Einzelbild herunterladen

Reisen Gawbetta's bot den Anlaß zur Eröffnung der Feindseligkeiten. Der General wies in seiner Rede auf das Umsichgreifen des Radikalismus hin und beschwor dieprovisorische Regierung", fich von einem Parteiführer loSzusageu, der, wenn er wieder zur Herrschaft gelangte, den Ruin Frankreich« herbeiführen würde. Selbstverständlich lag in diesen Worten ein starkes Mißtrauensvotum gegen Thiers, da der Sinn derselben doch nur der sein kann, daß Thiers dem Agitator nicht mit Entschiedenheit gegenüber getreten ist, im Gegeutheil ihn hat gewähren lassen. Auch Broglie verlangt, daß ThierS sich von Neuem in förmlicher Weise von Gambetta lossage. Statt dies zu thun, erklärt Thiers die Rede von Grenoble für einen bloßen Vorwand: man solle doch einfach eine Vertrauensfrage < , stellen. Bei der Abstimmung wird die einfache Tagesordnung, gegen die sich auch die Regierung erklärt, mit großer Majorität abgelehnt; desgleichen gegen eine sehr starke Minorität eine motivirte Tagesordnung Benoist d'Azy'S, welcher gegen die Doctrinen der Rede von Grenoble sich erklärt, und dem von dem Präsidenten gegen dieselben bereits ausgesprochenen Tadel beitritt. Gegen diese Tagesordnung hatte sich auch die Regierung erklärt, offenbar weil dieselbe den Ausdruck des Vertrauens vermied. Dagegen erklärte sich die Regierung für die Tagesordnung Mettetal's, die unter Zurückweisung der von Gambetta bei dem Bankette in Grenoble bekannten Grundsätze, das Vertrauen der Versammlung zu der Energie der Regierung aussprach. Dieser Antrag wurde zwar mit 267 von 384 abge­gebenen Stimmen angenommen, aber die Rechte enthielt sich der Abstimmung, weil der Antrag nicht stark und entschieden genug den Gegensatz der Regierung zu der radikalen Partei hcrvorhebe. Diese Motivirung verschweigt offenbar den Hauptbeweggrund, von dem die Rechte sich hat leiten lassen. Sie hat sich be- N sonders deshalb der Abstimmung enthalten, weil sie es vermeiden will, Thiers ein ausdrückliches Vertrauensvotum zu geben.

Als Verweigerung einer Vertrauenserklärung faßt auch Thiers die Stimmen­enthaltung auf. Denn dem Vernehmen nach beabsichtigt er, sofort von der Der- sammlung ein Vertrauensvotum zu verlangen. Selbst das Gerücht, daß drr Präsident bereits seine Demission eingereicht habe, war verbreitet und hat, wie es scheint, mehrfach Glauben gefunden, da dieAgence Havas" es für nöthig hält, dasselbe ausdrücklich für unbegründet zu erklären. Da die Berathungen Thiers, mit den Ministern und den Führern des linken Centrums fast ohne Unterbrechung fortdauern, so scheint es fast, als ob Thiers' Entschlüsse noch nicht vollständig seßstehen, was im Grunde, bei den verhängnißvollen Folgen^ die in der gegenwärtig hoch gespannten Lage jeder übereilte und unrichtig bemessene Schritt haben kann, nicht zu verwundern ist.

Denn es läßt fich nicht verkennen, daß in diesem. Augenblicke die Stellung der Vertrauensfrage eine überaus gefährliche Maßregel ist. Man wird aller Wahrscheinlichkeit nach der Majorität die gewünschte Erklärung nicht verweigern, ,, auch die äußerste Linke, obwohl durch das Eintreten der Regierung für den An-

M trag Mettetal natürlich gereizt, wird es doch nicht zu einem Bruch kommen lassen,

h da ihr Interesse ihr für jetzt noch die Unterstützung Thiers' gebietet. Der mittlere«

t Parteien ist Thiers in der vorliegenden Frage sicher; keineswegs aber der Rechten,

und darin liegt die mit der Stellung der Vertrauensfrage verbundene Gefahr. Allerdings kann die Rechte nicht den Wunsch haben, Thiers zum Rücktritt zu zwingen, da sie nicht die Macht und Fähigkeit besitzt, ihm sofort einen Nachfolger nach ihrem Wunsch zu geben. Wie aber, wenn die Rechte ihr Spiel vom 18. wiederholt und sich der Abstimmung enthält? Dann würden vielleicht alle ab­gegebene» Stimmen ThierS ihr Vertrauen aussprechen, und dennoch würde das Votum nur die Bedeutung eines Parteivotums haben, während Thiers doch grade eine Stellung über den Parteien einzunehmen sucht und bisher noch gegen jeden Versuch, ihn zum Parteihaupt zu stempeln, energisch protestirt hat.

Und in der That, sobald ThierS sich gezwungen sieht, seine vermittelnde Stellung mit der eine- Parteihauptes zu vertauschen, muß er den Boden unter den Füßen verlieren. Denn als Parteihaupt ist ihm Gambetta überlegen. Thiers hat es als seine Anfgabe betrachtet, jeden Zusammenstoß zu verhindern; sein Schaukelsystem war nur die Conscquenz dieser Aufgabe. Ein offener Bruch mit der Rechten würde dir Fortsetzung dieses Systems zur Unmöglichkeit machen, und mit dem System selbst würde such ohne Zweifel der Träger desselben bald genug zu Falle kommen.

So bereitet sich in Frankreich eine äußerst ernste und verhängnißvolle Ent- scheidung vor. Die Zeit der Compromisse scheint vorüber zu sein. Vielleicht gelingt es noch einmal, eine Nothbrücke über den klaffenden Spalt zu schlagen' aber die Herstellung eines Waffenstillstandes von längerer Dauer auf Grundlage des bisherigen Paktes ist undenkbar.

Deutschland.

Mainz, 20. Novbr. In unseren gestrigen Mainzer Blättern war in ge- sperrtem Druck zu lesen, daß der Großherzog seine Zustimmung zum Stadt- erweiterungsvertrag gegeben, und daß es jetzt nur noch der Ratification durch den Kaiser bedürfe, um dem Vertrag Rechtskraft zu geben. Dies ist allerdings richtig, doch nur von formeller Bedeutung, da an dieser Ratification nie auch nur einen Augenblick gezweifelt worden. Trotzdem jetzt schon Vorbereitungen ge- troffen werden, zu der Herstellung zweier Verbindungswege zwischen Stabt und Gartenfeld, so wird der eigentliche Beginn der Arbeit, die Straßendurchbrüchc und die Inangriffnahme eines Thciles des Glacis, nicht vor dem März kommen- den Jahres stattfinden. Bezähmen wir unsere Ungeduld noch etwas, bis eines schönen Frühlingstages mit Sang und Klang der erstickende Panzer unserer Stadt durchbrochen wird. Seit einigen Tagen hat endlich die Regierung Maßregeln getroffen, die beweisen, daß das Jesuitengesetz in seinem vollen Um- fange durchgeführt werden soll. Es ist den Patres nicht gelungen, durch geschickte Manöver da« AuSweisungSdecret zu umgehen, weder dem P. Zöller, der sich nach Seligenstadt zurückziehen wollte, noch dem als Superior fungirenden P. Doß, der als Bayer sich das Gemeindebürgerrecht in Viernheim erworben; die Aus- Weisung wurde im vollsten Sinne aufrecht erhalten. Ferner erließ die Regie» rung au Kreisämter und Bürgermeistereien einen Erlaß, der die discrete Ueber- wachung des neu angeordneten Herz-Jesu-GotteediengeS anempfahl, und soll sich, nach demMainzer Journal" ein uniformloscr Polizeidiener regelmäßig in dem Abendgottesdienst dicht an der Kanzel postirt halten. Vor einigen Togen verlas der H»rr Bischof in dieser zur Verehrung dcS Herzens Jesu gestifteten Andacht einen in der leidenschaftlichsten Sprache abgef.ßten Protest gegen die Jesuiten- auSweisnng, der auch wörtlich imMainzer Journal" erschien; und so gern wir der Pnsse die volle Berechtigung zu solchen Ausbrüchen zugestehen, um so mehr

muffen wir eS bedauern, wenn der geheiligte Platz der Kanzel, mit den vielen urtheilsunfähigen Zuhörern, zu politischen Aufhetzereien benutzt wird. So trau» rig es ist, die kirchliche Andacht einer Religionsgesellschaft unter polizeiliche Auf. sicht zu stellen, so müssen wir nach solchen Sceoen doch der Regierung das Recht zugestehen, Sorge zu tragen, daß die durch die Strafgesetze geschützte Heiligkeit der Kirche n.cht zum Schauplatz der wüsteten Leicenschaft und Erbitterung miß- braucht wird. Als dritter Erlaß sind die Vorsteher der höheren Schulen Gymnasium, Realschule rc. in Kenntniß gesetzt worden, daß die Theilnahme ihrer Schüler an den Congregationen, Sovalitäten rc. auf's Strengste, ja sogar bei Ausweisung verboten ist, und daß tic Direktoren dafür zu sorgen Haden, daß ähnliche Vereinigungen, welch alten oder neuen Namen sie auch tragen mögen sich nicht in die Lehranstalten wieder einschleichen sollten. Es wird freilich, wenig­stens in dem hiesigen Gymnasium, einer strengen Controle bedürfen, um den jetzlwuligen Director und den noch einflußreicheren Religionslehrer zu zwingen, olle Versuche zu religiösen Vereinigungen der Schüler aufzugeben, doch hoffen wir, daß auch die Eltern ihre Pflicht thun, und den wohlgemeinten Erlaß der Regierung unterstützen. Ob bas plötzliche energische Auftreten des neuen Mini- steriums gegen die Ultramontanen vielleicht etwas mit den bevorstehenden Wahlen zusammenhängt? (£. g)r.)

Berlin, 22. Novbr. Abgeordnetenhaus. Auf die Interpellation Knefe- beck'S wegen der von der Regierung zu treffenden Maßregeln zur Hülfeleistung für die von der Sturrvfluth Beschävigtrn erklärt der Minister des Innern, daß die Regierung beabfichtige, RetabliffementSgelder zu gewähren, zu deren Der- Wendung den Regierungs-Präsidenten Spielraum gelassen werben würde. Eckern­förde habe am meisten gelitten. Sollten cie zur Nothlinberung bestimmten Fonds nicht ausreichen, so würde die Regierung mit angemessenen Forderungen an den Landtag treten. Es folgt die zweite Lesung der Kreisordnung. Die §§. 4 bis 17 werben ohne Debatte angenommen. Die von der Fortschrittsparter zu den §§ 18, 48 und 56 gestellten Amendements auf Wiederherstellung der früheren Fassung, ebenso wie di- Amendements der Conservativen zu den §§. 49 und 74 wurden abgelehnt und die Regierungsvorlage bis §. 83 einschließlich angenommen. Oie Sitzung schloß um 4 Uhr. Morgen erfolgt Fortsetzung der zweiten Lesung Der Kreieorbnung und erste und zweite Bcrathung kleinerer Vorlagen.

In Folge der außerordentlich lebhaften Opposition, welche von Seiten der bayerischen und der sächsischen Negierung erhoben worden ist, soll nach einer der B. B.-Ztg." zugehenbrn Notiz in der letzten Sitzung des Bundesrathes der Preußische Entwurf für ein Deutsches Rejchs-Bank-Gtsetz vorläufig zurückgezogen worden sein, so daß also eine Vorlage dieses Gesetzes in der nächsten Session des Reichstages nicht mehr zu erwarten steht.

DieN. A. Ztg." schreibt:Der Hayti'sche DtvisionSgeneral Brice ist hier eingetrvffen, um eine diplomatische Vertretung der Republik Hayti herzu­stellen, welche bisher am hiesigen Hofe nicht bestanden hat. Der General ist bereits in London, Paris und Madrid accreditirt und dürfte demnächst auch hier als Repräsentant seines Landes beglaubigt werden, das mit Deutschland in viel­fachen und freundlichen VerkehrSverhaltniffen lebt. Wenn General Brice feine Creditive überreicht haben wird, dann bietet sich die erwünschte Gelegenheit, über die mannigfachen Interessen beider Länder zu verhandeln, und es ist allerdings nicht ausgeschlossen, daß dabet auch der Jncidenzpunkt von Port-au-Prince zur Sprache kommt, der jedoch keineswegs, wer tu der Presse hier und da irrthüm- lich angenommen wird, im Vordergründe der Sendung des General Brice steht."

Aus Westfalen wird derKöln. V. Z." geschrieben: .Gutem Vernehmen nach beabsichtigt der westfälische Abel während des kommenden Winters angesichts der bedrängten Lage, in welche fich die katholische Kirche in unfern Vaterlande in Folge der Ungerechtigkeit und Willkür des Liberalismus versetzt fieht, sich aller sonst üblichen Festlichkeiten und Vergnügungen zu enthalten."

Berlin, 23. Novbr. Wie glaubhaft verlautet, ist von einer Berufung großer Industrieller und BanquierS in das Herrenhaus für jetzt abzufehen und sind zunächst Berufungen aus der Categorie der hohen Staatsbeamten zu erwarten.

Berlin, 23. Novbr. Im Anschlüsse an die Mittheilung desDeutschen Wochenblattes", baß die Herrenhaus - Majorität zur Abwendung des Pairsschubs durch zwei Mitglieder der Majorität der Regierung die Annahme der Kreisord­nung habe in Aussicht stellen lassen, macht dieSpen. Ztg." als diese Unter­händler die Herren v. Kleist-Retzow und v. Plötz namhaft.

Karlsruhe, 22. Novbr. Der deutsche Kronprinz befindet sich in ununter­brochener Besserung. Die Reise in die Schweiz dürfte aber dem Vernehmen nach gänzlich aufgegeben sein. Es wirb vielmehr auch die Frau Kronprinzessin Bex verlassen, hierher kommen und dann mit dem Kronprinzen nach Potsdam zu- rückiehren.

Karlsruhe, 23. November. Die Besserung in dem Befinden des Kronprinzen schreitet stetig, aber langsam fort, weshalb über die Weiterreise noch keine Be» stimmungen getroffen sind.

Straßburg, 23. November. DieStraßb. Ztg." veröffentlicht das )rüfung--Reglcment für die Candidateu des höheren Schulamts bei der wissen­schaftlichen Prüfungscowmisston in Straßburg. Die Bedingungen find ähnlich Den im übrigen Deutschland geltenden. Unter de» Vorsitz de« Oberprä'fidenten hat sich ein Central-Eomite behufs Unterstützung der Ostsee-Beschädigten gebildet.

Regensburg, 22. Novbr. Wie demNürnb. Eorresp." aus sicherer Quelle wttgetheilt wird, ist auf persönliches Verwenden der Erbprinzessin von

-turn und Taxis beim König von Bayern ter Aufenthalt und die ganz private Wirksamkeit des Jesuitenpaters Löffler als fürstlichen Erziehers einer Beanstan­dung zur Stunde entzogen.

Regensburg, 22. Novbr. Der Recurs des Jesuiten Roder, eines gebo­renen Obcrpfälzkre, gegen die bezirksamtliche Ausweisung aus dem Nachbarorte Regensdorf, ist von der KreiSordnung verworfen. Roder hat Regensdorf be­reits verlassen.

Frankreich.

Paris, 20. Novbr. Wie verlautet, sollen die Pässe zwischen Deutschland und Frankreich aufrechterhalten bleiben. Die deutsche Regierung drang zuerst auf deren Abschoffung. Da aber die französische Regierung Schwierigkeiten erhob, so soll Graf Arnim erklärt haben, daß es feiner Regierung ganz recht fei, wenn

man dieselben aufrechtcrhalte, da sie dann die französischen Umtriebe in Elsaß- Lothringen besser überwachen könne.

Wie gemelvet, ohrfeigte vor einiger Zeit der General Huyn de Vern^ville

d,»

irr'f «7

Du

»ärl'9 bl« i'«1 ' , $/r|W

W i< "

VoultMd

Mimsati M dir t schlibev jlage rrulv Eppathik Logrfrn fn

Pari H gtant. nahe mit l flitusionelle ! Drilängeru titverung l

Str, bej noch u

Pari! 18. Aovbr. tnn Khrdlv Seiten die

Nt M iu Th" brijlmohuen Mert, 1 Ws Minis ta Debatte billiger aus Irirn darin

Vech Nerathun^' Sundlie Or zur verath *' Salbte mb Batbie getz genützt sein

fa, tyi: Graf dieselben to |U einem A und darlezt 3lalien ene

Mad j l/ne ftycty, fru/e t)at b , Zv'sq Rt i welchr Verursacht hc N delvaffli, m Alcop, Stimmung [

^i

F ton sei i teit

Besonder Bet, %!

W der Pi Kartal 1873 Donnerstag

4?s<

I

d-n

' tlTNibent der P