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Anzeige- und Amtsölatt für den Kreis Kießen

Samstag den 25. Mai

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direkten Abstimmung das Verhältniß so, daß sich 9 Cantone für und die Reform erklärten.

Dieses so grundverschiedene Resultat einer doppelten Befragung Ueberraschung hervorgebracht, in welche sich auf demokratischer Seite Unmutb mischt, der hinter zornigen Ausbrüchen seine Beschämung über tante Enttäuschung zu verbergen sucht.

Denn die Demokratie, welche in der Consequenz ihres Princips

Preis vierteljährig 1 fl. 12 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 kr.

flüsse zurückführt; und noch großen Werth darauf legen, sich zum Siege anzurechnen sehr zu berühmen.

Für die Demokratie,

Nr. 120

mstmädchtn B- Nr- 88,

Brodpreife vom 23. bis 31. Mai 1872, nach eigener Erklärung der Bäcker:

2 Kilo gemischtes Brod 21 kr. 1 Kilo gemischtes Brod lO1^ kr. 2 Kilo Roggenbrod 18 kr. 1 Kilo Roggenbrod 9 kr.

Erscheint täglich, mit Aus­nahme Sonntags.

Expedition: Canzleiberg, Lit. B. Nr. 1.

die Selbstrrgierung des Volkes verlangt, sondern auch die unbedingte Selbstbe- stimwung in der Form der directen Gesetzgebung durch das Volk, ist durch das Resultat vom 12. Mai gewissermaßen ad absurdum geführt worden.

Zwar auch die franzöfischen Plebiscite, welche ja formell dem demokratischen Princip huldigten, haben' den Werth der directen VolkScntscheidung in ein sehr zweideutiges Licht gestellt; aber die Demokraten konnten sich mit Recht darauf berufen, daß die Volksabstimmung in dem bonapartistischen Frankreich eine Comödie war; sie kann bezüglich der Schweiz diesen Einwand nicht machen; sie kann nicht behaupten, daß sich bei der Abstimmung andere Einflüsse geltend gemacht haben, als diejenigen, welche aus der Bewegung der Parteien und der allgemeinen Auf- regung naturgemäß hervorgehen und das Resultat ist doch gewesen, daß eine Reform, welche für dringlich anerkannt und im liberalsten Sinne ausgearbeitet wurde, vom Volke verworfen worden ist.

Das Resultat der Abstimmung bleibt indeß nicht ohne Illustration. Die liberalen Organe der Schweiz berichten:Die zehn Cantone, deren Bevölkerung die neue Verfassung mit ost erdrückenden Majoritäten annahm, nämlich Bern, Zürich, Glarus, Solothurn, Baselstadt, Baselland, Schaffhausen, St. Gallen, Aargau und Thurgau, repräsentiren eine Einwohnerzahl von 1,524,000 Seelen gegen eine solche von nur 1,146.000 Einwohnern der verwerfenden Cantone und dabei wohl 7/io des gesammten Nationalvermögens. Was höhere Intelligenz und fortschrittliche Volksbildung anlangt, wäre jedes Wort eines Vergleichs mit den Käse- und Kloster-Cantonen verloren."

Wir nehmen vorläufig Act von dieser Bemerkung, um noch einer anderen Auffassung zu gedenken, welche in dem Resultat der schweizer Volksabstimmung die Wirkung vereinter ultramontaner und französischer Umtriebe erblickt und wie wir hinzusetzen müffen: mit Recht. Die Thatsachen sprechen dafür und die französische Presse feiert das Votum vom 12. Mai als einen Sieg über das Deutfchthum.

Auch ist ja Niemand mehr darüber in Zweifel, daß Ultramontanismus und Franzosenthum gegenwärtig an einem Strange ziehen und sich mehr und mehr in den Gedanken ihrer Solidarität hineinlcben; uns ist auch hinreichend bekannt, welcher Schlagworte sich die gegen die Reform operirende Agitation bediente; nur begreifen wir nicht, was die Demokratie für ihr Princip gewinnt, wenn sie das Scheitern der liberalen Resormbestrebung auf die Macht jener unheilvollen Ein-

montanismus einläßt, sollte vielmehr das Ergebniß vom 12. Mai ein Fingerzeig dafür sein, daß in ihrem Princip eine sichere Garantie des vernünftigen Fort­schritts nicht gegeben ist, da vielmehr die ihm feindlichen Elemente mittels dessel­ben zu triumphiren wissen, und die deutsche Demokratie, welche so sehr geneigt ist, ihren deutschen Patriotismus der Solidarität des demokratischen PrincipS zu opfern, sollte aus dem Jubel der Franzosen über die Niederlage des Deutsch- thums, welche doch ebenso eine Niederlage der deutschen Demokraten ist, lernen, wie illusorisch ihre internationalen Schwärmereien sind.

Wenn aber Frankreich sich eines in der Schweiz erfochtenen Sieges über Deutschland berühmt, so scheint die Nation, welche ja immer noch nicht den An-

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spruch aufgeben will, an der Spitze der Civiltsation zu marschiren, ganz und gar zu übersehen, daß sie mit denKäse-und Kloster-Cantonen gemeinschaftliche Sache gemacht hat gegen diejenigen Cantone, welche den unbestrittenen Vorzug größerer Bildung für sich haben und 7/10 des Nationalvermögens in sich vereinigen!

Die Eitelkeit, welche den Franzosen nicht auszutreiben ist und die sie eben darum unverbesserlich wacht, verblendet sie auch in diesem Falle. Sie, welche sich nicht von der fixen Idee trennen können, in allen politischen Vorgängen die Hand

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bewegung als ein Werk der Bismarck'schen Politik zu betrachten, haben sich der Verführung nicht entziehen können, eine vermeintliche Niederlage der deutschen Politik auf französische Rechnung zu übertragen.

In dem Eifer aber, einen französischen Sieg zu notiren, übersehen sie ganz und gar, daß Frankreich sich dabei auf eine Linie mit denKäse- und Kloster- Cantonen" stellt, Deutschland aber zu Bundesgenossen des politischen Fortschritts macht; daß es ihm also den Ruhm zugestcht, auch in diesem Falle auf der Seite des vernünftigen nationalen Willens zu stehen.

Oder trösten sich die Franzosen den Deutschen gegenüber mit der Ueber- zeugung, daßgegen Dummheit Götter selbst vergebens kämpfen" ?

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* Die Revision der schweizer Bundesverfassung ist bekanntlich von dem Volke verworfen worden, nachdem sie bei den Repräsen- tativ-Körperschaften: Nationalrath und Ständerath, Zustimmung gesunden hatte; das Volk hat seine Mandataren verleugnet, und zwar sowohl in deren Beziehung zur Volksgemeinschaft, wie zur Cantonalität. Denn während im Nationalrath, welcher das schweizer Volk repräsentirt, die Reform mit 78 gegen 36 Stimmen beschlossen wurde, lehnte das direct befragte Volk mit 265,000 gegen 255,000 Stimmen die Reform ab, und während der Ständerath (die cantonale Vertretung) mit 28 gegen 18 Stimmen die Reform angenommen hatte, stellte sich bei der

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nicyr von ver jiym .jvre nennen iviimu, in uuiu pvmqwt» ^viyuiiyi» m yuuv unruhiger Nacht zeigt sich eine Zunahme in der Störung der Hirnfunctionen und BtSmarck'ö wirksam zu sehen, und sich etngeredet haben, daß die schweizer Reform-'ein tiesgesunkener Zustand der Kräfte.

Deutschland.

Darmstadt, 22. Mai. DerAllg. Mil.-Ztg." wird in einem gewissen Widerspruch zu andern Berliner Nachrichten geschrieben:Aus Spandau verlautet noch nichts über die Neu-Anfertigung des Mauser-Gewehrs, welches das aptirte Zündnadelgewehr zu ersetzen bestimmt ist; jedenfalls dürfte längere Zeit darüber hingehen, bis das gesammte Reichsheer ausschließlich Bayerns, das wohl zu­nächst sein bewährtes Werder-Gewehr beibehalten wird mit dem neuen Modell ausgerüstet sein wird."

Berlin, 22. Mai. DieBrest. Ztg." weist aus den Briefen Friedrich'- des Großen an Voltaire die Griknde nach, welche den Ersteren zu dem Beschlüsse veranlaßten, die Jesuiten, nachdem der Orden 1773 durch Papst Clemens XIV. aufgehoben worden, alsPriester des königlichen Schulinstituts", namentlich in Schlesien, beizubehalten. In verschiedenen Briefen an Voltaire gibt er die Motive selbst wie folgt an:

Nur zum Unterrichte der Jugend habe ich sie beibehalten. Der Papst hat ihnen schon den Schwanz abgeschnttten, sie können nicht mehr, wie Simsons Füchse, dazu di'nen, die Felber der Philister in Brand zu stecken.... Ich habe, so sehr ich Ketzer und Ungläubiger bin, doch diesen Orden beibehalten. Meine Gründe sind folgende: Mau findet hier keinen wissenschaftlich gebildeten Katholiken; wir haben weder patres oratorii, noch Piaristen; die übrigen Mönche sind völlig roh und unwissend. Die Jesuiten mußten also beibehalten werden, wenn nicht alle Schulen eingehen sollten; auch mußte der Orden bestehen, um die fehlenden Lehrer zu ersetzen, und die Stiftung trägt die Kosten. . . . Uebrigens werden auf der Universität der Jesuiten (in Breslau) die Theologen gebildet, welche die Pfarreien besetzen. Wäre der Orden aufgehoben worden, so bestände die Universität nicht mehr und man wäre genöthigt gewesen, Schlesier nach Böhmen zu schicken, um Theologie zu studiren, was gegen die Grundsätze der Regierung streitet.... Wenn alle diese Gründe Sie noch nicht rühren, so toiö ich noch einen stärkeren anführen. Ich habe irn Dresdener Frieden versprochen, in meinen Staaten die Religion in stato quo zu lassen. Nun fand ich Jesuiten vor; ich muß sie also da lassen. Die katholischen Fürsten haben gleich einen Papst zu ihrer Verfügung, welcher sie von ihrem Eide vermöge seiner Machtvollkommenheit losspricht. Mich aber kann Niemand lossprechen; ich muß mein Wort halten, und der Papst würde sich zu entheiligen glauben, wollte er mir den Segen ertheilen. Er ließe sich die Finger abhauen, mit denen er einem so elenden Ketzer, wie ich bin, die Absolution er- theilt hätte." Und endlich:Ich weiß wohl, daß sie intriguirt und sich in Staats­angelegenheiten gemengt haben; allein das liegt an der Regierung. Warum hat sie es zugegeben? Nicht Tellier ist zu tadeln, sondern Ludwig XIV."

Diese Auslassungen sprechen allerdings nicht zu Gunsten der Ultramontanen, welche dieselben in der Reichstagsdebatte für sich zu verwerthen suchten, aber sie lassen sich, näher betrachtet, auch nicht zu den Anträgen der Herren Gneist und Wagener und ebensowenig zu der schließlich angenommenenbestellten" Resolution Marquardsens und Genossen allegiren. Friedrich der Große stand persönlich auf einem zu freien und geistig ungebundenen Standpunkt, als daß er die Iesuiten- frage unter dem VerkleinerungSglase einer Polizei-Maßregel hätte betrachten mögen. Er benützte die frommen Väter zu seinen staatlichen Zwecken, ohne ihren Einflüste­rungen zugänglich zu sein; wäre Gleiches stets der Fall gewesen, so existirte die Jesuitenfrage Überhaupt nicht!

Hamburg, 23. Mai. Heute Mittag 12^ Uhr fand die Schlußsitzung der hier versammelten Lehrer statt, in welcher der Präsident, Director Hoffmann, mit einem von der Versammlung enthusiastisch aufgenommenen Hoch auf Hamburg schloß. Um 1V2 Uhr findet gemeinschaftliche Lustfahrt auf der Elbe statt; für Freitag und Sonntag ist eine solche nach Helgoland in Aussicht genommen. Heute Abend 7 Uhr wird in Altona die Abschievsversammlung abgehalten. Die Zahl der hier versammelt gewesenen Lehrer beträgt nach officieller Angabe 5100.

Oesterreich.

Wien, 24. Mai. Das heute Morgen ausgegebene Bulletin über den Krank­heitszustand der Mutter deS Kaisers, Erzherzogin Sophie, meldet: Nach theilveise