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ttrscheint täglich, mit Aus­nahme Sonntags.

Expedition: Canzletberg, Zit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kießen.

Mr. 301.

Blontag den 30. Deccmbcr

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Die Redaction.

Politischer L h e i l.

Berlin - Wetzlar.

Für den Bau dieser Eisenbahn hat die preußische Regierung von den Kammern 50,750,000 Thlr. gefordert, und zur Motlvirung der Forderung bemerkt sie in dem 120 Millionen-Anleihe-Gesetzentwurf Folgendes:

Die Eisenbahnlinien, welche sich in Händen des preußischen Staats befinden, zerfüllen ihrer geographischen L^ge nach in zwei Complexe. Der eine -.mfaßt Im Osten der Monarchie, vvn Berlin ausgehend, die Ostbahn und die Nieder- schlestsä'-Märkrsche Bahn, der andere besteh; aus den Hannoverschen Bahnen, der Westfälischen, de? Saarbrücken-Trierer, der Nassauischen, der Main-Weser und der Bebra-Hanauer Bahn. Außerdem befinden sich, w nn auch nicht im Eigenthum des Staats, so doch unter der Verwaltung desselben, die Oberschlesische, die Bergisch-Märkische und die Rhein-Nahe-Bahn, Vie erstere an den östlichen StaatS- bahn-Eomplex sich anschließend, die beiden letzteren inmitten der westlichen Staats- bahnen gelegen. Zwischen beiden Compltxcn ist eine große Lücke; die Entfernungen von Berlin nach den nächstgelegenen Staats ahnstalionen der Hauptrouten nach oem Westen Peine und Bebra betragen 36,9 resp. 49,6 Meilen. ' Eine Folge dieser Trennung ist, daß beide Komplexe nicht als ein einheitliches Netz verwalt^ werden können, und daß der Staat auf die Transporte der Hauptrouten zwilchen dem Osten und dem Westen unb Südwesten nicht denjenigen nützlichen Einfluß «usübt, welchen er ausüben würde, wenn zwischen beiden Complexen die erforder­lichen Verbindungen hergestellt wären. Diese Verbinvung wird für die südwestliche Richtung durch den Bau der directen Bahn Berlin-Wetzlar geschaffen. Nach chrrr Herstellung besteht in der Hauptlängenrichrung des Landes eine ununterbrochene Staatsbahnlinie von Eydtkuhnen über Berlin, Zerbst, Ejchwege und von dort einerseits über Bebra, Fulda nsch Frankfurt, Wiesbaden und weiter über die unter Staatsverwaltung stehende Rhein-Nohebahn und der Saarbrücker Staatsbahn zur Reichsgrenze in ter Richtung auf M»tz, andererseits über Treysa, Fronhausen und Wetzlar nach Oberlahnstein und weiter über Die subl. b in Vorschlag gebrachte Moselbahn nach Trier und darüber h-vauS zum Anschluß an die Elsaß-Lothringischen Reichsbahnen bei Sierk. Die Gesammtlänge der Lini- Eydckuhnen-S-erk beträgt 204 Meilen. Zwischen allen jenen Punkten können kürzere und günstigere Routen nicht wohl hergestellk werden; Dirn Staat würde somit auf die Verkehre dieser Routen für alle Zeiten ein dominirenver Einfluß gesichert sein.

Das große Gewicht, welches schon allein auf Dieses Umstand zu legen ist, sollte den Staat w Herstellung der Linie Berlin-Wctzlar bestimmen. Es komm; aber noch hinzu, daß durch die neue Bahn eine der wichtigsten Heerstraßen nach dem Elsaß und in Verbindung mit der Moselbahn auch nach Lothringen geschaffen wird, und daß von ihrer Ausführung die weitere Verzinsung der in der Bebra- Hanauer und der Marn-Weserbahn angelegten Eapitalün abhängig ist.

Auch die Rentabilität einer directen Bahn Berlin-Wetzlar w'.rd voraussichtlich eine gute sein. Allerdings sind für d e Vermittelung des Verkehrs zwischen Berlin LNd dem Südwesten Deutschlands bereits zwei Routen vorhanden, von Denen die eine über H' lle, Eisenach, B.bra und Hanau nach Frankfurt, Die andere über Magdeburg, Kreiensen, Kcffck und Gießen gleichfalls nach Frankfurt und über Wetzlar zum Rhein in der Richtung aus Coickrnz führt. Beide Routen haben aber in ihren Haupttheilen einen so bedeutenden Verkehr, daß sehr wohl noch eine Dritte Route an Demselben participiren kann. Außerdem schließt die neue Linie Gebiete auf, welche ein reges industrielles Leben entwickeln, zum Tbeil dicht bevölkert sind und sich durch ihre landwirthschaftliche Cultur tn hor-em Maße «uSzeichncn. Dies gilt insbesondere von ven Gebieten, welche von d.r Elbe westwärts bis zur Main-Weserbahn durchschnitten werden. Für das vormals kurfürstlich hessische Gebiet ist die Bahn insofern noch von besondere'' Bedeutung, culs sie für die reichen Braunkohlenlager, den Basalt, den Sandstein und die aus- giedehnten Forsten des Meißner ein weite- Absatzgebiet gewähren und aus solche

Welse der bisher ein verhältnißmäßig kümmerliches Dasein fristenden Industrie dieser Gegend zu größerer Blüthe verhelfen wird.

Soweit sich nach Lage der Vorarbeiten zur Zeit übersehen läßt, wird die Bahn am zweckmäßigsten von Berlin über Brück, Belzig, Zerbst und weiter unter Ueberschreitung der Elbe vermittelst fester Brücke bei Barby nach Calbe geführt werdm. Von diesem Orte aus kommen zwei Linien in Frage, von denen sie eine über SanverSleben und Mansfeld nach Sangerhausen geht, hier die Halle-Kasseler Bahn schneidet, sich ein bis zwei Meilen südlich und ungefähr parallel der letzteren Bahn über Heringen bis zur Station Wolkramsh ausen der Nordhausen-Erfurter Bahn erstreckt und von dort aus Dingelstedt führt. Die andere Linie geht von Calbe über Staßfurt, Aschersleben, Ermöleben, im Seikeihal aufwärts über Alexisbad nach dem Harzplateau bei Stolberg, berührt Nordhausen und trifft bei Dingelstedt mit d.r Linie über Sangerhausen zusammen. Die letztbeschriebene Linie hat vor Der ersteren den nicht gering anzuschlagcnden Vorzug, drß sie Staßfurt mit seinen reichen Salzlagern, das gewerbreiche Selkcthal und die industrielle Stadt Nordhausen berührt, und von den vorhandene» Schienenwegen entfernt bleibend, einer Reihe neuer Gebiete, welche bisher den Vortheil einer Eisenbahn- Verbindung haben entbehren müssen, aufschließt. Hierzu kommt, daß der Staat, welcher von der Magdeburg-Leipziger Eisenbahn Gesellschaft den Betrieb aus der Strecke Nordhauscn-Nuxei vertragsmäßig übernommen Hot, durch den Bau Der Linie über Staßfurt-Nordhausen in Verbindung mit den Bahnen Godelheim-Nord- heim und Welwer-Dortmund in den Besitz einer selbstständigen Route bis in das Ruhr-Revier von nur etwa 4 Mecken Mehriänge gegen die bestehe-ndc Veibinduug über Kreiensen gelangt.

Die Länge der Strecke Calbe-Sangerhausen-Wolkramshausen, welche die Vorarbeiten vorliegen, beträgt 14,7 Meilen, die Linie über Staßfurt-Aschersleben wird ketnenfalls länger, sondern eher etwas kürzer. Hiernach scheint es sich, da a <ch die Kosten beider Strecken nicht erhebllch von einander abweichen werden, zu empfehlen, der Linie über Staßfurt-Aschersleben.Norbhausen den Vorzug zu geben, sofern nicht wider Erwarten die angeordneten weiteren örtlichen Untersuchungen noch zu erbeblich^n Bedenken gegen dieselbe führen. Von Dingelstedt aus nimmt die Linie Demnächst ihre Richtung über Eschwegc auf Oberhone, woselbst Die Bebra- Fnedländer Bahn gekreuzt wird, erstreckt sich alsoann südlich om Meißner entlang über Spangcuberg, Homberg nach Treysa, Station Der Maln-Weser-Bahn, benutzt letztere Bahn bis Kirchhain (3,8 Meilen) und geht von hier, den Umweg, welche» die Main-Weser^Bahn zwischen Kirchhain und Fronhausen macht, vermeidend, über Diesen Ort nach Wetzlar.

Die Baulänge Der ganzen Bahn beträgt bei Führung über Sangerhausen 60,5 Meilen, bei Wahl der Linre Calbe-AscherSleben wahrscheinlich etwas weniger. La die mitzvbenutzende Zweigbahn Eschwege-Ober- resp. Niederhone Der Bebra-- Friedländer Bahn und die Strecke Der Main-Weser-Bahn Treysa-Kirchhain zu- sammen eine Länge von 4,3 Meilen haben, so beträgt hiernach Die Entfernung zwischen Berlin und Wetzlar aus der neuen Route 64,8 Meilen, gegenüber 70,1 Meilen auf Der kürzesten vorhandenen Rout^ über Halle, Nordhauscn, Münden und Kassel. DiL kürzeste der bestehenden Verbindungen nach Frankfurt a. M. über Hasie, Eisensch, Fulda (70,96 Meilen) wird durch die neue Linie Calbe-Eschwege- Fulda um Eine Meile abgekürzt, während Die Linie Calbe-Eschwege'Treysa- Frankfurt der Route über Halle, Eisenach und Fulda an Länge gleichkommt. Endlich ist, woraus noch besonders aufmerksam gemacht wird, Der Weg von Berlin über die neue Route und die Deutz-Gießener Bahn nach Köln um nur etwas über 6 Meilen länger, als die j tzige kürzeste Verbindung über die Berlin-Lehrter, Die hannoversche und die Köln-Mindener Bahn, und würde somit Der Staat, wenn er es früher oder später seinen Interessen für entsprechend erachten sollte, in Ausübung des nach § 16 des Vertrags vom 22. Juni 1854 (Gesetz-Samml. S- 237 ff.) ihm zustehenden Rechtes die Deutz-Gießener Bahn gegen Erstattung