Berlin / 25. Novbr. Seiten- der deutschen Regierung wurde, wie die „Schles. Ztg." meldet, vor einigen Tagen eine Note an die englische gerichtet, um die französische Zustimmung zu der englischen Expedition nach Zanzibar zur Unterdrückung des Sklavenhandels auszudrückeu und zwar unter Hinzufügung der Mittheilung, daß die deutschen Consuln in Ost-Afrika Instructionen erhalten hätten, die Expedition mit allen diplomatischen Mitteln zu unterstützen.
Berlin, 25. Novbr. Gegenüber den an heutiger Börse verbreiteten beunruhigenden Nachrichten über das B finden des deutschen Kronprinzen kann nach Mittag- aus Karlsruhe eingesandtes authentischen Nachrichten wiederholt auf das Bestimmteste versichert werden, daß die Besserung in dem Befinden des Kron- ' Prinzen gleichmäßig und befriedigend fortschreitet. Alle anderweitigen Nachrichten find durchaus unbegründet.
Wiesbaden, 26. Norbr. Der Kronprinz des deutschen Reichs wird An- fangs Decew'ber hier eintrcffen und mit Familie Winteraufenthalt hier nehmen.
Stuttgart, 26. Novbr. Der „Schväb. Merkur" veröffentlicht eine Reihe von Berichten aus der oberen Neckargegend über einen Sonntag Nachts 11 Uhr wahrgeuommenen Erdstoß in der Richtung von Südwest nach Nordost.
München, 12. Novbr. Die „Dachauer Bankhalter" Herb, „Gutsbesitzer", und Lindn.r, ehemaliger Lokomotivführer von hier, welche ihr Geschäft unter der Firma „Herb u. Co." betrieben, sind heute, als des betrügerischen Bankerotts verdächtig, in gerichtliche Hast genommen worden. Die „N. Nachr." schreiben: „Don kompetenter Seite wird uns mitgetheilt, daß die Erklärung des Franz Ignaz Brücklmeier (in welcher es hieß: er habe in keinen anderen Beziehungen zu der Spitzeder gestanden, als verschiedene andere von den „N. Nachr." nicht genannte Münchener Advocatcn) Anlaß zu energischen Schritten Did Anwaltstan« des geboten hat. Die hiesigen Anwälte wollen durch alle gesetzlich zulässigen Mittel darüber Gewißheit und dem Publikum öffentliche Aufklärung verschaffen, •, vb und welche Münchener Anwälte und Concipienten dem Brücklmeier die Behauptung ermöglichten , daß er in die F-ßstapfen einer ziemlich großen Anzahl be- kannter Münchener Anwälte und Concipienten getreten sei."
Aus Elsaß-Lothringen, 22. Novbr. Nach dem „Berl. Militär-Wochen- blatt" find im Elsaß über 12,000 Pensionäre, meist frühere Officiere und Soldaten, zurückgeblieben, von welchen man annahm, sie würben optiren und aus- wanvern. Die deutsche Regierung zahlt ihnen die Pensionen voll, einschließlich ■ der von Napoleon III. gezahlten Zulagen, welche die französische republikanische Regierung in Abzug bringt, und darum wohl sind sie fast Alle geblieben. — Die „N. Mülh. Ztg." fährt mit der Veröffentlichung der Liste der von der hiesigen KreiSregterung für ungültig erklärten Optionen fort. Heute erreicht dieselbe bereits die Zahl 539. Welche überflüssige Mühe haben doch diese Schein- Optanten sich und den deutschen Behörden gemacht!
Oesterreich.
Men. Der Bankschwindel des Fräuleins Spitzeder in München bereitet nicht blos den bayerischen Jesuitenblättern schweren Kummer, sondern auch unsere österreichischen Organe befinden sich in arger Klemme. Das Linzer Volksblatt schiebt der „Berlinerin", das hiesige „Vaterland" dm „Juden" dcu ganzen Bankschwindel in die Schuhe. Nur das Organ des frommen Vincentus von Brixen, die Tyroler Stimmen, stellt die Adele Spitzeder als „Opfer des Libera- lismus" dar und fetzt sie als katholische Märtyrerin mit dem päpstlichen Grafen Langrand tn eine Reihe. So heben salbungsvoll die Tyroler Stimmen an: „Gras Langraud-Dumonceau, der bekannte Banquier, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, das Capital zu christianistren, um auf diese Weise, mit Millionen arbeitend, der jüdisch-liberalen Gelbmacht in Europa entgegenzutreten und ihr die Alleinherrschaft entwinden zu können. Daß dieser Plan, der bereits außerordentliche Fortschritte gemacht, den Juden, Liberalen und Freimaurern nicht recht war, iß auf ganz natürlichem Wege zu erklären. Es wurde deshalb durch ganz Europa so lange gegen ihn gelogen und verleumdet, bis die belgische Regierung gegen sein Geschäft einschritt. Ein Seitenstück zu dieser Langrand-Affaire wickelt sich jetzt mit Adele Spitzeder in München ab." Während also nach den Tyroler Stimmen die Spitzeder zum mindesten als Belohnung für ihre Verfolgungen durch die Liberalen Anspruch auf die Canonisation hat, beutet das „Vaterland" den Zusammenbruch der Spitzeder^schen Schwindelwirthschaft im entgegengesetzten Sinne aus: die Spitzeder wird in bas Lager der Juden und Liberalen gewiesen! Das edle Blatt schreibt: „Haupturheber des modernen Geldschwinbels und des daraus folgenden socialen Elendes ist und bleibt unfraglich dec schlechte Liberalismus, welcher die von einer weisen Gesetzgebung früherer Zeit gegen das Krebsübel des Wuchers aufgerichteten gesetzlichen Schranken trotz aller Warnung von Seiten der katholisch- confervat ven Tagespresse freventlich niedergeriffen und dadurch der ßräulichsten Ausbeutung des gemeinen Mannes durch beschnittene und unbeschnittene Juden Thor und Thür geöffnet hat."
Frankreich.
Paris, 23. Novbr. Der große Orient von Frankreich hat beschlossen, mit allen FreMau.ern Deutschlands förmlich zu brechen, weil sie nicht gegen die Erwerbung von Elsaß.Lothringen protestirt hätten. Man darf hier wohl fragen, ob die französischen Freimaurer sich so dagegen ausgelehnt hätten, wenn die Franzosen Land und Leute erobert hätten. Freilich sind die französischen Maurer eben Franzosen, welche glauben, daß dieses alle- erlaubt sei.
Kaum hat Herr Thiers durch feine Botschaft die französische Nationalversammlung zur DiScussion der inneren politischen Fragen veranlaßt, so ist der Kampf dcr Parteien mit erneuter Wuth entbrannt; eß scheint fast, daß der wet- terkundige Präsident, der es bisher so gut verstand, sein Schisflein durch die stürmischen parlamentarischen Wogen zu lenken, doch endlich auf einer der Sand- bänke zur Rechten ober Linken sitzen bleiben wirb. Schon die in Folge der Changarnier'schen Interpellation mit so schwacher Majorität für die Negierung angenommene Tagesordnung Metttlal's über die Grenobler Rede Gambetta's be- deutet keinen Sieg, sondern eine Niederlage Thiers', der denn auch nach jener Abstimmung vom 18. November in der ersten Hitze ein eklatantes Vertrauensvotum oder seine Entlassung fordern wollte. Inzwischen ist jedoch der Präsident mit den ihm am nächsten stehenden Mittelparteicn übereingekommen, die Entschri- düng von dem Botu« über den Bericht der Commission abzuwarten, welche zur Brrathung des die Antwortadresse auf die Botschaft betreffenden Antrages Ker- drel zusamwengetreten ist. Da die Commission, in welcher die Freunde ThierS' nicht gerade die Mehrhe.t zu haben scheinen, den Präsidenten zur Theilnahme
an ihrer Sitzung eingeladen, so hofft man trotz Allem noch auf eine Verständigung, welche indessen wohl nur durch Concesfionen seitens Thiers' an die Rechte iu er* kaufen fein dürfte. Die Commission will nämlich nur unter Einsetzung eines ver- antwortl'chen Ministeriums und Verz'chtleistung des Staatsoberhauptes auf fernere Theilnahme an den Debatten der Nationalversammlung die Amtsdauer desselben auf vier Jabre verlängern. Die letztere Bedingung dürfte dem nicht mit Unrecht auf feine Beredtsamkeit stolzen Präsidenten besonders schwer fallen.
Parts, 25. Novbr., Morgens. Die „Agenee Hovas" meldet: Die Ma- tontat der Commission zur Berathung des Kerdrel'fchm Antrags hat beschlossen sich darauf zu beschränken, die Herstellung der Ministerverantwortlichunq zu bea/- tragen. ThierS besteht auf der Lösung der Verfassungsfragen, wie: Verlänaeruna feintr Vollmachten, Errichtung einer Vice-Präsidenlschast, Schaffung einer zweiten Kammer, theilwüse Erneuerung. Die Minorität der Commission wird einen Gegcnberlcht eindringen.
Spanien.
Madrid, 25. Novbr. Anläßlich der Recruten-Aushebung haben in Madrid und der Provinz Murcia Unordnungen stattgefunden. In Barcelona machten sich Anzeichen einer Aufregung kund. Die Insurgenten fahren fort, Telegraphen und Brucken zu zerstöre.
England.
London, 23. Novbr. Schon vor acht Tagen, als die erste Nachricht von dem Wasserdurchbruch in der Pelsall-Grube eintraf, glaubten wir die Vermißten aufgeben zu müssen, weil sie, wenn auch vor der eingedrungenen Fluth gerettet doch in giftiger Lust ersticken würden. Bei den Rettungsversuchen durfte man natürlich die Hoffnung, den Männern noch Hülfe bringen zu können, nicht fahren lassen, aber jene schlimmere Voraussetzung hat sich jetzt vollauf bestätigt, nachdem mau endlich, nach Ueberwindung großer Schwierigkeiten, bis zu der Stelle vorgerückt ist, wo die Unglücklichen ihren letzten Athemzug ausgehaucht haben. Es war in dem von der Fluth nicht erreichten oberen Tbeile eines vom Grunde des Schachtes schräg aufsteigenden Ganges, wo man die 19 Leichen fand. Die Armen hatten sich cng zusammengedrängt; sie waren offenbar von kohlensaurer Luft ge- tövtet worden. Morgen sollen sie feierlich in einem Grabe bestattet werden.
(Eingesandt.)
Herr Werminghoff engagirte, wie wir Horen, auf dem Lahnstein für2 Concerle auf Donnerstag und Freitag eine Künstlergesellschaft aus Frankfurt a. M. In dem ausgewählten Programm befinden sich Einlagen des Tenoristen Herrn Chrudimskv über dessen Leistungen sich die Frankfurter Blätter sehr günstig äußern. Wir lesen u. a. in einem derselben:
Herr Chrudimöky, unser früherer Heldentenor, welcher 11 Jahre die Zierde der Frankfurter Bühne war, und wohl allen Frankfurtern noch in freudigem Gedächtniß sein wird, veranstaltete vergangenen Samstag in der „Allemania" ein Concert, welchem beizuwohnen wir das Vergnügen hatten. Der überfüllte Saal und der reiche Beifall der dem greisen Sänger ward, bezeugten zur Genüge, daß wir unseren Mitbürger nicht vergessen und er noch in vollem Besitz seiner herrlichen Stimme ist. Das stürmisch wiederholt verlangte Lied „Ob sie wohl kommen wird", von Preiser, trug Herr Chrudimsky mit solcher Innigkeit und so wunderbar schön vor, daß kaum ein Auge trocken blieb im Saal. Wie wir vernehmen, wird der Sänger noch in einigen Concerten in der „Allemania" mitwirken, und zwar das nächste Mal am Dienstag Abend. Die trefflichen Leistungen der „Allemania-Capelle" sind bekannt und mithin steht jedem Besucher ein genußreicher Abend bevor.
Loeal-Notiz.
Gießen, 26. November. Oberhesfische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. Sitzung am 13. November 1872. Prof. Thaer sprach über die Verhältnisse des Londoner Vieh Marktes. Er gab einen Ueberblick über dessen Lage unbdfonfang, über die Eonsumvtion von Fleisch in London, über deu Handelsverkehr daselbst und die Eoiflingente, welche das Festland dorthin liefert. Daran knüpfte Prof. Thaer eine Darstellung des jetzigen neuen Berliner Vieh- marktcs, dessen Baulichkeiten, Ausdehnung, der auf demselben eingerichteten Schlachthäusern und schloß mit einem Hinblick auf die Wichtigkeit drr Ernährung einer Nafioch mit gutem Fleisch.
Prof. Heß sprach über forstwirthschaftliche C ul t u r i n stvv.m e n t e. Der Vor. tragende hob zunächst hervor, daß der künstliche Anbau des Waldes, als eine nothwendige Folge des Uebergangs vom Femelbetrieb zur Kahlfchlagwirthfchaft, erst seit etwa 120 Zähren in Anwendung gekommen daß aber die Geschichte desselben je nach Waldern noch nicht genügend bekannt sei. Diesen künstlichen Anbau versuchte man zunächst, insbesondere in Folge der Agitationen Beckmann'S (1756), mit der Saat, erzielte aber hierdurch, abgesehen von anderen Schattenseiten dieser BestandeSbegründungS- methode, zu dickte, gegen atmosphärische Calamitäten (Schneebruchrc.) wenig widerstandsfähige Bestände. Man wandte sich deshalb zur Pflanzung, beging aber dabei hauptsächlich den Fehler, geraufte und zu alte Pflanzen zu verwenden, weshalb auch diese Methode im Anfang nur von geringem Erfolge begleitet war. Erst der neueren Forstwirthschaft ist eS gelungen, durch VevUrendung zweckmäßiger Instrumente günstig« Resultate durch Anpflanzung zu erzielen und namentfich di« Kosten derselben außerordentlich zu verringern. Der Vortragende beschrieb sodann in eingehender Weise drei hier in Betracht kommende Instrument«: dm Heyer'schen Hohlbohcer, das Buttlar'sche Eisen und der Bohlken'schen Erdbohrer. WaS die (mit Zahlen belegte) Leistungsfähigkeit dieser Instrumente betrifft, so eignen sich die beiden ersteren besonders zu Schnellpflanzungen, letztere- namentlich zur Lochanfertigung für forstliche, landwirthschaftliche uud bauliche Zweck«.
Dr. Buchner zeigte Proben der wichtigsten in neuester Zeit gelegten telegraphischen Kabel.
Börsenberichte.
Frankfurt a. M., 26. November. Nachdem schon gestern im Abendverkehr auf flaue Pariser Eourse, welche der Ausdruck der dortigen gedrückten Stimmung über die noch nicht bei- gelegten Differenzen zwischen ThierS und der Rechten der Nationalversammlung waren, «ine Verflauung der Tendenz sich bemerklich gemacht hatte und auch von Wien neuerdings Geldknappheit gemeldet wurde, setzte die Börse heule ziemlich matt ein. Creditactien eröffneten um ca. 1 fl. niedriger wie gestern Abend, gingen schließlich and dem Verkehr, zu 3643/1 comptant, mit einer kleinen Avance hervor. Staatsbahn zeigten sich zu 864V* um 1/2 fl- niederer gegen ihre gestrige Abendnotiz. um zu 3641/2^ ca- Ve fl- höher zu bleiben. Lombarden mit 2 6'^ eröffnend, schlossen ziemlich vernachlässigt, 217. Silberrente, zu 643/4 gefragt, waren um einen Bruchtheil matter als gestern Mittag. In üsterr. Prioritäten fanden einige Umsätze bei nicht erheblich veränderten Courseu statt. Die matte Stimmung blieb nicht ohne Einfluß auf da- Geschäft in Bankpapieren, welche bei nicht umfangreichen Umsätzen meistens matter schloffen. Provinzlal-DiSconto ’.im ca. Vs °/o niedriger. Deutsche VereinSbank us* Bankverein indcß höher. Spanier matt. Amerikanische Staatsfonds still. Prioritäten still. Obgleich Berlin etwas höhere Notirungen sandte, blieb dies doch sowie die nach Notizzeit gemeldete Nachricht, die englische Bank werde in Folge bedeutender Geldzuflüsse ihren DiSconto am nächsten Donnerstag wahrscheinlich herabsetzen, ohne Einfluß auf die Haltung der Börse, die vor wie nach eine ziemlich matte blieb. Der Grund hierzu durfte wohl in dem seit heute wieder knapperen hiesigen Geldstand zu suchen sein, der bei ProlongationS- sätzen von ca. 8—Ri/z % die Aussicht auf eine leichte Ultimoregnlirung wieder sehr gemindert hat. Schließlich sei noch erwähnt, daß die Depots der französischen sttegierung bei hiesigen Banquiers nun größtentheilS definrtiv gekündigt find. Von Wechseln Wien matter. Sorten unverändert.
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