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deo Polizei-Commiffar von Pagny. Dafür hat er jetzt zwei Monate Stubenarrest vom Kriegsminister erhalten.
Die GnademComwisfion hielt heute früh eine Sitzung. Dieselbe hat gegenwärtig noch über 800 Rekurse zu entscheiden, wahrend sie seit ihrer Ernennung bis jetzt schon 3300 erledigt hat. — Die Industriellen Deputationen werden in Versailles permanent, um Aufklärungen über den neuen Handelsvertrag mit England zu erlangen. Dieselben werden jedoch stets vom Handelsminister zu Thiers geschickt, der nur selten die Zeit hat, auf die Vorstellungen etnzugeehcn.
Die Klage der Brüder Fould, welche aus dem Grand Crcle auf dem Douleward Montmartre ausgeschlossen worden waren, ist von dem Eivilgerichte zur Entscheidung gekommen. Sie hatten sich, nachdem der Grand Cercle den Beschluß gefaßt, keinen Deutschen als Mitglied zu dulden, auf eine französische Naturalisation berufen. Das Gericht erklärte jedoch, daß Vereine jeder Art über die Aufnahme oder Duldung von Mitgliedern durchaus selbstständig zu entscheiden hätten und die Behörden kein Recht besäßen, sich einzumischen. Die Klage wurde daher abgewieseu und die beiden Kläger in die Kosten verurtheilt. Sympathie in ihrem Mißgeschick werden sie so wenig diesseits als jenseits der Vogesen finden.
Paris, 21. Novbr. Die „Agence Havas" meldet: In der Erwägung, daß Frankreich einer dauerhaften Regierung bedürfe, hat das linke Centrum bei« nahe mit Einstimmigkeit beschlossen, der Nationalversammlung einen Entwurf konstitutioneller Rcsormen zu unterbreiten, welcher zum Gegenstände hätte: die Verlängerung der Vollmachten ThierS', die Vicepräsidentschaft, die theilweise Er- rieuerung der Nationalversammlung, die Schaffung einer zweiten Kammer, die ganze Verantwortlichkeit. Wann dieser Entwurf eingebracht werden soll, ist in- beß noch unbestimmt.
Paris, 21. Novbr. Ein Telegramm von Leffeps, d. d. Konstantinopel, 18. Novbr., meldet: In der Suezcanal - Zollfrage ist zwischen der Pforte und dem Khedive volle Urbereinstimmung erzielt worden, so zwar, daß von beiden Seiten die Ansprüche der Suezcanal-Gesellschaft unterstützt werden sollen.
Versailles, 22. Novbr., Morgens. Herzog v. Audiffret und Duval haben stch zu Thiers begeben, um ihn cinzuladen, der Sitzung der Commission Kerdrel beizuwohuen. Der Präsident wird dieser Einladung heute Folge leisten. Man versichert, die Commission werde auf einem parlamentarischen und verantwort« lichen Ministerium bestehen und von Thiers verlangen, daß er aushöre, sich an den Debatten dcr Nationalversammlung zu betheiligen. Man hofft nichtsdestoweniger auf eine Verständigung. Der „Agence Havas" zufolge wären alle Par- teien darin einig, die Regterungsgewalt ThierS' auf vier Jahre zu verlängern.
Versailles, 23. November. Die Nationalversammlung nahm in zweiter Berathung den Gesetzentwurf bezüglich der Zurückgabe der confiScirten Güter der Familie Orleans an. Thiers nahm neuerdings an dcr Sitz'ng der Commission zur Derathung des Kerdrel'schen Antrages Theil. Die Commission ernannte Batbte mit 9 Stimmen gegen 6, welche Lasteyrie erhielt, zum Berichterstatter. Batbie gehört dem rechten Centrum an, soll jedoch einer friedlichen Lösung geneigt sein.
Italien.
Rom, 23. November. Ein Privattelegramm des „Giornale die Roma" sagt: Graf Remusat hat am die Großmächte eine Depesche gesandt, worin er dieselben von den gemeinsam mit Italien gemachten Bemühungen, Griechenland zu einem Abkommen in der Laurion-Angelegenheit zu vermögen, in Kenntniß setzt und darlegt, daß, wenn Griechenland sich unnachgiebig zeige, Frankreich und Italien energischere Maßregeln ergreifen müßten.
Spanien.
Madrid, 20. Novbr. Den ärztlichen Mittheilungen zufolge hat der König eine schlechte Nacht gehabt. Der Rheumatismus und das Fieber dauern fort. Heute hat der König den Minister-Präsidenten Zorrilla empfangen.
Zwischen Almansa und Albacete hat sich eine Schaar maskirter Männer ge- zkigt, welche die Telegraphenlinie zerstört und die Entgleisung eines Güterzuges verursacht hat. Auch nördlich von Alicante, zwischen Penaguila und Benilloba, sind bewaffnete Banden erschienen, welche man für Republikaner hält, während aus Alcoy, dcr bedeutendsten Fabrikstavt derselben Provinz, von sehr aufgeregter Stimmung berichtet wird.
Amerika.
Ein New-Jorker Correspondent der „Daily-News" enthält interessante Enthüllungen über die jüngste Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten. Nie zuvor haben bei einer amerikanischen Wahlcampagne so wenig Scrupel vorge- herrscht, oder ist so viel Geld ausgegeben worden, um Stimmen zu beeinflussen. Das Greclcy Comite in New-Jork soll 250,000 Doll., die Regierung aber 4 b'S 5 Millionen Doll., zu solchen Zwecken verausgabt haben. Es giebt in den Vereinigten Staaten 60,000 Beamte, die ihre Stellen dem Präsidenten zu verdanken haben, und jeder derselben war genöthigt, im Durchschnitt 50 Doll, zu rem Wahlfonds beizutragen. Viel? New-Jorker Kaufleute zahlten jeder 5,000 Doll, zu dem Grundfonds. Die Demoralisation, die durch diese verausgabten Summen verursacht wurde, war sehr groß. Nichtsdestoweniger wurde, wie die Correspondenz bemerkt, General Grant nicht durch den Einfluß seines Geldes wiedergewählt, sondern weil eine ungeheure Majorität der Bevölkerung ihn wirklich vorzog, eine große Anzahl Demokraten Horace Greeley selbst nicht auf das Gebot ihrer nationalen Convention unterstützen wollte. Gleichzeitig ließ sich die Greeley.Partei bet der Registration der Wähler, bei den Abstimmungen und dem Zählen der Stimmen viele Betrügereien zu Schulden kommen, was dazu beitrug, die Majorität für General Grant anzuschwellen.
Vermischtes.
Hannover, 13. November. Gleich nach dem Tode Elliffen's hat die Universität Göttingen einen zweiten schweren Verlust erlitten, den die Földerer der Wissenschaft in den weitesten Kreisen beklagen werden. Professor Clebsch starb, kaum 40 Jahre alt, nach kurzer Krankheit. Der Verstorbene, erst jüngst zum Prorector erwählt, galt als einer der bedeutendsten, vielleicht als der erste Mathematiker unserer Zeit, war vor etwa 10 Jahren Lehrer an dem Karlsruher Polytech- nicum, dann Professor in Gießen, wo er mit seiner Theorie der binären algebraischen Formeln seinen Ruf gründete. Zu seinen seit 1869 erscheinenden mathematischen Annalen hatte er die angesehensten Mathematiker Deutschlands und Skandinaviens erworben und damit eine der Wissenschaft die erheblichsten Dienste leistende periodische Schrift geschaffen. Als Lehrer that er sich durch eine seltene Klarheit des Vortrags hervor und verband damit eine Zuvorkommenheit gegen die Studirenden, die zur Folge hatte, daß die Zahl der jungen Mathematiker in Göttingen sich, wie man behauptet, seit Clebsch's Berufung mindestens vervierfacht hat. Ihre Trauer ist daher groß, und die Professoren beklagen nicht minder den großen Verlust des berühmten Collegen, den sie, obwohl er einer der jüngsten war, eben durch seine Erhebung zur Prorectorwürde geehrt hatten. Seit undenklichen Zeiten ist es nicht vorgekommen, daß die Universität einen Prorector im Amte verlor, und wohl nie auch hat Göttingen einen Trauerzug gesehen, wie er diesen Todten begleitete; die Leichenehren galten aber eben so sehr dem allgemein verehrten Manne als dem großen Gelehrten. Schüler des Verewigten trugen den Sarg auf den Trauerwagen und folgten unbedeckten Hauptes. Abt Ehrenfeuchter hielt die Leichenrede, die wissenschaftliche Bedeutung und die hohe» menschlichen Tugenden deö Verewigten würdigend.
Börsenberichte.
Frankfurt a. M., 22. November. Die Börse ist bei ihrer ausgesprochenen Hausse-Disposition gern bereit, allen Factoren Rechnung zu tragen, welche ihre Neigungen unterstützen. So war es denn auch heute der Londoner Bankausweis, dessen sehr günstige Positionen, welche der Hoffnung auf allmälige Besserung der Geldverhältnisse in London Raum geben, in Verbindung mit dem momentan nicht ungünstigen hiesigen Gelvstand (Geld ist in großen Posten zu 4^—5 o/o, allerdings nur per Tag, leicht zu haben) der Börse eine freundliche Physiognomie als gestern gaben. Bei fester Tendenz entwickelte sich ein recht lebhaftes Geschäft, hauptsächlich in Eredit- actien und Staatsbahn. Erstere mit 363 eröffnend, schlossen 364, mit einer Avance von 1 fl., während letztere nach 364‘/2—4?/s schließlich 3645/8 blieben, also gegen gestern Abend etwa IV« fl. gewannen. Lombarden, noch gestern Abend 2163/4, schloffen heute fest zu 218. Silberrente leblos, aber fest zu 64?/a notirt. In Banken herrschte wenig Verkehr. Für Wiener Bank- actien zeigte sich nur wenig Animo und stagnirten dieselben zu 1058—60. Von deutschen Banken wurden Deutsche Handelsgesellschaft zu 108'/r, um 3/« % besser wie gestern, gehandelt. Die guten Geschäftsresultute dieses Instituts dürften eine weitere nicht unerhebliche Eourösteigerung der Actien ermöglichen. Württemb. Vereinsbank I V« %, Darmstädter 2 Vs o/g höher, ebenso Brüsseler, Deutsche Vereinsbank, Bankverein, Deutsche Effectenbank höher. Oesterr.-Deutsche Bank gleichfalls beliebt; dieselbe nimmt nächste Woche, den 26. November, Zeichnungen auf die Actien der Franco-österreich.-ungarischen Bank in PariS (50,000 Stück ä 1121/2 °/0) entgegen. Oesterreich. Bahnen und Prioritäten ohne bedeutende Umsätze. Von Wechseln kurz London niedriger, l. S. höher, Wien und Hamburg besser, Paris eher matter. Sorten unverändert. Goldcoupons per Januar 2 fl. 24 Fr. Zufolge telegraphischer Berichte waren die Netto-Einnahmen pro October der Oregon- und California-Eisenbahn (Cours 49) und der mit ihr vereinigten DampsschifffahrtS- gesellschaft-ComPagnie 54,000 Dollars.
Frachtbriefe für die Main-Weser-, Cöln-Mindener und Oberhessische Eisenbahn, sowie sammtliche zollamtliche« Formulare, find zu haben bei W. Klee, am Markt.
Besondere Bekanntmachungen.
Bekanntmachung.
5456) Die Ausloosung der Haupt- und Ergänzungs-Geschworenen für das Schwurgericht der Provinz Oberhessen vom ersten Quartal 1873 soll
Donnerstag den 5. December I. I., Vormittags 11 Uhr, in öffentlicher Sitzung Großherzoglichen Hofgerichts in dem Hofgerichtsgebäude vorgenommen werden.
Meßen, den 25. November 1872.
Der Präsident Großherzoglichen Hofgerichts der Provinz Oberhessen:
Dr. Buff.
▼dt. Bichmann.
Allgemeiner Anzeiger.
5454) Frequenz und Einnahme aus den
Oberhesfischen Eisenbahnen.
Monat.
Meilen- zahl.
Personen-Verkehr.
Güter - Verkehr.
Nebenerträgnisse.
Summe im Oct.
Total von Januar bis incl. Oct.
Anzahl.
Monats. Äbonne. mente
Ertrag.
Ctr.
Ertrag.
Octobr. 1872.
23,47
41997
4
fl- 20470
kr.
10
305054
st-
20266
kr.
5
fl- |fr- 595'31
st. 41331
kr.
46
fl.
315831
kr.
16
Octobr. 1871.
23,47
37289
3
18341
10
171006
13154
16
592
23
32087
49
275624
38
Differenz.
Gießen, im Nover
aber 1872.
+ 4708
+ 1
+2129
—
4-134048
+7111
49
+ 3
8
+ 9243
Die
57
Di
4-40206
rectiorr.
38
Oeffentliche Aufforderung.
Wilhelm Reinig, Sohn des Poli- zerdieners Ludwig Reinig dahier und dessen Ehefrau Katharina, geborene Kauf, wird auf Antrag seiner beiden Geschwister, da lein Aufenthaltsort seit vielen Jahren unbekannt ist, hiermit davon benachrichtigt, , dcch seine Mutter am 27. Juli 1863 dahier ebne Testament, sein Vater am 28. Octo- brr 1872 mit Hinterlassung eines Testaments,
nach welchem das ganze noch vorhandene Vermögen seinen beiden Geschwistern zufallen, und er mit demjenigen, was er im Jahre 1850 bei seiner Auswanderung nach Amerika erhalten habe, sich begnügen soll, gestorben sind, und aufgefordert, binnen drei Monaten sich über die Antretung der Erbschaft seiner Mutter und die Anerkennung des Testaments seines Vaters bei unterzeichnetem Gerichte zu erklären, widrigenfalls Ausschlagung der mütterlichen Erbschaft und Anerkennung des väterlichen Testaments angenommen, und der gesammte Nachlaß,
insbesondere auch die Immobilien, seinen beiden Geschwister überwiesen werden.
Gießen, den 19. November 1872.
Großherzogliches Stadtgericht Gießen. Dr. Muhl, Oppermann,
5447) Stadtrichter. Stadtger.-Assessor.
Feilgebotenes.
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