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Preis vrerreljähritz 1 fl. 12 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 st. 27 fr.
Erscheint täglich, mit^Aus- nähme Sonntags.
Expedition: Canz lei berg, Lit. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt tür den Kreis Sieben.
Nr. 96. Mittwoch beu 24. April 1372.
Bestelluugen auf den Gießener Anzeiger Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen. $
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Amtlicher T h e i l.
Gießen, am 22. April 1872.
Betre ffend: Kostenverzeichnisse wegen Beitreibung der Communalintraden für das 1. Quartal 1872.
Das Großyerzogltche Krcisaml Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien Albach, Allendorf an der Lahn, Allendorf a. d. Lda., Beuern, Ettingshausen, Gießen, Groß-Linden, Hattenrod, Lollar, Mainzlar, Münster, Rödgen und Trohe.
Wir erinnern Sie an die Einsendung der rubricirten Kostenverzeichnisse binnen acht Tagen.
v. Röder.
Bekanntmachung.
Bezugnehmend auf unsere Bekanntmachung vom 28. v. Mts. in Nr. 79, 80 und 82 dieses Blattes, fordern wir alle Diejenigen, welche noch Ansprüche der dort erwähnten Art an die städtische Sparkasse zu Paris zu erheben und solche bis jetzt nicht bei uns geltend gemacht haben, hierdurch auf, sich längstens bis zu Ende dieses Monats unter Vorlage ihrer Livrets auf unserem Bureau zu melden..
Die Großherzoglichen Bürgermeistereien werden beauftragt, dies in ihren Gemeinden ortsüblich zu publiciren.
Gießen, den 22. April 1872. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Röder.
Politischer T b e i i.
Deutschland.
Berlin, 20. April. Der Minister des Innern hat unterm 17. ds. Mts. den Oberpräsidien Abschrift eines von dem Reichskanzler demselben mitgetheilten, aus Rio de Janeiro eingegangenen Zeitungsausschnittes, betreffend den ton ter brasilianischen Regierung behufs Einführung ton 15,000 Einwanderern ous Nord- und Südeuropa mit einer Gesellschaft in St. Paulo abgeschloffenen Contract, zur Kenntnisnahme und Beachtung bei Ausführung des Ministerialerlasses vom 13. April 1871 zugehen lassen.
Von einer Gesellschaft social-konservativer ConsuflonSräthe ist dem Reichstage folgende Petition überreicht:
Wir unterzeichnete deutsche Männer treten in Ehrerbietung vor den hohen Reichstag und bitten dringend, ungesäumt Gesetze anzubahnen und zu erlassen, welche 1) alle Sonntagsarbeit in Werkstätten und Fabriken, außer wo, tote bei Hochösen, das Feuer nicht ausgehen darf, bei Bauten und auf dem Felde, alles Abhalten von Jahrmärkten, Pferderennen rc., so wie allen Güterverkehr auf den Eisenbahnen an Sonn- und Festtagen allgemeiner Christenheit durchaus und bet Strafe verbieten; auf den letzteren auch den Personenverkehr der Sonntage auf einen Post- und Personenzug beschränken, diesen aber auch an den fünf hohen Festtagen (Charfreitag, erstem Weihnachtstag, erstem Ostertag, erstem Pfingsttag und dem hoffentlich bald einzuführenden allgemeinen deutschen Buß- und Bettage) gänzlich ruhen zu lassen. Motive: Unser Volksleben bedarf dringend der Neu- besefiigung und Beschützung seiner religiöS'sittlichen Grundlagen. Die arbeitenden Claffen, namentlich auch die Eisenbahnbeamten, bedürfen dringend des SonntagS- schutzes. — 2) Gesetze, welche im Zusammenhänge mit Vorstehendem verordnen, daß an allen Samstagen die Arbeit in den Fabriken um 6 Uhr, und an den Vorabenden der fünf hohen Festtage spätestens um 5 Uhr aufhöre. — 3) Gesetze, welche die Nachtarbeit in den Fabriken von 9 Uhr Abends bis 5 Uhr Morgens verbieten, sowie den Nachtbetrieb der Eisenbahnen möglichst einschränken.
4) Gesltze, welche die Arbeitszeit am Tage in den Fabriken auf das Maximum von 12, noch besser von 11 Stunden beschränken, so wie den weiblichen und jugendlichen Arbeitskräften angemessenen Schutz angedeihen lassen. — 5) Reichs- Inspektoren zum Schutze der arbeitenden Claffen anzustellen, welche die Durchführung und stricte Beobachtung dieser Gesetze zu übernehmen haben.
Berlin, 20. April. Im Reichstage werden die Jesuiten-Petitionen schwerlich vor den letzten Tagen dieses Monats auf die Tagesordnung kommen. Augen- blicklich ist die Angelegenheit in den Händen des Korreferenten Grimm (konservativ) und wirb erst in der nächsten Woche dem Referenten Dr. Gneist unterbreitet werden. _ , _
Berlin, 21. April. Der vielbesprochene Strafantrag des Domherrn Koz- mian gegen die „Nordd. Allg. Ztg." ist nach der „Kr.-Z." von der Staats- anwaltschaft wegen mangelnden öffentlichen Interesses zurückgewiesen worden. Es bleibt zu erwarten, ob Herr Kozmian, wie die „Germania" wiederholt angekündigt hat, nunmehr den Jnjurienprozeß anstrengen wird.
Potsdam, 23. April. Die Kronprinzessin ist gestern Abend von einer Prinzessin leicht und glücklich entbunden worden.
Stuttgart, 23. April. Staatsrath Sigel, Vorstand der ForstdirecNon, ist an einem Schlaganfall gestorben. — Königin Olga verläßt am 5. Mai Livadia, um über Konstantinopel, Athen und Brindisi die Heimreise, anzutreten.
Stuttgart, 23. April. Ein königliches Reskript verlängert den Landtag
abermals bis zum 27. d. M. inclusive. Der Abg. Lothar Weber (Forchheim), der patriotischen Partei angehörig, ist heute Nacht gestorben.
München, 23. April. Abgeordnetenkammer. Der Landtag ist bis zum 27. April einschließlich verlängert. Der Voranschlag der Staatseinnahmen aus den direkten Stemrn wurde nach den Ausschußanträgen festgesetzt und verschiedene Eisenbahnbaugciuche der Staatsregierung empfohlen.
Ans Elsaß-Lothringen wird der „Bad. L.-Z." vom 19. April geschrieben: Als Elsoß-Lothrrngen an Deutschland abgetreten wurde, da wollten Manche das neue Reichsland auch mit einem entsprechenden Theil der alten Reichsschuld belasten, Fürst Bismarck aber, der uns immer so wohlwollend behandelt, sagte Nein, und so sind wir das einzige Land in Europa, des keinen Groschen Schulden, ja sogar beträchtliche Ueberschüffe hat, die vollständig verfügbar sind und mit denen man sehr viel Nützliches und Gutes vollbringen kann. Wir wollen nur andeuten, daß cs sich sehr empfehlen würde, z. B. die Abgaben um 20 oder 25 Procent herabzusetzen, denn Elsaß trägt weit mehr ein, als es selbst braucht und der Stimmung zu Gunsten Deutschlands könnte es auch nichts schaden, wenn die Steuerschraube weniger angezogen würde. Dann könnte man den Lehrern und Lehrerinnen ausbessern, so daß erstere doch wenigstens 1O0O Fr. und letztere 7OO Fr. Einkommen hätten. Ferner wäre es dringend nothwendig, die Gehalte der Geistlichen aller Bekenntnisse zum Wenigsten um 50 pCt. zu erhöhen; denn die Besoldungen dieser Herren tragen in Frankreich kaum so viel Franken ein, als in Deutschland Thaler und Gulden, und doch ist es hier weit theurer zu leben, als jenseits des Rheins. Man schämt sich, es zu sagen, daß die katholtschen Pfarrer nur 800 Fr. und die evangelischen 1600 Fr. und daß sie also kaum so viel Besoldung haben, als ein Bahnwärter. Durch die Aufbesserung dieser beiden so einflußreichen Stände geschähe sehr viel zur Hebung und Belebung deutschen Sinnes. Man probire es doch einmal mit diesen drei vorgeschlagenen Maßregeln, und bald wird man die guten Früchte derselben verspüren.
Metz, 16. April. Heute wurde das von dem 8. ostpreußischen Infanterie- regiment Nr. 45 seinen bei Aubigny Gefallenen gewidmete Denkmal unter den üblichen Feierlichkeiten eingeweiht.
Oesterreich.
Wien, 20. April. Das Tagblatt schreibt: Das .Vaterland" ist heute aus derzeit noch unbekannten Gründen confiscirt worden. Wenn wir vielleicht einmal ein noch liberaleres Ministerium bekommen, als das jetzige, dann werden
wahrscheinlich in Wien gar keine Blätter mehr ausgegeben werden können.
Wien, 21. April. Der Präsident des ungarischen Abgeordnetenhauses, Somssich, hat in der letzten Sitzung dieses Hauses am 15. ds. eine fast einstündige Schlußrede gehalten, in welcher er insbesondere das Verhalten der Linken einer scharfen, ober wohlverdienten Kritik unterzog. Diese hat allgemein guten Eindruck gemacht, nicht so eine Stelle am Schluffe über äußere Politik, die er einflechten zu sollen glaubte. Er sprach von dem Kriege der Jahre 1870 und 1871 und gab bei dieser Gelegenheit seinen Sympathien für Frankreich unverhohlenen Ausdruck. „Bei Beginn unserer Thätigkeit — so sagte er nach dem stenographischen Protokoll — brach ein ungeahnter Sturm los und nach kurzer Zeit sahen wir jene Macht zertreten und von KriegScontributionen und Beute geschwächt, die, ein Jahrhundert lang zwischen den Extremen der absoluten Gewalt und der unbeschränkten Freiheit hin- und hergeschleudert, unter allen Verhältnissen für die erste


