Berlin, 23. April. Nach unterrichteten Privatnachr-chten aus Washington bereitet sich eine ungünstig? Wendung in der Alabama-Frage vor, welche man noch vor Kurzem nicht vermuthen wollte. Man hatte zwar, wie erinnerlich, die Nachricht, Amerika habe die Forde, ung wegen der indirekten Schäden fallen lassen, in hiesigen orientirten Kreisen sofort als verfrüht, aber doch einen Ausgleich für eine nicht ferne Zeit als wahrscheinlich angesehen. Diese Auffassung wird von den letzten bezeichneten Privatfchrcibcn nicht bestätigt. Danach würde Amerika, wenn England die Competenz des Genfer Schiedsgerichts für die indirekten Schäden absolut zurückweisen und dadurch e.n Abbruch der Verhandlungen entstehen sollte, Repressalien ergreifen und den englisch-amerikanischen Handelsvertrag kündigen. Dieser Handelsvertrag, am 3. Juli 1815 abgeschlossen und am 6. August 1827 erneuert, hat vom 20. Oktober 1828 stillschweigend fortbestanden und kann von Jahr zu Jahr gekündigt werden. Mit der Kündigung würde die Behandlung Englands als meistbegünstigte Nation aufhören und eine besondere Taxe von jedem englischen Schiffe in amerikanischen Häfen erhoben werden. Das alles, wie man sieht, klingt wenig friedlich. Es ist indessen, so viel man weiß, noch hin osficieller Act in dieser Richtung geschehen und diese ungünstigen Eindrücke werden sich vielleicht noch beruhigen. Amerika soll übrigens wiederholt haben, daß es sowohl seine Verurtheilung durch daS Genfer Schiedsgericht geduldig hinnehmen, als auch keine Einwendung dagegen erbeben werde, wenn das SchiedSc-ericht sich selbst für die indirekten Schäden inkompetent erklären sollte. Aber man bestreitet bekanntlich in Washington England das Recht, die Competenz des Schiedsgerichts von vorn herein zurückzuweiien. Hoffentlich wird sich ein Ausgleich noch finden lassen.
Berlin, 24. April. Der „Wiener Sonn- und Feiertagö-Courier" läßt sich von hier telegraphisch melden, Frankreich habe neuerdings die Errichtung eines Consulates für Elfaß-Lothringen im Interesse der Geschäftevereinfachung für een Botschafter verlangt. Fürst Bismarck habe jedoch diese Forderung zurückgc- wiesen.
Berlin, 25. April. Die „Pro>inzial-Correspondenz" schreibt, daß der Kaiser in Folge der neuerlichen Verletzung des einen Fußes am Gebrauche desselben zwar noch verhindert sei, das Leiden aber bald gänzlich gehoben sein werde. — Die Kaiserin begibt sich am 29. Ap.il auf etwa zehn Tage nach England, bei der
Rückkehr nach dem Contineut über Koblenz zum Gebrauch einer Frühlings°Kur nach Baden-Baden. — Vorgestern starb der wirkt. Geh.-Rath v. OlterS.
Berlin, 25. April. Bei der Eröffnung der Straßburger Universität wird der Deutsche Reichstag durch das Präsidium und Vertrauensmänner der verschiedenen Fraktionen vertreten sein. Dem BundeSrathe wurde heute der Postvertrag mit Spanien vorgelegt.
München, 25. April. Abgeordnetenkammer. Der Cultusminister beantwortet die Herz'sche Interpellation dahin, daß Schüler altkatholischer Eltern au Ansuchen letzterer vom Religionsunterricht in öffentlichen Schulen dispensirt werden können, wenn für anderweitigen Religionsunterricht vorgesorgt wird.
Oesterreich.
Graz, 24. April. Von der hiesigen Universität sind drei Professoren von jeder Facultät abgeordnet, um an der Feier zur Eröffnung der Universität in Straßburg Thetl zu nehmen.
Belgien.
Brüssel, 25. April. Belgien zieht alle Gesetze zurück, welche die Eingangszölle auf Eßwaaren ermäßigen. Der freie Eingang von Lebensmitteln in Belgien wird schon mit dem bevorstehenden 1. Mai aufhören.
Frankreich.
Paris, 22. April. Die Militärbehörden haben seit einiger Zeit, wie der „Courrin de France" meldet, ernstliche Vorsichtsmaßregeln in gewissen Städten des Südens getroffen, in welchen die Demagogie noch nicht entwaffnet hat und ein kommendes Ereigniß zum Handeln ad-uwarten scheint. So hat man in Marseille, wie da« genannte Blatt wissen will, Befestigungen auf dem Hügel von Notre Dame de la Garde errichtet. Mehrere Detachement Artillerie sind in Permanenz auf dem Plateau, auf welchem Vierpfünder installirt sind, und am Fuße der Ringmauer sind Schilvwachen aufgestellt. In den AlleeS de Meilhan hat man einen jetzt von den Linientruppen besetzten Wachtposten erbaut. Dieser Wachtposten ist mit Zinnen und Schießscharten versehen und beherrscht die AlleeS, die Straße Noailles und die Cannebiere. Es soll überhaupt jetzt kaum einen wichtigen Punkt in der Stadt geben, der nicht durch eine kleine Festung oder einen Wachtposten beherrscht wäre. Von Seiten des Genie-Commando'S ist den Lyoner Besitzern, auf deren Terrain VertheidigungSwerke errichtet wurden, angezeigt worden, es wolle diese Werke erhalten, da cs die Absicht habe, später die Terrains, auf welchen sie erbaut sind, käuflich an sich zu bringen.
Paris, 22. April. Die Leichtfüßigkeit, mit welcher der Erzbischof von Paris, trotz seines hohen Alters, sich über die gesetzlichen Schranken hinwcgsetzte, welche die organischen Artikel vom Germinal des Jahres X gegen die Veröffentlichung päpstlicher Bullen, Breves und allgemeiner Concilsbeschlüffe ohne vorgängige Ermächtigung der Landesregierung errichtet halten, macht Aufsehen. Msgr. Guibert „erklärt" die Beschlüsse des vatikanischen ConcilS einfach für „publicirt" und umgeht so das Gesetz und die einzuholende Erlaubniß der Laienbehörden. Im Grunde hatten sich selbst die Gallicaner lange nicht mehr verhehlt, baß die Beschränkungen, welche jene organischen Artikel dem römischen Absolutismus auferlegten, längst wurmstichig geworden seien, da in dieser Zelt der Presse und der Telegraphen es ersichtlich nicht mehr der amtlichen Verkündigung solcher päpstlichen Aktenstücke seitens des Clcrus bedürfe, um sie den Gläubigen bekannt zu geben. Seit zwei Jahren waren denn auch, trotz jener Gesetzesbestimmung, Niemandem in Frankreich, der Interesse dafür hatte, die Beschlüsse des Vatikans ein Geheim- niß geblieben. Aber die Keckheit, mit welcher nun der Erzbischof officiell jenes Gesetz bei Seite schiebt, nimmt doch auch die Vorurtheilsfreiesten ein wenig Wunder, die nicht alle den Muth Deuillot'S haben, zu erklären, daß Rom sich au seine organischen Artikel niemals gebunden gehalten habe. Es ist leicht mög- lich, daß dieser Borfall in der Versammlung zu bösen Debatten Veranlassung gibt, und dem Drängen der Radikalen nach gänzlicher Kündigung des ConcordatS und seiner Anschlüsse, da man sich ja auf päpstlicher Seite sehr wenig an die- selben kehre, vermag solches Vorgehen natürlich nur Vorschub zu leisten. So käme man schneller, als man vielleicht sonst erwarten durfte, zur vollständigen Trennung von Kirche und Staat, wie sie die aufrichtig freisinnige Schule schon
eit Langem anstrebt. Der Präsident der kleinen altkatholischen Gemeinde von Paris, Herr Jean Wallon, schon seit Jahren ein muthvoller Vertheidiger der gallicanischen Freiheiten gegen den römischen Absolutismus, wird sicherlich die Gelegenheit nicht unbenutzt lasten, die Volksvertretung auf die eine oder andere Weife mit dieser Frage zu befassen. Von den hiesigen Journalen verräth nur Gueroult's „Opinion nationale" eine lebhaftere Theilnahme und ein warmes Ver- tändniß für diese Fragen — aber bas Blatt ist sehr gesunken und heutzutage iemlich einflußlos.
Spanien.
Madrid, 24. April. Der Iberia zufolge ist eine Carlistenbande bei Mon- teagubo geschlagen worben, wobei 30 Gefangene gemacht wurden. Die Banden in Navarra sollen in drei Gruppen getheilt sein. In Catalonien und speciell in Barcelona war nach neuesten Telegrammen des Gouverneurs Alles ruhig; auch bestätigt es sich nicht, daß Strikes auögebrochen seien.
Türkei.
Konstantinopel. Die neuen Versuche, den bulgarischen Conflict mit dem Patriarchen so beizulegen, wie die griechische Synode c6 vorgeschlagen, haben durchaus keinen Erfolg gehäbr. Ercommunication der ganzen bulgarischen Nation durch das Patriarchat ist bereits von dem durch seinen Namen gekennzeichneten Blatte „Byzantis" als bevorstehend angezeigt worden. Dabei reden griechische Blätter von der Hand Gottes, die strafend schwer schon jetzt auf den cxcommuni- cirten Bischöfen laste. Der eine derselben, der vor Kurzem gestorbene PaestoS, wäre in seiner Tootenbahre schwarz verkohlt gefunden; der zweite, Hilarion, verrückt geworden, und Der noch nicht excommunicirte, aber proclamirte Exarch An- thimor hätte sich den Arm auf einer Treppe gebrochen. Wahr ist nur, baß Pae- sioS gestorben ist und lange vor seiner Exkommunikation von den Aerzten schon aufgegeben war. Die Processionen mit dem Gürtel Marias wollen, obschon die Cholera längst verschwunden, noch immer kein Ende nehmen. Da die Türken solche Processionen mit Militärmannschaft eScortiren, so muß zuletzt eine eigene Militärabtheilung für diesen Dienst bestimmt werden.
Konstantinopel, 24. April. Prinz Friedrich Karl von Preußen ist heute mit dem österreichischen Lloybdampfer über Varna nach Wien gereist. Der Sultan hat demselben vor seiner Abreise den Medjivi^.Orden Erster Claffe verliehen; von Der deut chen Colonie ist demselben als Andenken an seinen Aufenthalt in Konstantinopel ein antikes Schwert verehrt worden.
Amerika.
Newyork, 25. April. Der Herald bringt den Vorschlag eines Arrangements, dem zufolge England zustimmen soll, daß in einem Kriegsfälle auch Amerika nicht für indirekte Nachtheile verantwortlich sei.
Washington, 25. April. Der Präsident schickte das englische Gegenmemoire an das Repräsentantenhaus und wurde selbiges dem Comtte für äußere Angelegenheiten überwiesen.
Ans der Habana erfährt die „Bresl. Ztg." durch einen Privatbrief vom Bord Der „Niobe" folgendes Nähere über eine Action zum Schutz der Deutschen auf Hayti: „Um die Interessen der dortigen Deutschen auf etwas nachdrückliche Weise wahrzunehmen, hatte die „Gazelle" Ordre bekommen, nach Port au Prince zu gehen. Es waren nämlich dort bei Dem Ausstande die Häuser sämmtlicher Deutschen von den Regierungstruppen niedergebrannt worden, worüber sich denn natürlich die Ersteren bei Bismarck beschwert hatten. Der Schaden wurde auf 35,000 Dollars geschätzt und die Regierung von Port au Prince wurde von der unserigen zur Zahlung dieser Summe verurtheilt. Da die erstere sich indeß nicht Dazu verstand, so sollte bas Geld durch Repressalien erhoben werben u-nt> zu dieser Execution wurde also die „Grelle" dorthin geschickt. Nachbem die betreffende Regierung Die Aufforderung erhalten hatte, Das Gelb bis zum anbern Morgen Punkt 12 Uhr zu zahlen, widrigenfalls Die Stadt 5 Minuten nach 12 Uhr bombardier werden würbe, machte man auf der „Gazelle" Alles zur Beschießung zurecht; die Geschütze wurden mit Brandgranaten geladen. Die Regierung leistete dieser Aufforderung bis 12 Uhr keine Folge; da endlich, 2 Minuten nach 12 Uhr, stieg vom Fort Die Deutsche resp. preußische Flagge auf, zum Zeichen, daß Der Forderung der Deutschen Regierung tatsächlich genügt sei."
Literarisches.
Das April-Heft der »Musikalischen Welt" enthält:
Ausgabe A. C laviersiücke.
Behr, Tändelei. — Chwatal, Abelgrd und Heloise II — Schultze, Frühlingsgruß. — Löw, Unter Trauerweiden. — Terschnk, Das Glöcklein des Eremiten. — Throm, La Chasse aux Papillons. Carpice ä la Polka. — Musikalische Rundschau.
Ausgabe B. und C. Lieder für hohe resp. tiefe Stimme.
Abt, Es muß geschieden sein. — Holzel, Die Mutter und ihr Töchterlein. — Partsch, Wenn früh der Morgen lacht. — Abt, Ich spreche deinen Namen nicht. — Blumen- stengel, Die Maid vom Annenthal. — Heiser, Grüß Gott- — Graben-Hoffmann, Jauchze mein Herz! — Musikalische Rundschau.
Börsenberichte.
Frankfurt a. M., 25. April. Im Gegensatz zu gestern verkehrte die heutige Börse zwar nicht in gerade flauer, fo aber dach in lauer Stimmung, und die Abschlüsse erreichten keinen besonderen Umfang. Schlechtere Pariser und Berliner Notirungen mögen wohl mit hieran Schuld sein, speciell aber bei Staatsbahn war es wieder eine Mindereinnahme von ca. 82,000 fL, welche den Cours auf 388V2 drückte. Auch für Creditact'en fehlte heute die rechte Stimmung und sie mußten vom gestrigen Course 1 IV2 fl. abgeben. Lombarden relativ am festesten bei 210. Nationaibank fortgesetzt flau und angeboten. Die übrigen Banken ohne Verkehr und Course größtentheils nur nominell. Darmstädter wurden bei 470 mehrfach gekauft. Deutsche Vereinsbank bei 12972 nicht anzubringen. Auch der Eisenbahnmarkt war wenig belebt. Junge Staatsbahn, Nordwest, Franz-Joseph und Galizier in kleineren Posten in Umsatz. Von deutschen Linien Berbacker begehrt. Für Prioritäten nur beschränkte Nachfrage. In Hessischer LudwiqSbahn und Alfüld Einiges abgeschlossen. Dagegen verkehrte Silberrente wesentlich fester und t/4 Proc. höher. Von anderen Staatspapieren öproc. Badener und 47zt>roc. Württemberger in kleinen Beträgen am Markt. Spanier heute um 7s Proc. höher. Die Thronrede des Königs AmadeuS machte keinen besonderen Eindruck, da man aus ihr noch lange keine Garantie für bessere Zustände namentlich in finanzieller Hinsicht herleiten kann. Von Loosen waren heute bayerische 100 Thlr.- Stücke gefragt und österreichische 1869er. Die übrigen still und ohne Verkehr.
let
\ Frinkf. Sank : j Frank/. Vereins DurwBt Bankao
1 vTien Bank&ow l0«t. Creditaot. Galizien 268
I gorsfiW
25. Ap I ?reass. M0'0 >3.
p, Hey- 3 0
Gr‘ * n
Bayer. 5°,c
' w» V " 40/n iM WirJ.»
Oesterr &M" fapieni
8p*.
iertk. Bond«
Äerst
Main-
AM Es iot bäten zur Herst ans der Static rang aller Ma kicher 6ubmiffii Die Offerten mit der Ausschr „Submission stellung eine Station Ma bis zum Submi am 6. Mai d. bei der unterteil zu Frankfurt a. auch die Zeichm Bedingungen ei sions-Formulm werben können.
Frankfurt a. 5 fiönißl;
'Wicht
119 R.- 10 178,4
17,3
2
154,4
37,2
4
J- 9 'Meter !
!) 2 G 5 Ä
T
Wtmlaj von Bo foll in dem Gie Hangetstein, na l'ch versteigert r
100 "
Kl*
Mau. 81
AUW r M ssub 5 Adel-Sta
1 Gubtfr.
ateS
L tD*Ni
K in k^mi w* 162 Stetig, 34 »
364 "
*****


