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ichmer AnMer.
Erscheint täglich, mit Süte» nähme SonntagS.
Expedition: Canzleiberg, Ltt. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Archen.
____ 1872.
Amtl icker T »eil.
liegen, am 21. November 1872.
Betreffend: Die Besorgung niederer Kirchendienste von Seiten der Schullehrer.
an sämmtliche Schulvorstände des Kreises-
Wir sehen Ihrem baldigen Berichte darüber entgegen:
1}S5 Uiebm K-rch°"di°nste (das Amt eines Organisten, Canwrs nnd Vorlesers ist hiermit selbst-
3? ZWWLWWL M SÄ'SSS' von der Bezahlung für den Oienst j 60t£Ke "jg\e8tE ®£8UU8 b!efCt niEbCtCn K»ch-di°nste befreit wird und resp. in welcher Weise die etwa
v. Röder.
Gießen, am 25. November 1872.
Betreffend: Die Wahlen zum XXL Landtag.
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
»t..« tiäÄÄffiSWsÄ ÄtiaMsx üüW' ? s sre mannerwahlen abgehalten sein sollen, so fordern wir Sie hiermit auf bei Vermetduna non i?are£ WCnc 4°' December bte Wahl
fraglichen Arbeiten gediehen sind, beziehungsweise in welchem Stadium die Angelegenheit sich 'befindet." ' ßebenb zu beruhten, toie wett Sie mit den
v. Röder.
Immer neue Krisen.
Die Botschaft des Herrn Thiers, welche unter Hinweis auf die glänzenden Erfolge feiner auf Herstellung und Befestigung der Ordnung gerichteten Politik die konservative Republik empfahl, hat nicht die vorausgesetzte Wirkung gehabt.
Selbst das gute Leumunds-Zeugniß der Dtplomatenloye, auf welche fich die Thiers*,chen Organe — wie es scheint, nicht mit voller Berechtigung — beriefen, hat nicht hindern können, daß das nach europäischem Applaus sonst so lüsterne Frankreich sich dem Prestige des Präsidenten unbedingt beugte.
Dem Aufruf der Botschaft: zur Befestigung der Ordnung durch Entsagung der Parteileioenschaften mitzuwirken, find die heftigsten Explosionen derselben gefolgt und die Dinge haben sich so ziemlich auf die Alternative zugespitzt: Demission deS Herrn Thiers oder Auflösung der Nationalversammlung.
Gewissermaßen liegt die große Verwirrung und Erbitterung, welche die Verhandlungen der Nationalversammlung nach ihrer Wiedereröffnung charakterißren, in den Consequenzen der Thiers'schen Politik selbst. Denn es ist ja natürlich, daß er mit der Erklärung: die Republik werde konservativ sein, oder sie werde nicht sein, alle Diejenigen in den Kampf rief, welche die Republik überhaupt nicht haben wollen; wenngleich der Präsident seine Mahnung grade an die Republikaner gerichtet hatte.
Zugleich aber könnte man sage», daß die Interpellation Changarnier'S wegen der Rede zu Grenoble ebenfalls in der Logik der citirten Erklärung des Herrn Thiers lag; denn sie verlangte die Nutzanwendung derselben — eine Forderung, welche vielleicht um so dringlicher war, als der Beistand, den die Republikaner alten Datums den Theorien von der „konservativen Republik" leisten, doch wohl nur aus deren Ueberzeugung entspringt, baß die konservative Republik nur die Vorläuferin der von ihnen gewollten sein werde.
Und am Ende ist ja wirklich nicht zu leugnen, daß Herr ThicS aus dem Pact von Bordeaux heraustritt, indem er den faktischen Zuständen einen Namen giebt; während es ihm allerdings genügen könnte, die Sache zu fördern, welche ihm nach seiner Versicherung vor allen Dingen am Herzen liegt, nämlich: die Ordnung.
Herr ThierS muß wissen, daß er, indem er die Dinge bei Namen ruft, immer eine Krise herausbeschwört, und wenn eine solche bisher auch immer noch durch ein Vertrauensvotum beschworen worden ist — fich doch auch sagen, daß die großen HülfSmtttel durch öftern Gebrauch ihre Wirkung verlieren. Es ist daher auch bet den Wahlen in die Commission für den Kerdrel'schen Antrag, toie schon bet früheren Gelegenheiten, abermals laut betont worden, daß man das Land und den Präsidenten durch Herstellung eines parlamentarischen, d. h. verantwortlichen Ministeriums gegen wiederkehrende Krisen schützen müsse.
Und e- ist in der That merkwürdig, daß Herr Thiers diese Nothwendigkeit »icht einsehen will, obwohl er sich in seiner Botschaft mit solcher Bitterkeit gegen fcie bonapartistische Regierung erklärte, weil sie — ohne Controlle regierte. Denn Ende läuft es doch auf dasselbe hinaus, wenn sich die Gewalt, die fich im
Besitz befindet, auf das Plcbiscit beruft, oder der Nationalversammlung unter dem wohlverstandenen Druck der Verhältnisse die Vertrauensfrage stellt.
Wenn aber Herr ThierS sicherlich nicht ohne Schuld an der gegenwärtigen Regierung ist, so noch weniger die Majorität der Nationalversammlung, die doch wohl endlich zu der Einsicht gekommen sein muß, daß sie nicht berufen sein wird, das letzte Wort in der definitiven Constitutionsfrage zu sprechen und daß sie jedenfalls patriotischer handeln würde, wenn sie sich den verhaßten Namen für die gegenwärtigen Zustände gefallen ließ, um die Ordnung in Gemeinschaft mit Herrn Thiers zu retabl ren, anstatt einen thatsächlichen Conflict heraufzubeschwören: einen Staatsstreich oder Bürgerkrieg.
Selbst ein so besonnenes Blatt, wie das „Journal des Debats", sieht die Drnge bereits von dieser Seite an und sagt: „Man muß die Lage mit allen ihren Konsequenzen fn’d Auge fassen und kann man unmöglich verkennen, daß sie noth. wendig entweder zu einem sofortigen Regierungswechsel oder zu einer baldigen Auflösung der Nationalversammlung führen muß. Mit dem Worte „Auflösung"
toir natürlich eine freiwillige Auflösung; denn nur der Nationalversammlung sellMsteht es zu, ihrer eigenen Dauer ein Ende zu machen."
Also Demission oder Auflösung — und Eines oder das Andere ohne Hinter- gidank-m, als Resultat freier Selbstüberwindung!
Daran glaube, wer da will; die Parteien in Frankreich gewiß sicht, und bte Majorität am wenigsten wird sich, nach ihrer bisherigen Haltung zu urtheilen, den patriotischen Voraussetzungen des „Journal des Debats" unterworfen.
Aber — was den Frieden für den Augenblick vielleicht wiederherstellen wird -- das kann nur in der beiderseitigen Furcht vor der Entscheidung liegen, deren Vertagung zunächst nicht präjudicirlich wäre.
Von Herrn ThierS wurde bereits berichtet, daß er einige Scheu empfinde, zu seinem großen HülfSmittel zu greifen, seitdem er erfahren hat, daß die Majoriat dtesmal nicht Anstand nehmen würbe, seine Demission zu acceptiren und an seiner stelle ein Triumvirat zu berufen, an dessen Spitze Mac Mahon stehen soll; der poltttsche und moralische Charakter des Herrn Thiers tst aber wohl nicht darauf angelegt, um von ihm zu erwarten, daß er sich zu einem Staatsstreich ent- schließen könne.
Andererseits aber wird sich die Majorität wohl sagen, daß sie nicht das Ansehen tm Lande habe, den Convent spielen zu können; während man aus allen Seiten, auch auf radikaler, vor der Eventualität zurückschrecken dürste durch neue Anordnungen im Innern auch die Beziehungen im Auslande zu com- promittiren. 9
Man wird fich vertragen, so gut man kann, weil man muß; aber auch gewiß ntcht langer, als man muß. Die Alternative, welche wir oben bezeichnet haben, wird auch durch eine nochmalige Verständigung nicht beseitigt werden.
Deutschland.
Darmstadt, 2L Novbr. Zur Beiseitigung entstandener Zweifel hat das Großh. Ministerium des Innern der Großh. Obersteuerdirection am 21. l. Mts.


