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Militärmacht gehalten wurde. Wir sahen das Recht in den Hintergrund gedrängt, sahen den blutigen Kampf der rohen Gewalt erneut u. s. w." Mündlich soll der PaffuS noch stärker gelautet haben. In RegierungSkreisen hat die Expectoration peinlichen Eindruck hervorgerufen. Aber auch die Abgeordneten scheint sie unan­genehm berührt zu haben, wenigstens geht dies aus der Haltung der Pesther Journale hervor. Pesti Naplo perhorreScirt sie in einer eigenen Note; der Pesther Lloyd schreibt:Als dieser Theil der Rede gesprochen wurde, war das Gefühl im ganzen Hause ein allgemeines; alle Parteien und, wie wir bestimmt wissen, auch die Regierung waren mit diesem Theile der sonst trefflichen Rede unzufrieden, und ihnen schloß sich auch Herr v. SomSsich an, der, als ihm das Steno­gramm seiner Rede vorlag, den betreffenden Passus mancher Milderung bedürftig fand. In dieser gemilderten Form wurde der PaffuS auch von uns witgctheilt, und zwar auf den Wunsch des Redners selbst, der dadurch wohl zur Genüge be- wiesen hat, daß er, wenn auch für einen Moment vom Redeeifer fortgerissen, doch nicht im entferntesten die Absicht hatte, nach irgend einer Seite hin zu verletzen." Es ist vielleicht nicht überflüssig, auf einen Präcedenzfall aufmerksam zu machen, in welchem Herr v. SomSsich durch seine geschwätzig aufgelischte Privatmrinung über auswärtige Politik zuerst zu Mißverständnissen^ dann aber zu der kategori­schen Erklärung seitens maßgebender Kreise Anlaß gegeben hat, daß einer persön­lichen Aeußerunz des Herrn v. SomSsich niemals Bedeutung beigelegt werden dürfe. Es galt dies der bekannten Unterredung, welche er mit einem deutschen StaatSmanne in Karlsbad gehabt und dann selbst veröffentlicht hat. Auch dies- mal hatte der Präsident des Abgeordnetenhauses kein Mandat, über auswärtige Politik zu sprechen. Uebrigenr erfuhr er von allen Seiten des Hauses lebhafte Mißbilligung, so daß die bis dahin mit Interesse und Beifall aufgenommene Rede von jener Stelle an im Gemurmel der Sensation unbeachtet verlief. Ge­wiß ist, daß nicht leicht eine Richtung gefunden werden konnte, welche, wie diese, auch nicht die kleinste Fraktion im Hause und im Volke für sich hat. Hiefür können auch die Aeußerungen der Journale als Zeugniß gelten. Die subjectioen Gefühle und Anschauungen des Herrn v. SomSsich dürfen nicht für die des un­garischen Parlamentes, noch weniger für die der Regierung gehalten werden.

(Köln. Ztg.)

Prag, 20. April. Beim Beginne des WahlscrutintumS werden Ansamm­lungen vor dem Altstädter RathhauS versucht, die Polizei schreitet energisch ein und verhindert jede Demonstration durch augenblickliche Verhaftung jedes Reni­tenten. Bis jetzt sind angeblich 15 Verhaftungen vorgekommen. Da trotzdem immer wieder Ansammlungen versucht werden, rückt consignirteS Militär aus und besetzt die auf den Ringplatz einmündenden Straßen, gibt jedoch die Hälfte der Straßen zur Passage frei. Die Sicherheitswache durchkreuzt derart den Platz, daß kein Mensch stehen bleiben darf. Eine schreiende, vor dem deutschen Landes- theater sich ansammelnde Rotte wurde von dem anrückenden Militär verjagt, der Platz vor dem Theater blieb militärisch besetzt, die Hauptplätze der Stadt sind gleichfalls vom Militär besetzt, welches Ansammlungen verhindert.

Pesth, 18. April. DerPeterSburgSkija Vedomosti" zufolge wurde Bischof Stroßmayer von Rom aus unter Androhung der Excommunicatton aufgefordert, binnen sechs Wochen die Unfehlbarkeit des Papstes anzuerkennen. Seine Freunde hier hoffen, daß er sich konsequent bleiben werde.

Schweiz.

Basel, 22. April. Die Centralbahu hat gegen die einseitige Rechtsab­tretung betreffs der Bahn Basel-Saint Louis durch die Ostbahn-Gesellschaft an die Jurabahn-Gesellschaft protestirt.

Frankreich.

Paris, 19. April. Der Erzbischof von Paris hat unter dem 11. April einen laugen Hirtenbrief erlassen, worin er die Unfehlbarkeit des Papste-, so wie sie vom Concil decretirt wurde, in seinem Erzbtsthume proclamirt.Aus diesen Ursachen so schließt da- betreffende Aktenstück unter Anrufung de- heiligen Namens Gottes, und nachdem wir mit unseren ehrwürdigen Brüdern, den Cano­nici- und dem Capitel unserer Hauptkirche, berathe« haben, haben wir angeordnet und ordnen an, was folgt: Die Grundgesetze und Decrete de- Concil- des Va- ticans werden und bleiben in unserem ErzbiSthum veröffentlicht. Und unser vor­liegender Hirtenbrief wird in allen Kirchen und Capellen unseres ErzbiSthumS am Sonntag, welcher dem Empfange desselben folgen wird, gelesen und angeschlagen werden. Der Vortrag kann getheilt werden, wenn es die Pfarrer und Almo­seniers für gut erachten." In seinem Hirtenbriefe stützt sich der Erzbischof von Pari- auch auf ein Schreiben seines Vorgängers, des in der Roquette als Geisel erschossenen Msgr. Darboy, welche- derselbe unter dem 2. März 1871 an den Papst gerichtet und worin ec demselben seine Unterwerfung unter die Decrete des Concil- ankündigt, und dann auf die Antwort des Papstes an den Msgr. Darboy, die aber erst nach dem Tode desselben eintraf, und worin dieser den Erzbischof auffordert, die Unfehlbarkeit in seinem ErzbiSthume zu proclamiren.

Die Proklamation der Unfehlbarkeit seitens des Erzbischofes von Paris erregt hier in so fern Aufsehen, als die Regierung die betreffenden päpstlichen Decrete noch nicht anerkannt hat und das Auftreten des Erzbischofes also ein ungesetzliches ist. Wird die Regierung einschreiten, um die bestehenden Gesetze zu schützen? Die nächste Zeit muß es lehren.

Paris, 19. April. Der Erzbischof von Paris hat durch die Proclamation der Unfehlbarkeit die bestehenden Gesetze verletzt, da die Regierung bis jetzt noch nicht ihre Zustimmung dazu gegeben hat. DasXIX. Jahrhundert" , ein mit dem Versailler Präfioentschaftspalais in Verbindung stehendes Blatt, sagt dieses heute, ohne jedoch hinzuzufügen, daß die Regierung gegen den Erzbischof ein- schreiten wird. Die klerikalen Blätter billigen natürlich das Auftreten des Erz- bifchofs, und eines derselben, derFran^ais", der, seit der Papst Louis Veuillot tadelte, päpstlicher geworden zu sein scheint als der Papst, ist ganz entzückt, daß der Erzbischof sich von den Fesseln befreit hat, welche die organischen Gesetze der Kirche angelegt haben. Dem XIX. Jahrhundert, welches auf diese Verletzung aufmerksam gemacht, ruft das klerikale Blatt drohend zu:Es mißfällt uns nicht, zu sehen, daß die Frage so aufgeworfen worden ist. Es ist gut, zu erfahren, welche Partei, welcher politische Mann, welcher Deputirte, welcher Minister, wel­che- Journal wagen wird, die gehässige und dazu lächerliche Vorschrift der Ar­tikel der organischen Gesetze wieder ins Leben zurückzurusen, welche nöthigen, die Decrete de- Concil- dem StaatSrathe, d. h. zur jetzigen Stunde den Räthen Arnaud de l'Arriege und Hubbard, zu unterbreiten. Es ist eine Probe, welche wir mit Zuversicht Hervorrufen und die uns gestatten wird, zu constatiren, welche

Fortschritte die Idee der religiösen Freiheit gemocht hat." Diese Sprache de- Franyais" darf übrigens nicht verwundern. Die klerikale Partei ist heute in Frankreich mächtiger denn je und hat sogar, wie das Urtheil in Bordeaux beweist, die^Unterstützung der Behörden. Auch tritt sie gegenwärtig mit einer Kühnheit auf, wie sie c- selbst unter dem Kaiserreiche nicht zu thun gewagt hätte. Ai- Beispiel sei nur angeführt, daß die Pariser Geistlichkeit selbst im Gegensätze zu rüher keine gemischten Ehen mehr einsegnet, wenn die jungen Eheleute sich nicht vorher schriftlich verpflichten, ihre Kinder katholisch werden zu lassen.

Paris, 20. April. Wie dasEvenement" hört, hat der Untersuchungsrath ür die Capitulationen auch über den Lertheidiger von Straßburg, General Uhrich, der in Paris allein einer Avenue und einem Boulevard seinen Namen gab, einen lrengen Tadel verhängt, und zwar: 1) Weil er capitulirt habe, als die Festung noch mit Lebensmitteln auf 14 Tage versehen war und als die feindliche Artillerie noch nicht in die Festungswälle Bresche geschossen hatte; und 2) weil er gegen die Reglement- sich nach der Capitulation von den unter seinem Befehle stehenden Truppen getrennt habe.

Paris, 20. Avril. Das osficielle Blatt enthält folgende Note: Das Journal Figaro hat in seiner Nummer vom 13. April d. I. einen Artikel mit der Unter- chriftLe Dossier Bazaine" veröffentlicht, worin die Verluste der Armee für die Schlacht von Borny (14. August) auf 2850 Mann und für die Schlacht von Rezonvtlle (16. August) auf 4547 Mann angegeben werden. Die Angaben sind nicht richtig. Aus einer nach den officiellen Dokumenten über diese beiden Schlachten gemachten Aufstellungen geht hervor, daß die Zihl der verwundeten oder verschwundenen Militärs aller Grade sich in Wirklichkeit für den Tag vom 14. August auf 3608 und für den vom 16 auf 16,954, im Ganzen also auf 20,562 Mann und nicht auf 7397 beläuft.

Paris, 21. April. Wie verlautet, soll die Regierung die Absicht haben, den Hirtenbrief des Erzbischofs von P^ris, welcher die Unfehlbarkeit proclamirt und der heute in den Kirchen des ganzen ErzbiSthumS vorgelesen worden ist, wegen abus dem StaatSrathe zu unterbreiten. Das betreffende Decret soll morgen oder übermorgen erscheinen. Wie es heißt, wird Graf v. Arnim, der hiesige preußische Botschafter, morgen in Pari- zurückerwartet. Graf de St. Vallier, welcher den Sitzungen des Generalrathes im Aisne-Departcment angewohnt, war gestern in Versailles, wo er eine lange Unterredung mit Herrn Thiers hatte. Er reiste sofort nach Nancy ab, um seine Stelle eine- Bevollmächtigten beim deutschen Hauptquartier wieder einzunehmen.

Spanien.

Madrid, 22. April. Die Mitglieder der carlistischen Ausschüsse in Madrid, Valladolid, Zamora, Burgos und anderen Städten sind verhaftet worden. In der Provinz Toledo hat sich eine carltstische Bande von etwa 16 Mann gezeigt, eben so ein etwa gleich großer, von einem Priester befehligter Haufen in der Provinz Navarra; doch ist die öffentliche Ruhe nirgends gestört.

Madrid, 23. April. In Navarra, Guicuzcoa, Teruel und Hueeca haben carlistische Erhebungen stattgefunden unter dem Rufe: Es lebe Karl VII.! Tod den Liberalen! Bewaffnete, von Geistlichen geführt, erschienen in den Straßen. Die Regierung hat energische Maßregeln ergriffen. Die bewaffnete Macht gibt überall ihre Treue für die Regierung kund.

England.

London, 21. April. DieDaily News" melden: Das Cabinet wird bei Berathung der von Fawcett beantragten Dubliner Universitätsbill den Antrag auf Verwerfung durch den irischen Staatssekretär Marquis of Hartington stellen lassen und die Ablehnung des Antrags als Mißtrauensvotum betrachten und seine Entlassung einreichen.

Rußland.

Die zahlreichen, aus militärischen Gründen schon seit Iehren aus Preußen in Südrußland eingewanderten Mennoniten sind aus dem Regen unter die Traufe gekommen. Durch das in Aussicht stehende neue russische Wehrgesetz wird auch ür sie da- Privilegium der Militärfreiheit aufgehoben, und da Der M litäcdienst hren religiösen Ansichten widerstreitet, so beabsichtigen sie, ihre in der fruchtbar- len Gegend des Gouvernements Taurien gelegenen und aufs beste eingerichtete« Ansiedelungen zu verlassen und massenweise nach Amerika auszuwandern.

Rumänien.

Bucharest, 18. April. Seitdem Die Kammer geschloffen und die wegen ihrer Hetzartikel gegen Den Fürsten und die Regierung in Anklagezustand versetzten Journalisten von Den Schwurgerichten sämmtlich freigesprochen worDen sind, ist die Sprache der OppositionSblätter, insbesondere desRomanul", wieder heftiger und letvenschaftlicher geworden. Täglich werden die Minister an ihrer Ehre an­gegriffen; Den Fürsten Karl nennt DerRomanul"Den Wurm, welcher Das Glück des Vaterlandes zerstört". C. A. Rosetti, der Redakteur desRomanul", begibt sich übrigens wieder nach Frankreich und hat die Leitung des Blattes seinen Freunden Bratiano und GoleSco übergeben.

Aus Bucharest, 19. April, wird der Neuen Freien Presse telegraphisch ge. meldet, da- Schwurgericht in Buzeu habe am 18. die unschuldigen Juden Der- urtheilt, Dagegen sämmtliche JuDenhetzer von Vilcov freigesprochen, worauf aber vom amerikanischen General-Consul Die sofortige Freilassung Der verurtheilten Juden gefordert worden sei.

Amerika.

Newyork, 20. April. Washingtoner Correspondenzen der Newyorker Haupt­blätter versichern jetzt auf da» Bestimmteste, daß Die Regierung an Den in­direkten Reklamationen festhalte.

Newyork, 22. April. Laut N chrichten aus Mexico haben Die Insurgenten Die Oberherrschaft in Jucatan.

Mittheilungen aus der Provinz.

Büdingen. In unserem Städtchen berrscht augenblicklich regeö Leben. Am I.Mai feiert daS hiesige Gymnasium das 50jährige Jubiläum seines Bestehens als hessisches Landeögymnasium und da gilt es noch überall, sich und sein Haus zu einem würdigen Empfang der voraussichtlich sehr zahlreichen Festgäste vorzuberciten. Ein schönes Zeugniß für die Anhänglichkeit der früheren Schüler an ihre alma maler legt die schon jetzt beträchtliche Zahl der Angemrldeten ab; anderer­seits hat eine große Anzahl hiesiger Einwohner in löblichem Wetteifer sich zur unentgeltlichen

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