen ist, dem Angriff des Gegners Stand zu halten, jeden übereilten schritt zu vermeiden, aber auch keinen Schritt zurück zu thun, nichts Unrechtes zu fordern, aber auch all- gerechten Forderungen durch- zuf-tzen, und in Durchführung derselben ein- für allemal die Fragen, an deren dosung Jahrhunderte gearbeitet haben, zum Abschluß zu bringen. Der ^-suiti«. mu« aber will nicht einen Abschluß de- Kampfe«, er will die Fortdauer desselben » ®, t,'e ?“tße 3omf« ist eben die Furcht, daß die Kraft de« deutschen NcicheS ihn zum Frieden zwingen werde. w
In England, Oesterreich und Italien sieht man die Sache natürlich au« -in-m ganz anderen Gesichtspunkte an. Darin allerdings stimmt man ml, den Zesuttenorganen überein, daß man rom deutschen Reiche B-Harrlichke t und An«, dauer >m Kampfe erwaitet. Aber während der JesuitiSwu« tobt und wüthct, verfolgt die öffentliche Meinung in jenen drei Ländern den großen Kampf mit ttner warmen und wohlwollenden Theilnahme, wie sie sonst weist nur durch die Corge für das eigene Wohl und Wehe erweckt wird.
England spielt bei diesem Kampfe die Rolle de« äußerlich unbttheiliaten Zuschauer,. Um so unbefangener ist sein Ur,heil. E« Hot die Ruhe, zu prüft, baf fiVsJVh Echarl- und Einsicht; denn für die großen kirchlichen Fragen hat sich England immer ein feines Verständniß bewahrt. „Daily News" — und da« ist das Uitheil fast aller Blätter - erkennt ganz richtig daß dae Jesuittn m,t 'hr-m Hoffe »erfolgen, weil sie dasselbe als das größte H^nderntß der Politik betrachten, welch- auf die Zerstückelung F,alten« und die Wiederherstellung der geistlichen Macht adzieli. Sie hält es aber für unklug, daß ste eine Macht zum Kampfe herausgefordert haben, welche bisher stets siegreich gewesen ist, und welche sehr leicht zu versöhnen gewesen wäre.
3" ^st-'reich und Italien gibt die Theilnahme sich in lebhafter-n und bewegteren Tonen kund. Denn beide Lander sehen in unserem Feinde auch ihren Femd; beide Lander wissen sehr wohl, daß da« deutsche Reich auch für ihre «ach- kämpft, daß der Ausgang de« in Deutschland entbrannten Kampfe« nicht Wenn uJ?,e uu'wnalk, sondern auch ein- principielle Bedeutung haben wird. Wen, Deutschland nicht stark genug wäre, um einen entscheidenden Sieg zu erringen, wenn es sich mit einer halben Lösung begnügen wüßte, so würde die Curie fcfott mit doppelter Wucht ihre Streiche gegen Oesterreich and Italien
fuhren. Siegt dagegen da« Reich entschieden über die Curie, so wird die Stel- N»k'äi?'ir C" ln Deutschland gegeben werden wird, maßgebend für da« mie ^nl6it1,l’nr Ä'I4e|Ul,u F'aat "u^llükmeinen sein, und jeder Staat, der nicht, tt ifd,besondere« Interesse daran hat, stch der Cur.e au« po- Lü/?hh Beweggründen gefällig zu beweisen, wird die von Deutschland erkämpfte sSiirffi*?Ur erln“ "8tntn Beziehungen zur Kirche machen, natürlich mit b'e Verschiedenheiten, die sich au« dem Bekenntniß. und Bildung«- stände und den Traditionen der einzelnen Länder ergeben.
?.<e. 'h-'<-'°h-"ende Aufmerksamkeit, mit der die großen Culturvölk-r auf hnff", ^b-it schauen, ist also eine wohlbegründete; und ebenso begründe, ist ’r'?' ®,,dri,Ue"' tü& bl- Kraft und Einsicht der deutschen Regierung sich den Schwi-ngk-tten und den Gefahren de« Kampfes gewachsen zeigen wird.
oinoer „w ras -verirau-n, vag Lieutschland zur Lösung derselben befäbia, fei darin m'* 6,m Ultramontanismus liegt immer
Europa'« in di/sem Vertrauen insofern »iei Dingen j gu'einem“ Ü’J*
d" ungeheuren Schwierigkeiten der Aufgabe" zu" klar Gewußt "sind" um in den feste°Will-"v°"n d!nen°v^ bur*ltn un6 die klare Einsicht und der
gegenwärtigen Kämpfen mehr al« eine Vorbereitung zu der -ndgiltig-n Aus-in" ' ° des deutschen Reiche« geltütt wird.


