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Gießener Alyeiger

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kießen

1872

Donnerstag den 25. April

Nr. »7

!als dringende Pflicht, einen Ausschuß angesehener Bürger zusammenzubringen, der !Cie Ansprüche der streitenden Parteien prüft und auszugleichen versucht."

Deutschland.

Oesterreich.

Wien, 23. April.

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iceiten den Anfang unter gleichzeitige! er-Bier, um ge- mmghoff.

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Preis vierteljährig 1 fL 12 ft. mit Brinaerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 st. 27 kr.

Der Erlaß des UnterrichtS-Ministirs v. Stremayr gegen A'tkUyoliken ist durch eine Verfügung des Wiener Polizei-Direktors v. Le-

Gießen, 24. April. Auch von hier geht eine Deputation mit einem von dem Professor der Eloquenz verfaßten Glückwunschschreiben der hiesigen Universität nach Straßburg zur Feier der Eröffnung der neuen Universität, an ihrer Spitze der Rector, dem sich noch einige Prosefforen anschließen. Ebenso sind gemäß dcr Straßburgrr Einladung die Studirenden, welche an der Feier Theil nehmen wollen, am schwarzen Brette ausgesordert, sich rechtzeitig zu melden.

Berlin, 22. April. Eine eigenthümliche Verhandlung steht zwischen Belgien und Preußen bevor. Im vorigen October wurde ein belgischer Edelmann, Che- votier du Bois de Bianco, zu Brüssel verbrannt in seinem Bett gesunden. Die Untersuchung ließ seststellen, daß er beraubt und ermordet war. Der der Thai dringend Verdächtige, ein gewisser Stupp, in der Nähe von Köln geboren, hatte sich unter dem falschen Namen Karl Vogt nach Amerika geflüchtet und wurde dort vor Kurzem verhaftet. Zwischen B.lgicn und Amerika besteht indessen kein Aus- lieferungsvertrag und Belgien kann den Verbrecher nicht fcbtct reclamiren. Da- gegen besteht ein solcher Vertrag zwischen Preußen und den Vereinigten Staaten vom 16. Nov. 1852, und Stupp kann als geborener Preuße, wenn Amerika ihn ausliefert, vor een preußisches Gericht gestellt werden. Jetzt will Belgien, wie man hört, die preußische R.gierung im Interesse der öffentlichen Moral ersuchen, daß sie die Auslieferung verlange und dafür Sorge trage, daß den Schuldigen, wenn er überführt, die verdiente Strafe treffe. Die ersten Schritte sind deßwegen

Schweiz.

Zürich, 20. April. Man schreibt demSchw. M." : Die demokratische Regierung von Zürich hat einen schweren Schlag erlitten. Bei der Volksabstim­mung am 14. ist das neue Unterrichtsgesetz bei außergewöhnlich starker Betheeli- gung mit großer Mehrheit vom Volk verworfen worden. Jahre lang dauerten die Vorbereitungsarbeiten auf dieses Gesetz, mehr als drei volle Wochen bcrieth darüber der Canton-rath, in welchem schließlich auch die Liberalen bas Gesetz annahmen; in der Volksabstimmung aber wurde das Ganze des Gesetzes mit 40,000 Nein, 16,000 Ja und die zwei Hauptpunkte des Gesetzes, über welche separat abgestimmt wurde: die Verlängerung der Schulzeit, mit 42,000 Rem gegen 13,700 Ja und die Hochschulbildung der VolkSschullehrcr mit 43,300 Nein gegen 13,000 Ja verworfen. Die neu einzuführende Hochschulbildung der Pri­marlehrer erschien Vernünftigen stets als Humbug, während die Verlängerung der Schulzeit allen Parteien als Wohlthat vorkam. Der Souverän hat anders entschieden.

Erscheint täglich, mit Aus­nahme Sonntags.

Expedition: Canzleiberg, Lit. B. Nr. 1.

monnier sehr bedeutsam erläutert worden, über welche die Deutsche Zeitung äußert: Die ministerielle Verfügung hatte eine theoretische'Entscheidung getroffen, die polizeiliche Kundmachung gibt ihr die praktische Ausführung. Herr v. Stremayr hatte bekanntlich die Altkatholiken vor die Wahl gestellt, entweder sich als be­sondere, von der katholischen Kirche abgefallene Glaubenssecte zu constituiren oder Gefahr zu laufen, daß die kirchlichen Functionen ihrer Seelsorger ohne bürger­liche Folge bleiben. Herr Polizei-Director v. Lemonnier geht in seinem Erlasse noch um einew Schritt weiter. Dieses Vorgehen ist von seiner Seite vollkommen correcl. Dcnn ist einmal den gottesdienstlichen Handlungen der Altkatholiken, wie sie heute innerhalb der Kirche stehen, jede bürgerliche Folge abgesprochen, so müssen daraus für diejenigen, welche an solchen Handlungen, z. D. einem Tausact, einer Eheschließung, Theil nehmen, sehr empfindliche Rechtsnachtheile erwachsen. Und außerdem wirken diese Nochtheile auch zu ück auf 'Vie Rechte Dritter, etwa der aus einer altkotholischen Ehe entsprungenen Kinder, die der Str mayr'sche Erlaß zu Bastarden stempelt. Solcher Verwirrung der Rechtsverhältnisse vorzubeugen, kann sich Herr Polizei-Director v. Lemonnier für befugt halten; wir glauben so­gar, er muß sich dazu autorisirt wähnen, wenn er den Stremayr'schen Erlaß richtig gelesen und seinem Geiste nach ersaßt hat. Ob freilich durch die Prin- cihien, die der Unterrichts-Minister aufstellt und der Polizei-Director, wie es nur seine Pflicht ist, in Aussübrung setzt, der Sache gedient ist, ob fie geeignet find,

mt? Son ftiiofionor 9fmomor werden noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B. 1, als auch bei allen Post- Defleuungen auf Dill kSlqjUltl ZUlfingil Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen.

Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Expedition abhvlen lassen, erhalten denselben für die Monate Mai und Juni

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katholtken erzeugen kann, in wirkungsvoller Weste zu

sehr in Frage zu stellen sein. Wenn die altkatholischen Geglichen tn dem Glauben, ihre Pflicht zu thun, es darauf ankommen lassen, für die Hebung der Seelsorge bestraft zu werden, wenn die Strafen, wie sie in der Zuschrift des Herrn Polizei- Directore angedroht find, dann wirklich verhängt werden, so sind außer dtescn Geistlichen auch die Gläubigen getroffen, von denen gerade die bestraften Priester für die echten Katholiken und die Anhänger der päpstlichen Unfehlbarkeit für Ab­gefallene oder Irrlehrer angesehen werden. Es läuft dies also, wenn nicht auf eine Glaubensverfolgung, so doch auf die Bedrängung von Staatsbürgern wegen ihrer religiösen Meinung hinaus und es schließt dieses Vorgehen zugleich eine Ent- scheivung der Staatsgewalt in rein dogmatischen Angelegenheiten in sich. Die Regierung nimmt Partei für die Lehre von der päpstlichen Unfehlbarkeit; sie er­klärt sich für diese Lehre, weil angeblich in der äußeren Erscheinungsform der Kirche nichts geändert worden. Aber der Grund, der das Ministerium bewog, eine solche Entscheidung zu treffen, thut nichts zur Sache; factisch und äußerlich und unfraglich steht nur so viel frst, daß die Regierung Paitri geworden ist. Es wird sich erst zeige», ob eine derartige offene Parteinahme liug und auf die Dauer haltbar ist. Denn c« kann früher oder später nicht vermieden werden. daß die Streitfrage, die der Unterrichts-Minister so glattweg abthun zu können meinte, gerichtlich zum Austrage kommt. Setzen wir den Fall er kann sich von heute auf morgen ereignen, daß die Kinder aus einer altkatholischen Ehe das Erb- theil ihres Vaters verlangen und ihnen dasselbe, als den Sprößlingen aus einer staatlich nicht anerkannten ehelichen Verbindung von Seitenverwandten ihres ver­storbenen Erzeugers vorenthalten oder bestritten wird. Die Sache wird und muß vor den Richter kommen, der unabhängig seines Amtes handelt, für den der Er­laß des Unterrichts-Ministers vom 20. Februar d. I. unv der des Wiener Polizei- Dircctors vom 15. d. offenbar keine Rechtsquelle abgeben. Der Rlckter wird nach dem Gesetze sprechen, und ob er auf Grund desselben die Gültigkeit einer altkatholischen Ehe anerkennt oder nicht, ist eben eine offene Frage."

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wohl schon geschehen.

Berlin, 23. April. Die Grundlosigkeit der alternirenden Gerüchte, welche in den letzten Tagen den Geldmarkt so sehr drückten, ist von osficieller und osfi- ciöser Seite nachgewiesen worden. Der neuesteStaats-Anz." hält es heute jedoch noch für nöthig, jenen Gerüchten tde yrrn, inifijrrvniw- x/rM.imc >

das amtliche Blatt schreibt nämlich in seinem Ddrsenbericht:Die flaue Stlm- muna an der hiesigen Börse entspricht in keiner Werse der wirklichen Sachlage, vielmehr den Zwecken, welche die Verbreitung falscher Nachrichten über dre Be- zrehungen von Deutschland und Frankreich Seitens der englischen Presse vermuth- lich gehabt hat. Diejenigen, welche auf die völlig grundlosen Angaben des Daüy Telegraph" heute noch Gewicht legen wollen, täuschen sich und Andere. " Das preußische Kriegsministerium beabsichtigt rm badischen Odenwald ein Remontevepot zu errichten. Verhandlungen wegen Erwerb größerer Gutercomplexe

find eingeleitet. ..... v ,

Köln, 21. April. Vor kurzer Zeit ging die einzige noch übrige der vielen 1848 und 1849 neu begründeten Zeitungen, welche Bestand hatte, «amltch der Allgemeine Anzeiger für Rheiniand-Westphalen", herausgegeben von W. Kam- mann in andere Hand über; er wurde neulich von hiesigen Frnanzmannern an­gekauft. Das Blatt hatte bei umsichtiger Leitung einen Aufschwung ge­kommen, daß es bei dem Verkaufe einen Werth von circa 95.000 Thaler repra- sentine. Es scheint indeß, daß Herr Kammann tue Redaktion für längere Zeit noch weiter besorgt. Prinz Napoleon (Plon-Plon) ist Mitte vorrger Woche auf der Reise nach Brüssel hier durchgekommen.

Boppard, 22. April. Religionslehrer Beinroth scheint eines Besseren be- lehrt worden zu sein. Am verflossenen Sonntage nämlich wohnten die Professoren Knoodt und Reinkens oben im Ehore der Kirche, in unmittelbarer Nahe de Altars, der Gymnasialmesse von Anfang bis zu Ende bei, ohne daß sich die arger licke Scene der Hinausweisung derselben wiederholt hätte. A

Raffel 23. April. Die von dem Prinzen Wilhelm von Heffen-PhtlippS- thal'Barchfetd beantragte Scheidung von seiner Gemahlin, Prinzessin Martt 'von Hanau jüngsten Tochter des Kurfürsten von Hessen, tst von dem AppellaNonS- aericht'in Kassel ausgesprochen und die landesherrliche (kaiserliche) Genehmigung dieses Urtheils von Berlin gestern Abend hier eingetroffen.

Miincken 20. April. In gut unterrichteten Kreisen wird versichert, daß der S ungehalten (et über die Gerüchte, welche bezüglich seiner Ver-

lobun« »e.b eilet worden, und dost Nachforschungen uver die Urheber derseld n ' .»7n> Lrfc.n sollen Die köntgl. CabineiSkaffe hat tu Erhaltung des von :ä'ls:

itüa Vritoria in Rom auf ihre Kosten übernommen. Zufolge einer Entschlie bung ter Regierung von Oberbapern hat bei ter heurigen Schulprufung zu Merina tie ReltgionSlehre feinen PrüfungSgegenstant fltbiltet.

e,nmfiurn 22. April. DerH. C." berichtet übet ten Stillstant aller arbeiten- Hier feiern gegenwärtig Slaufente von Arbeitern. Die Werften stehen siit zwei'Monaten leer, aus den Zimmerplätzender nachst-nUmgeb»ng^°-er m btC Arbeit eingestellt, die Schnnverwerkstatten sind geschloffen, t>u Ci k be eien baden ihre Thatigkeit eingestellt, die Tischler und Maler sind tm Be- arif? dem von tm Schneidergesellen gegebenen Beispiel zu folgen unt bt» zur Bewilligung einer verkürzten Arbeitszeit die Arbeit niederzulegen. t ten

massenhaften Arbeitseinstellungen, welche in Hamburg eingetreten sind, erscheint

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