Einzelbild herunterladen

CH. Alfieri, Senator des Königreichs Italien.

Kaum jemals ist der Graf Chambord mit mehr

Paris, 25. Oktober.

England

ungemein albernen und zeitgemäßen Offenen Briefes, den ervon der Höhe seiner persönlichen Jnfallibilität" erlassen hat. Der Prätendent, der keine Ahnung von Der Lage hat, tn der Frankreich sich befindet,lebt in einer mystischen Atmosphäre, hat aus seinem Principe eine Religion gemacht, deren Gegenstand und Pontifex zugleich er ist, und aus diesen übernatürlichen Regionen kommt er nicht heraus, er hat keine Fenster nach der Außenwelt." Jndeß der edle Graf hat eine wirk­liche Mission; wie Don Quixote die hatte, das fahrende Rttterthum lächerlich zu machen, so er, der Welt zu zeigen, wie ganz unmöglich die alte Monarchie von Gottes Gnaden geworden, welche mit dem Papst-König die Welt umzukehren und »hr Jahrhundert in die Schranken laden zu können wähnt. Wenn Thiers noch fähig ist, etwas zu lernen, so wird er sich an der tragikomische Rolle diese- Heinrich'- V. ein Exempel nehmen, wohin die Solidarität mit Jesuiten und Jesuitengenoffen im 19. Jahrhundert führt.

®Ü,6efflHintfienl28 Oct. In der gestern im Saale des Museums eröffneten Deleairten-Le^ammlung der bayerischen Al.ka.haliken waren 121 Mitglied-- gegen. Den Antrag auf Beantworiung der D-nkschn t der deutschen be­antwortete Prof. Friedrich dahin, datz dies durch die Kölner theologisch- Com- misflon bereite geschehen fei. Die Veröffentlichung dieser Antwort wuide vem. nächst erfolgen. Hieraus wurde der Statuten - Entwurf für den bayerischen Landesverein durchbcrathen und kamen mehrfach« Modifikationen, >ed°ch nicht yrineiyieller Natur, zur Annahme. Die Verhandlungen wurde» hieraus ge-

Reaensbur 26. Ott. Di, aus da« Recht der StandeSherren gegründete Beschwerde des JesuiteupaterS Grafen Fugger gegen dessen Ausweisung wurde gestern durch Entschließung der Kreiöregierung abgewiesen.

Oesterreich.

Di!7?iri,dUck »ollenden zu können, damit da« neu erstandene Reich in allen Paris, 25. Oktober. Kaum jemals ist der Graf Chambord mit mehr ?d-ilen der Segnungen theilhastig werd,, welche ein glückliches Gemeinwesen seinen Hohn heimgeschickt worden, als »°m Journal des Debats wegen de« allerdings ^.ykuen ver B B M nlh^rnen und reiiaemäben Offenen Briefes, den er »von der Hohe seiner

Wien, 25. Oct. Die heutige .Wiener Ztg." bringt ein kaiserliches De- tret, wonach sämmtliche Landtage auf den 5. November einberufen werden. .

Praa, 23. Oct. Palacky publicirt einNachwort zu seinemNadhost (eine Sammlung vermischter historischer Arbeiten) als einAbschiedswort an seine Nation", welches unter anderen folgende Stellen enthalt:

Gleich beim Eintreten in die politische Laufbahn 1848 verfiel ich in einen schweren Jrrthum; ich baute auf die Verständigkeit und RechtSliebe der deutschen Nation. Mein bekanntes Wort: Wenn Oesterreich nicht wäre, wir mutzten uns beeilen, es zu schaffen, ist unter der Voraussetzung und im unzweifelhaften Ver- trauen gesprochen, daß in der Genossenschaft dieser befreiten Nationen Gerechftg- feit herrschen werde. Damals kam es mir nicht in den Sinn, daß die Deutschen das czechische Recht mit Füßen treten und das Staatsgebäude auf Luge und Un­sinn errichten werden. Jetzt leider lasse ich die Hoffnung auf den dauernden Be­stand Oesterreichs fahren, nicht weil es etwa nicht wünschenswerth oder unmöglich wäre, sondern weil es der Herrschaft der Deutschen und Magyaren anheimgegeben ist. Um meine Nation sürchte ich mich darum nicht sehr; wenngleich nach dem Untergänge Oesterreichs ihr eine Feuer- und Eisenprobe bevorsteht, hat sie doch einen zu guten Kern, um nicht wieder aufzuerstehen, sei eS unter welchen Um- ständen immer. Der jüdische Stamm herrscht jetzt in Deutschland. Die Deut­schen lassen sich führen von einer verkommenen Journalistik, sündhaften Leuten, ohne Gewissen und ohne Schamgefühl, welche nicht nach Recht und Wahrheit, sondern nach augenblicklichem Boriheil streben. Rach Shylock, ihrem $rotott>l>, ailt bei ihnen nichts als die Legalität; was in der sittlichen Welt über ihr steht: Großsinn und Ritterlichkeit, das kennen sie nicht. Von den Magyaren sagt der Schwanengesang Palacky's: Ich bürge dafür, daß beim zweiten Jahrtausend

Beffebens Maavaren sie keinen Nachkommen übrig gelassen haben werden, Prag, 24. Oct. Rieger'sPokrok" erklärt, Palacky's Nachwort sei wahr' haft monumental: jeder denkende, gebildete Sohn der Nation, insbesondere die intelligente Jugend, müsse es in den tiefsten Herzensgrund versenken. So spreche nicht nur die Wahrheit, sondern auch die Ehre des Vaterlandes. Palacky's Wort sei das Wort eines aufrichtigen Mannes, nicht eines Diplomaten; aber der czechtschen Nation habe er zu Recht gesprochen. DerTagesbote" bemerkt vorläufig, daß sich der greisenhafte geistige Rückschritt darin kundgebe. Palacky sei auf einem Standpunkte angelangt, wo seine Ergießungen nicht einmal mehr die Widerlegung herausfordern, sondern sich ohne Commentar selbst richten.

Prag, 25. Oktober. DieBohemia" schreibt über Palacky's politisches Testament:Die deutsche Nation kann gelassen hinnehmen, was Palacky über sie schreibt, aber die Deutschen, die in Böhmen ihre Heimath haben, kann es nicht gleichgültig lassen, wenn der Same des Haffes wider bas Deutschthum von solche Hand gestreut wird. Eine Katastrophe, welche auf diese Weise herbeigezogen werden soll, würde bm Urheber am ersten und schwersten treffen."

In Galizien wüthet die Cholera, welche in Folge der jüdischen Feiertage durch Verschleppung die größten Dimensionen angenommen hat. Die Juden strömten in diesen Tagen in die Städte zusammen, um ihre religiösen Ceremo- nien zu verrichten. Das gebotene Fasten und die darauf unvermeidlich folgenden Diätsehler hatten die Dispositionen zur Erkrankung wesentlich gesteigert, so daß nun in den größeren Orten, zumal in Lemberg, die verderbliche Seuche furcht­bar aufräumt.

Schweiz.

Aus der Schweiz. In Schwyz ist am Freitag der Prozeß gegen den polnischen Studenten Sigismund Glattstem, der sich und seine Geliebte, die Ame­rikanerin Miß Huse, auf der Straße bet Gersau zu erschießen suchte, beendigt worden. Das Gericht sand den Angeklagten schuldig des Versuchs der Tödtung unter mildernden Umständen und verurtheilte ihn zu 10 Jahren Landesverweisung, Tragung der Kosten; ferner ist ihm die ausgestandene Haft als Strafe ange- rechnet.

Frankreich.

Paris, 24. October. Dem Präsidenten der Gesellschaft zur Unterstützung der Elsaß-Lothringer, Grasen d'Haussonville ist folgendes, mit 500 Fr. beschwertes Schreiben aus Italien zugegangen:

12. Oktober 1872.

Herr Graf! Ein Italiener, der sich bewußt ist, die Unabhängigkeit und Freiheit seines Vaterlandes nur dem brüderlichen Beistände Frankreichs zu ver- danken, kann nicht ohne tiefen Schmerz die Lostrennung französischer Provinzen und ihre gewaltsame Unterwerfung unter die Fremdherrschaft mit ansehen. Kein aufrichtiger Patriot darf seine Sympathie und Bewunderung den edlen An­strengungen versagen, welche die angesehensten Bürger, unter denen ich mehr als einen Freund zu zählen die Ehre habe, machen, um ihrem Vaterlande durch Gründung einer konservativen Republik Ordnung, Credit und Freiheit wiederzugeben. Als Christ und freisinniger Mann hasse ich die Politik der Willkür, der Ver- schlagenheit und Gewaltthätigkeit, welcher Elsaß-Lothringen heute zum Opfer fällt.

London. Die Absendung Sir Bärtle Freve's nach Zanzibar hat die Auf- merksamkett wieder allgemein auf den an der afrikanischen Oftküste betriebenen Sklavenhandel gelenkt. In wie entsetzlich unmenschlicher Weise derselbe betrieben wirb, kann man am besten aus folgendem Berichte sehen. Vor einiger Zeit gelang <6 den Booten des englischen Kriegsschiffes Vulture, in der Nähe von Ras-el-bad im persischen Meerbusen ein Sklavenschiff wegzunehmen. Auf dem- elben befanden sich, Mannschaft und Sklavenhändler zusammen, 36 bis an die Zähne bewaffnete Leute. In dem Ladungsraume, aus dem ein pestartiger Gestank hervordrang, erblickten die englischen Matrosen eine Anzahl von Kindern, deren von Seropheln und Blattern eiternde Gesichter wider Willen den tiefsten Ekel einstößten, vermischt mit abgemag-rten männlichen und weiblichen Ge­stalten. Etwas Elenderes und Unwürdigeres Haven civilisirte Menschen wohl

nie gesehen. So schwach waren viele von den Sklaven, daß sie kaum einen

Schritt thun konnten und von der Mannschaft getragen werden mußten. Der

Schiffsarzt untersuchte die Elenden, und es ergab sich, daß 35 von ihnen mehr oder mtnder erheblich an den Pocken erkrankt waren. So krank uno schwach waren sie, vaß trotz der besseren Pflege, die thnen nunmehr zu Theil wurde, bevor sie nach Bombay kamen, 15 starben, und seitdem find noch mehrere dahingegangen. Im Ganzen wurden 169 Sklaven den Händlern entrissen. Doch noch ist va- Furchtbarste nicht bekannt. Sobald die Pockenkrankheit auf dem Sklavenschiffe aufgetreien war, wurden alle Angesteckten über Bord geworfen und dieses Der- fahren täglich wiederholt, bis 40 auf diese Weise umgekommen waren. Als Die Unmenschen aber einsahen, daß der Krankheit nicht Halt geboten werden konnte, überließen sie die Erkrankten einfach ihrem Schicksale. Unter den befreiten befinden sich Kinder, die oft nicht über drei Jahre alt sind, deren Rücken aber mchtsvesto- weniger von Peitschenhieben buchstäblich zerfleischt ist. Es ist zu hoffen, daß der- yitm^Yu wiuimiykivn vuiv uury m Afrika unmogllky fctu wrrvru, wir sie es in America, Dank dem Eifer und dem Muthe der nordischen Staaten, unmöglich geworden sind. Ein energisches Vorschreiten nur einer civilisirten Macht muß dem Treiben ein Ende machen, und wenn die Könige der Barbaren durchaus nicht wollen, so ist da einmal eine Ursache und ein Feld, aus dem Keiner das Donnern Der Kanonen verurtheilen wird.

Rußland.

Warschau, 21. Oktober. DerGolos" und die gleichgesinnten russischen Blätter fordern die Regierung auf, ihre Kräfte zu verdoppeln, um die mit so gutem Erfolg ins Werk gesetzte Russificirung Der ehemals polnischen Provinzen zur Durchführung zu bringen. Sie bezeichnen die Russificirung dieser Provinzen als das einzige und wirksamste Mittel, um die polnische Revolution unmöglich zu machen.

Aus Bern wird gemeldet, daß die russische Regierung Die Auslieferung des Mörders Netsamjew bet der schweizer Bundesregierung in Erinnerung bringen wird. Der BundeSrath hat anerkannt, daß ein Mörder auszuliefern sei. RussischerseitS scheint man geneigt zu sein, um den Gefühlen Rechnung zu tragen, in denen die Schweiz sich den Charakter einer politischen Freistatt bewahrt, von Netschajew'S politischen Verbrechen ganz abzusehen und ihn lediglich wegen Mordes vor Die Gerichte zu bringen. Eine bezügliche Erklärung wird nicht vorentyalten, ab^r auf Grund derselben die Auslieferung wiederholt als ein Act der Gerechtigkett in Erinnerung gebracht werden.

Warschau, 23. Oktober. Einem amtlichen Nachweise zufolge wurden iw Jahre 1870 in ganz Rußland 1113 Personen wegen Abfalls vom orthodoxen Glauben zur gerichtlichen Untersuchung gezogen; doch wurden davon nur 132 verurtheilt, die übrigen 931 freigesprochen.

Türkei.

Ueber Die Vorgeschichte des türkischen Ministerwechsels bringt die Allg. Ztg. einen Brief aus Pera. Danach hatte sich Midhad Pascha die Ungnade des Sultans durch Folgendes zugezogen:Abdul Aziz verlangte vom Großvezir 50,000 Lire (300,000 Thaler); Midhad Pascha aber verweigerte es, dieses Geld anzuschaffen. In der That hat eine Revision der Rechnung ergeben, baß der Sultan bei der Staatskasse um 16 Monate mit feiner Civilliste im Vorschuß ist, während dessen die Beamten meist um fast eben so viel im Rückstände sind und zum Theil im buchstäblichen Sinne des Wortes Hunger leiden. Die Weigerung brachte den Sultan auf, der den Großvezir seit einigen Tagen nur noch mit Widerwillen und Zornausbrüchen empfängt." Von dieser Zeit an erwartete man in Konstantinopel jeden Augenblick den Ministerwechsel, der denn auch bald darauf eingetreten zu sein scheint.

Konstantinopel, 24. Oktober. Nach einem Telegramm derDeutsch. Ztg." hat der Sultan Mahmud Pascha die ihm auf Betrieb Midhad Paschas aufer­legte Zahlung der hunderttausend Pfund Sterling erlassen. Es wäre dies eine Bestätigung Der aus Anlaß Der Ministerkrisis vielfach ausgesprochene Absicht, daß das jetzige Ministerium nur Der Uebergang zum Wiedereintritt Mahmud'S ins Großvezirat sei.