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Tscheragan zu verlassen und wieder nach Dolma Bagtsche zurückzukehren, weil die Feuchtigkeit des neuen Palastes ihm ein Unwohlsein verursacht hatte. Das Gerücht hat nun dieses Unwohlsein sofort zu einer sehr ernstlichen und bedenklichen Krankheit vergrößert, und schon fängt man an, sich in den abenteuerlichsten Con- jecturen zu ergehen. Die Wahrheit wird wohl in der Mitte liegen; aber im gegenwärtigen Augenblick ist schon selbst eine weniger gefährliche Erkrankung des Staatsoberhauptes eine sehr ernsthafte Sache. Die Thronfolge war durch die in den letzten Monaten zu Tage getretenen Velleitäten ernstlich gefährdet. Der Sultan ist schon seit längerer Zeit in einer Verfassung, die ihm nicht erlaubt, sich eingehend mit den Staatsgeschäften zu beschäftigen, und seit 10 Monaten steht an der Spitze der Regierung ein Mann, der zwar eine unbeugsame Energie an den Tag legt, aber in allen seinen Amtshandlungen Tendenzen beurkundet, welche mit den heutigen Staatsbedürfniffen und mit dem Zeitgeiste keineswegs Harmoniken.
Amerika.
Die neuesten Telegramme aus Texas berichten von neuen Gewaltthaten der Indianer. Nach einer Mittheilung der Newporter Handelszeitung scheint sich der Indianer überhaupt wieder eine große Unruhe bemächtigt zu haben. Die Stämme der Cheyennes, Cowes und Sioux machen Manöver, welche auf feindliche Ab fichten deuten, und man muß feine Vorkehrungen danach treffen. Die Indianer- Kriege haben dem Lande schon mehr geschadet und gekostet, als alle Kriege mit England, den Unabhängigkeitskrieg eingeschloffen. Es wird darauf gerechnet, daß jeder im Kampf getödtcte Indianer der Republik hundert ihrer Krieger und eine Million von ihren Schätzen kostet, abgesehen von den angerichteteu Verwüstungen und der peinlichen Stockung, welche die Civilisation, die Ansiedlung dadurch erleidet. Ohne sich im Geringsten Cooper'scher Sentimentalität hinzugeben, darf man behaupten, daß die Treulostgkett gegen die Indianer in den allermeisten Fällen die Schuld an diesen Kriegm trägt. Die mit ihnen abgeschloffenen Verträge, die ihnen gegebenen Versprechungen werden nicht gehalten, ^thcils weil der Congreß sie verbummelt, theils wegen der Korruption der Agenten. Es war eine Hauptaufgabe des Präsidenten Grant, hierin eine Aenderung zu treffen. Seine humane Politck hat manche Conflicte verhindert, aber bis jetzt noch keinen durchgreifenden Erfolg gehabt. So eben ist in Washington ein Schreiben der im Jndianergebiet vereinigten Nationen eingelaufen, welches nachweist, daß jenes Gebiet ihnen als freies Eigenthum, auf dem sie, unbehelligt durch Weiße, in Frieden unter einander und mit ihren Nachbarn leben könnten, übertragen worden, nachdem man sie aus ihren früheren Wohnsitzen, die gleichfalls ihr rechtmäßiges Eigenthum waren, gewaltsam entfernt. Sie hätten fich's dort nach harter Arbeit eben gemüthlich gemacht, und jetzt wolle man ihnen ihre Ruhe, ihr Eigcnthuw, die Früchte ihre-s Schweißes rauben, indem man den werthvollsten Theil ihres Landes an Eisenbahn-Compagnieen verschenke. Die Indianer protestiren gegen diese Gewaltthat, und wollen sich nicht darein fügen. Wie kann man ihren Friedeosbruch verdammen, wenn man ihnen selbst die Treue bricht?
Mittheilungen aus der Provinz.
—e. Groß-Linden bet Gießen. Die durch den prächtigen Stand der Saatfelder freudig gehobene Stimmung unserer Bevölkerung während des jetzt beendigten Kirchweihfestes wurde leider durch einen sehr bedauerlichen llnglücksfall gestört.
Eine junge Braut nämlich, die mit ihrem Verlobten und andern Angehörigen ihrem zukünftigen Wohnort einen Besuch abstatten wollte, ist das Opfer einer Unvorfichtigkeit geworden. Als bie Abreise Morgens 4 Uhr vor sich gehen sollte und sie bereits als die Letzte daS Zimmer verlassen hatte, erinnerte sie sich, daß die Petroleumlampe noch zu löschen sei. Sie kehrte rasch zurück und kurz darauf verkündigte den außen Harrenden ein gellender Schrei ein Unglück.^Der Verlobte stürzte ihr rasch nach und fand seine Braut in Hellen Flammen stehend. Die Petroleumlampe war während des Löschens erplodirt und hatte schon in der kurzen Zeit entsetzliche Verheerungen an der Unglücklichen angerichtet. Trotz der Geistesgegenwart des Bräutigams, der das Feuer an ihrem Körper durch Uederwerfen seines Rockes erstickte und sich selbst dabei arg verbrannte, liegt sie in einem schaudeihasten Zustand darnieder und wird sehr an ihrem Aufkommen gezweifelt.
ES mag dies eine Warnung für Diejenigen fein, welche leichtsinnig mit Petroleumlampen umgehen. Sachkenner aber sollten die Frage behandeln, wie die Gefährlichkeit der Petroleumlampen zu heben sei.
Literarisches.
In Frankreich (1870 — 1871.) Erlebnisse eines nicht ausgewiesenen Deutschen während des deutsch-französischen Kriegs. Darmstadt, G- Jonghaus'sche Hofbuch.' Handlung, Verlag. Preis 48 fr-
Der lange und heftige Kampf zwischen den beiden Nachbarnatronen, der schließlich zu einer Occupatio« von halb Frankreich führte, hat uns neue und umfassende Aussichten in das innere Leben des französischen Volkes eröffnet, unsere Kenntniß von dessen Naturell erweitert und vertieft, Unterscheidungen gelehrt, wo man bisher einige
allgemeine Sätze für Wahrheit hielt- Was unsere Heere in Feindesland gesehen und erfahren haben, hat nachher den Schriftstellern zu Hause unerschöpflichen Stoff geliefert; und die Franzosen selbst bearbeiten eifrig die Geschichte ihrer Schicksale während des Kriegs. Den Darstellungen auf deutscher Seite geht vielfach eine dauernde und eingehende Bekanntschaft mit Land und Leuten ab, die französischen Publicisten natürlich sind eine durch Haß und Uebelwollen getrübte Quelle. Das vorliegende Buch füllt daher gerade eine Lücke aus, indem es die Beobachtungen wiedergibt, die ein in Frankreich wohnender Deutscher, dem es ausnahmsweise gelang, seiner Ausweisung zu entgehen, während des Krieges gemacht hat- Der Verfasser ist ein geborener Darmstädter, August Maurer, seit langen Jahren als Dirigent einer Fabrik in Briare an der Loire thätig, und von warmem Patriotismus für Deutschland erfüllt- Er hat alle Ereignisse, die sich in seinem Wohnorte zutrugen, beobachtet, den Traum von bevorstehenden Siegen im Anfang, die entsetzlichen Täuschungen im Verlauf des Kampfes miterlebt, das kaiserlich französische Heer und die deutschen Sieger, die Mobilen der Loire-Armee und die Franctireurs des Südens von Angesicht zu Angesicht gesehen. Er schildert der Reihe nach die Volksstimmung vor den schweren Niederlagen, die Verzweiflung nach den Tagen von Wörth, Sedan und Metz, die erste Occupation durch die Deutschen, das Vorrücken der Loire-Armee, die zweite deutsche Occupation, die Besitznahme der Stadt durch die Mobilen des Generals du Temple, die Zustände endlich nach der definitiven Occupation durch die deutschen Truppen. In warmer und lebhafter Darstellung läßt er alle Bilder an uns vorüberziehen Und es ist von besonderem Reiz, zugleich zu verfolgen, wie sich ein Weltkampf von riesigen Dimensionen im Kleinen und Einzelnen, in den bürgerlichen und niederen Kreisen des besiegten Volkes ausnimmr. Auf Details können wir hier nicht eingehen, wir machen nur noch flüchtig auf die treffliche Schilderung der Anwesenheit des Generals Stülpnagel mit seiner Division aufmerksam.
Der Verfasser will durch fein Buch zur Versöhnung der beiden Nationen beitragen und er führt diese seine Absicht näher aus, indem er in der Einleitung die Schwächen und Vorzüge des französischen Nationalcharakters eingehend zergliedert. Hält man mit der Einleitung die Erzählungen des Buches selbst zusammen, so darf man in der That sagen, daß die französische bürgerliche nnd bäuerliche Bevölkerung, besonders in den Provinzen vielfach in einem günstigeren Lichte erscheint, als man früher, wo man vorzugsweise die großen Städte und Paris im Auge hatte, annahm.
Der Erlös ift für die Heilstätte der Frau Marie Simon in Dresden bestimmt.
Börsenberichte.
Frankfurt a. M., 24. Juli. „Die Sonne versendet glühenden Brand" und die Course schrumpfen zusammen wie der Umfang des Geschäfts auch. Bei kaum nennenSwerlhen Umsätzen verkehrten EpeculationSeffect.n bei matter Stimmung. Credltactien hielten sich mit Roth auf 3463/4 und Staatöbahn sanken bis 354-'/-, Lombarden brS 218V<- Dieser Rückgang ist hauptsächlich eine Folge der gestrigen Baisse in Paris, wo wieder starke Verkäufe in Staatsbahnactien und SubscriplionSresultaten stattfanden, so daß letztere auch hier stark offerirt und heute zu 80—90 CtS. zu haben waren. Die Anmeldungen zur französischen Anleihe laufen hier sehr zahlreich ein, doch ist zu bez ,-eifeln, ob dec gehoffte Gewinn sich in dem erwünschten Maße realisiren wird. Auf den andern Gebieten des EourSzettelS herrschte gleichfalls vollständige Geschäftslosigkeit. Von Banken waren heute Darmstädter wieder beliebter, Deutsche Hypothekenbank aus- geboten. Gffectenbank fest. Für österreichische Bahnen, wie namentlich Elisabeth und Nordwest, traten etliche kleine Käufer auf. Von deutschen Linien waren pfälzische Nord- und Marbahn zu letztem CourS in Umsatz. Prioritäten ziemlich unbelebt, ebenso Staatspapiere. Auf dem Looscn- markt wurden etliche Abschlüsse in österreichischen 1860ern und in Braunschweigern gemacht. Amerikaner flau, besonders Prioritäten.
BSrseiuiachrlchtea.
24. Juli 1872.
Preuss. 41/i% Oblig. 103 Vs
Frankf. 37z % Obi. 87
Nass. 4Va% Obi. 995/g
Kurhess. 4% n 93 Vr
Gr. Hess. 5<V0 Obi. 101
Bayer. 5% „ 100%
„ 4V1% 1jährige lOO'/r
„ 4O/o 1jährige — Würtemb. 47z % Obi. 997/g Baden 4VzO/g Obi. 0. E. L. 997/g Oesterr. Silberrente 643/8
„ Papierrente 58 Spanier, neuest. 3o/o 29 Amerik. Bonds 1881 r 99*/<
, ■ i882r 96V*
„ „ 1885r 97Vs
„ » 1887r 967/g
Act len.
Frankf. Bank 142
Frankf. Vereins-Kas^e 1407z
Darmst. Bankact. 4797z
Wien Bankaotien 894
Oest. Creditact. 347
Galizien 256
Aeticn.
5% östr. F. St. E. B. 355 Lombard. Bahn 219 Ludwigsh.-Bexbaoh 200 Maxbahn 1445/s
Bayer. Ostbahn 1387z Rhein-Nahebahn-Aot. 453/4 Hess. Ludwigsb.-Aot. 179 Oberhessen „ 827z
Prioritäten»
3°/0 oster. Stsb.-Prior. 583/s 3% öst. s. Lombard 507z 3% Livomeser 39 5% Toscaner 627i 5% Elisabeth.-Prior. 847/8 do. n. Emiss. 84_________
Anlehenalooae.
Darmstädter fl.SOLoose 191 25 _
Korh. 40 Thlr. Loose 7174 Nassau 25 fl. 457a Braunschweiger 217z 3% Oldenburg, ä 40Thlr. 39 4% bayr. Präm.-Anl. 1 i 3 7< 4% badische Loose 11 1 Badische fl. 35 Loose 697/fl Oestr. fl. 250 v. 1854 857z 1858r Prioritätslooee — 1860r Loose 91 1864r „ 1567z
Wechsel.
Amsterdam
k. 8.
98 Vr
Augsburg
k. 8.
99-3/4
Berlin
k. 8.
1047a
Bremen
k. 8.
1757s
Brüssel
k. 8.
93-74
Hamburg
k. 8.
873/6
Leipzig
k. 8.
105
London
k. 8.
1183/4
Lyon
k. 8.
Paris
k. 8.
937z
Wien
k. 8.
lC53/8
ditto
m. 8.
ditto Disconto
1. 8. 1057g 4O/o
Geldgorten» fl. kr.
Pr. Friedrdor 9 58—59 Pistolen . . 9 41—43
„ doppelte 9 41—43 Holl. fl. lOSt. 9 53—55 Ducaten . . 5 34—36 20 Frankenst. 9 22 —23 7z Engi. Sover. 11 50—52 Buss. Im per. 9 42—44 Dollar in Gold 2 25 72—267,
Allgemetuet Anzeiger.
Zitat"*
1 Lltn gegangen *■ P6"rede Dit gao|<’ ®lr d(1 . .7, bttann* f<l-
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Besondere Bekanntmachungen. Concurrenz-Eröffnuuq.
3376) In dem Landeszuchthaus Marien- schloß ist eine Ausseherstelle mit einem Gehalte von mindestens 325 Gulden zu besetzen. Der Anzunehmende muß ein Handwerk können (Schneider werden bevorzugt), kräftig und unverheirathet, auch im Rechnen und Schreiben bewandert sein. Bei seiner persönlichen Anmeldung dahier hat er sich mit den Zeugnissen seiner Orts- und Militärbehörde zu versehen.
Marienschloß, den 16. Juli 1872. Großherzogliche Landeszuchthaus-Direction. __________ Scriba._________
Bekanntmachung.
Gigenthumsbeschädigung in der Gemarkung Gießen.
3486) Gegen Ende Februar l. I. sind in der Promenade, vor den Häusern des Maschinenbauers Nenzel und des Bau- «ocessisten Wteßell, fünf Lindenbäume be- fchädiat worden und hierdurch ein Schaden von Drei Gulden entstanden.
Da der Thäter bis jetzt nicht hat ermittelt werden können, so bringen roh diesen Fall zur Kenntniß des hiesigen Publikums,
um dasselbe hierdurch zu veranlassen, zur Entdeckung dieser boshaften gemeinschädlichen Handlung in der Art mitzuroirken, daß es von Jndicien, die zu seiner Kenntniß kommen, der unterzeichneten Bchörde Mittheilung macht.
Zugleich setzen wir die hiesigen Einwohner davon in Kenntniß, daß nach dem Gesetz vom 3. Februar 1797 der durch jenen Frevel erwachsene Schaden bei der Nichtermittelung deL Thäters auf die Köpfe der Ge- meindeangehörigen ausgeschlagen wird und daß der Stadtoorstand eine Belohnung von mindestens Zehn Gulden Demjenigen gewährt , welcher solche Jndicien namhaft macht, auf Grund derer die Bestrafung des Thäters ermöglicht werden kann.
Gießen, den 23. Juli 1872.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
V 0 gt.
Oberhessische Eisenbahnen.
Bekanntmachung.
3485) Vom 25. Juli l. I. ab treten für den Transport von Brennholz von Mücke nach Frankfurt a. M- directe Tarifsätze in's Leben, welche bei der Güterexpedition Mücke zu erfahren sind.
Gießen, den 22. Juli 1872.
Die Direction: Mohn.
Versteigerungen. Bekanntmachung.
3272) Das in der Gemarkung Dillenburg und Niederscheld des Dillkreises belegene Königliche Domänen - Vorwerk „Feldbach" mit einem Gesammtareale von 319 Morgen 24 Ruthen 49 Schuh Nassauischen Maaßes, oder 79,811 Hectar, soll mit den darauf befindlichen Gebäuden und einer damit verbundenen Gastwirthschaft für die Zeit vom 1. Januar 1873 bis Johanni 1891 öffentlich meistbietend verpachtet werden.
Dasselbe ist von der Stadt Dillenburg kaum eine Viertelstunde entfernt unt> mit dieser durch Chaussee verbunden. Den Licitations-Termin haben wir auf
Freitag den 9 August d. I-, Vormittags 10 Ubr, in dem Rentamts-Locale in Dillenburg vor dem Herrn Domänen-Rentmeister Martin anberaumt und laden Pachtlustige zu demselben mit dem Bemerken ein, daß
1) neue Bieter nach 12 Uhr Mittags nicht mehr zugelassen werden,
2) das dem Angebote zu Grunde zu legende Pachtgeld Minimum auf 650 Rthlr. festgesetzt worden ist, und
3) zur Uebernadme der Pachtung ein disponibles Vermögen von 8000 Rthlr- erforderlich ist , , n L y ,
Uebtr den Besitz des letzteren, sowie ihre Qualification als Landrorrthe haben sich die Bietungslustigen möglichst vor dem Termine spätestens aber in demselben unserem Commissarius gegenüber auszuweisen. , _
Die Verpachtungsbedingungen und die Regeln der Llcrtation, sowie die Karten und das Vermessungsregister können, mit Ausnahme der Sonntage, jeder Zelt m dem Domänen-Rentamts-Locale in Dillenburg eingcsehen werden. Auch sind nur bereit, Abschriften des die speciellen Bedingungen enthaltenen Entwurfes zum Pachtverträge, sowie Exemplare der gedruckten allgemeinen Pachtbedingungen gegen Erstattung der Kopialien und.Druckkosten zu ertheilen.
Wiesbaden, den 8. 3uli 1872.
Königliche Regierung
Abthellung für directe Steuern, Domänen und Forsten.


