Gießener Anzeiger
Dienstag den 27. Februar
1852
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der Apostel nannten — jener Apostel, welche mit Gefahr des Lebens der Wahrheit Zeugniß gaben. Die Maske fiel!
wurden die vier Kapitel einstimmig angenommen. Der einzige, der ihnen die Anerkennung verweigerte (Bischof Stroßmayer), war weggeblieben; der Triumph der Clerikalen fand keine Grenzen mehr.
betroffen: „nun, einige Vaterunser wird man doch für den Verstorbenen hetcn Entscheidung der Mehrheit keine Appellation mehr habe, gewann an Boden, denn dürfen." Dies ist die Milde Pius' IX. gegen fremde Überzeugungen; ja, einem sie war bequem und ungefährlich, und das liebten jene, die sich die Nachfolger
Erscheint täglich, mit Ausnahme Sonntags.
Expedition: Canzletberg, Ltt. B. Nr. 1.
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Deutschland.
Berlin, 23. Febr. Die Militärischen Blätter, deren Beziehungen zu höhe- ren Offizierkreisen nicht unbekannt sind, bringen in ihrem neuesten Hefte einen Artikel über den „politischen Katholicismus und die Armee", und zwar aus Anlaß der Auslassungen, welche die hiesige „Germania" über die Benutzung der Garnisonkirche in Köln durch die Altkatholiken gegeben hatte. „Natürlich wurden dabei", heißt es in dem vorerwähnten Artikel des militärischen Fachblattes, „weder der evangelische noch der katholische Feldpropst um ihre Meinung gefragt, da eS sie gar nichts angeht, in welcher Weise das KriegSminist^rium über Garnisongebäude zu verfügen für gut findet." Dann wird nachgewiesen, wie „der Herr Bischof in partibus, nicht Armeebischof" , Namszanoweki wissen muß, „da^ er sowohl als der Divisionepfarrer Lünnemann von der 15. Division nach dem Mi-
Ein Tagebuch vom römischen Concil
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anwesenden Cardinal preßte der Vorfall das Geständniß ab: „Ich schäme mich doch recht ernstlich, daß ich römischer Cardinal bin."
Mit den Vätern, die zum Concil erschienen waren, machte man von nun ab wenig Umstände. So ließ Cardinal Barnabo mehrere Missionsbischöfe, die ihm zweifelhaft erschienen, zu sich bescheiden und bedeutete ihnen: sie seien von der Propaganda ad nutum angestellt und bezahlt, deshalb würden sie sich wohl bewußt sein, was ihre Pflicht sei.
Die Revision des ersten Schemas, welche Mitte März vertheilt ward, theilte diesen absolutistischen Standpunkt, der jede andere Meinung ausschloß. Alle Nebel und Leiden der menschlichen Gesellschaft werden dabei dem Protestantismus zur Last gelegt, ja die Revisoren gingen so weit, baß sie denselben geradezu als eine gottlose Seuche (impia peslis) bezeichneten, welche ungestraft grasflre.
Auch die Sitzungen geriethen mehr und mehr in diesen Styl, der Lärm ward immer wüster, das Auftreten mit jedem Tage brutaler. Die Glocke der ' Legaten, welche anfangs noch mit einiger Vorsicht gebraucht wurde, war nun zum geläufigen Handwerkszeug geworden, so oft ein Gegner der Vorlagen sich erhob, ja man applaudirte Capalti laut, wenn er die Minderheit herunterschellte.
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Der scharfe machtgierige Blick der Jesuiten hatte erkannt, was sie von diesen Nun erst konnte man mit voller Kraft und Zuversicht die Frage der Unsehl- mattherzigcn Widersachern zu halten hatten, von diesen Kirchensürsten, die nur barkeit in Angriff nehmen; der Lesart, daß diese Einstimmigkeit nut einen desto verstanden, regiert zwwerdcn, aber nicht zu regieren. Warum auch sollte man schärferen ContrM bieten solle, wenn es zur Abstimmung über die Hauptfrage
ihre^poch länger schd^l kommen werde, lachten die Curalisten ins Gesicht. Weit wichtiger ist es, wenn
DvS war der Grundgedanke, von welchem nunmehr die Dinge geleitet wer- man damit nur den Satz bestätigt findet, den ein Bischof kaum acht Tage zuvor den. Eck begann eine sortzenschwüle Zeit; Willkür allein führte die Herrschaft, ausgesprochen: „die Opposition komme ihm vor wie ein Knabe, der sein hölzernes
und fast .jeden Tag erlebke marv'Demüthigungen der bittersten Art, von denen Pferd besteigt, mit seinem hölzernen Säbel tapfer in der Lust heruwschlägt und,
man nicht-w^iß, wen sie mehr compdomittiren, den Handelnden oder den Leidenden, obwohl er immer auf dem nämlichen Fleck bleibt, sich für einen merkwürdigen
Zum obersten Censor über das revidirte erste Schema war unterdessen Pater Helden hält."
Kleutgen ernannt wordem^ Wie, frug man entsetzt, Kleutgen, der selbst vom päpst- Indessen stieg die Noth mit jedem Tage, die morsche Gruppe der Opposi- lichen Ufficio wegen VvW-'chenS zum Kerker verurthetlt worden war? Ja der- tion zerbröckelte sich langsam, und was das schlimmste war, die Führerschaft fiel selbe, lautete die Antwort. ganz in die Hände KettelerS. Das war der rechte Mann für die unheilvollen
Und Cardinal SchwarzNrberg, der einen „PeterSpfennig" dem Papst über- Tage der Entscheidung: herrisch wie kein Anderer und gewandt im Eingreifen der reichen wollte, jene Silberlinge, welche die Lüge von der Bedrängniß des heil. Dinge, ward er schnell Meister der Lage. Man hatte sich gewundert, daß er, der VaterS>.auS der Tasche des Armen stiehlt, mußte 14 Tage antichambriren, bis Schirmherr des RomaniSmus in Deutschland, sich überhaupt in die Reihen der ihm eine Audienz zur-gnädigen Entgegennahme gewährt ward, obschon noch altem Opposition stillte; aber der Name thut ja nichts zur Sache, und „der Sache" Brauche kein Cardinal mehr als zwei Tage darauf warten sollte. hat Kettelet sicher mehr genützt, indem er unter der Maske des Liberalismus das
Und von wtÄer niederen Rachsucht zeugte das plötzliche Verbot deö Papstes, Lager der Opposition beherrschte und vernichtete. Er hatte gesprochen und geben von Merode angesetzten Gottesdienst für den verstorbenen Montalembert zu schrieben, er besuchte Versammlungen und verfaßte Proteste, aber die Zweifel gegen
halten! Die Vertheidiger der allerhöchsten Launen wußten natürlich hinterher seine Treue verscheuchte er damit nicht bei denen, die schärfer sahen. Er war
zu berichten, daß man eine Demonstration befürchtet habe, und daß deshalb der Jesuit, und ist es geblieben.
weise Befehl Sr. Helligkeit ergangen sei; ober diejenigen, welche sonst derartige Unter zahlreichen Bischöfen der Minderheit, die in bornirter Hilflosigkeit der
Winke dem Papste zu geben pflegten, wußten diesmal nicht das mindeste davon. Krisis gegenüber standen, verbreitete sich allmählich jenes peinliche Gefühl — das Denn DeuillotLelber und der Iesuitengeneral erschienen vor der hiefür bestimmten man Resignation zu nennen pflegt. Sie begannen schon mehr an ihre Unter- Kirche, unb'^wMrM, als der dort patromllirenve Secretär sie heimschicken wollte, wcrfung, als an ihren Widerstand zu denken; die Ansicht, daß man gegen die
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Den Höhepunkt des Tumultes aber bot jene Sitzung vom 22. März, in
welcher die bekannte Scene gegen Stroßmayer stattfand, weil dieser die Prote- litär-Strafgefttzbuche Militärbeamte sind und als solche den Befehlen ihrer mili- stanten gegen den Ausdruck peslis in Schutz nahm. Dreimal wehrte er sich mit täuschen Vorgesetzten unweigerlich zu gehorchen haben. Der Divisionspfarrer Lünne- crhobenen Händen gegen die Gewaltthat, durch die man ihn unterbrach; dann über- mann hat den M-litärgoitesdienst zu den Stunden und an den Orten abzuhalten,
tönte das Beifallklatschen seiner Anhänger und der Zornesausbruch seiner Gegner wann und wo der Gouverneur von Köln oder der Commandeur der 15. Divl-
jedes Wort. Nur eine Stimme drang durch, es war diejenige, die dem kühnen sion es ihm.befehlen. . . Um bei der eigenthümlichen Episcopal-Einrichtung der Bischof den „Fluch" entgegenwarf: Nos omnes te damnamus. In allen Mienen römisch-katholischen Kirche nicht wie früher von dem Fürstbischof von Breslau, als war die Leidenschaft entfesselt, man sah geballte Fäuste, und die Leute, die draußen einem Civilisten, bei Convocaticnen abhängig zu sein, wurde Se. Heiligkeit der
Vor der Pforte standen, glaubten wahrhaftig, Garibaldi sei in Rom. Papst von der preußischen Regierung angegangen, dem zu creirenden katholischen
„In einer Versammlung von Schustern geht es bei uns anständiger her als Feldpropst bischöfliche Rechte zu verleihen. Dies geschah. . . Eine andere Beaus dem Concil," sprach der preußische Militärbischof. veutung Hot der bischöfliche Titel des Feldpropstes NamSzanowski überhaupt nicht,
Solche Scenen schienen indessen die „würdigen" Väter nicht anzufechten, die und derselbe ist mit und ohne diesen Titel gemäß der Allerhöchsten Verordnung Hauptsache war ja, daß der Zweck erreicht ward, und dazu war man auf dem vom 17. Juli 1862 ein Militarbeamtcr, welcher nach §. 1 Theil II. des Militär- besten Wege. Die neue Geschäftsordnung befand sich thatsächlich im Gang, indem Strafgesetzbuches dem Militärgerichtsstanve unterworfen ist. Durch die Anstellung selbst jene, die ste durch einen Protest verwarfen, sie durch ihr Erscheinen aner- eines katholischen Feldpropstes mit kirchlich-bischöflichen Rechten wollte man nach kannten; auch die Abstimmung über Vas Prömium ging ganz nach Wunsch der Einführung der katholischen Geistlichkeit in die Armee die letztere nach altpreußischen Mehrheit von statten, man konnte ahnen, daß auch die dritte feierliche Sitzung Principien vor jedem nicht preußischen Einflüsse bewahren, und "wir möchten es ohne Schwierigkeiten verlaufen würde. !venn doch auf das allerbestimmteste bezweifeln, daß man im Gegensätze hierzu eS
Noch am Tage vorher fand eine internationale Versammlung statt, um zu in Berlin gegenwärtig dem politischen Katholicismus gestatten würde, durch das berakhen, wie man sich gegen die ersten vier Kapitel de fide, die nun endgültig Medium ves zu mditärischem Gehorsam verpflichteten Feldpropstes die Bande der festgestellt waren, verhalten solle. Die Meinungen waren sehr verschieden, d. h DiSciplin in der Armee zu lockern. In der Armee wird nur befohlen und ge- die Einsichtslosigkeit und Unschlüsstqkeit der Minderheitsbischose war so bedeutend, horcht. . . Vorbehalte gibt es dabei nicht, auch nicht für den Geistlichen." Dem- daß sie noch immer nickt wußten, ob ihnen Die Vorlage gefalle oder nicht gefalle, nächst wird erwähnt, daß in dem brandenburgisch - preußischen Heere zwei Jahr- ob Placet oder Non Placet der wahre Ausdruck ihrer Ueberzeugung sei. Sie Hunderte hindurch ein katholischer Geistlicher unbekannt war, ohne daß die Gefürchteten (statt es zu begreifen), daß sie durch ihre Zustimmung die Geschäfts- wiff.nsfreiheit der Katho'-ikcn darunter gelitten hätte. 1836 wurde aus einem ordnung anerkennen möchten; allein als der Augenblick der Abstimmung kam, localen Bedürfn sse in Düsseldorf ein katholischer Militärprediger angestellt, und
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