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Expedition: Canzleiberg, Lit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hießen.

Nr. 172, ' Donnerstag den 25. Juli ISx

GiHmer Anzeiger. ~

in meinem

^ung.

. und Münz

ätigt morden sind.

l in Mainz.

-ntgegennahme von i5 empfohlen und erückcttcn niemals

Man muß vor Allem in Betracht ziehen, daß die Staatsmänner der alten Schule, die in den letzten Togen des Krieges wieder ona Ruder kamen, niemals an dem überaus mangelnden Zustand der Volksbildung Anstoß genommen, daß sie niemals ernstlich daran gedacht haben, die ungeheure Kluft, die zwischen dem gebildeten und ungebildeten Frankreich gähnt, durch Verallgemeinerung des Volks Unterrichts zu überbrücken. Man war stolz auf die französische Civilifation; aber man ging dabei von der Ansicht aus, daß die Träger dieser Civilisation aus schließlich die gebildeten Klassen bleiben müßten. Daß eine in ihren Spitzen bis zum Raffinement entwickelte Bildung der breiten Basis einer allgemeinen populären Bildung bedürfe, um sich auf ihrer Höhe zu erholten, daß die Verdummung der unteren Klassen unausgrsetzt an den Wurzeln der höheren Bildung nagt, daß letztere nothwendiger Weise in'S Stocken gerathen und verknöchern muß, wenn sie nicht unausgesetzt aus dem Boden des VolkSihumS frische Säfte an sich zreht und andererseits ihren Erwerb in beständiger Wechselwirkung den Massen des Volkes zufließen läßt: davon hatten die geistreichen Kreise der Salons der Ministerhotels und Ständesäle keine Ahnung. Wohin diese beschränkte Auffassung, diese sträfliche Gleichgültigkeit gegen die geistigen Bedürfnisse der unteren Klassen geführt bat, das sieht man jetzt an der völligen geistigen Impotenz der höchsten Klassen. Eine Unktnntniß der eigenen und fremden Zustände, eine sittliche und intellectuelle Verkommenheit, wie sie in der Versailler Versammlung, wie sie in den Kund­gebungen gelehrter Gesellschaften, wie sie in Schriften, die auf den Namen wissenschaftlicher Werke Anspruch machen, zu Tage getreten sind, ist allerdings in der Geschichte der civilisirten Nationen wohl ohne Beispiel.

Dergleichen Erscheinungen machen indessen auf Herrn Thiers, für den es in der Politik überhaupt nur Macht-, Verwaltung-- und Finanzsragen giebt, gar

roß'Äuskä- in Heuchelheim-

Für's erste wird der Entwurf noch nicht zur Berathung kommen, und die liberale Presse hat Zeit genug, für Schulpflicht und Laienunterricht in der öffent- ltchen Meinung Piopaganda zu machen. Sie hat auch nicht gesäumt, an Dupan- loup's Machwerk eine vernichtende Kritik zu üben. Ob cs ihr aber gelingen wird, die Sache des obligatorischen Unterrichts wahrhaft populär zu wachen, das steht trotz allen Petitionen für denselben noch immer in Frage. Eine solche Einrichtung kann, zumal in Frankreich, nur durch eine kräftige Autorität eingeführt und durch geführt werden. An einer solchen Autorität aber fehlt es, die Geistlichkeit wühlt gegen die Volksbildung, und Thiers denkt nicht daran, sich wegen einer Angelegenheit, die ihm wenig am Herzen liegt, mit dem CleruS zu überwerfen.

Gambetta, wenn er ay's Ruder käme, würde die Sache allerdings mit Feuer betreiben. Aber Gambetta ist leider ein Phantast, der Alles verdirbt, was er angreift, und dem es an dem klaren gesunden Urthcil über das zunächst Er­reichbare mangelt. Wer diese Frage zum Ziele führen will, muß mit uner- schuttlrlichcr, eiscner Willenskraft den klarsten Verstand, die tiefste Menschen- und sachk nntniß verbinden. Ein solcher Mann möchte aber gegenwärtig in Frankreich schwer ausfindig zu machen sein.

i keinen Eindruck. Und im Allgemeinen ist das gebildete Frankreich viel zu sehr von sich eingrnommen, als daß eS merken sollte, wie schwach es mit seiner Bildung bestellt ist. Weshalb also auf Mitte! der Abhülfe sinnen, wenn man keine Mängel sieht?

Dazu kommt nun aber noch ein anderes Moment. Nirgends macht man sich mehr Sorge in Betreff der Lenksamkeit der unteren Klaff.n, als in Frank­reich. Nirgends ist man mehr darauf bedacht, sie im Zustünde der absoluten Willens- und,Gedankenlosigkeit zu erhalten,'als in dem Lande der Gleichheit. In keinem der großen Culturstaoten ist aber auch dies Bestreben von solchem Erfolge gekrönt worden, als in Frankreich. In diesen Bemühungen machen sich allerdings die geistige und geistliche Aristokratie vielfach Concurrenz; schließlich aber pflegen ihre Rivolitäten denn doch immer darauf hinauszuloufen, daß sie sich unter einander verständigen und mit gemeinsamen Krusten arbeiten.

So auch gegenwärtig! Der EultuSminister Simon ist ein Politiker von ursprünglich sehr radikaler Färbung, und von den Cvnscrvativrn und den Clericalen deshalb gründlich ongefeindel. Aber er versieht es, sich in die Verhältnisse zu schicken. Die Regierung glaubt, die Eleriralen nicht entbehren zu können; sie furchtet sowohl die legitimistischen wie die bonapartistischen Liebhabereien der Kirckunsürsten und Pfarrer. Deshalb schmeichelt sie ihnen, wo sich irgend die Gelegenheit dazu bietet, läßt sie in den Schulen gewähren, gestattet ihnen den Gesetzen zuwider Processioncn, nimmt in ollen Conflicten mit Behörden fast immer für die Geistlichkeit Partei. Dem entsprechend machte denn Simon auch in seinem Untcrrichtsgesetz, daß die allgemeine Schulpflicht noch festhält, den Geist- l-chen schon sehr bedenkliche Zugeständnisse. So wurde mit dem Princip des Laienuvterrichts gebrochen, indem es in d^S Belieben der Gemeinden, reip. der Generalräthe gestellt wurde, ob in einer Gemeindcschule Laien oder Geistlichen den Unterricht anvertraut werden solle.

Mit diesem Zugeständniß war aber die von Dupanloup beherrschte Unter- richtS-Eommission der Nationalversammlung keineswegs zufrieden. Alles oder Nichts! das scheint ihr Wahlspruch zu sein. Den obligatorischen Unterricht verwirft sie ganz und begnügt sich mit einer Hinweisung auf die moralische Ver­pflichtung der Eltern, was bei dieser Gelegenheit eine Tartüfferie oder eine Ab­geschmacktheit ist. Der Leitung des Schulwesens durch den Elerus werden aber alle Thüren geöffnet, so laß es nach Annahme des Gesetzes mit der Volksbildung in Frankreich schlechier bestellt sein würde, als vorher.

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Bekanntmachung.

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1) landwirtschaftliche Producte,

2) Producte des Garten- und Obstbaues,

3) landwirthschaftliche Fabrikate,

4) Maschinen und Geräthe

mitgetheilt worden, um dieselben in geigneter Weise zu verbreiten. Die Herren Bürgermeister des Kreises, denen Exemplare des Programms zuaeben werden werden ersucht, dieselben bei dem landwirthschaftlichen Publikum in möglichst umfassender Weise zu verbreiten. Außerdem können Exemplare des Programms sowie auch Anmeldebogen auf dem Bureau Großh. Kreisamts Gießen jederzeit in Empfang genommen werden. $

S6t25-2-*-***» * » »*

Götzen, den 15. Juli 1872. Der 1. Director des landw. Bezirksvereins Gießen.

________ v. N ö d e r.

* Die Schulfrage in Frankreich.

Es ist Herrn Thiers vermittelst einer geschickten parlamentarischen Tactik gelungen, das Gesetz über die Heeresreform in einer Weise umzugestalten, daß von der allgemeinen Dienstpflicht nicht viel mehr als der Name übrig bleibt. Die Nationalversammlung war "über die Zumuthungen des Präsidenten entrüstet, schließlich aber fügte sie sich und decretirte ein furchtbares Angriffsheer, für das tie Kosten *uoch auszubringen sind, und wohl auch werden aufgebracht teerten. Denn Thiers versteht es, jedes ihm gemachte Zugeständniß zum Ausgangspunkt für eine neue Forderung zu machen. Und so wird er seinen Sieg in der HeereSsrage benutzen, um der Versammlung die Zustimmung zu seinen mit dem zählen Eigensinn festgehattenen Steuerprojecten abzvzwingen. Daß bei dieser erichöpfenden Finanzpolitik Frankreichs Steuerkrast schterr geschädigt teerten wird, unterliegt keinem Zweifel; für ten Augenblick aber wird man die Mittel, die Thiers fordert, ausbringen müffcn, weil man sich durch die früheren Ja'S die Hände gebunden hat, und jetzt nicht die Freiheit hat, Nein zu sagen. x.

pft so die allgemeine Dienstpflicht zwar im Princip angenommen, aber durch allerlei Elauseln und Detailbestimmungen ziemlich illusorisch gemacht worden, so scheint der zweiten großen Forderung der öffentlichen Meinung nicht einmal die Ehre einer principiellen Anerkennung gezollt werden zu sollen. Allgemeine Schul- pflicht und Laienunterricht diese Forderung wurde unmittelbar nach dem Kriege von der öffentlichen Meinung so laut erhoben, daß ein Widerstand gegen dieselbe unmöglich schien. Wir haben uns indessen in diesem Punkte niemals Täuschungen hingegcben, die uns die übergroße Lauheit, mit der das Feldgeschret in den einflußreichsten Kreisen ausgenommen wurde, von Anfang an große Bedenken erregte. Es stellte sich sehr bald heraus, daß die konservative Partei sehr wenig von dem Gedankrn an die Schulpflicht erbaut war und daß dieStaatsmänner" der Schulfroge gegenüber sich wenigstens außerordentlich kühl verhielten; und dies kühle Verhalten ist keineswegs so auffällig, als es auf den ersten Blick erscheinen muß.

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