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HrsiS vterteljLhrlg 1 st. 12 fr. atit BringeAshn. Durch di« Post bezogen viertrljährig 1 fl. 29 kr.

Gießener Anzeiger.

Erscheint täglich, mit Su», nähme SonntagS.

Expedition: Canzleiberg, Lit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Lreis Kießen.

Mv. L7V.

Mittwoch o 27. November SML.

B M t l i eh e r t H i f.

, Unterzeichneter macht hierdurch bekannt, daß Herr »r. Nücker, Lehrer an der Ackerbauschule zu Friedberg, Sonntaa den 1. December V* I., Nachmittags 3 Uhr, im Gengnaq el'sehen Saale zu Groß-Buseck einen Vortrag über

.Zusammenlegung der Grundstücke mit besonderer Berücksichtigung der Anlegung von Gewannwegen"

halten werd und ladet zu zahlreicher Betheiligung hiermit em. Der Zutritt ist Jedermann gestattet.

Die. Großh. Bürgermeister Don Groß-Buseck und den Nachbarorten werden ersucht, dies in ihren Gemeinden zur allgemeinen Kenntniß zu brinaen.

Gießen, den 25. November 1872. Der I. Director des landwirthschastlichen Bezirksvereins Gießen:

v. Röder.

P M l i t i s eh e r Uber!»

Deutschland.

Gießen, 25. November. Der Gießener Wahlaufruf vom 14. November empfiehlt, einem Beschlüsse der General-Versammlung für Volksbildung entsprechend, dem künftigen Landtage die ernstliche Sorge um die Förderung des öffentlichen Unterrichts überhaupt und die Fortbildungsschulen für die arbeitende Jugend insbeiondcre ihre Unterstützung dort, wo sie bestehen, ihre Gründung da, wo sie noch fehlen. Die Fortbildungsschule soll die arbeitende Jugend im lernfähigsten Alter aufnehmen, wenn ihre Schulkinntrusse noch frisch sind und bei den Besseren der Durst nach weiterer Belehrung erst recht erwacht. Sie soll die Selbstständig- kett des Urthetls erziehen, die eigenes Wissen gewährt und die fist wacht gegen die verführerischen Illusionen der Social-Demagogen, und sie soll Dk Fähigkeit zu unabhängigem Erwerb und damit zum rechtmäßigem Erwerb und damit zuw rechtmäßigen Eintritt in die Reihen der Besitzenden erhöhen. Die Zeit mio kommen, wo eine Gemeinde, die Der Fortbildungsschule entbehrte, ähnlich angesehen werden wird, wie heute diejenige, die keine Volksschule hatte. Einstweilen wird die locale Initiative bei Ltr ersten Gründung einzutreten haben, bann aoer wird der Staat sich der Sache bemächtigen müssen, denn auf Volksbildung ist der Staat der allgemeinen Wehrpflicht und der bürgerlichen Selbstverwaltung gegründet. Was aber auch ohne solche Unterstützung die bürgerliche Selbsthulfe vermag, das zeigt bas Beispiel der Stadt Gießen. Dort ist zu Ende des vorigen Jahres eine Anzahl Lehrer zusawmengetrettn, um auf eigene Hand eine Fortbildungsschule zu gründen. Zunächst fehlte es an Allem, nur nicht an gutem Willen und redlichem Streben. Ein Schullocal sammt Heizung und Beleuchtung gewährte der Gemeinderath, und auf eine öffentliche Einladung der Lehrer hin meldeten sich hundert Lehrlinge des Gewerb«- und Kaufmannsßanbes als Schuler. Diesen wurde nun an den fünf Wochentagen, Abends zwischen 8 und 10 Uhr, in zwei Claffen: 1) in Deutsch, Rechnen, Geographie, Geschichte und Naturgeschichte, 2) in Deutsch, Rechnen, Geometrie, Physik, Technologie, Geographie und Geschichte, wozu neuerdings noch Französisch hinzugekommen ist, unentgeltlich Unterricht er- theilt. Ein Theil des Ertrages von Vorträgen, welche eine Anzahl Universität-- lehrer veranstaltet, gab die Mittel, um den durchaus mittellosen Schülern Düchcr, Atlanten, Schreibmaterial anzuschaffen, und eine öffentliche Subscription sicherte dem Unternehmen eine Jahreseinnahme von gegen 600 Fl. Für Vie Lehrer aber, die ein ganzes Jahr Zett und Mühe freudig geopfert hat.en, ohne Anspruch auf irgend eine Entschädigung zu machen, war noch nichts geschehen. Da bewilligte ihnen, ohne daß sie darum nachgesucht, die General-Dersammlung der hiesigen Spar- und Leihcaffe aus ihren bedeutenden Ueberschüffen vom letzten Jahre, außer erheblichen Beiträgen zu ähnlichen Zwecken, die Summe von 600 Fl. als Honorar für die freiwillig geleisteten Dienste und erwarb sich durch diese Gabe den freudigen Dank Aller, die ein Herz haben für diese hochwichtige Sache. So sollten auch unsere größeren Credit - Institute handeln, denn sie leben von den Ersparnifien unseres fleißigen Volkes, sie wachsen mit dem Wachsthum des erworbenen Wohlstandes und des Spartriebes ihrer Einleger.

Gießen, 26. Novbr. Das neue Wahlgesetz für die Wahl der Abgeord­neten zur zweiten Kammer der Landstände hat tu vielen Beziehungen neue Ver­hältnisse geschaffen, dte Zahl der Wähler tn hohem Grade vermehrt, tue Wahl­bezirke verkleinert und verändert, und es erscheint daher nothwendig, die Grundzüge des neuen Gesetzes klar zusammenzufassen.

Lor Allem sei bemerkt, daß die Wahl eine indirecte ist, indem die Urwähler jeder Gemeinde Wahlmänner, und zwar für jede 500 Seelen Einen Wahlmann, und Vie Wahlmänner sodann den Abgeordneten zu wählen haben.

Urwähler ist jeder Staatsbürger, der 25 Jahre alt ist, am Wohnorte seit Anfang des Jahres Einkommensteuer zahlt und mit der Entrichtung nicht im Rückstände ist.

Zum Wahlmann kann jeder Urwähler gewählt werden, der ein Normal- steuer-Kapital von 40 fl. hat, b. h. mindestens eine direkte Steuer von 7 fl. 25 kr. jährlich, oder 3?yi2 kr. monatlich bezahlt.

Durch die Wahl-Commtssion, welche aus dem Bürgermeister und zwei von dem Gesieinderathe gewählten Urkundspersonen besteht, werden Listen der Stimm- berechtigten und der Wählbaren aufgestellt, und nach vorausgegangener Bekannt­machung oret Tage offen gelegt, innerhalb welcher Einwendungen vorgebracht werden können.

Nur diejenigen sind stimmberechtigt und wählbar, welche in die.festgestellten Listen ausgenommen sind.

Die Wahl der Wahlmänner erfolgt, nachdem der Tag und die Stunde, sowie das Local derselben, mindestens drei Tage vorher öffentlich bekannt gemacht worden ist.

Die Abßimnnnden geben ihre Abstimmung in Selbstperson mittelst Ueber- reichung eines Stimmzettels von weißem Papier ab, der in dem Wahllocal oder außerhalb desselben mit den Namen berjfn^n-, welche er zu wählen beabsichtigt, handschriftlich oder im Wege der Vervielfältigung ausgefüüt ist. Hiernach find bei der Wohl gedruckte Stimmzettel zulässig.

Eine Ablehnung der Wahl zum Wahlmann findet nicht statt.

Zur Wahl des Abgeordneten versammeln sich die Wuhlmänner des Wahl­bezirks auf, mindestens zwei Tage vor der Wahl, ihnen zuzustellende schriftliche Einladung des von dem Ministerium ernannten Mahl - Commissärs, und zur Gültigkeit der Wahl gehört die Abstimmung von wenigstens zwei Dritttheilen der Wahlmänner.

Friedberg. In der am Sonntag Nachmittag im hiesigen Ratyhaussaale stattgehabten Urwähler-Versammlung wurde zum Abgeordneten der Stadt Fried­berg für die zweite Kammer Herr Buchhändler Scttba dahier empfohlen und sand dieser Vorschlag allseitige Annahme. Die gleichzeitig abgehaltene Ver­sammlung der Wähler des Landbezirks Friedberg führte zu keinem Resultate, wcßhalb eine nochmalige Zusammenkunft anberaumt werden soll.

Darmstadt, 22. November. Hand-in-Handgehen der jetzigen Vinisteriellen Partei mit den National - Liberalen tst die diesmalige Wahllosung, so daß der Wahlkampf eigentlich nur den Ultramontanen und Socialisten gilt und zweifels­ohne eine ganz neue Kammer mit neuen Elementen zur Folge hat. In Ober- Hessen soll Frhr. A. v. Rabenau gewählt werden. Metz, R. Bamberger und Gebhardt treten wieder in ihren früheren Wahlkreisen auf, während über der Stadt Mainz zur Zeit ein noch schwer zu lüftender Schleier schwebt. Sehr gespannt ist man auf das Radgau, wo Socialisten und Ultramontane sich so ziemlich dte Wagschale halten. Hier (in Darmstadt) stimmen die Socialisten für den seitherigen Abg. Fink, und zwar, wie man hört, zur Anerkennung dafür, daß derselbe entschieden für directe Wahlen eingetreten. Bezüglich des zweiten socialistischen Candidaten ist noch keine Entscheidung getroffen. Nächsten Sonntag finden zahlreiche Wahlversammlungen allerorts statt. Die seitherigeu Abgg. Becker, Kritzler, Zentgraf und Wirth wollen unter keinen Umständen wieder ein auf sie fallendes Mandat anneymen. (Fr. I.)

Darmstadt, 24. Novbr. Die von uns vor längerer Zeit gemeldete Ab­sicht der Regierung, die birecten Steuern nur noch alle zwei Monate je für zwei Monate zusammen erheben zu lassen, wird nunmehr in aller Kürze, wahrscheinlich schon mit dem 1. Januar k. I., verwirklicht werden. Es wird hierdurch eine sehr bedeutende Arbeitsentlastung aller Districts-Einnehmereien herbeigeführt, und beabsichtigt die Regierung, eine größere Anzahl dieser (wie wir hören 15) ein- gehen zu lassen und die Inhaber der Stellen anderweitig in der Ftnanzbranche zu verwenden.

Darmstadt, 26. Novbr. Gestern entgleiste unweit der Station Rosenhöhe durch falsche Weichenstellung ein Zug der Hessischen LudwigSbahn. Drei Personen vom Zugpersonal wurden, wie wir hören, verwundet; einer derselben soll sehr erheblich verletzt sein.

Berlin, 23. Novbr. Herr v. Kleist-Retzow und Genossen haben sich denn wirklich an die Regierung gewandt und förmlich angeboten, die Kreisordnung, wie fie jetzt aus dem Abgeordnetenhause kommen wird, im Hcrrenhause anzuneh» men, wenn dadurch der drohende Pairsschub abgewandt werden kann. Wir haben schon bemerkt, daß bloß wegen der Kreisordnung ein Pairsschub gar nicht mehr nöthig fein dürfte; so fressen diekleinen Herren" so zu sagen schon aus der Hand. Aber seit langer Zeit, und namentlich seit Preußen sich zu Nord- veutschland und dem Deutschen Reiche erweitert hat, hat sich eine Reform unseres romantisch construirten Herrenhauses als unabweislich dargestkllt, und diese Re» form ist von dem jetzigen Herrenhause nicht zu erlangen, so lange die Junker darin tominiren. Die Negierung hat schon wiederholt erklären lassen, daß die Reform des Herrenhauses im Princip beschlossen sei, und dazu ist ein Pairsschub unumgänglich erforderlich. Diele der Herren, die zu Mitgliedern des Herren» Hauses ausersehen sind, haben bereits ministerielle Briefe mit den nöthigen An­fragen erhalten und zum Theil ausführlich beantwortet.